Bobo-Dakar

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Unser Plan war mit den 8 Uhr Bus nach Bamako zu fahren, um noch am Abend die Tickets für den Zug nach Dakar zu kaufen. Der fährt je nach Quelle zwei bis drei Mal die Woche, Dienstag Morgen sollte angeblich einer fahren. Der 8 Uhr Bus war aber schon voll, wir haben aber um 13.30 Uhr den 10 Uhr Bus erwischt. Das Warten war halb so schlimm, da wir von Diskussionen mit ein paar grimmig blickende Gepäckträgern bestens unterhalten wurden. Sie wollten unbedingt einen Fünfliber pro Rucksack, den sie in den Bus gelegt hatten – ansonsten würde der Bus nicht fahren, sie unser Gepäck wieder ausladen und und und … Die Weicheren liessen sich mit dem Frage ob das nur sei weil wir weiss sind abspeisen, der härteste Brocken hat uns demonstriert, wie er auch Malier ausnimmt (nur um die Hälfte, aber immerhin) und uns erst in Ruhe gelassen, nachdem ich zum Schalter gegangen bin. Ansonsten war Burkina recht entspannt. Zwar hat zum Beispiel eine Frau für vier Bananen etwa einen Franken haben wollen, aber mit Kopfschütteln und einer 25-Rappen-Münze war es erledigt. Ausserdem sind sie recht humorvoll: als ich im Hotel zum ersten Mal einen Witz verstanden habe und lachen musste schrie der Bäcker sofort „Ahhh le premier sourire de Vladimir Putin!“ oder im Internetkaffee „une heure s’il vous plait“ – „ça me plait.“
Auf jeden Fall hatten wir einen Bus, sammt unserem Gep&aum;ck und einer halben Brockenstube. Der Streichelzoo ist zum Glück an der Haltestelle geblieben. Laufend stiegen noch Passagiere zu, bis wirklich kein Platz mehr frei war. Beim Überholen musste immer einer die Türe schliesse, weil man die Fenster nicht öffnen konnte. An der Grenze kamen wir zügig vorbei. Bei Einbruch der Dunkelheit hat dann der Fahrer nochmal rund einen halben Franken pro Fahrgast eingezogen, um eine Eskorte in Form eines bewaffneten Soldaten zu kaufen. Gegen Elf war es dann soweit. Beide Reifen hinten rechts völlig zerfetzt. Ersatzräder Fehlanzeige. Erst wurde der Bus mit Wagenhebern gehoben und gebetet, dann die Pneus von den Felgen getrennt, ein paar Frauen haben sich wie besoffen über den einen Franzosen lustig gemacht, der die Eskorte nicht bezahlt hatte … bis dann völlig tote Hose war, kein Licht, keine Worte, nichts mehr. Irgendwann zwischen fünf und sechs sprang dann der Motor nach paar Versuchen, inklusive Pumpen durch ein Loch im Boden, wieder an. Der Bus war zwar komplett zugenebelt, aber immerhin hat er sich wieder bewegt. Woher die ganzen Reifen kamen, ist mir nach wie vor völlig schleierhaft.
Ich hatte vom vielen Fächeln langsam einen Tennisarm (obwohl ich den Fächer unterwegs von einer Frau zurück klauen musste). Dann war noch der Yoghurt-Drink der die Frage „Du, glaubste man kann das noch essen?“ gleich selbst mit einem Plopp und einem mittleren Feuerwerk vom Boden bis zur Decke über mehrere Bänke beantwortet hat. Gegen Mittag kamen wir mit rund zwölf Stunden Verspätung in Bamako an. Dort weht ein ganz anderer Wind, Startpreis für ein Taxi bei 30 Franken, Verhandlungen werden mit harten Bandagen geführt. Ein Typ aus Ghana hat die Taxifahrer unterstützt, indem er uns auf Englisch dem Rassismus-Argument den Boden entzogen hat – er liess sich wohl bestens bescheissen. Zum Schluss haben wir einen älteren, gläubigen Fahrer gefunden, der uns für einen Sechstel zum Bahnhof gefahren hat.
Wir waren zwar etwas spät für den Zug, fuhren aber trotz aller Bemühungen ungefragter Guides, uns für irgendeinen Bus zu begeistern, zum Bahnhof. Dort stand dann mit Kreide geschrieben, dass der Zug auf zwei Uhr in der früh am Tag vorher verschoben wurde. Der Zug würde zum nächsten Mal etwa am Samstag, Sonntag oder Montag fahren – halt wenn er wieder vorbei kommt.
Wir brachten uns im Bahnhofsbuffet in Sicherheit. Auf weitere drei bis fünf Tage im Bus hatte niemand besonders Lust, also wollten wir uns beim offiziellen Touristen Büro OMATO nach einem günstigen Flug erkundigen. Auf dem Weg dorthin fanden wir ein Reisebüro, weil wir statt uns an die Karte zu halten uns nach dem Weg erkundigt hatten. Dort wurde uns ein Flug für Freitag nach Banjul (in Gambia), kaum teurer als der Zug nach Dakar in Aussicht gestellt. Bei OMATO sahen wir dann doch noch vorbei, um uns nach dem Verbleib des Guides Pablo zu erkundigen, der die beiden bei ihrem Besuch vordere Woche um mehrere Hundert Euro geprellt hat. Man suche ihn nach wie vor, man werde ihnen das Geld schicken sobald man ihn habe, man habe das schon öfters getan, etc. Der nette Herr fuhr uns dann in seinem Mercedes zum Maison des Jeunes, wo wir zu dritt in einem Massenlager einquartiert wurden. Abgesehen von Zimmern gibts dort fast den ganzen Tag etwas Getrommel, Basketball oder Kampfsport.
