Vuno

by

In Berati wollte ich noch eine zweite Welle Postkarten abschicken, aber nach einer ereignisarmen Viertelstunde in einem verdammt heissen Postbüro wurde es mir zu blöde. Dort gabs einen Wächter, der vorallem der Solitair spielenden Dame in Schalter eins Getränke gekauft hat und einen zweiten Schalter wo gerade mal ein einziger Brief raus kam in der Zeit …
Ich fuhr dann nach Fieri, wo ich mich zu einem doofen Minibus überrumpeln liess, statt den normalen Bus zwei Minuten später zu besteigen. Der ist dann ewig rumgekurvt, bis er so richtig brätsch voll war. In Vlora wurde ich irgendwo rausgeschmissen, ein Taxi brachte mich zum angeblichen Busstopp. Dort hat mir ein Typ erzählt, von hier aus fahre heute kein Bus mehr, aber er hätte gerade Pause und würde mich für viel Geld in die nächste Ortschaft stellen, wovon er glaubt, dass noch einer fahre. Ich hab ihn etwas runter gehandelt, schliesslich hatte ich keine Karte und sonst konnte ich mit keinem Schwein sprechen. Auf der Fahrt wollte er erst einen hundert Euro schein in kleinere gewechselt haben. Als ich sagte, dass ich Euros im Kofferraum hätte wollte er mich dann los schicken, etwas Trinken zu kaufen. Er würde natürlich bezahlen sagte er, mir den Hunderter hinstreckend, den er eigentlich gewechselt haben wollte … Da habe ich auf vorsichtig geschaltet, einen angeblich wertlosen schweizer Hunderter gezeigt und gemeint ich könne weder wechseln noch sei ich durstig … Immerhin fuhr der Bus, er kam natürlich von Vlora und der Typ fuhr nicht zurück, er hatte offensichtlich da was zu tun. In Vlora und Berati sah ich auch verschiedentlich gefälschte schweizer Nummernschilder, mit einem gelben Strich auf rotem Grund als Kantonswappen 😉 Ansonsten sieht man vorallem italienische und griechische Nummernschilder neben den albanischen, und vereinzelt ein englisches.
Dann wurde alles gut. Beim Warten hat mir ein kleiner Junge einen Stuhl organisiert, ich musste da drauf sitzen, da gab es nichts. Er konnte ein paar Brocken Englisch und ich musste seine Hand ewig schütteln. Er hat dann meinen kleinen Rucksack getragen, sich immer so gesetzt wie ich und mir gesagt, wenn ich wieder Schweiss von der Stirn wischen musste 😀 Er stieg irgendwann aus und ich musste mit dem Bebe auf dem Nebensitz weiter spielen, bis wir in Vuno waren. Die Fahr war spektakulär, direkt von der Küste durch einen Nationalpark auf einen gut tausend Meter hohen Pass und wieder runter.

Ionische Küste

In Vuno hat eine Holänderin mit ihrem albanischen Freund die Schule wieder aufgebaut und fürt dort durch den Sommer eine ässerst freundliche Herberge. Wir waren ein gutes Duzend, etwa zur Hälfte Holänder und Albaner, viele habe ich schon von Tirana her gekannt. Die ionische Küste ist voller weisser Kieselstrände, viele verlassen oder unberührt. Die Polizei hat alle illegalen Bauten zerstört, von manchen Hotels steht einfach noch die legale Hälfte. Es gehen Gerüchte um, dass ein grosses Projekt geplant ist, sonst wären eher Bussen angesagt gewesen.

Schlucht

In der Nähe gibt es eine Schlucht und am ersten Tag wanderten wir dort hin. Leider sind die Pfade ziemlich zugewachsen und schwer zu finden, so mussten wir des öfteren mit Thymianbüschen und Stechpalmen statt Olivenhainen leben. Dafür riecht meine Fototasche nun ganz fein 🙂 Am zweiten Tag sind wir oberhalb gestartet und alles dem Flussbett nach hoch. War wunderbar und zum Abendessen gabs Ziege vom Grill und Glenlievet 🙂

Olivenhain

Heute hatte ich mehr Glück mit dem Transport — auch wenn es zuerst nicht so aussah. Der Bus in Vuno fuhr statt um zehn um halb zehn und wir musste ihm nach jagen. Drinnen war es unheimlich stickig, weil sich ein paar Herren an den paar Sonnenstrahlen, die von Zeit zu Zeit durchs offene Fenster fielen gestört haben … Kaum in Saranda fuhr ein Minibus für Gjirokastra vor, der mich ohne gross Federlesen dort hin fuhr. Die Fahrt kann sich unmöglich rentiert haben. Dort wurde ich mit dem zweiten Fahrgast bei dessen Wohnung abgeladen. Er hat mich gefragt, in welches Hotel ich möchte und dann kurzerhand dessen Manager bestellt, nicht ohne mir einen Rakj an zu bieten. Dafür wars mir ein bisschen früh und nach Vlora war ich (zu unrecht) etwas misstrauisch. Auf jeden Fall kam der Manager prompt und ich bin nun in einem schönen, traditionellen Hotel einquartiert.

Advertisements

Schlagwörter: , , ,

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s


%d Bloggern gefällt das: