Archiv für August 2007

St. Louis

August 31, 2007

St. Louis ist das Venedig von Westafrika. Die Altstadt liegt auf einer Insel im Fluss Senegal und besteht aus anständigen Kolonialbauten und auch Neubauten werden gemauert und sind nicht wie anderswo von Wellblechwänden umgeben. Es war die Hauptstadt der französischen Kolonie Senegal, bevor Dakar Zentrum der ganzen Region wurde.
Es ist recht touristisch hier. Im Restaurant spielen schon mal Strassenmusikanten auf, die gleich noch für ihr Konzert Werbung machen. Wir haben bereits gestern unsere Stammbeiz gefunden. Es ist ein einfaches, günstiges Lokal mit gutem einheimischen Essen. Das bedeutet meist leicht scharfen Reis mit irgendeinem Fleisch. Der Junge von dort hat mir einen Friseur gezeigt, jetzt habe ich absolute Hutpflicht bei Sonne. Ich war noch kaum je so glatt rasiert (im Gesicht – auf dem Schädel hab ich noch welche), dafür war es ein rechtes Massacker. Ich sah ziemlich verschlagen aus, als ich wieder zum Hotel kam.

Fähre

Gegen Abend gingen wir auf die Halbinsel davor, wo es ein recht urtümliches Fischerdorf gibt. Die Fischer halten sich dort auch Pelikane mit gestutzten Flügeln, die vorallem von Kindern verspiesen werden. Es war einiges los, viel Musik und Leute in den Strassen. Einer von den Fischern brachte uns zum „Spiel des falschen Löwen.“ Starke Männer und Frauen tanzen als Löwen geschminkt und verkleidet, singen und necken die Bevölckerung. Jeder muss Eitritt bezahlen, wer nicht kann wird bei einem Kessel mit Wasser fest gehalten, nass gespritzt und geschlagen, bis jemand für ihn bezahlt. Bei den Männern von der Herberge konnte ich dann in Erfahrung bringen, dass dieses Spektakel zwar eine alte Tradition ist, aber ohne jeglichen spirituellen oder religiösen Hintergrund. Es gehe nur um Vergnügen und Geld und findet vorallem während den Ferien statt.

Spektakel

Morgen versuchen wir wohl nochmal zur Zebrabar zu fahren, um einen weiteren Nationalpark zu besuchen, bevor wir uns ins Getümmel von Dakar stürzen.

Touba

August 30, 2007

Nach der Grenze ging es dann in den üblichen Sept-Place Sammeltaxis weiter. Gegen elf waren wir in Kaolak und dort zum Busbahnhof für Touba. Neben uns war erst ein weiterer Kunde für Touba am warten. Wir beschliessen etwas zu essen und dann zu fahren, was bedeutet hat, dass wir zu viert alle sieben Plätze bezahlen mussten, um nicht zu warten bis es ganz voll ist. Trotzdem wollten die noch Geld für das Gepäck. Das konnten wir ihnen dann zwar ausreden, aber irgendwie waren wir dann doch zu acht im Wagen und Geld zurück gabs sebstverständlich nicht. Der Fahrer fuhr dann noch trotz ettlichen Hinweisen und Versuchen ihn zu stoppen so weit an unserem Hotel vorbei, so dass wir wieder ein Taxi retour brauchten – recht ärgerlich aber alltag.
Das staatliche Hotel hingegen war ziemlich der Hammer. Die Bettanzüge waren wie Leopardenfell gemustert, die Wände rosa, die Decke mit Samt bezogen und es hatte sogar eine Lampe direkt über dem einen Bett mit roter Birne.
Heute haben wir dann Touba besucht, die heiligste Stätte der hier mächtigen Mouriden. Alles was ich über die herausfinden konnte ist, dass ihr Begründer nur gearbeitet habe, ohne zu schlafen. Arbeit sei sehr wichtig für sie. Auf jeden Fall ist er und seine ganze Verwandtschaft in Touba begraben und sein Sohn der aktuelle Führer der Mouriden. Wir fuhren in einem Pickup mit Bänken hinten drin hin, ein paar kleine Mädchen haben uns vor dem doppelten Preis gerettet, ich habe mein Rückgeld aber nicht mehr gesehen. Je näher man der grossen Moschee kommt, umso konservativer wird die Kleidung. Wir gingen dann erst Geld wechseln, der Banker gab uns einen Zettel mit der Telefonnummer von der Polizei mit, es sei sehr gefährlich hier. Polizei sieht man jedoch keine, Militärs auch nicht – hier regieren die Mouriden und geraucht oder getrunken wird auch nicht. Ausserdem ist Donnerstag und Freitag schulfrei, was sich in Unmengen bettelnder Kinder zeigt. Ein Teil der Einheimischen grüsst Weisse mit „bonjour, ça và?“, der andere mit „donne moi argent!“
Die Moschee durften die beiden Frauen trotz Kopftuch erst nicht betretten, ein Rock musste her. Begleitet von einer Horde Koranschülern gingen wir zum Markt. Erst sollte es eine ganze 12-Meter Rolle Stoff werden, wir kamen dann mit zweimal anderthalb meter zurück und wurden herzlichst willkommen geheissen. Die Moschee ist zugleich Grabstädte, in marokanischem Stil aus rosa Marmor aus Spanien und weissem aus Italien gebaut und ein recht eindrücklicher Bau mit mehreren Kuppeln und fünf Minaretten. Zum Schluss wollte der Führer natürlich noch ganz einen Haufen Geld (ungefähr die Miete eines Bungalows), wir gaben ihm die Hälfte, ein weiterer Begleiter hat nochmal einen Drittel davon gekriegt und wir haben uns aus dem Staub gemacht.

Moschee von Touba

Nach einem feinen, traditionellen Essen direkt am Busbahnhof für einen Stutz und einer weiteren, zähen Runde Gepäckpreis-Verhandlungen fuhren wir weiter Richtung St. Louis. Es hat rein geregnet. Der Fahrer war zwar recht grimmig, hat uns aber Erdnüsse angeboten und herzlichst verabschiedet, als wir irgendwo in der Pampa ein Schild zur Zebrabar, einem Camp am Strand 20km südlich von St. Louis, gesehen haben und aussteigen wollten. Wir dachten wir wären in Bandiol. Statt dem erwarteten 2km Spaziergang wäre es eine überteuerte 16km Taxifahrt geworden und wir waren gezwungen doch nach St. Louis rein zu fahren, wo wir in der Jugendherberge einen vernünftigen Preis für zwei Nächte aushandeln konnten.

Georgetown

August 30, 2007

In Bakau wollten wir noch Geld wechseln, aber weder die Wechselstube noch die Bank konnte bzw. wollte uns weiter helfen… Dann sucht man sich halt einen Händler der Euros akkzeptiert und zahlt ein Joghurt mit einem viel zu grossen Schein ;-)
Gerade als wir fertig gepack hatten, holte uns die Regenzeit wieder ein. Immerhin hielt der Schauer nicht lange und wir konnten einigermassen zeitig starten. Auf der Fähre wollten sie uns noch zwei extra Tickets wegen dem Gepäck andrehen, gab aber nur eine kurze Diskussion. Auf der folgenden Fahrt habe ich mehr Polizeikontrollen passiert, als in meinem ganzen Leben bis dahin. Die meisten wollten nur den Pass sehen, wobei kaum einer den Gambia-Stempel selber gefunden hat. Für den Letzten mussten wir dann noch die Rucksäcke öffne. Es war dunkel, als wir in Georgetown angekommen sind. Ein paar Jungs haben uns zu einem sauteuren Camp gebracht, schlussendlich sind wir beim geplanten Camp gleich daneben gelandet und haben feine Afro-Spaghetti gegessen. Nachdem die Birne gewechselt worden war, gab es sogar Licht in der Dusche – man musste einfach genug auf den Schalter klopfen.
Die Nacht war dann weniger toll. Ich habe zwar weder die bellenden Hunde vor dem Fenster noch die Mücken und Milben bemerkt, aber die Mädchen waren alles andere als begeistert. Als wir Frühstück suchen gingen haben uns die Jungs schon erwartet und wurden immer mehr und immer weniger freundlich. „Wir sind von Georgetown, wir sind reich und wollen gar nichts von euch!“ – trotzdem sind sie uns eine ganze Weile gefolgt und weiter gings mit „Ich kenne Engländer, die sind nicht freundlich – ihr habt die gleiche Farbe und seid böse Menschen!“
Also haben wir uns dann vom Hotel aus ein Boot besorgt, mit dem Ziel Nilpferde zu sehen. Die Verhandlungen waren zäh, aber wir konnten es etwas unter dem Preis aus dem Reiseführer haben. Unterdessen regnete es wieder – aber „no problem, dont worry“ das Schiff hatte ein Tuchdach. Nur Minuten später fuhren wir in einem Boot, das die angeblich benötigten 60 Liter Treibstoff kaum fassen konnte auf dem wunderschönen Fluss Gambia, Schutz suchend in der Mitte des Boots zusammen gepfercht, das Regenwasser überall. Es lief einem innen am Hosenbein runter als ob man in die Hose gemacht hätte, nur kalt. Die Begleiter hatten nichts besseres zu tun als uns zu versichern es höre gleiche auf und werde sicher nicht stärker. Es wurde stärker und hat uns die ganze dreistündige Fahrt begleitet. Es war mein Waschtag, es ist heute noch alles nass. Immerhin haben wir ein paar Hippos gesehen, aber soweit weg dass ich trotz 400er kein Foto geschosse habe.
Im Hotel war immer jemand Tee kochen und wir wurden eifrig eingeladen. Hier wird Grüntee extrem stark noch extremer gesüsst getrunken. Das Kraut wird dreimal aufgekocht und der Tee schmeckt jedes Mal etwas schwächer. Mit Internet wurde es dort nichts – der Reperateur aus dem 10km entfernten Bansang hat es wohl immer noch nicht bis nach Georgetown geschafft.
Bevor wir am nächsten Tag zurück nach Senegal wollten, versuchten wir in Georgetown Fussball-Leibchen für Hannahs Freunde auf zu treiben. Stattdessen haben wir ein Sklavenhaus, dessen Echtheit umstritten ist besucht. Insbesondere Touristen aus ehemaligen Kolonialreichen lassen dort imense Donationen liegen, die dem Schmuck des Wärters an wohl nicht alle zum Erhalt der Denkmäler verwendet werden. Zurück im Hotel gab es einen süss-sauer-salzigen Brei aus Reis, Milch und Erdnüssen zum Frühstück. War zwar speziell, aber eigentlich ganz fein. Es hat uns dann ein Südafrikaner in die Grenzstadt Farafenni mit genommen. Er hat erst laut mit seinem Fahrer diskutiert, der hat dann etwas geschmollt und dann konnten wir gratis mit reiten. Als wir auf die Fähre warteten trug uns der eine Junge vom Hotel noch ein paar Fetzen aus dem Abfall nach, die wir eigentlich nicht mehr wollten und fragte uns mehrmals ob wir nun alles hätten, wir sollten dies doch gleich kontrollieren. Es war recht seltsam und am Abend wurde uns dann klar, was liegen blieb: neuer Bestand minus ein Handy. Wieder gab es endlos viele Kontrollen, die Freude über jede, die nicht bestochen werden musste war gross.
Bei der letzten Kontrolle haben wir dann unser Gepäck gelassen und uns von einem Zöllner ein Restaurant zeigen lassen. Auch hier fanden wir keine roten Fussballleibchen der Scorpions, der Nationalmannschaft von Gambia. Dafür habe ich jetzt eine Taschenlampe, Kopfhörer und immer noch jede Menge Dalasi (Währung von Gambia). Taschenlampe hatte ich noch immer dabei und nie gebraucht, also habe ich sie diesesmal zu hause gelassen. Aber Afrika ist anders. Die Kopfhörer sind unterste Schublade, ich versuche mit guter Musik dagegen an zu kämpfen. Beim Grenzposten war nun keiner der Schürzenjäger mehr und der Uniformierte wollte uns das Gepäck nicht wieder geben. Zum Glück kam dann einer im Fussballdress und liess uns rein.

