Banjul

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Wir haben uns entschieden, in Yoff, gleich neben dem Flughafen von Dakar, einen Ruhetag einzulegen. Yoff war früher ein Fischerdorf, heute ein Vorort von Dakar mit sieben Quartieren und demzufolge sieben Moscheen, von deren Minaretten rund um die Uhr um die Wette gebetet wird. Zusammen mit dem Fluglärm etwas gewöhnungsbedürftig. Die Leute waren lange animistisch und leben nachwievor in einer engen Gemeinschaft, fischen und essen zusammen. Überhaupt sehen alle nach allen Kindern. Im Flugzeug zum Beispiel hat eine Mutter ihren Säugling einfach dem Sitznachbarn in die Hand gedrückt und der hat dann mit ihm gespielt, während sie weg war. Der kleinere Sohn vom Hotelbesitzer wollte am Morgen von Allen in den Arm genommen werden und die Kinder am Strand wollten alle unbedingt fotografiert werden. Abends war dort viel los, wurde Fussball gespielt (mit Ausdehnen) und gemeinsam mit einem riesigen Netz gefischt. Ich bin mir ein wenig wie im Kino vorgekommen, wie wir da so in aller Ruhe durch die Fischenden und Spielenden gehen konnten. Ansonsten war es sehr gemütlich, am Strand wurde man höchstens von Ziegen belästigt und am Abend hat sich der Hausherr extra verkleidet um uns das Hühnchen an traditioneller Sauce auf dem Dach zu servieren. Perfekt bis auf die Baustrahler-Beleuchtung. Ach ja, und der Umgang mit Tieren war auch recht rauh. Hannah war ganz entsetzt, wie das streunende Kätzchen am Schwanz ausquartiert wurde. Rochen wurde einfach der Stachel ausgerissen und dann am Strand liegen gelassen, wo sie über Minuten verendeten … Und zum Schluss habe ich zur Belustigung der Beiden noch den Schlüssel mit gehen lassen, was mir wegen der Freundlichkeit der Herberge überhaupt nicht recht ist. Aber der geht nun auf die Post.
Am nächsten Morgen fuhren wir erst durch die sandigen Strassen Dakars zum Busbahnhof. Da wird im Stau Gedrängelt und über Trottoirs überholt, dass es eine wahre Freude war. Dann mit einem sogenannten Buschtaxi, einem Peugot-Bus mit fünfer-Sitzreihen, der Küste entlang in den Süden. Manche haben auch noch Musiker an Bord und man sieht immer wieder welche auf dem Rücken neben der Strasse. Ich wusste nicht recht ob es mich beunruhigen sollte, dass niemand den Ambulanzen ernsthaft Platz lassen wollte oder ob ich froh sein sollte, dass es überhaupt welche gibt. Es hat Stunden gedauert, bis wir zum Stau raus waren. Dann stiegen wir um. Diesesmal in ein siebenplätziges Taxi. Langsam haben wir begriffen, dass man am besten ein bisschen mit Fahrern aller möglichen Gefährten spricht. Dann purzlen die Preise; die Rucksäcke kommen dann meist gratis mit.
Im Fischerdort Joal wollten wir einen Fähremann finden, der uns nach Banjul bringt. Ein erster war nur teils begeistert und hat gemeint, er könne uns ein Dort weiter bringen, von dort aus gebe es dann welche, die das arrangieren können. Das war uns etwas zu vage. Wir waren schon wieder Richtung Bus unterwegs, da wurden wir nocheinmal eingeholt – es gebe noch einen Kapitäne der das vielleicht mache. Wir sollten auf ihn warten. Der hat dann einen riesigen Braten gerochen und wollte rund 500 Stutz für die vier Stunden Boot fahren. Da haben wir den beleidigten Fischern definitiv den Rücken zu gewandt und sind mit dem Bus wieder etwas hoch gefahren, einmal umgestiegen und dann in der katholischen Mission von Kaolak geblieben. Die wollten uns erst sauteure Einzelzimmer andrehen, die Massenlager wären besetzt. Dann hat sich der Eine erinnert, dass im einen Massenlager nur ein Bett besetzt war. Der Schwarze wurde kurzerhand in das andere Massenlager voller Pfadfinder verlegt und wir haben so ein Dreierzimmer mit vielleicht zehn Betten zum Preis von einem Einzelzimmer erhalten. Da gab es stechende Fliegen, so ramponiert waren wie an dem Morgen waren wir noch nie. Der Markt von Kaolak ist nach Marrakesh grösste überdachte. Wegen Sonntag war er nicht sehr geschäftig, aber immerhin gabs einen Nakten, der Kehricht rum gekickt hat 🙂
Wir fuhren dann weiter, wobei uns ein wahrscheinlich lieber, katholischer Offizier auf Urlaub zum Busbahnhof begleitet hat. Er war alles andere als geschickt im Verhandeln. Irgendwo ist dann noch ein Fünfliber versickert, den ich irgendwann bezahlt habe weil es mir zu dumm wurde … Dafür war die Fahrt toll. Laut dem Reiseführer gibt es dort eine sehr gute Strasse. Sie war aber so schlecht, dass sie alle Fahrer nur im Notfall überhaupt mit der einen Seite befahren haben. Was die Zöllner in Dakar falsch gemacht haben, konnten die an der Grenze zu Gambia wieder wett machen. Die konnten uns Auskunft über den Nationalpark dort geben und haben mich von sich aus freundlich auf die Visa-Regelungen aufmerksam gemacht. Die von Gambia wollten ein wenig wissen was in den Rucksäcken ist, dann gings vorbei an einem Käfig vorbei zur Passkontrolle.
