Der Südosten

by

Nach Reykjavík fuhren wir Richtung Osten, an Vík vorbei zum Skaftafell-Nationalpark. Der umfasst neben den Laki-Kratern gut die Hälfte des Vatnajökull, dem grössten Gletscher Europas. Am nächsten Tag haben wir eine Fussgängerkarte besorgt und eine rund zehnstündige Wanderung zu einer der Gletscherzungen unternommen. Es ging durch Birkenwald und über eine riesige Lava-Ebene und schwarzen Sand mit farbigen Steinen. Aussicht auf das Gletschertor haben wir zwar nicht gefunden, dafür auf den schwarz-weissen Gletscher. Es war zwar weit, kalt und feucht – dafür sehr einsam und hatte etwas Bedrohliches, mit den Geräuschen vom einbrechenden Eis, dem tosenden Fluss und den Einsturzlöchern im Sand am Rand des Gletschers. Unterdessen hatte das Wetter stark nachgelassen und wir konnten uns den Aussichtspunkt auf dem Rückweg schenken. Das haben wir am Morgen darauf nachgeholt, während die Zelte ein paar Minuten trocknen konnten. Gerade vor dem nächsten Schauer konnten wir uns aus dem Staub machen.
Unterwegs in den Süden kommt man an einem Gletschersee voller blauer Eisberge vorbei. Diese brechen beim Gletscher ab, bleiben immer wieder stecken, zerbrechen weiter und gelangen unter der Brücke durch ins Meer oder bleiben am schwarzen Strand liegen. Dazwischen schwimmen ein paar Seehunde und Vögel.
Im Folgenden erlebten wir die einzige Wetterlage, welche sich länger als eine halbe Stunde halten konnte: gut 24 Stunden Sturm. Wir mussten bei höchstens 60 km/h um die Fjorde schleichen, Zelten war eher nicht drin. In der Hafenstadt Seyðisfjörður war zwei Nächte vor Abfahrt der wöchentlichen Fähre natürlich alles ausgebucht. Der Typ in der ersten Touristeninformation hat gerade mal ein „It’s closed“ über die Lippen gebracht. Die zweite war dann richtig geschlossen, mit verriegelter Türe, ohne Licht und so 😉 Dafür war dort das Telefon nicht eingeschlossen – im Gegensatz zur Poststelle – und wir konnten uns ein Zimmer in der Nachbarstadt Egilsstaðir organisieren.
Den letzten Tag auf Island haben wir mit einer weiteren Wanderung verbracht. Ganz aussen auf der Südseite des Fjords gibt es einen Felsen, mit Vögeln. Wegen der ausdauernden Regenfällen war der Weg etwas beschwerlicher und musste der Rettungsdienst noch einen Wagen aus einer Furt ziehen. Die Papageitaucher sind wahrscheinlich schon auf dem Weg in den Süden, dafür sahen wir umso mehr Möwen. Kurz vor der Abreise am nächsten Tag wollten wir uns noch die hellblaue Kirche ansehen. Die öffnen sie aber auch am einzigen geschäftigen Tag der Woche nicht und ein herauskommender Mann hat sie uns direkt vor der Nase wieder abgeschlossen. Dafür macht die touristisch vernachlässigte Ortschaft auf der Fähre Werbung – mit Prospekten in Isländisch 😉
Einen wunderbaren Sonnenuntergang und gut fünfzig Stunden später kämpften wir uns um unzählige rücksichtslose Wohnmobile durch Dänemark, um kurz nach elf vor der verschlossenen und dunklen Pension im Norden Deutschlands anzukommen. Nach einem klärenden Anruf erinnert man sich dort aber wieder an uns und wir kriegen doch noch das letzte leere Zimmer. Nach dem anständigen Frühstück ging es erst über Hauptstrassen voller landwirtschaftlicher Fahrzeuge (das Wort „Kuhschweizer“ brauche ich nicht wieder zu hören 😉 ) Richtung Stautobahn, wo wir dank dem Wacken Open Air, Unfällen und Baustellen stundenlang Drängeln mit deutscher Gründlichkeit studieren konnten. Gegen Abend nahmen wir eine beliebige Ausfahrt, um in einem gemütlichen Städtchen etwas zu essen. Wir sind im malerischen Lorsch gelandet, wo wir uns bei Fisch, Gulasch, sommerlichen Temperaturen und Sonnenuntergang etwas erholen konnten.
Wenn man über die Grenze fährt wird einem recht schnell klar, warum es in Deutschland keine aufgerauten Stellen im Belag gibt, um die Fahrer wach zu halten. Wieder in der Schweiz halten sich zwar alle an die Tempolimiten, aber fahren umso enger auf. Jetzt hat es einfach noch etwas viele Menschen, zu enge Strassen und grosse Bauernhöfe.
Ich hoffe, dass dieser letzte Eintrag trotz gewissen negativen Tendenzen nicht darüber hinweg täuscht, dass wir in Island schöne Ferien verbracht haben. Naturverbundene, die auf den Komfort von sommerlichen Temperaturen und ausführliches kulturelles Rahmenprogramm verzichten können, bietet Island eine grossartige Möglichkeit zum Entspannen.

Advertisements

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s


%d Bloggern gefällt das: