Helsingør und Louisiana

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Potz war der Bahnhof von Stockholm gestern voll! Heute wollten wir Dänemark eine zweite Chance geben und zogen wieder mit einem dieser äusserst hässlichen Lokalzüge hier zwischen Dänemark und Schweden los. Dieser war nur zehn Minuten spät, hat uns dafür nicht im Stich gelassen, wie der gestern … Dafür ist das Zugpersonal ausnehmend freundlich, es stammt wohl zum Grossteil aus Schweden.
Wir fuhren nach Helsingør zum Schloss Kronenburg, das durch Hamlet weiltweit bekannt wurde. Es war damals gerade ein neu wiederaufgebauter Prunkbau zum Einziehen von Wegzöllen im Öresund und da es äusserlich gut erhalten ist, landete es auf der UNESCO-Liste. Da bei der Restauration nicht alle Details der Inneneinrichtung bekannt waren, hat der engagierte Architekt voll auf die Vorstellungskraft der Besucher gesetzt. Das beginnt bereits beim Eingang, wo Kasernengeräusche ertönen. Immerhin sind ein paar Gemälde, Möbel und Teppiche aus der Zeit zu sehen, auf einem ist eindeutig Obelix drauf — definitiv das Highlight! Ansonsten sind Texte auf Touchscreens halt auch nur Texte …
Bereits beim Testen, ob meine Fototasche in die Kiste passt oder ob ich sie nicht mitnehmen darf wurde ich von weitem angeschnautzt „This belongs into a locker, no discussion!“ Hoppla. Dann „I suggest you visit the royal rooms first.“ und als wir nicht sofort reagiert, sondern einen Grund abgewartet haben „hello, are you here?“ Immerhin hat er sich dann bequemt zu erklären, dass das halt der natürlichste Weg sei …

Helsingør

Obwohl ich die kleine Türe praktisch ausgefüllt habe und mit meiner senfgelben Jacke nicht gerade diskret unterwegs bin, hat uns die Wächterin die Türe zur Kappelle direkt vor der Nase zugeschlagen. Immerhin ist die Kappelle auch ganz schön, mit Einrichtung aus dem sechzehnten Jahrhundert. Weiter gings zum „Tower“, wie sie hier dem Dach neben dem Turm sagen und zum Dessert in die Katakomben, wo sich tausend Mann mit Proviant für sechs Wochen belagern lassen konnten. Es war stimmungsvoll mit Petrollampen ausgeleuchtet und wenn man sich zum saftigen Eintrittspreis auch noch eine Taschenlampe gekauft hätte, hätte man auch die Schilder lesen können. Dänemark hat Brasilien, das sich geweigert hat, für das Abschaffen des Sundzolls zu bezahlen, die Schulden erst 2003 erlassen — dass die Mentalität noch da ist, erstaunt also nicht weiter.
Enttäuscht haben wir uns trotz der knappen Zeit noch ins Louisiana gewagt, obwohl wir von diesem Museum für moderne Kunst nur wussen, dass sie kalte Füsse gekriegt haben, als Bjørn Nørgaard (unser Liebling von Koppenhagen) mit der Opferung eines Pferdes gegen das Desinteresse am Vietnamkrieg demonstrieren wollte. Gute Entscheidung, es ist wirklich toll. Es hat eine Sammlung mit einem Picasso, die grösste mit Giacomettis Skulpturen, Künstlerportraits von Arnold Newman und Skulpturen von Max Ernst, daneben zwei Ausstellungen. Die eine zeigt den Werdegang von Anselm Kiefer, dessen riesigen Bilder mit Strukturen aus dick aufgetragener Farben und Materialien wie Stroh oder Stacheldraht uns wirklich gut gefallen haben. Die andere zeigt Aktionen von Sophie Calle. Sie hat ihr Bett ausgeliehen oder eine e-Mail, in der ein Freund mit ihr Schluss macht, von über 170 Frauen interpretieren (sprich tanzen, berechnen …) lassen, um darüber weg zu kommen.
Leider ist das einzig wirklich pünktliche hier die Schliessung dieses Museums, schon fünf Minuten vor sechs wurde man zum Gehen aufgefordert …
Immerhin kamen wir so rechtzeitig zum kitschigen Sonnenuntergang raus und wieder nach Kopenhagen, wo wir herrlich bekocht wurden und jetzt die neusten Folgen The Big Bang Theory auf uns warten 🙂 Vielen Dank!

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