Archiv für August 2008

Turku

August 21, 2008

Nachdem wir einige Tage in Berlin geplant, verworfen, verpasst und entdeckt haben wir vorgestern nun endlich den Nachtzug nach Malmö und Stockholm nehmen dürfen. Von da aus gings direkt auf die Nachtfähre nach Turku, Finnland :) Kaum zehn Minuten an Deck, die grosse Überraschung, wir finden einen Gymerkollegen wieder (Rossi aus Biel), was die Fahrt sehr kurzweilig gestaltete. Wir starten morgen mit dem Zug Richtung Norden, nach Rovaniemi. Geplant ist eine Heimreise durch Schweden, wir werden sehen :) Wir sind hier in einem 15-min maximal Internetkaffee, man entschuldige den verworrenen STil.

Übrigens lernen wir fleissig finnisch: mit dem Zählen happerts noch, wir können nicht ernst bleiben bis 3, dafür wissen wir was Erdbeerglace heisst: mansikka jäätelöä.

Krakau

August 13, 2008

Nach Wien und Budapest grüssen wir im Moment aus Krakau. Wir haben Glück mit dem Wetter, sind gesund, munter und frohen Mutes und besuchen morgen Auschwitz. Mühe bekunden wir mit den Sprachen und den Währungen. Nach Ungarisch ist jetzt auch das Polnisch eher schwierig, wir bleiben aber dran. Weiter gehts dann nach Berlin, weg vom gemütlichen Leben hinter dem eisernen Vorhang.

Butrint

August 5, 2008

Auch nach Saranda bin ich gleitig gekommen. Ein Taxifahrer wollte mich zwar für sein Taxi begeistern, er wäre schneller dort. Aber da kam bald ein Minibus und der ist gerast was das Zeug hält, egal wieviel die Kinder geheult und gekotzt haben …
In Saranda gibt es ausser Blöcken in allen Bauphasen und lokalem Strandtourismus nicht viel zu sehen, die Sehenswürdigkeiten liegen ausserhalb. Seit kurzem gibt es auch eine Herberge, aber Reisende aus Spanien haben sie erfolglos gesucht und mir dann ein günstiges, nicht zu verfehlendes Hotel empfohlen. Auf der Zielgerade wurde ich von einer älteren Frau abgefangen, die mir ein schumriges Zimmer für zehn Euro vermietet hat. Zum ersten Mal war mein Pass egal, nur Geld wollte sie sehen. Ihre Tochter konnte gar etwas Englisch und so konnte mich der Vater auf ein Bier einladen und ich das Gepäck am nächsten Tag dort lassen.
Auf der Suche nach einer Karte für die Fähre habe ich mal wieder den Holländer Martjin gekreuzt, er hat die Herberge nach zwei Stunden gefunden und mir gezeigt. Wir haben zusammen zu abend gegessen und uns für den nächsten Morgen verabredet, um die Ruinen von Butrint zu besuchen. Die ausgrabungsstädte liegt auf einer Halbinsel in einem Nationalpark, wo in den letzten 2500 Jahren verschiedenste Kulturen gesiedelt haben. Abgesehen von der Vielfalt nicht allzu spektakulär und die tollen Mosaike sind alle mit einer Schicht aus Sand geschützt, aber alles ist sehr informativ beschildert — da könnte sich manchere grössere Sache eine Scheibe abschneiden. Um acht waren wir dort, vor der Hitze und den Touristenströmen. Hätten wir den ersten Bus genommen hätten wir um den Zaun steigen müssen, obwohl die Dame der Touristeninformation gemeint hat, es würde für den ersten Bus geöffnet. Ihre Brochure wusste aber auch nichts vom Bus zurück um elf, ohne ihn hätte ich die Fähre für Corfu verpasst, die Rückfahrt war nämlich recht harzig, wegen der schmalen Strasse und dem vielen Gegenverkehr. Die Gesichter und verkrampften Hände der Leute in den entgegenkommenden Fahrzeugen waren unbezahlbar :D
Corfu ist wohl das Schlimmste was ich je gesehen habe, was Touristen angeht. Jedesmal wenn ich gefragt habe, wann die Fähre in Bari ankommt wurde mir eine spätere Zeit genannt. Der Bahnhof sei auch gleich neben dem Hafen, eine Viertelstunde entfernt vielleicht … Ja, eine Viertelstunde im Taxi und sonst hätte ich den Zug verpasst. Seit Mitternacht bin ich zuhause, die Karten aus der ersten Serie haben es sogar vor mir geschafft :)

Gjirokastra

August 2, 2008

Gjirokastra wird auch Stadt der tausend Stufen genannt, nicht zu unrecht. Stufen gibts zwar kaum, aber hoch und runter gehts die ganze Zeit. Alle Strassen in der Altstadt sind mit schwarzem, rosa und weissem Stein gepflastert, ich mag das :) Es war die zweite Museumsstadt der Volksrepublik Albanien und gehört nun zum UNESCO Weltkulturguterbe. Ansonsten alles wie gewohnt. Die Zitadelle auf dem Hügel ist gut erhalten, sie wurde bis 1971 als Gefängnis verwendet und beherbergt nun ein Museum voller kommunistischem Pathos. Die Zellen sieht man nur wenn man aufs Klo geht und von den Leuten (Kriminelle gab es damals ja nicht, oder?), die dort eingesperrt wurden, kein Wort — höchstens gut versteckt und in Albanisch. Aber die Aussicht ist toll und man kommt auch morgens in der Früh rein, Bauarbeiter und Wächter sind schon dort. Die dunklen Häser aus dem 18. und 19. Jahrhundert sind teils recht verfallen und die Plattenbauten rundum stehen ihnen kaum nach. Auch abends läuft wenig, da es eine Studentenstadt ist und die nun an der Küste im Urlaub sind.

Pflaster in Gjirokastra

Gjirokastra

Das Hotel ist für hiesige (und meinige) Standards eher teuer, dafür hat mich der Manager auf ein Eis eingeladen, als ich ihn in der Strasse gekreuzt habe und mir Tölpel gleich noch eins gekauft, als es mir auf den Boden fiel ;) Meine Wäsche war so schnell gewaschen, dass ich mich bereits für den Abendspaziergang frisch anziehen konnte. Das Früstück mit Feigenkonfitüre und Ziegenkäse war auch toll und das Zimmer hat schön geschnitzte Decke und Schränke. Die Mücken sind aber derart in Überzahl, dass ich mir eine Creme dagegen gekauft habe, Licht in der Dusche braucht ja niemand und Warmwasser ist Gückssache ;)
Auch von der Postkartenfront gibt es Neuigkeiten. Damals in Kruja habe ich für 25 Lek 10 Lek-Marken gekauft, hier wurden mir 40 Lek-Marken für 40 Lek angedreht. Damit wäre es ungefähr wie die schweizer B-Post. Ich habe mich etwas gesorgt, immerhin waren die Karten für die Grossmütter bei der ersten Serie, aber der Manager meinte nur „Don’t worry“ :)
Ich fahre jetzt nach Saranda an die Küste zurück und versuche von dort ein Ticket für eine Fähre nach Italien zu organisieren.

