Udaipur

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Ich bin von Udaipur total positiv überrascht. Nach all den Hinweisen in Reiseführern und Berichten von anderen Reisenden habe ich mit dem Schlimmsten gerechnet (und in diesen Rechnungen bin ich gut ;-)). Klar, es ist voller Touristen und man kriegt an jeder Ecke Toilettenpapiert, klar musste ich dem Prepaid-Taxifahrer vorsorglich vorgeflunkern, ich hätte reserviert. Er hat dann doch noch ein bisschen gewartet, lies sich aber leicht weg schicken. Die Händler sind so freundlich und lassen einen einfach davon gehen, dass ich mich auch mal in einen Laden getrauen würde und Trickbetrüger („Can you help me with letter from Switzerland … I have problem …“) sind hier auch mehr herzig als bedrohlich. Blickt man etwas stober kommt sofort ein „No English?“ und ein weiteres Nicken später ist man sie los. Slums oder Obdachlose muss man richtig suchen.

Udaipur liegt um einen künstlichen See, der im Moment zwar nicht gerade viel Wasser hat, aber der Rest ist Gras und die Jungen spielen dort frühmorgens Kricket. Apropos Gras, ging keine halbe Stunde, da wurde ich gefragt, ob ich welches zum Rauchen möchte. Die Gassen hier sind enger und leider wirklich voller Abgasdunst. Nur mit einer Karte etwas finden ist so gut wie unmöglich, glücklicherweise kommt man von selbst bei allen Sehenswürdigkeiten vorbei. Hier sieht man mehr Frauen und gegen Abend bildet sich auf einer Treppe am See ein farbiger Teppich von traditionell gekleideten Frauen, mit ihren Kopftüchern. Dahinter ist der gröste Palast Rajasthans, mit unzähligen Türmchen und Balkönchen. Manche sind voller Spiegel-Mosaiken, andere sind aus Kacheln, die aus einem schweizer Ofen stammen könnten — soviele Stilelemente an einem Gebäde habe ich noch nie gesehn. Eigentlich sind es drei Paläste, der erste wurde Mitte 16. Jahrhundert vom Maharaja Udai Singh II, dem Gründer der Stadt, erbaut. Heute ist ein grosser Teil ein Museeum (mit Sterlingmotor betriebenen Ventilatoren) und ein Teil ein Palasthotel. Dort kann man eine Sammlung von Kristallglas betrachten, bis und mit Bett liess sich ein anderer Maharaja daraus schleifen. Das Hotel ist jedoch deutlich eindrücklicher.

Udaipur

Ausserdem steht der gröste Hindu-Tempel Nordindiens hier, mit schönen Schnitzereien. Man bezahlt keinen Eintritt, aber Spenden für Essen an Bedürftige sind willkommen. Ein Student hat mich für ein Trinkgeld herum geführt. Im inneren, heilligen Teil gibt es Spiegel, damit alle die Ganesh-Statue sehen können, wenn es einmal voll gestopft ist.
Ich wohne gleich auf der anderen Seite des Sees. Da ist eine etwas ruhigere Gegend mit Herbergen, die alle Dachterassen mit grossartiger Aussicht haben, gerade abends auch mit eindrücklich mühsamer Geräschkulisse. Dann ist die Stadt etwa zu einem Drittel stilvoll, zu einem weiteren halt so normal indisch und zum letzten mit übelstem Weihnachtsbaum-Kitsch beleuchtet. Die Brücke zur Altstadt ist auch öfters mit Kühen verstopft und gestern hat ein äterer Hindu mit Tritten und Tasche um Durchlass ersucht. Das hat dem Kalb weniger gepasst und es hat den Kopf in seine Richtung gesenkt. Er hat sich mit einem „Nightmare“ hinter mich geflüchtet und ich habe das als waschechter Kuhschweizer mit etwas Zureden bravourös gemeistert 😉

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Eine Antwort to “Udaipur”

  1. Franziska Says:

    …da stellt sich nun heraus, was du im Eritz für nützliche Lehren fürs Leben mitbekommen hast! Jedenfalls fehlte es dort nicht an Kühen und Kälbern, um den Umgang mit ihnen zu üben. Auf so einer Dachterrasse möchte ich gerade auch den Samstagabend geniessen. Hier ist es zu kühl, um draussen zu sitzen. Aber heute haben Papa und ich die Terrassenkübel teilweise neu angepflanzt. Langsam spriessts auch hier. Weiterhin gute Reise! mam

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