Norwich

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Ich lebe nun also zwischen Universitätsspital Universität und Forschungspark in einem von vielleicht fünf Häusern mit Hotel-mässigen Zimmern voller Dökter drin. Bei der Uni gaben sich ein paar Verkleidete mit Gummiäxten aufs Dach (das sehen ist schlimmer als Geburtstag haben …). Dabei hätten sie unzählige Fussball- und Rugby-Plätze hier — kein Wunder dass in dieser flachen, grünen, weiten Gegend Golf populär ist. Rundum sind ein paar Dörfer und Flüsse, die sich manchmal zu „Broads“ verbreitern. Das Gezwitscher ist zwar schön und ich habe mein Telefon in der Regel nicht mal mehr als Uhr dabe, aber man hier eigentlich nur Vögel beobachten (habe schon einen Fasan aufgescheucht), Kaninchen jagen und Gassi gehen.

Thomas Payne Study Center

Oder den Bus in die Stadt nehmen. Vorbei an den luxeriösen Villen in den Vororten mit ihren hohen Zäunen (sogar Spielplätze sind hier umzäunt — mindestens einmal!) und „Vote Green Party“-Wimpeln. Aus dem oberen Stock sieht man manchmal sogar solche Kleber an den Butzenscheibchen … Nützen tat es nicht viel, bei den letzten Wahlen vor einem Jahr haben die Konservativen in der Gegend fast die Hälfte der Sitze geholt, UKIP nochmal fast einen Fünftel — immerhin politisch kann ich mich wie zuhause fühlen. Normal for Norfolk (NFN) steht scheints im Ärzte-Slang für inzestuöse Hinterwäldler. Letztens im Bus eine junge Frau am Telefon über Taxifahrer: „Some of them are foreign, but they are normal!“ In der Stadt selber gibt es dann auch Hakenkreuz- und SS-Tätowierungen …

Zum Glück hat mich darauf das Dandifest für ein Hass-freies Norwich aufgemuntert 🙂 Die Kunstausstellung war in einer von 36 Kirchen, Zeugen des Mittelalterlichen Wolle-Booms, als Norwich nach London die wichtigste Stadt der Insel war. Die Kirchen sind hauptsächlich aus Feuersteinen, fast schwarz und schimmernd. Ansonsten viel Backsteine überall. Mein Lieblingsort ist der ständige Markt, der älteste des Landes, in Blechbaracken vor dem Rathaus. Habe feinen Käse (der milde blaue war dann doch recht räss) und zu viel Fleisch (fürs Frühstück) eingekauft 🙂 Für lokales Bier haben sie mich beim Metzger zu „Rainbow Foods“ geschickt. Habe schon ein schlechtes Gewissen gekriegt, mit all den Einkäufen in einen Bio-Laden zu gehen, bis ich sah dass er auch vegan ist 😀

Markt von Norwich

Ich bin unterdessen nicht mehr ganz soo perplex wenn ich auf Englisch angesprochen werde, aber ertappe mich immer noch bei Gedanken wie „pah, dermassen touristisch, die haben ja sogar eine englische Speisekarte draussen“ … Ausserdem gerate ich in Menschenmengen auffällig oft in besonders hartnäckigen auf-die-gleiche-Seite-ausweichen-Situationen — ob das wegen dem Linksverkehr ist? Und den berühmt-berüchtigte englische Humor hatte wohl auch der Architekt des Personalhauses, der die einzige Ablage statt unter dem Spiegel über der Toilette montiert hat — oder wie oft ist Dir die Zahnbürste schon ins Lavabo gefallen? 😀 Oder der Brauer des 2012er Suure-Moscht mit gut 8% …

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