Weihnachten

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Die Wäsche will zwar nicht mehr recht trocknen (nimmt nur immer mehr Fischaroma an), aber draussen ist es immer noch gut zehn Grad. Drinnen leider auch. Dafür mit echtem Weihnachtsbaum. Wir konnten unsere Mitbewohner auch fast von anständigen Kerzen überzeugen … Gibt es scheints ausserhalb von Österreich und der Schweiz nicht. Hat auch keiner einen Feuerlöscher zuhause, und wenn man fragt wo es das gibt fragen alle nur wozu? Die Elektroinstallationen sind ja wie neu, gekocht wird mit Gas und geheizt mit kleinen Öfen. Was war eigentlich der Elektriker von Beruf? Die Feuerwehr ist ja auch nur ein paar (tausend, verwinkelte) Ecken weg und der am Telefon versteht garantiert Spanisch. Oder Katalanisch.

Ansonsten ist die Dekoration recht mager, am Institut und im Rest vom Haus gar nichts. Barcelona spielt ganz vorne bei der geschmacklosesten Beleuchtung überhaupt mit. Ausser am einen Markt, da haben sie ganz liebevoll einen halben Meter Lichterketten um die Pfosten gewickelt, wie Nato-Draht … Auch abgsehen von der Dekoration will nicht wirklich Adventsstimmung aufkommen. Es ist weder kalt noch dunkel. Zusaetzlich ist man sich Barcelona im Dunkeln auch ganz gut gewohnt …

Hmhm

Trotzdem ist die Stadt voller (Einkaufs-)Touristen. Wohl hauptsächlich aus dem Umland und die sind sich auch nicht zu doof um einen ganzen Block an zu stehen für ein paar vergünstigte Takeaway-Nudeln am Blackfriday. Weil Strand nicht doch nicht mehr ganz so attraktiv ist, sieht man oft nicht über die Strasse, an der wir leben. Und die ist gerade mal drei Meter breit … Besonders gäbig wenn man noch ein Ikea-Gestell dabei hat.

Item, Mandarinli sind hier herrlich, aber spanische Nüssli kaum zu finden. Weihnachtsgüetzi sowieso nicht, nicht mal Zutaten wie gemahlene Nüsse oder Puderzucker (so verzweifelt sind wir …). Immerhin Grittibänze haben wir halt selber gebacken und mit Kollegen ein anständiges Chlouseznacht gemacht 🙂

Dafür sind hier Krippen angesagt. Und zwar realistische, was bedeutet dass auch immer einer am Scheissen ist. Der hat sogar einen Namen, Caganer. Sei auch ein Symbol für den Zyklus des Lebens und Dünger. Neuerdings ist auch einer am Seyken, der Pixaner. Dann gibts noch den Cagatio, ein Holzklotz, der in der Adventszeit brav zugedeckt und gefüttert wird. Nur um in dann am Dreikönigstag mit einem Stock zu verprügeln, bis er die Geschenke (oder eine graue Süssigkeit, das Pendant zur Rute) scheisst. Eingen Guten wünscht man sich mit menja bé, caga fort i no tinguis por a la mort!“ (‚Iss gut, scheiss kräftig und fürchte dich nicht vor dem Tod!‘).

Mit meinem Katalanisch-Kurs läuft es übrigens auch langsam besser; sprich ich muss nicht mehr jedesmal eine Stunde spazieren gehen um mich zu beruhigen. Nichts macht einen Sprachkurs unerträglicher als eine Horde übermotivierter Jungmütter, die jeden Scheiss super finden … Wir sind auch nicht mehr bei Verwandschaftsgraden, die ich nicht mal auf Berndeutsch kenne. Putzen und Sternzeichen sind zwar auch nicht viel alltagstauglichere Themen (merke ich jeweils, wenn ich nicht auf Englisch erzählen kann, was wir gelernt haben), aber führen zu erstaunlich lustigen Lektionen in der kleinen Gruppe 🙂

Und Weihnachtsessen sind des Weiteren auch angesagt. Mit unterirdischen Präsentationen. Unser Direktor hat Zahlen präsentiert, Demografie und so — obwohl die kurz davor per e-Mail kamen. Und der CEO hat ein gutes Duzend CAPSLOCK-SLIDES runter gelesen. Erst haben alle gelacht, dann wurde uns klar: die meint das ernst! Ihr Englisch ist aller Exzellenz zum Trotz dermassen schlecht, dass man sie ohne Folien schlicht nicht verstanden hätte. Kann auch nicht schaden. Tapas und Ente waren aber vorzüglich. Zum Dessert gab es erst ein ewig langes Lotto — das Weihnachtslotto Spaniens ist wohl das Grösste der Welt, ebenfalls mit unheimlich vielen Preisen und die werden dann noch aufgeteilt — und den traditionellen Dance-your-Lab-Videobewerb. Wäre unsere Gruppe nicht etwas hinten gehockt hätten wir mit unserer Loituma-Version glatt gewonnen 🙂 Die wollten drum gerecht sein und hatten einen Schallpegelmesser auf der Bühne … In diesem Sinne frohe Festtage!

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Eine Antwort to “Weihnachten”

  1. Alles beim Alten | pflog Says:

    […] Der Sohn von einem einheimischen Kollegen hat übrigens Caga for Papa gelernt — scheint hier wirklich wichtig […]

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