Ouagadougou II

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Ouaga war sehr entspannt. Als Hauptstadt ist es wieder etwas moderner, etwas weniger „ça va?“ und Souvenierhändler. Die Museen schliessen über mittag. Da dort kaum etwas angeschrieben ist und es gerade mal jeder zehnte Einheimische lesen könnte, wird man geführt. Um Trinkgeld wird nicht gefragt, genommen wird es aber schon. Im Musikmuseeum wurde ich noch auf gut zwei Stunden Djembe-Unterricht eingeladen. Nichts von wegen „Afrikaner haben Rythmus einfach im Blut,“ so harte Arbeit habe ich in Afrika sonst höchstens auf Feldern gesehen. Es wurde wenig gesprochen und viel gespielt und geflucht. Aber wenn es mal gestimmt hat, hatte der Lehrer eine riesen Freude 🙂
Über mittag war ich auf einen Fruchtsaft „Chez Auntie Propre.“ Als sie den Grund meiner Essens-Abstinenz erfragt hatte, begann die Grossmutter zur Belustigung der Gäste allerlei Verdauungsstörungen geräuschvoll zu imitieren, um kurz darauf mit den passenden Tabletten und etwas Wasser wieder aufzutauchen. Schon seit Tagen auf Schadensbegrenzung aus habe ich dankend abgelehnt.
Ouagadougou ist die Hauptstadt des Westafrikanischen Kinos, sogar mit einem Cineasten-Denkmal. Ausserdem sei ein Kinobesuch in der Region vor allem wegen der Audienz ein lohnendes Spektakel und der einheimische Titel „Mathy la Tueuse“ klang vielversprechend. Es sollte mir aber vergönnt bleiben: beim ersten Anlauf wurde kein Film gezeigt, weil ich alleine war und als sich um halb Neun der Saal etwas gefüllt hatte, haben sie den Ton nicht auf die Reihe gekriegt. Beide Male wurde der Eintritt anstandslos zurück erstattet. Als Weisser alleine im Kino habe ich sogar bei der Getränkedame für Verwunderung gesorgt, die würden sich sonst höchstens in Begleitung her wagen. Immerhin war der halboffene Saal eindrücklich, als ich zum ersten Mal dort sass hatten sie gerade einen heftigen Schauer mit Wetterleuchten am Laufen.
Auf dem Rückweg musste ich mich noch eines hartnäckigen Bettlers mit langer Geschichte entledigen, der mir die letzten Francs CFA abnehmen wollte. Da waren auch laute, unfreundliche Worte nötig und ich fand es bereits schade, so etwas als letzte Erinnerung mit nach Hause nehmen zu müssen. Zum Glück hat mich dann ein Rollerfahrer einach so an den Flughafen gestellt, nachdem ich gegen Mitternacht an einer eher unbelebten Kreuzung ewig auf ein Taxi gewartet hatte. Er lies sich überhaupt nicht dazu bewegen, die extra fürs Taxi aufgesparten CFAs an zu nehmen und hat so meinen Urlaub gerettet 😉
Der Rückflug war zwar anstrengend, aber an sich völlig unspektakulär. Nagelschere und Pincette habe ich mir wie der grösste Anfänger abnehmen lassen. Viel Warten, die National Geographics France welche ich zwischen Moschee und Supermarkt in Ouaga noch gekauft hatten waren schon lange gelesen und die afrikanischen Kopfhörer schon lange kaputt. Wenn ich im Flieger nichts gegessen habe hiess es nur „Ah, Ramadan.“ Die Afrikaner sind bereits in dicken Kleidern am Flughafen eingetroffen, haben sich in Casablanca etwas besser eingepackt und im Landeanflug zur Sicherheit noch zwei Jacken über die beiden Pullover gezogen und eine Wollkappe aufgesetzt.
In Afrika habe ich die Armut nie drückend empfunden. Abgesehen von ein paar Ausnahmen sind die Unterschiede nicht allzu extrem und dermassen heftige Kontraste wie in Kambodscha habe ich nicht erlebt. Seit ich zurück bin mache ich mir doch meine Gedanken. Ich habe in sechs Wochen Westafrika beispielsweise nur einmal einen Hahn für warmes Wasser gesehen und der hat erst noch nicht funktioniert, hier gibt es das auf jedem Bahnhofspissoir. Oder Treppen, ich wäre schon paarmal fast gestürzt. Die Reise hat mir eindrücklich vor Augen geführt, welche Annehmlichkeiten ich wirklich schätze und auf was ich getrost verzichten könnte … Zum Beispiel Durchfall, aber den bin ich auch fast los 😉
Damit wäre hier bis auf weiteres Schluss mit T.I.A. Die alten Beiträge konnte ich bereits wieder herstellen und all die versprochenen Fotos gibt es später auch noch 😉

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