Cleaning-Day

August 26, 2007

Gestern war in ganz Gambia Cleaning-Day, ein monatlicher nationaler Feiertag. So ruhig hab ich Afrika noch nie gesehen. Kaum ein Geschäft offen, alle ein bisschen am Wischen und am Strand haben sie die über Tage hingeschmissenen Fische vergraben. Verkehr gab es kaum, wir waren erst am Strand und dann habe ich den ganzen Nachmittag verschlafen.
Abends gingen wir dann aus, wörtlich in den heissesten Clubs die ich kenne 8-) Um hin zu kommen mussten wir ettliche Polizeikontrollen passieren, die alle nur auf Schmiergeld aus sind. Erst bei der letzten Kontrolle auf der Rückfahrt verlohr dann unser Fahrer seinen Ausweis, weil wir zu viert hinten drin waren. Er musste dann zurück um den Handel ab zu schliessen…
Heute müssen wir wohl noch einen nach Deutschland ausgewanderten Gambianer auf Urlaub in der Heimat an einer Beachparty verabschieden („wir Deutschen saufen ja auch viel, aber dieser andere aus Ruanda …“) und so kommen wir wohl erst morgen weg von hier. Überhaupt gibt es in unserem Hotel viele afrikanische Touristen, die eigentlich in Europa leben. Auf jeden Fall ist es ein amüsanter Haufen hier ;-)

Abuko National Park

August 24, 2007

Da die meisten Touristen gerne ein Vielfaches für ein privates Touristentaxi hinlegen, das genauso wie die von den Einheimischen bevorzugten Sammeltaxis im Stau stecken bleibt, haben die Fahrer keine Ahnung wo die Eingänge der Reservate sind und lassen einem dann irgendwo in der Pampa raus und weisen einem im besten Fall noch in eine komplett falsche Richtung.
Gestern waren wir im Vogelreservat bei Tanji. Bei Tümpeln gleich am Meer trinken viele Vögel. Der Weg dorthin führt durch Gestrüpp bis zu den Hüften, zurück gingen wir dann am Strand entlang bis zum nächsten Fischerdorf. Heute gingen wir in den Nationalpark bei Abuko. Den Eingang haben sie auch hier erst beim zweiten Anlauf getroffen. Da wir gestern abgesehen von den vielen Möven die meisten Vögel nur gehört hatten, haben wir uns heute einen Führer gegönnt. Er konnte uns neben Vögeln noch ein paar weitere Verdächtigen wie Affen, Schmetterlinge und Echsen zeigen und ein wenig über Kultur sprechen konnte man mit ihm auch noch. Natürlich wollte er wissen ob wir (ja, alle drei) verheiratet seien. Das dies bei uns nicht drin liegt, fand er recht amüsant und sein Chef hatte grosse Freude an Lena, weil sie die erste Polin ist, die er je gesehen hat. Er war während dem Weltcup für Polen. Neben den freien gibts auch ein paar Viecher in eher erbährmlichen Gehegen, zum Schutz vor Wilderern und zur Wiedereingliederung aus Gefangenschaft befreiter Tiere. Dort gab es auch Hyänen und die grinsen nach Hannah genau so wie in Lion King.
Im Anschluss wollten wir dann in der Lamin Lodge essen gehen. Das ist ein im Fluss auf Stelzen gebautes Restaurant, wunderschön gelegen, einen halbstündigen Spaziergang vom Dorf Lamin weg. Laut Reiseführern eines der beliebtesten Ausflugsziele in Gambia überhaupt, mit guter Küche … Wir sind hell begeistert angekommen und sehr ernüchtert geflüchtet – ohne die lange ersehnte Kanufahrt. Die verwöhnten Affen dort sind recht aggressiv, klauen Essen und Getränkeflaschen und verhindern jedes bisschen Entspannung. Auf die dürftigen, mässig feinen und touristisch teuren Sandwiches und Tagesmenüs mussten wir gut eine Stunde warten. Morgen oder Übermorgen fahren wir in den Osten, je nach dem wie wir den Transport organisieren können.

Bakau

August 23, 2007

Uns gefällts nach wie vor hier in Bakau. Vom Balkon aus sieht man direkt auf den Strand. Im Gegensatz zu den touristischen Stränden weiter unten wird man hier einigermassen in Ruhe gelassen. Die Einheimischen rennen am Strand entlang, spielen Fussball oder fischen. Von aussen sieht das Hotel zwar recht baufällig aus, aber innen ist es schön, mit einem guten Restaurant und anzüglichen, geschnitzten Statuen, wie sie bei uns undenkbar wären.
Ich konnte ein weiteres Visum für Senegal machen lassen. In allen Reiseführern steht, dass dies rund 24 Stunden dauere. An der Botschaft hängt ein Zettel, man könne Visa nur Montags und Mittwochs machen lassen, ich war Dienstags dort. Ich war dann doch so unanständig und habe nachgefragt. Siehe da, es geht doch jeden Tag aber dauert dann deren drei. Dafür hat es mich einen Zehntel dessen gekostet, was in der Schweiz. Zurück aus der Stadt kam ich in einem mit Weihnachtsbaumschmuck verzierten Taxi. Ein kleines Kind hat mich die halbe Fahrt über angegrinst und dann plötzlich zu schreien begonnen.
Ganz in der Nähe gibt es einen botanischen Garten, mit extrem vielen Stechmücken. Ich hatte dank langen Hosen keine Probleme, aber die Mädels haben es nicht sehr lange ausgehalten, da wir kein Spray dabei hatten. Neben Pflanzen mit farbig gefleckten Blättern gibt es dort viele Schmetterlinge und ein paar schöne blaue Vögel. Ausserdem ist etwas weiter im Ort einen Krokodil-Teich. Die Krokodile zu berühren helfe für und gegen alles. Der angebliche Sohn des Häuptlings des Dorfes hat uns dort hin geführt. Wir mussten dann noch bei ihm zuhause ein Catfish-Gericht essen, was wie Katzenfutter gerochen hat und immerhin genug scharf war, dass rd problemlos runter ging und meine Verstopfung bin ich auch los ;-) Wieder beim Hotel hat er mich dann für Geld gefragt, um sich irgendeine Salbe gegen Fusspilz zu kaufen. Erst habe ich mich gefragt, warum man gerade in Gambia so oft „Live is so hard in Africa, you know“ und Ähnliches hört, aber vielleicht ist es hier besser als rundum, weil solche Geschichten derart gängig sind. Besonders Dreiste erklähren einem, dass gerade solche Belästigungen ein grosses Problem in Afrika seien, während sie einem was auftischen … Auf jeden Fall schlägt sich die verhältnismässig hohe Alphabetenquote von 37% in vielen Book-Shops nieder.
Gestern war dann Künstlertag und alle haben uns für irgendwelche Farbe zum Malen oder Felle für Trommeln angebettelt. Wir sind zum Bijilo Wald Reservat gefahren, hier besser bekannt als Monkey-Park. So wie dieser Palmenwald hat früher die ganze Küste von Gambia ausgesehen. Gleich beim Eingang wird einem ein kostenloser Guide verpasst und hat es ein Schild, dass man die Affen nicht füttern soll, weil sie seither aggressiv dem Stand entlang von Hotel zu Hotel ziehen. Aber nicht einmal die offiziellen Guides scheren sich darum. Dafür sind die Äffchen recht zahm und man sieht ihre Kleinen beim Spielen. Die grössere Sorte Affen hingegen hat Angst vor Menschen. Vögel haben wir auch wieder ein paar gesehen. Heute gegen Abend wollen wir noch ein Vogel Reservat besuchen und morgen einen Nationalpark, dann fahren wir dem Gambia-Fluss nach Land einwärts.

Banjul

August 20, 2007

Wir haben uns entschieden, in Yoff, gleich neben dem Flughafen von Dakar, einen Ruhetag einzulegen. Yoff war früher ein Fischerdorf, heute ein Vorort von Dakar mit sieben Quartieren und demzufolge sieben Moscheen, von deren Minaretten rund um die Uhr um die Wette gebetet wird. Zusammen mit dem Fluglärm etwas gewöhnungsbedürftig. Die Leute waren lange animistisch und leben nachwievor in einer engen Gemeinschaft, fischen und essen zusammen. Überhaupt sehen alle nach allen Kindern. Im Flugzeug zum Beispiel hat eine Mutter ihren Säugling einfach dem Sitznachbarn in die Hand gedrückt und der hat dann mit ihm gespielt, während sie weg war. Der kleinere Sohn vom Hotelbesitzer wollte am Morgen von Allen in den Arm genommen werden und die Kinder am Strand wollten alle unbedingt fotografiert werden. Abends war dort viel los, wurde Fussball gespielt (mit Ausdehnen) und gemeinsam mit einem riesigen Netz gefischt. Ich bin mir ein wenig wie im Kino vorgekommen, wie wir da so in aller Ruhe durch die Fischenden und Spielenden gehen konnten. Ansonsten war es sehr gemütlich, am Strand wurde man höchstens von Ziegen belästigt und am Abend hat sich der Hausherr extra verkleidet um uns das Hühnchen an traditioneller Sauce auf dem Dach zu servieren. Perfekt bis auf die Baustrahler-Beleuchtung. Ach ja, und der Umgang mit Tieren war auch recht rauh. Hannah war ganz entsetzt, wie das streunende Kätzchen am Schwanz ausquartiert wurde. Rochen wurde einfach der Stachel ausgerissen und dann am Strand liegen gelassen, wo sie über Minuten verendeten … Und zum Schluss habe ich zur Belustigung der Beiden noch den Schlüssel mit gehen lassen, was mir wegen der Freundlichkeit der Herberge überhaupt nicht recht ist. Aber der geht nun auf die Post.
Am nächsten Morgen fuhren wir erst durch die sandigen Strassen Dakars zum Busbahnhof. Da wird im Stau Gedrängelt und über Trottoirs überholt, dass es eine wahre Freude war. Dann mit einem sogenannten Buschtaxi, einem Peugot-Bus mit fünfer-Sitzreihen, der Küste entlang in den Süden. Manche haben auch noch Musiker an Bord und man sieht immer wieder welche auf dem Rücken neben der Strasse. Ich wusste nicht recht ob es mich beunruhigen sollte, dass niemand den Ambulanzen ernsthaft Platz lassen wollte oder ob ich froh sein sollte, dass es überhaupt welche gibt. Es hat Stunden gedauert, bis wir zum Stau raus waren. Dann stiegen wir um. Diesesmal in ein siebenplätziges Taxi. Langsam haben wir begriffen, dass man am besten ein bisschen mit Fahrern aller möglichen Gefährten spricht. Dann purzlen die Preise; die Rucksäcke kommen dann meist gratis mit.
Im Fischerdort Joal wollten wir einen Fähremann finden, der uns nach Banjul bringt. Ein erster war nur teils begeistert und hat gemeint, er könne uns ein Dort weiter bringen, von dort aus gebe es dann welche, die das arrangieren können. Das war uns etwas zu vage. Wir waren schon wieder Richtung Bus unterwegs, da wurden wir nocheinmal eingeholt – es gebe noch einen Kapitäne der das vielleicht mache. Wir sollten auf ihn warten. Der hat dann einen riesigen Braten gerochen und wollte rund 500 Stutz für die vier Stunden Boot fahren. Da haben wir den beleidigten Fischern definitiv den Rücken zu gewandt und sind mit dem Bus wieder etwas hoch gefahren, einmal umgestiegen und dann in der katholischen Mission von Kaolak geblieben. Die wollten uns erst sauteure Einzelzimmer andrehen, die Massenlager wären besetzt. Dann hat sich der Eine erinnert, dass im einen Massenlager nur ein Bett besetzt war. Der Schwarze wurde kurzerhand in das andere Massenlager voller Pfadfinder verlegt und wir haben so ein Dreierzimmer mit vielleicht zehn Betten zum Preis von einem Einzelzimmer erhalten. Da gab es stechende Fliegen, so ramponiert waren wie an dem Morgen waren wir noch nie. Der Markt von Kaolak ist nach Marrakesh grösste überdachte. Wegen Sonntag war er nicht sehr geschäftig, aber immerhin gabs einen Nakten, der Kehricht rum gekickt hat :-)
Wir fuhren dann weiter, wobei uns ein wahrscheinlich lieber, katholischer Offizier auf Urlaub zum Busbahnhof begleitet hat. Er war alles andere als geschickt im Verhandeln. Irgendwo ist dann noch ein Fünfliber versickert, den ich irgendwann bezahlt habe weil es mir zu dumm wurde … Dafür war die Fahrt toll. Laut dem Reiseführer gibt es dort eine sehr gute Strasse. Sie war aber so schlecht, dass sie alle Fahrer nur im Notfall überhaupt mit der einen Seite befahren haben. Was die Zöllner in Dakar falsch gemacht haben, konnten die an der Grenze zu Gambia wieder wett machen. Die konnten uns Auskunft über den Nationalpark dort geben und haben mich von sich aus freundlich auf die Visa-Regelungen aufmerksam gemacht. Die von Gambia wollten ein wenig wissen was in den Rucksäcken ist, dann gings vorbei an einem Käfig vorbei zur Passkontrolle.
In Gambia mussten wir wieder etwas Taxi fahren, dann eine Fähre von Barra nach Banjul und dort nach einem Imbiss im mauretanischen Alles Kllar zu einer Herberge. Wasser tröpfelt nur abends aus den Hahnen, dafür ist Banjul so sauber, dass man sich kaum dafür hält den Abfall auf die Strasse zu werfen. Zum Glück gibt es hier sogar Kehrichtkübel! Viele Leute wollen einem helfen und wenn man sich erstmal helfen lässt, wird man begleitet bis zum bitteren Ende. Manchmal wollen sie einem dann halt ihren Souveniershop zeigen. Hartnäckig aber bis jetzt noch nie ernsthaft lästig. Die Kinder schreien „Toubab, Toubab“ sobald sie uns entdecken, kichern, rennen einem nach, strecken die Hand hin oder versuchen einen schnell zu berühren.
Als erstes wollte ich mal wieder Wasser kaufen gehen, was es bekanntlich etwas in sich hat. Von der einheimischen Währung Dalasi hatten wir noch nichts, wobei sich im Nachhinein herausgestellt hat, dass der Kurs an der Grenze etwa 7% besser gewesen wäre. Auf jeden Fall hab ich erst vergeblich einen Bancomaten gesucht und als ersten Verfolger einen angeblichen Polizisten aufgelesen. Die Läden akkzeptieren zum Glück auch francs CFA, die Währung fast aller restlichen Länder Westafrikas, und so ging es mit zehn halbliter Säckchen Wassr zurück, Richtung Feuerwache. Dummerweise konnte ich an dem tollen, alten Löschfahrzeug von Land-Rover nicht vorbei gehen. Ich musste dann erst das Telefon ansehen, über das die monatlich rund fünf Notrufe rein kommen und mir dann das komplette neue Fahrzeug erklähren lassen. Zum Schluss wurde ich dann für irgendeiner Spende gefragt und hätte mich in ihrem Gästebuch für den Jahresreport eintragen können. Ich habe es dann meinem ersten Verfolger gleich getan und mich aus dem Staub gemacht ;-) Zurück im Hotel haben sich die Beiden schon lange gefragt wo ich so lange stecken und Wasser hatten sie natürlich auch schon lange … Gegen Mitternacht kam dann noch der Wächter vom Hote und wollte den Schlüssel umtauschen, weil unserer die falsche Nummer hatte. Immerhin ging dann der Richtige auch.
Heute konnten wir dann Geld wechseln. Die Banken waren zu langsam und teuer, die Einheimischen haben es nicht geschafft und so mussten halt wiedermal die Mauren her. Die scheinen hier alles zu kontrollieren und nach eisigen Verhandlungen ging das ganz gut. Dann haben wir das Nationalmuseum und den Markt besucht. Das Museum sei für Afrika ganz in Ordnung, meinten sie. Es hat Fotos, Masken, Gegenstände und Instrumente aus allen Epochen. Einfach etwas chaotisch, dafür führt einem das nette Personal etwas rum. Auf dem Markt hatten wir natürlich gleich wieder Begleitung von einem Ladenbesitzer, bis der dann von einem angeblichen Sicherheitsverantwortlichen verjagt und abgelöst wurde. Lena hat sich noch ein überteuertes Shampoo andrehen lassen, das erst der Chef wieder zurück nahm und so haben wir dann eines mit Preis aus dem Supermarkt geholt.
Um fünf mussten wir unser Gepäck aus dem Hotel holen, sonst wollte der mehr Geld haben. Banjul ist zwar die Hauptstadt, aber Serrekunda dahinter die eigentliche Metropole. Wir wollten mit einem Bus weiter nach Bakau fahren, um dort ein paar Nächte zu bleiben und die Region zu erkunden. Der Bus wird aber derart überfallen dass die von drinnen kaum raus kommen – geschweige denn wir rein. Schliesslich haben wir mit einer reichen Dame ein Taxi geteilt. Hier am Strand von Bakau sind wir in einem wunderbaren Hotel abgestiegen, haben einen Balkon mit Sicht auf den Fischmarkt am Strand, Restaurant und alles. Kostet dank gutem Preis sogar eher weniger als in den günstigsten Absteigen der Nachbarländer. Und den Mädchen hat das Zimmer derart gefallen, dass es nichts mehr zu diskutieren gab ;-)

