Kumbalgarh und Ranakpur

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Donnerstag abend wollte ich auf zum Sonnenuntergang auf einen Hügel mit ein paar Tempeln spazieren, liess mich aber von einem Schild von wegen No-Entry, striktes Vogelschutz-Gebiet, aufhalten. Zum Glück fährt gleich dahinter, nach einem Park und einem Zaun eine Seilbahn hoch. Dort kommt auf unzählige „No Plastic Zone“-„Keep Evironement Clean“-Schilder genau eine unscheinbare Kartonkiste, die möglicherweise als Abfallkübel gedacht ist … Aber die Aussicht war auch gut, nur wäre das Licht morgens besser.
Gestern habe ich mit einem spanischen Reiseleiter einen Wagen gemietet, um Kumbalgarh und Ranakpur zu besuchen. Endlich konnte ich mal zusehen, wie man in Indien richtig fährt. Nach links und rechts schauen vor dem Ab- oder Einbiegen ist verpönt, dafür ist die Hupe da. Damit man die m&oumlg;lichst die ganze Zeit betätigen kann, hält man das Steuerrad im oberen Drittel und hornt mit dem Unterarm. Aber wie das mit der Strassenseite geht konnte ich nicht ganz nachvollziehen, eigentlich wäre Linksverkehr, aber er fuhr wenn keiner kam immer ganz rechts …
Bei Kumbalgarh steht ein grosses Fort, umgeben von einer 36km langen Mauer, auf der bis zu acht Pferde nebeneinander geritten werden können. Die Aussicht von ganz oben ist atemraubend, die Hügel verschwinden nach und nach im blauen Dunst.

Fort Kumbalgarh

In Ranakpur stehen mehrere Jain Tempel. Jainismus ist als Reformbewegung aus dem Hinduismus entstanden. Soweit ich das verstanden habe, wollten sie durch Vereinfachen der Rituale die Macht der Priester verringern und haben die Kasten nicht akkzeptiert. Sie verehren eine Reihe von Idolen und diese sehen Buddha-Statuen ganz ähnlich. Von aussen sehen die Tempel aber den hinduistischen ähnlich. Es gebe zwei Arten von Jain Mönchen, die Nackten und die mit Mundschutz, damit sie keine Insekten schlucken. Letztere wischen den Weg vor sich die ganze Zeit, um nichts Kriechendes zu verstampfen (ich habe aber bis jetzt weder noch gesehen). Leder und alles Konsumierbare (auch Wasser) ist im Tempel untersagt. Ich musste meine Kameratasche sicher drei Wachmännern zeigen, Taschen sind nämlich auch nicht zugelassen.
Der Tempel selbst ist ziemlich schön, mit vielen feinen Steinmetzarbeiten. Zum Glück ist er aus weissem Marmor (im Gegensatz zu Ajanta), schliesslich muss man die Schuhe auch ausziehen.
Schon nur wegen der Fahrt durch die karge Landschaft hat sich der Ausflug gelohnt. Man fährt zwar hundert Kilometer aus Udaipur, trotzdem gibt es kaum eine Ecke, wo man keine anderen Menschen sieht. Spuren von Menschen sieht man jedoch überall, die ganze Gegend ist mit einem Netz aus Trockenmauern überzogen. Auf dem Land sieht man auch mehr Turbane, deren Tragart und Farbe sagen einiges über den Träger aus. Auch ganz interessant fand ich, dass meistens innerhalb eines Dorfes die Kopfütücher gleich tief in die Gesichter gezogen waren.
Auf der Rückfahrt haben wir noch bei einem Hindu-Tempel kurz gestoppt. Dessen Wächter hat kaum von der Zeitung aufgesehen und nur gemeint „This Vishnu temple, money there!“
Auf heute bin ich nach Jaipur gefahren, wo ich einen Kollegen meiner Schwester getroffen habe. Wir sehen uns noch den Taj Mahal an und treffen die anderen dann in Goa, um zusammen nach Hampi zu fahren. Diesesmal war ich in einem Bus unterwegs. Das Bett war zwar nur wenig schmaler und kürzer als ich, aber irgendwie hat da niemand an Gepäck gedacht und das musste dann auch noch in die Zelle. So war es doch noch angemessen kuschelig. Auf der einen Seite war so ein Schiebedeckel und auf der anderen hätte man das Fenster genügend weit öffnen können, um den Ellbogen Manta-mässig raus zu halten. Immerhin hatte ich Glück mit meinem Einzelkasten 😀

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