In Gambia mussten wir wieder etwas Taxi fahren, dann eine Fähre von Barra nach Banjul und dort nach einem Imbiss im mauretanischen Alles Kllar zu einer Herberge. Wasser tröpfelt nur abends aus den Hahnen, dafür ist Banjul so sauber, dass man sich kaum dafür hält den Abfall auf die Strasse zu werfen. Zum Glück gibt es hier sogar Kehrichtkübel! Viele Leute wollen einem helfen und wenn man sich erstmal helfen lässt, wird man begleitet bis zum bitteren Ende. Manchmal wollen sie einem dann halt ihren Souveniershop zeigen. Hartnäckig aber bis jetzt noch nie ernsthaft lästig. Die Kinder schreien „Toubab, Toubab“ sobald sie uns entdecken, kichern, rennen einem nach, strecken die Hand hin oder versuchen einen schnell zu berühren.
Als erstes wollte ich mal wieder Wasser kaufen gehen, was es bekanntlich etwas in sich hat. Von der einheimischen Währung Dalasi hatten wir noch nichts, wobei sich im Nachhinein herausgestellt hat, dass der Kurs an der Grenze etwa 7% besser gewesen wäre. Auf jeden Fall hab ich erst vergeblich einen Bancomaten gesucht und als ersten Verfolger einen angeblichen Polizisten aufgelesen. Die Läden akkzeptieren zum Glück auch francs CFA, die Währung fast aller restlichen Länder Westafrikas, und so ging es mit zehn halbliter Säckchen Wassr zurück, Richtung Feuerwache. Dummerweise konnte ich an dem tollen, alten Löschfahrzeug von Land-Rover nicht vorbei gehen. Ich musste dann erst das Telefon ansehen, über das die monatlich rund fünf Notrufe rein kommen und mir dann das komplette neue Fahrzeug erklähren lassen. Zum Schluss wurde ich dann für irgendeiner Spende gefragt und hätte mich in ihrem Gästebuch für den Jahresreport eintragen können. Ich habe es dann meinem ersten Verfolger gleich getan und mich aus dem Staub gemacht 😉 Zurück im Hotel haben sich die Beiden schon lange gefragt wo ich so lange stecken und Wasser hatten sie natürlich auch schon lange … Gegen Mitternacht kam dann noch der Wächter vom Hote und wollte den Schlüssel umtauschen, weil unserer die falsche Nummer hatte. Immerhin ging dann der Richtige auch.
Heute konnten wir dann Geld wechseln. Die Banken waren zu langsam und teuer, die Einheimischen haben es nicht geschafft und so mussten halt wiedermal die Mauren her. Die scheinen hier alles zu kontrollieren und nach eisigen Verhandlungen ging das ganz gut. Dann haben wir das Nationalmuseum und den Markt besucht. Das Museum sei für Afrika ganz in Ordnung, meinten sie. Es hat Fotos, Masken, Gegenstände und Instrumente aus allen Epochen. Einfach etwas chaotisch, dafür führt einem das nette Personal etwas rum. Auf dem Markt hatten wir natürlich gleich wieder Begleitung von einem Ladenbesitzer, bis der dann von einem angeblichen Sicherheitsverantwortlichen verjagt und abgelöst wurde. Lena hat sich noch ein überteuertes Shampoo andrehen lassen, das erst der Chef wieder zurück nahm und so haben wir dann eines mit Preis aus dem Supermarkt geholt.
Um fünf mussten wir unser Gepäck aus dem Hotel holen, sonst wollte der mehr Geld haben. Banjul ist zwar die Hauptstadt, aber Serrekunda dahinter die eigentliche Metropole. Wir wollten mit einem Bus weiter nach Bakau fahren, um dort ein paar Nächte zu bleiben und die Region zu erkunden. Der Bus wird aber derart überfallen dass die von drinnen kaum raus kommen – geschweige denn wir rein. Schliesslich haben wir mit einer reichen Dame ein Taxi geteilt. Hier am Strand von Bakau sind wir in einem wunderbaren Hotel abgestiegen, haben einen Balkon mit Sicht auf den Fischmarkt am Strand, Restaurant und alles. Kostet dank gutem Preis sogar eher weniger als in den günstigsten Absteigen der Nachbarländer. Und den Mädchen hat das Zimmer derart gefallen, dass es nichts mehr zu diskutieren gab 😉

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