Bobo-Dakar

August 17, 2007

Unser Plan war mit den 8 Uhr Bus nach Bamako zu fahren, um noch am Abend die Tickets für den Zug nach Dakar zu kaufen. Der fährt je nach Quelle zwei bis drei Mal die Woche, Dienstag Morgen sollte angeblich einer fahren. Der 8 Uhr Bus war aber schon voll, wir haben aber um 13.30 Uhr den 10 Uhr Bus erwischt. Das Warten war halb so schlimm, da wir von Diskussionen mit ein paar grimmig blickende Gepäckträgern bestens unterhalten wurden. Sie wollten unbedingt einen Fünfliber pro Rucksack, den sie in den Bus gelegt hatten – ansonsten würde der Bus nicht fahren, sie unser Gepäck wieder ausladen und und und … Die Weicheren liessen sich mit dem Frage ob das nur sei weil wir weiss sind abspeisen, der härteste Brocken hat uns demonstriert, wie er auch Malier ausnimmt (nur um die Hälfte, aber immerhin) und uns erst in Ruhe gelassen, nachdem ich zum Schalter gegangen bin. Ansonsten war Burkina recht entspannt. Zwar hat zum Beispiel eine Frau für vier Bananen etwa einen Franken haben wollen, aber mit Kopfschütteln und einer 25-Rappen-Münze war es erledigt. Ausserdem sind sie recht humorvoll: als ich im Hotel zum ersten Mal einen Witz verstanden habe und lachen musste schrie der Bäcker sofort „Ahhh le premier sourire de Vladimir Putin!“ oder im Internetkaffee „une heure s’il vous plait“ – „ça me plait.“
Auf jeden Fall hatten wir einen Bus, sammt unserem Gep&aum;ck und einer halben Brockenstube. Der Streichelzoo ist zum Glück an der Haltestelle geblieben. Laufend stiegen noch Passagiere zu, bis wirklich kein Platz mehr frei war. Beim Überholen musste immer einer die Türe schliesse, weil man die Fenster nicht öffnen konnte. An der Grenze kamen wir zügig vorbei. Bei Einbruch der Dunkelheit hat dann der Fahrer nochmal rund einen halben Franken pro Fahrgast eingezogen, um eine Eskorte in Form eines bewaffneten Soldaten zu kaufen. Gegen Elf war es dann soweit. Beide Reifen hinten rechts völlig zerfetzt. Ersatzräder Fehlanzeige. Erst wurde der Bus mit Wagenhebern gehoben und gebetet, dann die Pneus von den Felgen getrennt, ein paar Frauen haben sich wie besoffen über den einen Franzosen lustig gemacht, der die Eskorte nicht bezahlt hatte … bis dann völlig tote Hose war, kein Licht, keine Worte, nichts mehr. Irgendwann zwischen fünf und sechs sprang dann der Motor nach paar Versuchen, inklusive Pumpen durch ein Loch im Boden, wieder an. Der Bus war zwar komplett zugenebelt, aber immerhin hat er sich wieder bewegt. Woher die ganzen Reifen kamen, ist mir nach wie vor völlig schleierhaft.
Ich hatte vom vielen Fächeln langsam einen Tennisarm (obwohl ich den Fächer unterwegs von einer Frau zurück klauen musste). Dann war noch der Yoghurt-Drink der die Frage „Du, glaubste man kann das noch essen?“ gleich selbst mit einem Plopp und einem mittleren Feuerwerk vom Boden bis zur Decke über mehrere Bänke beantwortet hat. Gegen Mittag kamen wir mit rund zwölf Stunden Verspätung in Bamako an. Dort weht ein ganz anderer Wind, Startpreis für ein Taxi bei 30 Franken, Verhandlungen werden mit harten Bandagen geführt. Ein Typ aus Ghana hat die Taxifahrer unterstützt, indem er uns auf Englisch dem Rassismus-Argument den Boden entzogen hat – er liess sich wohl bestens bescheissen. Zum Schluss haben wir einen älteren, gläubigen Fahrer gefunden, der uns für einen Sechstel zum Bahnhof gefahren hat.
Wir waren zwar etwas spät für den Zug, fuhren aber trotz aller Bemühungen ungefragter Guides, uns für irgendeinen Bus zu begeistern, zum Bahnhof. Dort stand dann mit Kreide geschrieben, dass der Zug auf zwei Uhr in der früh am Tag vorher verschoben wurde. Der Zug würde zum nächsten Mal etwa am Samstag, Sonntag oder Montag fahren – halt wenn er wieder vorbei kommt.
Wir brachten uns im Bahnhofsbuffet in Sicherheit. Auf weitere drei bis fünf Tage im Bus hatte niemand besonders Lust, also wollten wir uns beim offiziellen Touristen Büro OMATO nach einem günstigen Flug erkundigen. Auf dem Weg dorthin fanden wir ein Reisebüro, weil wir statt uns an die Karte zu halten uns nach dem Weg erkundigt hatten. Dort wurde uns ein Flug für Freitag nach Banjul (in Gambia), kaum teurer als der Zug nach Dakar in Aussicht gestellt. Bei OMATO sahen wir dann doch noch vorbei, um uns nach dem Verbleib des Guides Pablo zu erkundigen, der die beiden bei ihrem Besuch vordere Woche um mehrere Hundert Euro geprellt hat. Man suche ihn nach wie vor, man werde ihnen das Geld schicken sobald man ihn habe, man habe das schon öfters getan, etc. Der nette Herr fuhr uns dann in seinem Mercedes zum Maison des Jeunes, wo wir zu dritt in einem Massenlager einquartiert wurden. Abgesehen von Zimmern gibts dort fast den ganzen Tag etwas Getrommel, Basketball oder Kampfsport.
