Dakar

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Statt zwei schlafender habe ich Vorgestern nach meinem Nachtspaziergang zwei sich um mich sorgende Mädels in der Herberge gefunden. War mir überhaupt nicht recht …
Sobald man nicht mehr mit dem ganzen Gepäck unterwegs ist und nicht mehr allzu fest nach Tourist aussieht, wird man in Dakar fast in Ruhe gelassen, weil so viele Weisse hier leben. Es hat auch Afrikaner aus allen Gegenden und Asiaten. Die Häuser sind riesig und man wähnte sich in Europa, würden nicht so viele Obdachlose in den Strassen schlafen. Ausserdem gibt es ein paar plumpe Taschendiebe. Sie sind wie Händler, nur mit ganz wenig Waare und Sachen, die ganz sicher keiner will. Dann zupfen und schütteln sie halt an den Kleidern und sagen etwas von „netten Schuhen“ bis man sie mehr oder weniger grob weg bugsiert.
Die günstige Herberge ist nicht so toll. Weder die versprochene Klimaanlage noch Ventilator und mal wieder irgendein Getiere in den Matrazen, dass sich durch Mückenspray nicht vom Beissen abhalten lässt. Gestern haben wir es etwas ruhig angegangen, Sachen organisiert und ausgeruht. Gegen Abend fuhren wir zur grossen Moschee, ebenfalls marrokanischer Stil. Sie liegt vielleicht einen Kilometer ausserhalb im Quartier Medina. Dort ist wieder richtiges Schwarzafrika. Wir sind zurück spaziert und je näher man dem Zentrum kommt, umso lästiger wird es.
Heute hingegen haben wir einiges eredigt. Gleich am morgen fuhren wir zum „lac rose“, einem salzhaltigen, braunen See wo die Siegesfeier der Rally Dakar statt findet. Früher haben dort Frauen Salz abgebaut, aber weil dies nicht gut für die Fruchtbarkeit war, wurde es ihnen verboten und heute tun es Männer aus Mali und Burkina Faso, geschützt durch Shea-Butter. Der See ist nicht tiefer als drei Meter und am Boden kristalisiert das Salz und kann weg gekratzt werden. Dank Zwischensaison konnten wir den Preis für das Taxi recht drücken – er lag mir die halbe Fahrt in den Ohren wegen „pas un bon prix“ und im Restaurant am See wurde dies bestätigt. Als wir dort noch eine Viertelstunde überzogen haben wurde er recht sauer. Gekriegt hat er trotzdem nicht mehr. Wenn sie davon profitieren könnten sind sogar die Afrikaner ässerst pingelig wenn es um Zeit geht. Gilt auch beim Verlassen eines Hotelzimmers, egal ob dort je geputzt wird oder überhaupt ein anderes Zimmer besetzt ist.
Am Nachmittag fuhren wir auf die Insel Gorée. Sie war früher Umschlagplatz für Sklaven und ist heute ein Ferienparadies aus schönen Kolonialbauten mit schalem Beigeschmack. Wir liesen uns saumässig teuer rumführen. Der Führer sprach gut Deutsch, trotzdem ist mir nach wie vor schleierhaft wie es soweit je kommen konnte. Dafür weiss ich nun, warum Afroamerikaner grösser als die meisten Afrikaner sind. Auch gibt es dort ein Frauenmuseeum. Ironischerweise fast komplett von ausländischen Botschaften finanziert und nur an der Kasse eine Frau. Aber der Führer hat uns versichert, dass es keine Beschneidungen mehr gebe. Zu sehen gibts neben vielen Alltagsgegenständen aus dem Leben der Frauen auch Portraits, zum Beispiel von der Frau des Präsidenten oder einer Polizistin vom Flughafen. Scherz bei Seite, Senegal hatte 1985 bereits eine Falschirmjägerin, Ratspräsidentinnen, Dorfvorstehrinnnen und Geschäftsführerinnen. Ausserdem gibt es ein staatliches Elitegymnasium nur für Mädchen und die mit 240mm grösste Kanone Westafrikas auf Gorée.
Am Abend waren wir auf dem Markt. Ich verstehe afrikanische Märkte noch überhaupt nicht. Da sagt man was man sucht, wird in irgendeinen Laden gesetzt und dann schleppen die alles an, was der Sache nahe kommen könnte. Trikots der Nationalmannschaft von Gambia für Hannahs Freunde waren dann doch nicht zu finden und Trainingsanzüge in Mädchengrössen (sprich < XL) sind ebenfalls sehr rar.
Morgen um sechs Uhr früh flieg ich zurück nach Bamako, ein Engländer in Bakau hat mich überredet Mali eine zweite Chance zu geben. Ich will vorallem Djénné mit der grossen Lehmmoschee und das Land der Dogon sehen, dann durch den Süden Burkina Fasos zurück nach Ouagadougou reisen. Nur wenn ich fliege bleibt mir genügend Zeit – der Bus kann drei, vier, fünf, sechs oder gar sieben Tage brauchen …
Die beiden aus Wien fahren auf die Insel N’Gor an den Strand, montag fliegen sie nach Hause. Ich verpasse leider ihren grossen Shoppingtag morgen und vermisse die endlosen Diskussionen über was essen, was essen in Wien, was essen auf der Heimreise und was anziehen schon. Und bitte wer soll mir nun das Shampoo aus der Dusche nach tragen? Es war eine gute Zeit für mich, vielen Dank 🙂

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Eine Antwort to “Dakar”

  1. Hansueli Germann Says:

    Ja hallo Philipp

    Die Mentalität der AfrikanerInnen ist für Leute aus Europa offenbar schwer zu durchschauen und manchmal auch zu ertragen. Du scheinst aber auch viele gute, bereichernde Begegnungen zu haben.
    Nun bist du allein unterwegs: ein gutes Stück Selbsterfahrung! Ich hoffe, dass du dich beim zweiten Anlauf mit Mali aussöhnen kannst!
    Wir fahren morgen nach Steffisburg und feiern Doppelgeburtstag.

    Herzliche Grüsse
    mam

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