Golf in Organya

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Eben, ich habe unterdessen ein Auto. Macht zwar, dass ich mich alt fühle und hat einiges an Überwindung gekostet, fliegen geht aber schwer ohne. Dass ich nicht wirklich weiss, was für ein Auto ich brauche, hat die Sache auch nicht leichter gemacht. Irgendwann habe ich mich entschieden einen günstigen vierer Golf oder A3 mit Dieselmotor zu suchen. Angeblich halten die ewig.

Den ersten habe ich mir in Hospitalet de Llobregat angesehen, einem ziemlich herunter gekommenen Quartier. Nach mehrmaligem spanisch sprechende Freunde anrufen lassen haben die mich vor ihre Garage bestellt und dann mal noch drei Viertelstunden warten lassen (wobei hauptsächlich Polizeiautos vorbei gekommen sind). Sie mussten zwar etwas Öl putzen, weiss nicht sicher von welchem Gefährt, aber der Golf sah aus wie neu. Testfahrt war nicht möglich, hatte noch keine Versicherung. Das wollten sie zwar am nächsten Tag erledigen und sich dann melden, haben sie aber nicht und ich mich auch nicht mehr, weil das Internet meint der Chef würde recht häufig Name und Telefon wechseln und bezahle manchmal nicht so schnell und so …

Der Zweite war in der Nachbarstadt Terrassa, ein Kollege hat mich hingefahren. Der Golf sah dann auch so aus, wie man sich eine Karre für drei Tausend Euro vorstellt: angenehm verbeult, ziemlich verkratzt und ein wenig angerostet 🙂 Testfahrt sofort, der Chef musste eh noch ein Motorrad testen, nichts wie nach. Bei der zweiten Ampel hat er uns neben sich hinfahren lassen und zum Fenster rein gesagt, ich solle doch endlich mal etwas Gas geben, der gehe schon nicht kaputt! War nicht so, dass ich mich an Geschwindigkeitsbegrenzungen gehalten hätte … Item, mechanisch schien er top, Kupplung, Schaltung, Bremse, Gas, bestens — die Racing-Garage scheint sich auf das Wesentliche zu konzentrieren — nur manchmal ist er mir beim Anfahren verreckt. Hat sich dann herausgestellt, dass der erste Gang etwas hart ging und ich immer im dritten angefahren bin. Mit 130PS kann man das eben. Lag am Schalthebel, wurde behoben. Der Garagier liess es sich auch nicht nehmen, uns auf einer kleinen Spritzfahrt zu zeigen, was er mit ein wenig Gas geben gemeint hat und hat im Kreisel vom gut funktionierendem elektronischen Stabilitäts-Programm geschwärmt, während wir in den Gurten hingen 😉

Der Arbeitskollege hat dann auch noch eine Versicherung für mich hin telefoniert, für Ausländer ging das nicht einfach so online. Die folgenden Tage wurde ich immer mal wieder angerufen, aber die konnten jeweils nur Spanisch und so habe irgendwann bei der internationalen Nummer angerufen, wo mir dann versichert wurde, dass alles in Ordnung sei. Kurz darauf wieder ein Anruf, ich müsse eine Versicherung von der internationalen Abteilung derselben Gesellschaft abschliessen … Ganzer Spass von vorne, etwas günstiger und mit Feuer- und Diebstalversicherung (gegen letzters hatte ich eigentlich schon die Beulen). Meine Konto wurde natürlich doppelt belastet, mal sehen ob sie sich da auch von selber melden …

Ausserdem hat der Garagier sehr darauf bestanden, dass ich meinen Führerschein in einen spanischen umtausche. Könnte sonst recht teuer werden (trotzdem fahren hier alle Kollegen mit ihren alten rum). Kein Problem, muss man nur einen Termin buchen (persönlich oder für einen Vertreter), nur zwei Wochen Wartezeit. Braucht auch ein ärztliches Attest, mit so einem Koordinationstest, aber die Dame hatte eher wenig Geduld mit mir und sofort eingegriffen und den Test für mich erledigt. Dann dort auf dem Amt muss man sich erst paar mal anhören, wie Südamerikanern erklärt wird, dass sie ohne Aufenthaltsbewilligung hier ihren Ausweis nicht umtauschen können. Sache von einer halben Minute, würde man denken. Dann ganz viele Formulare ausfüllen, dass mein Ausweis gültig ist, nie eingezogen wurde, etc. nur um dann zu hören, dass sie das jetzt mit der schweizer Polizei abklären und mir dann in paar Wochen Bescheid geben, falls ich meinen spanischen Ausweis abholen kann …

Item, seit letzter Woche gehört das Auto ganz offiziell mir und ich konnte es abholen. (Vorher hätten sie eine Kopie von einem spanischen Ausweis wollen, um allfällige Bussen weiter zu leiten. War mir nicht allzu recht und das Wetter sah nicht grossartig aus, also übte ich mich in Geduld.) Der Mechaniker konnte eigentlich nur Katalanisch und wollte mir trotzdem zeigen, dass man nicht nur die Bremse, sondern auch die Kupplung drücken muss, beim Anlassen. Leider sprang er dann nicht an. Hat herrlich aus der Wäsche geguckt 😀 Bisschen Laden und Überbrücken später konnte ich mich dann mässig entspannt (jetzt nur ja nicht Abwürgen) in den Feierabendverkehr aufmachen …

Ste war auch zu Besuch und letztes Wochenende fuhren wir nach Organya. Zum Fliegen war es nur mässig gut, aber die haben dort einen Käse- und Fleischladen, unsäglich guter Stoff. Zuhause war dann ziemlich eine Wasserlache unter der Motorhaube, also Dienstag gleich wieder zur Garage. Derselbe Mechaniker, dachte schon ich hätte Ste zum Übersetzen dabei — er hat Minuten gehadert, bis er wirklich glaubte, dass auch sie kein Katalanisch kann. Er hat sich dann trotzdem das tropfende Wasser angesehen; war Kondenswasser von der Klimaanlage 😀 Jaja, zuhause ist eben Sitzheizung Trumpf 😉

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Eine Antwort to “Golf in Organya”

  1. andy Says:

    Jaja, in der CH waren wir schon verwoehnt mit unserer Direkten Buerokratie. Auf hawaii lauft auch alles auf Inselzeit… das nennen sie dann stolz Aloha spirit.
    Bald bin ich auch M.Sc in Geduld.. du bist halt schon beim Ph.D.

    Cheers

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