Am nächsten morgen war es dann nichts mehr mit dem Flug für Freitag. Er war teurer und nun auch schon am Donnerstag. Dafür haben wir auf dem Blatt mit den Tarifen 30% Studentenrabatt entdeckt, obwohl uns noch am Vortag versichert worden war, sowas gebe es nicht. Somit war der Flug wieder in unserer Reichweite und wir wollten buchen. Bei der Fluggesellschaft erfuhr ich, dass der Flug nach Banjul aber aufgeschlagen hat und somit wollten wir einfach günstig und schnell nach Dakar kommen. Mit meinem Studentenausweis sei es überhaupt kein Problem und würde ich automatisch den Studententarif erhalten – aber alleine war er dann aber doch etwas wenig, deshalb mussten wir erst Bestätigungen von der Uni Wien ausdrucken. Ich wurde wiederum vom Reisebüro zur Fluggesellschaft SLOK Air gefahren, aber da war keiner mehr – wir sollten die Tickets direkt am Flughafen besorgen.
Trotz Taxi mit viertem Gang extra zum den Hang hinunter rollen und Stau kamen wir eine Stunde vor Abflug an. Dort wurden wir vom selben englischsprechenden Typen empfangen, der dann kurz mit seinem Chef sprechen musste. Es gebe ein Problem hat er gmeint, sie hätten nicht sicher gewusst ob wir noch kommen würden und deshalb sei in der Economy Class kein Platz mehr frei. Er habe aber seinem Chef gesagt dass er die volle Verantwortung trage und könne uns ein Angebot machen. Einen Business-Class-Flug für den vollen Economy-Class-Preis. Sehr wiederwillig haben wir zugesagt, da auch die Bambara-Worte des freundlichen Agenten nichts geholfen haben und wir bereits zuviel Zeit verloren hatten. Er wurde nicht durch die Sicherheitskontrolle gelassen und damit hatte die Fluggesellschaft freie Hand. Wir haben die Tickets gekriegt, aber natürlich war noch Platz in der Economy-Class und keiner wollte oder konnte mehr mit uns sprechen. Vielleicht hätten wir sein Englisch nicht verstanden, von Business-Class sei nie die Rede gewesen und überhaupt, so etwas wie Studentenrabatt gebe es gar nie. Diskutieren mit Flughafenpersonal auch zwecklos. Beschissen werden gehört zwar dazu – aber so offen betrogen wie in Mali wurde ich noch nie. Zum Dessert fehlt auch noch mein Kopfhöhrer und die Kordel der Tasche wo er drin war, war nach dem Flug nicht ordentlich zusammen gezogen.
Mali hat es geschafft, es ist das erste Land das ich beim besten Willen nicht empfehlen kann. Die anderen Beiden hatten bereits vorher einschlägige Efahrungen gemacht.
Der Flug hingegen war angenehm. Mit dabei war die U17-Ü2m-Mannschaft von Gambia, die gerade ein Nachwuchsturnier gewonnen hatte. Wir werden in Banjul vielleicht einige wieder sehen.
Der Empfang in Senegal war hundsmiserabel. Die Polizisten haben uns kaum beachtet; „c’est dure avec les visa“ und den Pass auf den Boden vor die Füsse geknallt. Mit den Taxifahrern das gewohnte Spiel: 7000 für Stadtzentrum – nein, wir hatten schon angebote für 4000 – 4500 – nein! – OK, 4000 für dich, 4000 für dich, 4000 für dich – Nein, nein, nein! – OK, 4000 für alle drei. Natürlich kenne er l’Auberge Rouge. Im Zentrum dann die Frage „tu connais làbas?“ und dann grosse Rumfragerei. Er hat sie dann gefunden, aber geschlossen. Dann fuhr er uns zurück zum Flughafen, um den doppelten Preis zu kriegen und dort von einem Oberklassehotel zum nächsten, bis wir dann eines auf unser Niveau runter handeln konnten. Der Hotelier hat die Diferenz zwischen meinem und seinem letzten Gebot beglichen, man hat sich die Hand geschüttelt und gute Nacht gewünscht. Immerhin ist es einigermassen romantisch, direkt am Strand und nur Sandstrassen. Wir werden uns heute hier ausruhen und wollen morgen mit Bus und Fähre nach Banjul fahren. In Gambia gibt es vielleicht etwas Funkstille, weil es dort Internet fast nur an der Küste gebe.

