Peja

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Gestern Nachmittag habe ich das Kloster von Gracanica besucht. Liegt in einer serbischen Enklave, gekrönt mit einem serbisch beflaggten Palett Backsteine … Hin kommt man mit dem Bus, man darf einfach nicht damit rechnen dass einem der Fahrer oder der Kontrolleur auf die Haltestelle aufmerksam macht. Auch am Busbahnhof findet man eher irgendwelche Albanienfahnen als eine Information. Zum Glück findet einem die Information, wenn man genügend verloren aus der Wäsche schaut. Viele Buse hier und im Norden Serbiens kommen übrigens aus der Schweiz, viele davon haben noch die Postauto-Farben. Die Kirche dort ist ebenfalls aus Backsteinen und hat im Innern tolle, dunkle, einigermassen erhaltene Fresken aus dem vierzehnten Jahrhundert. Ich wurde von einer alten, nicht gerade freundlichen Nonne gleich wieder rausgeschmissen, sie musste weg und kam paar Minuten später zurück und ich durfte rein.
Heute fuhr ich nach Peja. Es war windig und bewölkt — viel angenehmer 🙂 Den ersten Bus um sieben gabs nicht, dafür wäre abends wohl noch einer nach dem letzten auf dem Fahrplan gefahren. Der Weg ist gesämt von UCK-Monumenten, unterbrochen nur durch eine zerstörte Kirche. Peja liegt in richtigen Bergen und es gibt einen halbwegs orientalischen Basar, seit neustem Autofrei. Ausserdem ist Peja für sein Wasser bekannt und ich muss zugeben, es schmeckt wirklich nach verdammt wenig.
Daneben gibt es Kloster ausserhalb der Stadt. Morgens fuhr ich nach Decani raus, den Weg vom Dorf zum Kloster hat mir ein Parkwächter der UNO auf Deutsch erklährt, nicht ohne zu sagen wie schön es ist, dass ich Kosovo besuche. Nach dem ersten Checkpoint hörte ich Leute hinter mir her rennen, drehte mich um und sah ein paar einrostende italienische SoldateInnen beim Joggen 😀 Dort musste ich eine halbe Stunde warten, bis mich die italienischen KFOR-Soldaten rein liessen. Warten musste ich auf der anderen Strassenseite, für Gründe reichte das Engllisch dieser Italiener nicht. Wunderschöne Kirche, schön gelegen und darum wird eine riesige Stacheldraht-Mauer gebaut.
Wieder in Peja habe ich einen Herrn gefragt, wo das Zentrum sei. Er hat lange in Solothurn gearbeitet, ist nun pensioniert und hat mir gleich die Stadt gezeigt und mich zum Essen (viel gebratenes Tier, wenig Salat und Brot 🙂 ) eingeladen. Er war nicht der erste, der sich im Stil von „wie gefällt ihnen hier im Schweiz“ versprochen hat 🙂 ch hätte auch bei ihm im Dorf übernachten können. Dort seien alle katholisch. Dass es die hier auch noch gibt wusste weder Lonely Planet, noch die KFOR-Mannen, die ich gefragt habe. Die wissen auch nicht wo Buse fahren und sehen nichts von der Region. Sechs Stunden täglich während sechs Monaten den selben Checkpoint, sonst kriegen die nicht gerade viel zu sehen.
Nachmittag wollte ich das Patriarchat von Pec (Peja in Serbisch) besuchen. Mein Reiseleiter wollte mir ein Taxi nach Decani organisieren. Dass es neben Decani noch das Patriarchat gibt konnte ich ihm nicht beibringen und so war es an der Zeit, mich richtung Internet-Kaffee zu verabschieden, wo ich mich mit Hilfe von UNESCO-Koordinaten und Google-Maps schnell überzeugen konnte, dass es wirklich zwei Paar Schuhe sind. Der Betreiber des Kaffees hat mir gleich eine Karte gezeichnet, obwohl der Weg kurz und nicht zu verfehlen war.
Dort musste ich eine geschlagene Stunde warten, irgendein Topshot mit Helikopter war zu Besuch. Pass und Kamera musste ich abgeben (hab ich mich nackt gefühlt … ups, das gibt Google-Hits), darfür bekam ich den KFOR Passport Mission Aquila oder so number one 🙂 Dort sind drei oder vier Kirchen unter einem Dach zu sehen, mit schönen Fresken und Altaren. Sehr gemütlich gelegen, am Ausgang einer Schlucht. Auch Weltkulturguterbe, wie die oberen beiden. Bei der Mauer hier fehlt nur noch der Stacheldraht. Etwas weiter hinten kann man runter zum Fluss und etwas trinken. Bis auf Zikaden und Musik wie zuhause 🙂
Zum Glück hatte ich The Kosov@ Post dabei, um mir die Zeit um die Ohren zu schlagen. Eigentlich sollten Reiseführer für Kosovo (und Afrika) Sudokus drin haben oder zumindest die Checkpoints … Dort steht auch noch drin, dass vor zehn Jahren keine Gemeinde im Kosovo gefunden werden konnte, um fünfhundert Zigeuner unter zu bringen. Sie wurden kurzerhand auf dem Sondermüll deponiert und schreiben seither mit neuen Bleihöchstwerten Medizin-Geschichte. Nun untersucht eine kosovarische Kommission die Rolle der UNMIK, die in der Zeit zehntausende Albaner und Serben evakuieren und somit retten konnte. Die UNMIK ist jedoch weitgehend imun und die Zigeuner leben immer noch dort … Wo im Kosovo wird eigentlich die neu gesprochene EU-Milliarde investiert?

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3 Antworten to “Peja”

  1. aida haxhijaj Says:

    hallo

    Wow ich finde es voll interessant und genial das sie in peja waren!
    ich komme aus peja und bin am sonntag gerade zurück gekommen!
    falls sie in den bergen waren,wo waren sie genau und wie fanden sie es??

  2. Geri Says:

    Guten Morgen,

    nein ich war nur bei den beiden Klostern und dort in der Nähe etwas spazieren. Die Gegend hat mir gefallen, aber es war etwas neblig und ich musste (/wollte) weiter.

  3. Egzona Qerkinaj Says:

    Hei Geri
    Du hesch mer doch gseit das de nur verbigfahre bisch z Kosovo…..Aber das du z Peja bisch gsi hani nid gwüsst.
    I bi in Peja gebore hehe 😀
    Das wär doch es Thema gsi wo mir hättä drüber chönä redä aber du bisch und blibsch ä spannendä ruige Typ.
    Hätti di den kennt, hätisch sicher bi üs de Heimä z Peja mau chönä übernachte 😀
    Na ja villech es nächschts mau

    Bisch de den allei gsi?

    Aso LG exiiiiiii

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