Mount Damavand

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Donnerstag morgen, nach dem erfolglosen Versuch Kappen und Handschuhe auf zu treiben, fuhren wir nach Reyneh am Fusse des Mt. Damavand. Dieser Vulkan ist mit 5671 m (die Geobücher sagen zwar 5678m, weil das einfacher zum merken ist) der höchste Berg im Land und war uns ein Ausflug wert. Von Reyneh fuhren wir, den skeptischen Blicken auf unsere Turnschuhe zum Trotz, auf der offenen Ladefläche eines uralten Jeeps über eine schittere Strasse zu Shelter 2 auf 3000 m. Dort wollte uns Ausländern ein dahergelaufener Tunichtgut je 25 Dollar füer die Besteigung des Berges abknöpfen. Grundlage war ein Papier mit persischem Briefkopf und der englischen Aufschrift, dass Ausländer bezahlen müssen, Diplomaten ausgenommen. Reza und die iranischen Bergsteiger wurden beinahe handgreiflich und am Schluss gingen wir mit der Aufforderung, er solle die Polizei holen oder sich eine Uniform kaufen, ohne zu bezahlen weiter. Seither ist Shelter 2 auch unter dem Namen 25-Dollar-Place bekannt.
Von dort aus gingen wir in einer Gruppe von sieben Personen, die zusammen gut dreissig mal auf dem Gipfel waren (uns eingeschlossen) weiter zu Shelter 3, dem Basecamp auf 4000 m. Auf dem Weg kamen uns zwei Dänen, mit Führer und Eseln entgegen, derjenige mit Nasenbluten hatte es zum Gipfel geschafft. Weiter trafen wir einen älteren Herrn, der zu lauter klassischer und traditioneller Musik hoch stieg. Obwohl auf 4000 Metern bereits der Gang zur Toilette eine nicht unerhebliche Anstrengung ist, torkelten wir mit einem Bergsteigerartikelverkäfer noch ein paar hundert Meter weiter, um besser mit der Höhe klar zu kommen. Nach einem wilden Suppenmix und noch wilderer Kräutermedizin vom Herrn mit der Musik, versuchten wir nicht sehr erfolgreich mit heftig brummenden Schädeln im Seidenschlafsack auf Brettern ein wenig Schlaf zu finden.
Am nächsten morgen um 6 Uhr standen wir ohne grosse Hoffnungen und Ambitionen zum Gipfelsturm bereit (schon das Bereitstehen war ziemlich anstrengend). In einer Gruppe von sechs gut ausgerüsteten und erfahrenen Bergsteigern und zwei Touristen zogen wir los. Ab 4500m hatte Philipp zunehmend mit Atembeschwerden zu kämpfen, aber wir kamen immer noch recht zügig vorwärts und setzten uns mit zwei jungen Heisssporn ab. Auf 5000 Metern hatte die Höhe auch Lukas eingeholt und ihm wurde zunehmend übel. Die Pausen wurden immer länger und der Weg dazwischen immer kürzer. Auf etwa 5300m nahmen die Pausen überhand und mit dem Sauerstoff schwand die Hoffnung. 150 Metern unter dem Gipfel wurde es Lukas definitiv zu dumm und er glaubte, dass ihn keine Kraft dieser Welt hoch bringen konnte.
Philipps Kampfgeist war noch nicht völlig erlahmt und mit vielen „Just 30 Minutes“, „You can!“ und „Come on, Mr. Philips“ kroch er weiter Richtung Gipfel. Mittlerweilen ergriffen die Schwefeldämpfe auch noch für die Höhe Partei. Alle paar Schritte musste er sich auf einem Skistock abstützen und ausruhen, was jedesmal wieder „No stop“, „Don’t break“ und „Sulfur! Sulfur!“-Schreie auslöste. Ewigkeiten später hatten sie ihn auf den Gipfel gezogen und gestossen. Paar Fotos, Tee und Schokolade später machte sich Philipps Trio auf den Rückweg, wo Lukas mit dem Musik-Herr entgegen kam. Der Herr, der in den letzten 38 Jahren über hundert mal auf dem Damavand war, hatte Lukas speiübel und zusammengekauert aufgelesen, weil es für ihn total undenkbar war, so kurz vor dem Gipfel auf zu geben. Er hatte Lukas auf gepäppelt, indem er ihm abwechselnd Krätersirup und Brot gab. Unter vielen guten Zusprüchen („Little by little“), heftigsten Anstrengungen und einem eisernen Willen im Rücken hat auch Lukas sich hoch gekämpft.
Der Abstieg war um einiges lockerer, man konnte im Prinzip einfach die riesen Geröllhalde herunter schlittern. Während Lukas Höhenkrankheit langsam schwand, wurde es Schwefel-Philipp immer übler und er hat den Weg links und rechts werfend markiert. Unten im Basecamp waren die auf den Bergungseinsatz wartenden Alpinisten gottenfroh, als wir heil zurück kamen.
Weder die fehlenden Kappen, noch die Turnschuhe waren ein Problem. Ohne es selbst zu erfahren kann man sich kaum vorstellen, was die Höhe mit einem anstellt. Es war eine eindrükliche Erfahrung und ein unvergessliches Erlebnis. Wir waren zwar über weite Teile nicht in der Lage, Fotos zu schiessen, aber die paar wenigen haben wir hoch geladen:

Mt. Damavand

Gipfelstürmer

blog032.jpg

Unsere Truppe

Unsere Schuhe

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9 Antworten to “Mount Damavand”

  1. fritz Says:

    WIUDSÖI!

    aber wär hett scho d zitt sich es paar wuche aazklimatisiere??

    aber sicher wäre eigentlich unheimlich schöön gsii.oder?

    guress u häbet gliich echli sorg!!