à Ou… Ou… où vous allez – Ouagadougou I

August 13, 2007

Der Flughafen hier war so gross, wie zu erwarten war, nachdem mir die Dame in Genf erklärt hat, dass ich mein Gepäck „à Ou… Ou… où vous allez“ abholen könne. Ich bin dann morgens gegen vier in einem Taxi, das mit seinen allerhöchstens fünfhundert Touren alles Fahrende in den Schatten gestellt hat, was ich bis dahin gesehen habe in die Pension gefahren, wo mich die beiden wiener Studentinnen erwartet haben. Dummerweise waren da noch zwei Franzosen und ich war fast gezwungen meine paar Brocken offen zu legen … Die anderen Taxis waren übrigens auch nicht viel besser und deshalb ist der Verkehrt vergleichsweise ruhig ;-)
Bald nach dem Frühstück hat es schütten begonnen. Dafür habe ich, bevor ich überhaupt je das Hotel verlassen habe, bereits für Stunden mit zwei Musikern/Guides (eine besonders perfide Kombination, weil das Zeit-Argument weg fällt) gesprochen. Spät am Abend lief es dann auf Batik raus. Das ist hier was Teppiche im Orient – nur geht ohne Waisenhaus und Djembe-Konzert nichts, um den Tee konnten wir uns drücken. Halb so schlimm: das Konzert war gleich um die Ecke (nur passen in eine afrikanische offenbar ein paar gewohnte Ecken) und der Weg über unbefestigte Sandstrassen voller Pfützen, vorbei an Märkten und Ruinen in meinen Augen ganz malerisch.
Auf dem Rückweg kamen wir am abgebrannten Markt vorbei, der vor ein paar Jahren der grösste Westafrikas war. Er wurde nicht wieder aufgebaut und böse Zungen behaupten, dies werde auch nie geschehen, weil man ihn nicht kontrollieren konnte. Jetzt haben sich rundum spezialisierte Märkte gebildet. Fliegende Händler gibts natürlich auch und ich sehe so aus, als ob ich unbedingt einen Säbel brauche, anders lässt sich die Ausdauer des einen Touareg kaum erklären. Die Frage, warum die immer auf mich los gehen, ist hingegen noch offen.
Nachdem die Botschaft von Mali dank der freundlichen Hilfe der österreichischen Botschaft den beiden sofort neue Visa ausgestellt hat, versuchten wir den Bus nach Bobo-Dioulasso zu nehmen. Der Plan ist via Bamako nach Dakar zu fahren, weil sie Mali und Burkina Faso bereits kennen, mir blüht das dann auf dem Rückweg. Nun, der erste Bus fuhr mit der Einen los und liess uns sammt Gepäck stehen. Die Dame von der Botschaft ist dann nochmal aufgekreuzt und so haben wir auch das Geld für das bereits entwertete Ticket zurück und wurden im Botschafts-Landcruiser zur nächsten Busstation gefahren. Beim zweiten Mal hats geklappt und sobald die Temperatur unter 40° zu fallen drohte, haben die Einheimischen alle Fenster geschlossen, damit sich niemand erkältet.
Hier in der protestantischen Mission in Bobo wurden wir mit dem Vorwurf empfangen, die Beiden hätten letzte Woche nicht bezahlt. Sie haben das Geld einer falschen Person gegeben, weil die Frau von der Reception nicht dort war… Das hat sich dann irgendwie erledigt, aber der erste Bus für Bamako morgen ist ausgebucht. Wir werden nun gegen Mitternacht eintreffen, ob und wann wir die Fahrkarten für den Zug nach Dakar erhalten, steht in den Sternen. Viel gesehen habe ich noch nicht, dafür umso mehr erlebt :-)
Ich habe nun fast eine Stunde geschrieben – die Tastauren hier haben etwa soviel mit unseren gemeinsam, wie die hiesige Nescafe-Werbung voller Hip-Hop mit unserem George Clooney.