Am nächsten morgen war es dann nichts mehr mit dem Flug für Freitag. Er war teurer und nun auch schon am Donnerstag. Dafür haben wir auf dem Blatt mit den Tarifen 30% Studentenrabatt entdeckt, obwohl uns noch am Vortag versichert worden war, sowas gebe es nicht. Somit war der Flug wieder in unserer Reichweite und wir wollten buchen. Bei der Fluggesellschaft erfuhr ich, dass der Flug nach Banjul aber aufgeschlagen hat und somit wollten wir einfach günstig und schnell nach Dakar kommen. Mit meinem Studentenausweis sei es überhaupt kein Problem und würde ich automatisch den Studententarif erhalten – aber alleine war er dann aber doch etwas wenig, deshalb mussten wir erst Bestätigungen von der Uni Wien ausdrucken. Ich wurde wiederum vom Reisebüro zur Fluggesellschaft SLOK Air gefahren, aber da war keiner mehr – wir sollten die Tickets direkt am Flughafen besorgen.
Trotz Taxi mit viertem Gang extra zum den Hang hinunter rollen und Stau kamen wir eine Stunde vor Abflug an. Dort wurden wir vom selben englischsprechenden Typen empfangen, der dann kurz mit seinem Chef sprechen musste. Es gebe ein Problem hat er gmeint, sie hätten nicht sicher gewusst ob wir noch kommen würden und deshalb sei in der Economy Class kein Platz mehr frei. Er habe aber seinem Chef gesagt dass er die volle Verantwortung trage und könne uns ein Angebot machen. Einen Business-Class-Flug für den vollen Economy-Class-Preis. Sehr wiederwillig haben wir zugesagt, da auch die Bambara-Worte des freundlichen Agenten nichts geholfen haben und wir bereits zuviel Zeit verloren hatten. Er wurde nicht durch die Sicherheitskontrolle gelassen und damit hatte die Fluggesellschaft freie Hand. Wir haben die Tickets gekriegt, aber natürlich war noch Platz in der Economy-Class und keiner wollte oder konnte mehr mit uns sprechen. Vielleicht hätten wir sein Englisch nicht verstanden, von Business-Class sei nie die Rede gewesen und überhaupt, so etwas wie Studentenrabatt gebe es gar nie. Diskutieren mit Flughafenpersonal auch zwecklos. Beschissen werden gehört zwar dazu – aber so offen betrogen wie in Mali wurde ich noch nie. Zum Dessert fehlt auch noch mein Kopfhöhrer und die Kordel der Tasche wo er drin war, war nach dem Flug nicht ordentlich zusammen gezogen.
Mali hat es geschafft, es ist das erste Land das ich beim besten Willen nicht empfehlen kann. Die anderen Beiden hatten bereits vorher einschlägige Efahrungen gemacht.
Der Flug hingegen war angenehm. Mit dabei war die U17-Ü2m-Mannschaft von Gambia, die gerade ein Nachwuchsturnier gewonnen hatte. Wir werden in Banjul vielleicht einige wieder sehen.
Der Empfang in Senegal war hundsmiserabel. Die Polizisten haben uns kaum beachtet; „c’est dure avec les visa“ und den Pass auf den Boden vor die Füsse geknallt. Mit den Taxifahrern das gewohnte Spiel: 7000 für Stadtzentrum – nein, wir hatten schon angebote für 4000 – 4500 – nein! – OK, 4000 für dich, 4000 für dich, 4000 für dich – Nein, nein, nein! – OK, 4000 für alle drei. Natürlich kenne er l’Auberge Rouge. Im Zentrum dann die Frage „tu connais làbas?“ und dann grosse Rumfragerei. Er hat sie dann gefunden, aber geschlossen. Dann fuhr er uns zurück zum Flughafen, um den doppelten Preis zu kriegen und dort von einem Oberklassehotel zum nächsten, bis wir dann eines auf unser Niveau runter handeln konnten. Der Hotelier hat die Diferenz zwischen meinem und seinem letzten Gebot beglichen, man hat sich die Hand geschüttelt und gute Nacht gewünscht. Immerhin ist es einigermassen romantisch, direkt am Strand und nur Sandstrassen. Wir werden uns heute hier ausruhen und wollen morgen mit Bus und Fähre nach Banjul fahren. In Gambia gibt es vielleicht etwas Funkstille, weil es dort Internet fast nur an der Küste gebe.

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3 Antworten to “Bobo-Dakar”

  1. lyq Says:

    tönt nach jeder mängi TIA.. mir warte uf photos 😀

  2. Franziska Says:

    Hallo Philipp

    Mit dem Atlas ausgerüstet studiere ich deine Einträge und versuche, mir eure Abenteuer vorzustellen. Manchmal tönen sie etwas verworren, jedenfalls recht abenteuerlich. Behalte trotz Hitze und Aufregung einen kühlen Kopf. Ich wünsche die gute Nerven und bunte Erlebnisse!

    Herzlich
    mam

  3. Geri Says:

    Fotos hani no chum gmacht (~40) u Upload wuerd Ewigkeitae duurae … Ju, jedi Maengi TIA – hamer scho uebelreit d Kathegorie um z bennenae, wuerd besser passe 🙂

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