Archiv für März 2009

Ellora und Ajanta

März 31, 2009

Das mit dem Nachtzug habe ich mir erholsamer vorgestellt. Da war zwar Platz und es gab auch einen Vorhang, nur musste ich da meine Füsse raus strecken und da ich gleich neben der Türe war, hat mich das Gerüttel am Vorhang recht mitgenommen. Der Zug hat auch überall gehalten, wie sonst soll man sieben Stunden für dreihundert Kilometer brauchen? Immerhin war ich pünktlich kurz nach vier Uhr morgens am Ziel …
Eigentlich wollte ich gleich weiter nach Ellora und dort eine Nacht verbringen, schliesslich steht in beiden meinen Reiseführern Ajanta könne man sich schenken, wenn man nicht allzu viel Zeit hat. Aber da diese Höhlentempel Dienstags geschlossen sind, bin ich in der Jugendherberge von Aurangabad unter gekommen und habe heute auch noch Ajanta besucht. Hat sich definitiv glohnt, aber eins ums andere.
Gestern Nachtmittag habe ich mich also nach Ellora aufgemacht. Dort gibt es 34 in den Felsen gehauene Tempel. Die buddhistischen sind voller ruhig lehrenden oder meditierender Figuren, während die hinduistischen lebendige Schnitzereien wilder Kreaturen zeigen. Dann gibts noch jainistische, die sind was dazwischen. Leider sind die meisten nicht wirklich fertig. Spätestens wenn es um Frauenbrüste geht, hat sie ihre Arbeitswut verlassen und sie haben soviel Stein wie möglich dran gelassen ;-) Irgendwann gingen mit die Akkus aus, hat immerhin den Ärger über das erneute Stativ-Verbot etwas verblassen lassen …
Ein Portugiese aus der Herberge ist mit dem Rad drei Stunden raus gefahren. Dabei fiel das eine Pedal ab. Der erste Bus wollte uns dann nicht mit nehmen, aber beim zweiten durften wir das Rad aufs Dach hiefen.
In Ajanta gibt es auch rund dreissig buddhistische Tempel, um die Schleife eines ausgetrockneten Flusses angeordnet. Sie sind etwas fertiger und mit wunderbaren, teils gut erhaltenen Wandmalereien verziert. Die meisten Höhlen sind schön ausgeleuchtet. Ist auch sonst um einiges touristischer, die Händler etwas nerviger. Wie immer „ten ruppees for indian friend, two hundred fifty for foreign friend“ … Ich war mit einer Tour dort. Der Guide war nicht sehr humorvoll, dafür umso Lehrerhafter, „come here, Sir, look there, Sir … This is …“ Immerhin war genügend Zeit, alles zu selber nochmal zu sehen (wenn man auf Mittagessen verzichtet hat), aber das Licht wäre frühmorgens um einiges besser gewesen.

Kapitell in Ajanta
Heute abend fahre ich mit dem Nachtzug zuück nach Mumbai zu meiner Schwester, dort gibt es einen Geburtstag zu feiern. Übermorgen gehts weiter nach Udaipur.

Bombay

März 29, 2009

Am Flughafen Zürich wurde ich zum ersten Mal in meinem Leben auf Übergepäck aufmerksam gmacht, bin aber mit den fast vier Kilo Spaghetti durch gekommen. Ich habe meine Schwester und ihren Freund wie abgemacht am Flughafen getroffen. Die beiden studieren Architektur und machen hier an einem Austauschprojekt zum Thema Stadtplanung mit. Die ganze Bande wohnt in der gehobenen Mittelklasse Zweitwohnung der Eltern einer indischen Studentin und ich darf auf dem Sofa auf ihrem Balkon im siebten Stock unter Mückennetz und Ventilator nächtigen. Am Flughafen muss man vorausbezahlte, teure, klimatisierte Taxis nehmen, sonst gibt es günstige und mit Meter, wobei die Gerüchteküche meint, einige haben eine Karte mit Touristentarifen dabei …

Koloniales Bombay

Mumbai ist ziemlich voll. Auch voller Gerüche, manchmal ist jeder Atemzug anders. Ich kann mir nicht vorstellen, wohin all die Rikschas durch den Tag verschwinden. Die Züge sind noch um einiges extremer, dafür schneller. Kontrolliert wird man am Bahnhof und wenn man sich dort ohne Ticket aufhält, muss man eine Busse bezahlen. Auch wenn alle Tickes gleich viel kosten bezahlt man, wenn man eine Station zu spät aussteigt, wobei sowohl das Wissen, wo man ist, als auch das Herauskommen an sich nicht gerade einfach ist — obschon es keine Türen gibt … Das Hineinkommen im Übrigen auch nicht und täglich sterben Leute, die aus fahrenden Zügen fallen. Im Übrigen haben es die Kontrolleure systematisch auf Weisse abgesehen, wer sonst könnte sich die Busse von zwei durchschnittlichen Tageseinkommen leisten?
Ansonsten ist Mumbai ganz nett. Heiss, aber erträglich. Die Leute sind scheu (wobei ich das als Frau vielleicht anders sehen würde, die haben nicht ohne Grund ihre eigenen Wagen in den Zügen), aber hilfsbereit. Nicht einmal die Bettler und unzähligen Obdachlosen sind wirklich aufdringlich. Im Süden gibt es viele Gebäude aus der Kolonialzeit, wobei die ohne Palmen und improvisierte Schattenspender aus irgend Blättern auch irgendwo in Europa stehen könnten. Das habe ich mir am ersten Tag angesehen. Jetzt haben die Burgdorfer auch frei, gestern waren wir auf der Elefanteninsel (mit Höhlentempeln) und heute in einem Nationalpark (mit weiteren Höhlentempeln und ein paar Tigern und Löwen, die man aus einem vergitterten Bus in ihren Käfigen sehen kann). Einen indischen Single Malt Whisky haben wir auch gefunden, nicht sehr interessant, aber süss und ganz gut.
Diese Nacht fahre ich nach Ellora, um — wer hätte das gedacht — noch mehr Höhlentempel zu besuchen. Da ich etwas müde bin, habe ich mir eine Doppelkabine mit Klimaanlage geleistet. Kostet immerhin fünfzehn Franken, die Pritsche wäre nur vier. Dort will ich eine Nacht verbringen, dann hab ich wieder einen Nachtzug zurück und Mittwoch fliege ich (hoffentlich) nach Udaipur. Dann will ich durch Rajasthan bis zum Taj Mahal und dort sehe ich weiter. Im Ganzen habe ich drei Wochen in Indien.