Tote Stadt

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Es ist zwar nochmal eine Kutte kälter, aber das erste Quartierfest steht auf dem Programm. Mit Bier- und Weinfestival, ist wesentlich besser verträglich, wenn einen nach wenigen Stunden so richtig friert 😉 Trotz Krise gibt es offenbar viel weniger Schnäppchenjäger als Weihnachtsshopper und die Stadt gehört wieder den ständigen Bewohnern. Leer sind die engen Gassen der Altstadt halt doch am schönsten 🙂

Passend hat gestern ein kleiner, aber öffentlicher Sender den Dokumentarfilm Cituat Morta (Tote Stadt) ausgestrahlt. Am 4. Februar 2006 wurde im Zuge der Auflösung einer Party in einem seit 2000 besetzten Theater ein Polizist schwer verletzt. In einer ersten offiziellen Version wurde er ohne Helm von einem Blumentopf getroffen, der von einem Dach herunter geschmissen wurde. In einem Video von der Szene hört man Polizisten nach Helmen schreien. In einer zweiten offiziellen Version wurde der Polizist von einem geworfenen Stein getroffen. Obwohl diese Version vom Gerichtsmediziner völlig ausgeschlossen wird, wurden fünf Junge für diese Tat verurteilt — durch alle spanischen Instanzen. Drei davon wurden in der Strasse verhaftet, die noch vor der Beweisaufnahme geputzt wurde. Die beiden anderen wurden im Spital von Polizisten angeblich wieder erkannt, wo die ersten drei nach dem Verhör übel zugerichtet verarztet werden mussten. Die beiden waren von einer Ambulanz inklusive Velo von Velounfall aus einem anderen Stadtteil ins Spital gebracht worden. Eine der beiden hat sich während dem Vollzug umgebracht.

Da sich niemand von der offiziellen Seite im Film äussern wollte, ist er vielleicht tendenziös. Hinter der Kulisse tut das offizielle Barcelona aber alles für die Glaubwürdigkeit: Zwei der beteiligten Polizisten sind unterdessen wegen Folter in einem anderen Fall verurteilt wurden. Es hat den Sohn eines Diplomaten gebraucht. Dasselbe Spital hat ihnen jedoch Arbeitsunfähigkeit bescheinigt und sie werden bis an ihr Lebensende eine gute Rente geniessen. Ein Gespräch zwischen dem Informationsoffizier und einem Richter musste auf richterliche Anordnung zensiert werden. Die Gewerkschaft dieser Truppe mit Imageproblem hat gestern den Tweet „Ein guter Tag zum ins Kino gehen. Wobei wenn ihr Fantasie mögt hat C33 [der Sender] genug.“ abgesetzt, zwischen Bildern von ihren Mitgliedern, die stramm stehend für mehr Respekt ihnen gegenüber demonstrieren. Ausserdem hat Spanien die Weihnachtszeit genutzt, um Demonstrationsgesetze massiv zu verschärfen.

Schönes neues Jahr allerseits!

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