Bombay

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Am Flughafen Zürich wurde ich zum ersten Mal in meinem Leben auf Übergepäck aufmerksam gmacht, bin aber mit den fast vier Kilo Spaghetti durch gekommen. Ich habe meine Schwester und ihren Freund wie abgemacht am Flughafen getroffen. Die beiden studieren Architektur und machen hier an einem Austauschprojekt zum Thema Stadtplanung mit. Die ganze Bande wohnt in der gehobenen Mittelklasse Zweitwohnung der Eltern einer indischen Studentin und ich darf auf dem Sofa auf ihrem Balkon im siebten Stock unter Mückennetz und Ventilator nächtigen. Am Flughafen muss man vorausbezahlte, teure, klimatisierte Taxis nehmen, sonst gibt es günstige und mit Meter, wobei die Gerüchteküche meint, einige haben eine Karte mit Touristentarifen dabei …

Koloniales Bombay

Mumbai ist ziemlich voll. Auch voller Gerüche, manchmal ist jeder Atemzug anders. Ich kann mir nicht vorstellen, wohin all die Rikschas durch den Tag verschwinden. Die Züge sind noch um einiges extremer, dafür schneller. Kontrolliert wird man am Bahnhof und wenn man sich dort ohne Ticket aufhält, muss man eine Busse bezahlen. Auch wenn alle Tickes gleich viel kosten bezahlt man, wenn man eine Station zu spät aussteigt, wobei sowohl das Wissen, wo man ist, als auch das Herauskommen an sich nicht gerade einfach ist — obschon es keine Türen gibt … Das Hineinkommen im Übrigen auch nicht und täglich sterben Leute, die aus fahrenden Zügen fallen. Im Übrigen haben es die Kontrolleure systematisch auf Weisse abgesehen, wer sonst könnte sich die Busse von zwei durchschnittlichen Tageseinkommen leisten?
Ansonsten ist Mumbai ganz nett. Heiss, aber erträglich. Die Leute sind scheu (wobei ich das als Frau vielleicht anders sehen würde, die haben nicht ohne Grund ihre eigenen Wagen in den Zügen), aber hilfsbereit. Nicht einmal die Bettler und unzähligen Obdachlosen sind wirklich aufdringlich. Im Süden gibt es viele Gebäude aus der Kolonialzeit, wobei die ohne Palmen und improvisierte Schattenspender aus irgend Blättern auch irgendwo in Europa stehen könnten. Das habe ich mir am ersten Tag angesehen. Jetzt haben die Burgdorfer auch frei, gestern waren wir auf der Elefanteninsel (mit Höhlentempeln) und heute in einem Nationalpark (mit weiteren Höhlentempeln und ein paar Tigern und Löwen, die man aus einem vergitterten Bus in ihren Käfigen sehen kann). Einen indischen Single Malt Whisky haben wir auch gefunden, nicht sehr interessant, aber süss und ganz gut.
Diese Nacht fahre ich nach Ellora, um — wer hätte das gedacht — noch mehr Höhlentempel zu besuchen. Da ich etwas müde bin, habe ich mir eine Doppelkabine mit Klimaanlage geleistet. Kostet immerhin fünfzehn Franken, die Pritsche wäre nur vier. Dort will ich eine Nacht verbringen, dann hab ich wieder einen Nachtzug zurück und Mittwoch fliege ich (hoffentlich) nach Udaipur. Dann will ich durch Rajasthan bis zum Taj Mahal und dort sehe ich weiter. Im Ganzen habe ich drei Wochen in Indien.

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Eine Antwort to “Bombay”

  1. lüku Says:

    jo lugiz es isch heiss und bieuig 🙂 hie nid

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