Der Südosten

August 6, 2007

Nach Reykjavík fuhren wir Richtung Osten, an Vík vorbei zum Skaftafell-Nationalpark. Der umfasst neben den Laki-Kratern gut die Hälfte des Vatnajökull, dem grössten Gletscher Europas. Am nächsten Tag haben wir eine Fussgängerkarte besorgt und eine rund zehnstündige Wanderung zu einer der Gletscherzungen unternommen. Es ging durch Birkenwald und über eine riesige Lava-Ebene und schwarzen Sand mit farbigen Steinen. Aussicht auf das Gletschertor haben wir zwar nicht gefunden, dafür auf den schwarz-weissen Gletscher. Es war zwar weit, kalt und feucht – dafür sehr einsam und hatte etwas Bedrohliches, mit den Geräuschen vom einbrechenden Eis, dem tosenden Fluss und den Einsturzlöchern im Sand am Rand des Gletschers. Unterdessen hatte das Wetter stark nachgelassen und wir konnten uns den Aussichtspunkt auf dem Rückweg schenken. Das haben wir am Morgen darauf nachgeholt, während die Zelte ein paar Minuten trocknen konnten. Gerade vor dem nächsten Schauer konnten wir uns aus dem Staub machen.
Unterwegs in den Süden kommt man an einem Gletschersee voller blauer Eisberge vorbei. Diese brechen beim Gletscher ab, bleiben immer wieder stecken, zerbrechen weiter und gelangen unter der Brücke durch ins Meer oder bleiben am schwarzen Strand liegen. Dazwischen schwimmen ein paar Seehunde und Vögel.
Im Folgenden erlebten wir die einzige Wetterlage, welche sich länger als eine halbe Stunde halten konnte: gut 24 Stunden Sturm. Wir mussten bei höchstens 60 km/h um die Fjorde schleichen, Zelten war eher nicht drin. In der Hafenstadt Seyðisfjörður war zwei Nächte vor Abfahrt der wöchentlichen Fähre natürlich alles ausgebucht. Der Typ in der ersten Touristeninformation hat gerade mal ein „It’s closed“ über die Lippen gebracht. Die zweite war dann richtig geschlossen, mit verriegelter Türe, ohne Licht und so ;-) Dafür war dort das Telefon nicht eingeschlossen – im Gegensatz zur Poststelle – und wir konnten uns ein Zimmer in der Nachbarstadt Egilsstaðir organisieren.
Den letzten Tag auf Island haben wir mit einer weiteren Wanderung verbracht. Ganz aussen auf der Südseite des Fjords gibt es einen Felsen, mit Vögeln. Wegen der ausdauernden Regenfällen war der Weg etwas beschwerlicher und musste der Rettungsdienst noch einen Wagen aus einer Furt ziehen. Die Papageitaucher sind wahrscheinlich schon auf dem Weg in den Süden, dafür sahen wir umso mehr Möwen. Kurz vor der Abreise am nächsten Tag wollten wir uns noch die hellblaue Kirche ansehen. Die öffnen sie aber auch am einzigen geschäftigen Tag der Woche nicht und ein herauskommender Mann hat sie uns direkt vor der Nase wieder abgeschlossen. Dafür macht die touristisch vernachlässigte Ortschaft auf der Fähre Werbung – mit Prospekten in Isländisch ;-)
Einen wunderbaren Sonnenuntergang und gut fünfzig Stunden später kämpften wir uns um unzählige rücksichtslose Wohnmobile durch Dänemark, um kurz nach elf vor der verschlossenen und dunklen Pension im Norden Deutschlands anzukommen. Nach einem klärenden Anruf erinnert man sich dort aber wieder an uns und wir kriegen doch noch das letzte leere Zimmer. Nach dem anständigen Frühstück ging es erst über Hauptstrassen voller landwirtschaftlicher Fahrzeuge (das Wort „Kuhschweizer“ brauche ich nicht wieder zu hören ;-) ) Richtung Stautobahn, wo wir dank dem Wacken Open Air, Unfällen und Baustellen stundenlang Drängeln mit deutscher Gründlichkeit studieren konnten. Gegen Abend nahmen wir eine beliebige Ausfahrt, um in einem gemütlichen Städtchen etwas zu essen. Wir sind im malerischen Lorsch gelandet, wo wir uns bei Fisch, Gulasch, sommerlichen Temperaturen und Sonnenuntergang etwas erholen konnten.
Wenn man über die Grenze fährt wird einem recht schnell klar, warum es in Deutschland keine aufgerauten Stellen im Belag gibt, um die Fahrer wach zu halten. Wieder in der Schweiz halten sich zwar alle an die Tempolimiten, aber fahren umso enger auf. Jetzt hat es einfach noch etwas viele Menschen, zu enge Strassen und grosse Bauernhöfe.
Ich hoffe, dass dieser letzte Eintrag trotz gewissen negativen Tendenzen nicht darüber hinweg täuscht, dass wir in Island schöne Ferien verbracht haben. Naturverbundene, die auf den Komfort von sommerlichen Temperaturen und ausführliches kulturelles Rahmenprogramm verzichten können, bietet Island eine grossartige Möglichkeit zum Entspannen.