Nationalfeiertag

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Während alle Augen auf Schottland gerichtet sind, ist Unabhängigkeit natürlich auch hier ein Thema. Einen Nationalfeiertag haben sie bereits, nämlich der 11. September und sie nennen ihn schlicht DER TAG. Da wurde vor genau dreihundert Jahren Katalonien den Habsburgern von den Bourbonen abgeluchst. Damit waren die auf vordere Reiche zurückgehenden Privilegien hin und seither ging es nur noch bergab, aber das war auch alles recht egal, bis Franco das bisschen Blumenniederlegen zum Gedenken verboten hat. Seit sie wieder dürfen geht traditionell die Post ab … Ansonsten merkt man von der habsburgischen Vergangenheit höchstens noch auf Malle etwas 😉

Und so ist die Stadt seit Tagen beflaggt, wobei nur die Fahne der katalanischen Sozialist*Innen noch seltener ist, als die stinknormale Katalonien-Fahne. Eigentlich sieht man nur die mit dem blauen Stern der Nationalist*Innen, die sich wie die Schott*Innen natürlich auch als Teil der EU sehen würden. Was man nicht alles lernt, wenn man mit einem Politik-Studenten wohnt 😉 Auf jeden Fall sind alle meine katalanischen Freunde aus der Stadt verduftet. Dafür wurden massenhaft Autobusse voller Landeier aus allen Ecken eingeführt (auch mit ÖV-Bussen) und die haben sich mit roten und gelben T-Shirts ein V für votar, voluntat oder victòria in den grössten Strassen der Stadt formiert.

Auch zuhause in Barceloneta wird brav weiter Protestiert. Unterdessen ist zwar  nur noch ein kleine, lärmige Horde übrig, dafür protestieren sie nicht mehr gegen illegale Zimmer für Touristen sondern generell gegen ausländische Touristen. Ob die Touristen aus Spanien mit meinen?

Ist auf jeden Fall ehrlicher so, schliesslich sprechen wir hier von einer recht milden Gentrifizierung. Die Wohnungen sind zwar alt, aber für die Lage direkt am Meer und doch so zentral dünken mich die Preise in Ordnung. Xavi sagt zwar jedes mal unter Kopfschütteln, wie besser es hier geworden sei — früher hätten hier nur Junkies gelebt und wie schon mal geschrieben, jedes Auto hatte einen „brecht mich nicht auf, ich wohne im Quartier“-Kleber — aber nach wie vor werden Leute mitten am Tag ausgeraubt (Arbeitskollegin, dieses Jahr und da hat auch niemand von den jetzt Protestierenden geholfen). Ausserdem geht der Touristenstrom laufend zurück. Merke ich vor allem, dass ich nun rund jede zweite Nacht durchschlafen kann. Und das bleibt auch so, weil für die restlichen Störungen sind keine Ausländer verantwortlich …

Eh nu, ich mag auch  nicht, wenn Leute ihre kleinen (und manchmal auch grossen) Geschäfte in der Strasse erledigen, aber da könnte man ja auch für mobile Toiletten wahrend der Hauptsaison demonstrieren. Ausserdem sind die in den Abfall-Containern vor sich hinrottenden Abfälle wesentlich schlimmer. Oder einheimische Väter, die neben ihre spielenden Kinder rotzen …

Während die paar Duzend durch die auf die Proteste hin verschärften Inspektionen geschlossenen Touristen-Wohnungen kaum Leute davon abhalten, ihre Wohnungen an Grossfirmen zu verscherbeln, waren die Folgen für die Betroffenen durchaus unangenehm. Die Touristen wurden einfach vor die Türe gesetzt, obwohl es eigentlich unmöglich ist eine legale von einer illegalen Unterkunft zu unterscheiden. Einige wurden über Jahre betrieben, während die Mühlen der Bürokratie das Bewilligungsgesuch ignoriert haben. Dafür gibt es angeblich nun Bussen zwischen zehn und hunderttausend Euro …

Fazit: Als Tourist bucht man besser nicht über Airbnb in Barceloneta und ich muss mich nach einer neuen Bleibe umsehen. Mein Obermieter hat (verständlicherweise) wenig Lust, so eine WG zu betreiben … Dafür gibt es hoffentlich auf den Winter hin zuverlässig Warmwasser unter der Dusche. Wenn dann auch noch der Duschkopf zum Schlauch hält und weder Türschloss, noch WC-Spülung eine Bedienungsanleitung brauchen wäre, würde ich auch nicht nein sagen. Und ja, ein etwas grosszügigerer Parkplatz, nicht direkt neben einem Porsche, wenn es geht 😉

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Eine Antwort to “Nationalfeiertag”

  1. Moettu Says:

    Ig fin de Parkplatz näbe Porsche ömu perfekt 🙂 viu besser aus dr „nid ihbräche“ chläber 😉

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