Norfolks Nordküste

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Ste war übers Wochenende zu Besuch. Nach einer letzten Sitzung Donnerstag morgen fuhren wir mit einem Mietwagen Richtung Küste. Besonders amüsiert hat uns Cromer, ein etwas heruntergekommener Ferienort an der Küste, voller älterer Leute und Kinder, die Krabben fangen. Und ganze Mäuerchen voll Leute, die Fish and Chips essen. Eine Medium-Portion hätte gut für uns beide gereicht … Wir hatten wunderbares Wetter und offensichtlich sind unter Briten Sonnenbrände nicht nur im Ausland schick 🙂 Da wir eigentlich mit Regen gerechnet hatten, haben wir uns dem Trend nicht völlig verweigert …

Kiddie Land

Die Küste ist im Prinzip ein einziger Strand mit Abschnitten für jeden Geschmack, mit Kieseln oder sehr feinem Sand, mit oder ohne Klippen, Wald, Wiesen … und sehr sauber; man findet höchstens ein paar Golfbälle oder zerkaute Tennisbälle. Hunde sind überall. Auch in Naturschutzgebieten. Dort sind zusätzlich überall Vogel-Beobachter*Innen, mit riesigen Fernrohen und Kameras. In manchen Reservaten wurden ganz liebevolle Reservate eingerichtet, mit Infotafeln, Verstecken und enthusiastischen Freiwilligen.

Es ist dermassen flach, dass man manchmal eine gute halbe Stunde diretissima durch den Strand wandert, bis man am Wasser ist. Ausserdem geht die Sonne so flach runter, dass zwischen sechs und halb neun Sonnenuntergang ist — also genau dann, wenn die Küchen in den Pubs offen wären. Entsprechend haben wir uns abends hauptsächlich flüssig ernährt 🙂 Hinter den Stränden sind viele malerische Dörfer, mit Windmühlen und Klöstern. Aber auch fürchterliche Käffer, mit zuckersüssen B&Bs, wo wir den Altersschnitt drastisch runter gezogen haben und Pubs, wo furchteinflössende, tätowierte Betrunkene an der Bar Bier-Empfehlungen abgeben.

Samstag fuhren wir via Broads zurück, das sind Gewässer hier, die irgendwas zwischen See und Fluss sind, mit malerischen Villen dran, trinkenden und holejenden Touristen drauf und erstaunlich vielen Vögeln dazwischen. Wir waren mit einer grösseren Tour unterwegs. Obwohl der Kapitän mit seinem Bart und tätowierten Armen wie ein richtiger Seebär aussah, hat er sich mehr wie ein Lehrer aufgeführt und uns Eisvögel und so gezeigt, statt sachgerecht zu fluchen …

Vogel

Die Nacht auf Sonntag war nicht gerade erholsam; das (mit Anlauf) billigste Hotel in Norwich hat uns eine Breitseite gegeben … Unser Zimmer war direkt beim Eingang mit piepsendem Code-Schloss, knarrendem Boden und heiteren Heimkehrenden die ganze Nacht. Ausserdem war es tropisch, das Fenster konnte man nicht (einmal wenn man tatsächlich wollte) öffnen und auch nicht abdunkeln, dafür haben die vorbeifahrenden Autos direkt rein gezündet. Das Licht drehen sie übrigens erst an, wenn sie wirklich nichts mehr sehen können ohne — obwohl hier das Sicherheitsbedürfnis so hoch ist, dass man Rasierer erst ab 18 kaufen kann und Internetseiten mit Taschenmessern blockiert sind … Item, immerhin war es nicht so ein charakterloses Budget-Hotel wie sonst überall; Toaster und Teekocher waren vorhanden und der Teppich in der Toilette für den Stock reichte bis zur Dusche, von der er immer feucht gehalten wird, damit er sein volles Aroma entwickeln kann … So haben wir Sonntag nur noch die Kathedrale und das Schloss angesehen und sind zurück auf den Landsitz zu den Döktern …

Das Schloss hat eine lange (und dunkle) Vergangenheit als Gefängnis. Heute findet sich im schrulligen Museum zum Beispiel der grösste Teekrug der Welt aus dem Prinz sowieso Tee getrunken habe, mit unzähligen anderen Teekrügen, mit Beinen, im Panzer-Design … Oder ausgestopfte Liger-Babies, die der Senf-Magnat und die anderen lokalen Entdecker so nach Hause brachten. Einer hat auch das Grab Tutanchamuns geöffnet, entsprechend sind auch paar Mumien da. Und eine riesiger „Mein Kampf“ mit goldiger Schrift auf weissem Grund, den das königliche Norfolk Regiment erobert hat.

Unterdessen ist die letzte Woche von diesem Aufenthalt fast vorbei. Und es ist höchste Zeit: ich zucke zwar immer noch oft zusammen, wenn auf der falschen Seite ein Wagen entgegen kommt (auch wenn ich ebenfalls auf der falschen Fahre) und werde immer noch in jeder Konversation „you are not from here, aren’t you?“ gefragt, aber ich war letztens von einem Pub etwas enttäuscht, weil es nur ein Duzend Biere am Zapfhahn hatte und davon erst noch die Hälfte so internationale wie Hoegaarden 😉

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