Bamako

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Ich konnte mir beim Einsteign kaum erklähren, wie man so viele Beulen und Lackschäden in einen Flieger kriegt: Der Flug war aber wunderschön, besonders die Fluss-/Dschunellandschaften um Banjul und Conakry (Guinea). Die undefinierbaren Fleischbälle passten wiederum besser zum Flugzeug.
Von Bamakos Flughafen weg gibt es fixe Taxitarife, wie erwartet hat er es mit dem teureren für weite Fahrten und ausgewählte Luxushotels versucht, aber er liess sich recht leicht davon abbringen. Da das Maison des Jeunes voll war, bin ich in einer ehemaligen Mission gelandet, die ein Neffe des Pastors geerbt hat. Er lässt sich immer mal wieder blicken, am liebsten mit 4×4 und einer Walther hinten im Hosenbund, reisst ein paar dumme Sprüche und bezahlt sein Personal eher schlecht als recht. Dort habe ich einen Autoexporteur (Charrä abä – Chnubä ufä) mit seinem Freund, der sich in Europa nur von Lebensmitteln kurz vor dem Ablaufen aus Kontainern von Supermärkten ernährt, getroffen. Sie wurden nach einer Woche endlich ihren Nissan los – Mercedes und Toyotas laufen besser.
Nach Senegal ist Bamako Entspannung pur. Sogar die Bettelkinder aus den Koranschulen fragen einen nur ausnahmsweise nach Geld. Leider gibt es die doofen „Guides“. Ich habe einen erwischt, der gleich noch Musiker ist und einen Strassenkinderhort führt – falls man ihm glauben darf. Habe ihm von Anfang an klar gemacht, dass ich nichts von ihm haben will und dass ich sein Kinderding weder sehen noch unterstützen will, trotzdem lief er mir nach, bis ich mich ins National Museeum geflüchtet habe und ihm entgegen seinen Erwartungen kein Ticket gekauft habe. Dieses besteht aus drei Ausstellungen, zu Archäolgie, Kultgegenständen und Tüchern. Es hätte auch über den Mittag offen und wäre somit ideal gegen die Mittagssonne – aber das steht noch in keinem Führer so. Zurück in der Stadt ist diese Nervensäge gleich wieder zur Stelle und nun überhaupt nicht mehr bereit von mir ab zu lassen, bevor ich nicht eine von seinen CDs oder sonstwas für ihn gekauft habe, schliesslich habe er mich durch die ganze Stadt geführt. Er frage mich ja nicht um Geld, von Herzen soll es kommen und so weiter … Bevor ich die Nerven verloren und den armen Typen verprügelt habe bin ich zum offiziellen Tourismus-Büro gegangen. Da wollte er erst nicht mit rein, aber da lies ich nicht locker, habe denen alles erzählt und die haben ihn – obwohl er einer der ihren sei – ein paar Minuten gehütet und mir die Flucht ermöglicht.

In den Hügeln hinter Bamako

Nach einer ausgiebigen Siesta in der Herberge habe ich noch einen ausgedehnten Abendspaziergang unternommen. Die Avenue de la Liberté ist führt in die Hügel und nachdem sie immer schmaler wird und man am Schluss auf dem Mäuerchen daneben balancieren muss, zweigt eine Piste zu tollen Aussichtspunkten ab. Während man auf einem Pfad durch schulterhohes Gras geht tut sich die Sicht auf die Hauptstadt zwischen den Hügeln immer mehr auf, bis man zum Schluss ein 180°-Panorama vor sich hat. Echt wunderschön. Links hört man Vogelgezwitscher und Grillen, rechts Stadtlärm und oben auf dem Hügel hat es Hirten und ihre Ziegen. Soviel Smog habe ich jedoch noch niergends gesehen, über Bamako hängen Rauchschwaden in allen Farben. Zur Feier des erfolgreichen Verkaufs ging ich mit dem Exporteuer Pizzas essen und dann haben wir bis tief in die Nacht hoch philosophische Gespräche geführt.

Gebäude der Bank von Westafrika

Gestern bin ich nur noch kurz am Niger-Fluss spazieren gegangen, bevor ich meine Sachen gepackt habe. Zum Abschluss wurde ich nochmal übers Ohr gehauen. Ein Englisch Sprechender angeblich aus Ghana soll per Western Union Geld überwiesen kriegen, nur fehlt ihm der eine Sicherheitscode. Das Geld komme aus der Schweiz – die er überzeugend gut kennt, Wechselkurs stimmt auch und alle Namen tönen echt nach Schweiz. Ich soll ihm das Telefonat wegen der Nummer vorschiessen, würde das Geld gleich wieder kriegen. Damit habe ich nie gerechnet, aber Telefonate sind hier günstig und aus Gewunder habe ich ihm Hilfe vesprochen. Als dann das Gespräch rund das Zehnfachte gekostet hat und er zum Geldabholen seinen Pass noch erst herschaffen musste, war meine Neugierde entgültig gestillt. War zwar der günstigste Beschiss, aber doch irgendwie ärgerlich. Hier in Bamako habe ich Österreicher getroffen, denen es genau gleich ergangen ist.
Ich liess mich dann zum Busbahnhof fahren und habe dort einen Bus nach Sévaré gesucht. Statt mich an eine grosse Kompanie mit gutem Ruf zu halten fuhr ich eine Stunde früher überraschend pünktlich mit „Express Bamakoise“ ab. Schon beim ersten Stopp wurden wir eingeholt und entgegen allen Versicherungen war ich erst morgens um halb fünf hier. Ich verbrachte dir Fahrt neben einem Touareg, in dessen Pass steht, dass er gegen 88 gebohren wurde. Er hat sein Essen immer mit allen geteilt, immerhin lies er mich beim Handy-Pron aus. Aber die Fotos von zuhause durfte ich sehen, mit viel Maschinengewehren und so. Im Norden Malis ist immer ein bisschen eine Rebellion im Gange.

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2 Antworten to “Bamako”

  1. lyq Says:

    weni das vo dem guide ghöre chunnt mir doch glatt sone unseelige taxifahrer in istanbul i sinn 😀
    abgse vo dem isches sicher nett z ghöre, das hie langsam mues analysis 4 glehrt werde. witerhin vieu spass

  2. Hansueli Germann Says:

    Tschou Philipp
    Ich bin froh, dass du dich wieder gemeldet hast und bin gespannt auf deine Fotos. Vielleicht ist sogar auf der einen oder anderen ein Mensch abgebildet…
    Gute Reise!
    mam

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