  2. döru Says:

    ou das tönt jo nach ere abartig wiude sach!
    gratulation öich zwöi, ig fröiä mi scho no meh details z ghöre wenn der wieder zrügg sit.

    *uf photos am warte*

    läck benide ig öich um au die tolle erläbnis, nume ufs zmorge würdi verzichte 😉

  3. Masud Says:

    Cahapeau. Die trainierten Leute breiten sich auf so ein Abenteuer gründlich vor, ihr lässt euch aber so nebenbei auf so ein Abenteuer ein.
    Nochmals, Gratulation und weiterhin schöne, gefahrlose Erlebnisse.

    Apropos Frühstuck: Ich habe schon mal das Hirn gegessen, auf das Auge kann ich aber verzichten. Das ist zwar ein sehr bekanntes Mahl in Iran,
    zum Frühstuck gibt es aber normalerweise auch andere Sachen zu verzehren.

  4. fritz Says:

    Bergsteigen/Höhenkrankheit
    Ich habe verschiedene Seiten angeschaut und die folgenden Bemerkungen oder Hinweise gefunden:

    -Höhenkrankheit: ab 2500m (!)

    -ab 4000 m macht man Fehler, die man selber nicht bemerkt.((!!)Piloten ohne Sauerstoff!!)

    Bei 6000 m beträgt der effektive Luftdruck und damit das Sauerstoffangebot noch die Hälfte;

    … Es ist zuerst anzumerken, dass die häufigste „Höhenkrankheit“ Thromboembolien (Gerinnselbildungen) durch Dehydration (Austrocknung) sind – noch vor dem Lungen- und Hirnödem. Deshalb ist der erste und wichtigste Prophylaxerat:
    Viel trinken (mindestens 3 Liter täglich und bis 6 Liter in grossen Höhen oder 0,5 bis 2 Liter pro Stunde – gilt übrigens auch für „gewöhnliche“ Bergwanderungen.

    Zu Lungenödem/Hirnödem: Keine verlässlichen Höhenangaben.

    Also wenn möglich keine unnötigen Risiken!

    Macheds gue u häbets schön!

  5. Susi Says:

    Buebe, Buebe was machet dir für Sache! Mir isch es bim Läse fasch schlächt worde! Häbet Sorg u passet uf!!!!
    Wie geits nech jetz? Het sech aus wider normalisiert? Bi weler Tämperatur het dä Usflug stattgfunge?
    Häbets guet u blybet gsung!

  6. Hansueli Says:

    Vip, weisst du noch, was ich jeweils über Holländer in Turnschuhen auf dem Gletscher gesagt habe?
    Sonst habt ihr euch so sorgfältig auf die Reise vorbereitet – insbesondere Medikamente!?
    Grenzen erkunden ist wichtig im Leben – aber erstmals auf dem Hochseil und dann gleich ohne Netz!?

    Erholt Euch gut und macht vernünftiger weiter – oder habt ihr Kommentare provozieren wollen?
    Herzliche Grüsse von den im Normalfall nicht besorgten Brügger Eltern

  7. cheesy Says:

    hopla, da sitter aber grad schnäu ganz höch ufe!
    dir sit da eifach mau ufne 5678 oder chlei weniger höche bärg ufe kraxlet oder ufegschücht worde und so näbebi haut uf 4000müM müesse übernachte. *wiudi sieche*
    wie gsehts da obe us? het’s dert no me so riiiise bärge ume? so über 5000!
    freue mi uf die paar biuder und erholet euch guet!

  8. Administrator Says:

    Mir hei fasch jederzit aues unger kontroue gha 😀 und heinis guet erhout. Vorab heimer mit diverse Fuehrer und Alpiniste gred, die hei gseit, dases sogar mit dene Schue und dere Vorbereitig mueglech sig. Womer jetz aber zrugg si cho, hei si doch ziemlech gstuned, dasmer ganz dobe si gsi. Die wonis ufegschluchet hei, si unheimlech stouz und wei ues jetz jede Gipfu vom Land zeige aber fuere Moment isch uese Bedarf gstiut.
    Es chlises Detail am Rand: de Berg isch es paar Meter hoecher aus jede Gipfu vo Europa :D.
    Mir goe jetz huet witer uf Kashan, dert hets keni Berge me (derfuer Wueschti). Machet oeich keni Sorge. 😀
    Usserdem isch z Zmorge gar nid soo grusig gsi, es het schliesslech Zimet dranne gha.
    Witer heimer zur augemeine Belustigung no der Link zum iranische Wetterbricht verlinkt und wuensche oeich e gueti zit bi oeine hochsummerleche 26 Grad.

  9. fritz Says:

    zur erfrüschig: mit geschter z oobe 17° ghaa.
    do chöit dir nume tröime….
    gueti zitt!

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