Vuno

August 1, 2008

In Berati wollte ich noch eine zweite Welle Postkarten abschicken, aber nach einer ereignisarmen Viertelstunde in einem verdammt heissen Postbüro wurde es mir zu blöde. Dort gabs einen Wächter, der vorallem der Solitair spielenden Dame in Schalter eins Getränke gekauft hat und einen zweiten Schalter wo gerade mal ein einziger Brief raus kam in der Zeit …
Ich fuhr dann nach Fieri, wo ich mich zu einem doofen Minibus überrumpeln liess, statt den normalen Bus zwei Minuten später zu besteigen. Der ist dann ewig rumgekurvt, bis er so richtig brätsch voll war. In Vlora wurde ich irgendwo rausgeschmissen, ein Taxi brachte mich zum angeblichen Busstopp. Dort hat mir ein Typ erzählt, von hier aus fahre heute kein Bus mehr, aber er hätte gerade Pause und würde mich für viel Geld in die nächste Ortschaft stellen, wovon er glaubt, dass noch einer fahre. Ich hab ihn etwas runter gehandelt, schliesslich hatte ich keine Karte und sonst konnte ich mit keinem Schwein sprechen. Auf der Fahrt wollte er erst einen hundert Euro schein in kleinere gewechselt haben. Als ich sagte, dass ich Euros im Kofferraum hätte wollte er mich dann los schicken, etwas Trinken zu kaufen. Er würde natürlich bezahlen sagte er, mir den Hunderter hinstreckend, den er eigentlich gewechselt haben wollte … Da habe ich auf vorsichtig geschaltet, einen angeblich wertlosen schweizer Hunderter gezeigt und gemeint ich könne weder wechseln noch sei ich durstig … Immerhin fuhr der Bus, er kam natürlich von Vlora und der Typ fuhr nicht zurück, er hatte offensichtlich da was zu tun. In Vlora und Berati sah ich auch verschiedentlich gefälschte schweizer Nummernschilder, mit einem gelben Strich auf rotem Grund als Kantonswappen ;) Ansonsten sieht man vorallem italienische und griechische Nummernschilder neben den albanischen, und vereinzelt ein englisches.
Dann wurde alles gut. Beim Warten hat mir ein kleiner Junge einen Stuhl organisiert, ich musste da drauf sitzen, da gab es nichts. Er konnte ein paar Brocken Englisch und ich musste seine Hand ewig schütteln. Er hat dann meinen kleinen Rucksack getragen, sich immer so gesetzt wie ich und mir gesagt, wenn ich wieder Schweiss von der Stirn wischen musste :D Er stieg irgendwann aus und ich musste mit dem Bebe auf dem Nebensitz weiter spielen, bis wir in Vuno waren. Die Fahr war spektakulär, direkt von der Küste durch einen Nationalpark auf einen gut tausend Meter hohen Pass und wieder runter.

Ionische Küste

In Vuno hat eine Holänderin mit ihrem albanischen Freund die Schule wieder aufgebaut und fürt dort durch den Sommer eine ässerst freundliche Herberge. Wir waren ein gutes Duzend, etwa zur Hälfte Holänder und Albaner, viele habe ich schon von Tirana her gekannt. Die ionische Küste ist voller weisser Kieselstrände, viele verlassen oder unberührt. Die Polizei hat alle illegalen Bauten zerstört, von manchen Hotels steht einfach noch die legale Hälfte. Es gehen Gerüchte um, dass ein grosses Projekt geplant ist, sonst wären eher Bussen angesagt gewesen.

Schlucht

In der Nähe gibt es eine Schlucht und am ersten Tag wanderten wir dort hin. Leider sind die Pfade ziemlich zugewachsen und schwer zu finden, so mussten wir des öfteren mit Thymianbüschen und Stechpalmen statt Olivenhainen leben. Dafür riecht meine Fototasche nun ganz fein :) Am zweiten Tag sind wir oberhalb gestartet und alles dem Flussbett nach hoch. War wunderbar und zum Abendessen gabs Ziege vom Grill und Glenlievet :)

Olivenhain

Heute hatte ich mehr Glück mit dem Transport — auch wenn es zuerst nicht so aussah. Der Bus in Vuno fuhr statt um zehn um halb zehn und wir musste ihm nach jagen. Drinnen war es unheimlich stickig, weil sich ein paar Herren an den paar Sonnenstrahlen, die von Zeit zu Zeit durchs offene Fenster fielen gestört haben … Kaum in Saranda fuhr ein Minibus für Gjirokastra vor, der mich ohne gross Federlesen dort hin fuhr. Die Fahrt kann sich unmöglich rentiert haben. Dort wurde ich mit dem zweiten Fahrgast bei dessen Wohnung abgeladen. Er hat mich gefragt, in welches Hotel ich möchte und dann kurzerhand dessen Manager bestellt, nicht ohne mir einen Rakj an zu bieten. Dafür wars mir ein bisschen früh und nach Vlora war ich (zu unrecht) etwas misstrauisch. Auf jeden Fall kam der Manager prompt und ich bin nun in einem schönen, traditionellen Hotel einquartiert.