Djenné

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Nach ein paar Kreisen im nächtlichen Hafen von Mopti habe ich die richtige Pinasse irgendwie gefunden. Helfen konnte mir keiner, ein Kind hat mich immer gefragt ob ich zum Flughafen von Sévaré oder Bamako wolle und meine Karte ist zumindest in der Regenzeit auch für nichts. Irgendeiner hat dann gemeint, er kenne diesen Typen nicht aber seinen Bruder und mir das immer und immer wieder erklärt, weil ich damit offensichtlich nicht zufrieden war. Mit der Zeit konnte er mir aber doch noch die Richtung zu den Pinassen weisen und dort fand sich dann wer, der mich hinbrachte. Der Kapitän höchstpersönlich hat mir geholfen mein Mückennetz zu installieren, was aufgrund dessen hier fremden Bauart eine rechte Weile gedauert hat. Der Zoo-Faktor war riesig, nicht wegen dem Schaf oder den Hühnern, sondern wegen den rund zwanzig Einheimischen jeden Alters, die mich keine Sekunde aus den Augen gelassen haben. Spätestens als ich mein aufblasbares Kissen installiert habe, genoss ich alle Aufmerksamkeit. Ich habe mich gleich hingelegt und prächtig geschlafen.

Mein Boot für Djenné

Kurz vor Sonnenaufgang bin ich aufgewacht. Wir hatten bereits abgelegt und die Leute waren am beten. Am Ufer hat es vereinzelt Sträucher und Bäme, viel Gras und ab und zu ein Dorf. Bei einem standen alle am Ufer, wir wurden mit einem Horn begrüsst und haben ein paar Leute ab geladen. Mit der Zeit wurde es recht brütig, aber die haben die ganze Zeit über Tee gekocht. Wie jedesmal wenn ich wasche oder ein Schiff betrette gab es Regen. Immerhin wurde es dadurch angenehm kühl und nun war es an mir zu grinsen, wie die sich alle Winter- und Hochseekleidung angezogen haben.
Ab und zu starb der Motor ab, einmal musste etwas repariert werden. Nach einem „ça va?“ – „merci, et vous?“ – „ça va très bien!“ mit dem Kapitän sprang er aber wieder an. Mit um sechs Uhr abends dort sein wurde es trotzdem nichts. Ob wegen einem Missverständnis, einer Panne oder ob ich mal wieder rein gelegt wurde weiss ich nicht, abgesehen vom obigen konnte der Kapitän noch „il faut monter“ sagen, wann immer ich mich irgendwohin bewegen sollte.
Es wurde dunkel und wir landeten mit dem Kahn voller betender Muslime direkt im Busch gegen das Ufer. Ich hatte sonst keine Zeitangaben, mein Handy lässt sich nun überhaupt nicht mehr anstellen. Einzige plausible Erklärung die ich habe, ist dass ich es kaputt geschwitzt habe. Wie ich mich dann auf dem Dach schlafen legen wollte kam Sturm auf. Nachdem wir eine Zeitlang unter dem vielleicht drei mal vier Meter grossen Unterstand zusammengekauert gewartet haben, wurde ein etwa dreissig Zentimeter breiter Laden montiert, wo ich mich drauf legen konnte. Mückennetz war nicht mehr drin und ich habe mich in nicht allzu frische Leintücher eingewickelt, um das Schlimmste ab zu wenden. Unzählige Stiche und viel Moskitogeräusche haben mich weitgehend vom Schlafen abgehalten.
Der Morgen wurde mit einem Wutanfall des Kapitäns lanciert. Er hat insbesondere seinem weinenden Säugling gegenüber nicht gerade viel Verständnis an den Tag gelegt – seine Schläge und Tritte konnten ihn auch nicht besänftigen – aber diesmal ist er so durch das Schiff auf seinen Ältesten los gestürmt, dass ich dachte es brenne oder so. Ein weiterer Mann hat sich dann dazwischen gestürzt und ihn fest gehalten, bis er sich wieder beruhigt hatte und es konnte weiter gehen.
In aller Frühe waren wir in Djenné, Unesco Welterbe und Heimat des grössten Lehmbautes der Welt. Ich habe mich gleich Richtung Moschee aufgemacht, die Ungläubige laut Reiseführern nicht mehr betreten dürfen, seit ein Modefotograf in den Innenräumen nicht ganz genehme Fotos gemacht hat. Aber Geld ist mächtig und ich wurde bald angesprochen, zum Hintereingang geführt und vom angeblichen Sohn des Baumeisters eingelassen. Im Innern ist es recht düster, Sandboden und etwa ein Viertel des Raumes wird von quadratischen Säulen eingenommen. Ich liess mich im Anschluss von dem Guide durch die Altstadt führen, e war einigermassen kompetent, wollte mir aber mehrmals erklären was ein Imam ist und brachte mich auch noch bei einer Tuchfärberei vorbei …

Moschee von Djenné

Montag ist der grosse Markt in Djenné, darum wollte ich auch heute hinfahren. Mit der zeit wurde der Platz um die Moschee immer voller und farbiger. Ansonsten wird mir vorallem der Schlamm und sein arger Gestank in Erinnerung bleiben. Das begann mit einem Hilfswerk, das Wasserleitungen installiert hat ohne sich Gedanken über das Abwasser zu machen. Ich bin wirklich nicht ausserordentlich heikel, lasse keinen Fischmarkt aus und habe noch kein Essen komplett verschmäht, aber heute hatte ich wirklich einen Moment lang Angst mich übergeben zu müssen. Zurück nach Sévaré fuhr ich in einem normalen Buschtaxi, einem Mercedes-Bus mit gut zwanzig Sitzplätzen. War zwar viel schneller, aber mit allen Stopps, Fähre, Händlern und zu bestechenden Polizeikontrolle ähnlich aufreibend.
Voraussichtlich gibt es für mich wiedermal ein Bett diese Nacht und ab morgen will ich ein paar Tage im Land der Dogon wandern gehen.

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