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Sachä git’s!

April 2, 2018

Wir frieren zwar immer noch mehr als nötig, aber ein Kollege aus Deutschland streicht sich schon Sonnencreme ein zum Arbeiten und wir haben letzte Woche draussen Basketball spielen wollen, weil die Halle wegen Setmana Santa geschlossen war. Auf dem Platz neben dem Büro lief aber gerade ein Streeball-Turnier und als ich die Kollegen im Spass gefragt habe, ob wir mitspielen können, waren wir bereits angemeldet. So bin ich haargenau zwanzig Jahre nach der Adidas Streeball Challenge 1998 wieder in einem Turnier gelandet, nur hätten die Gegner meine Kinder sein können, abgsehen von Länge und Teint und wir haben entsprechend auf den Ranzen gekriegt 😀

Dann waren wir Pizza essen und am Nachbartisch so zwei halbe Portionen, die haben die Karte ja eher lange angeschaut und dann der eine Pizza und der andere Spaghetti Carbonara gekriegt. Dazu bisschen Wasser und Fanta oder so, ich innerlich ziemlich drauf runter geschaut, bis die beide nochmal je eine Pizza gekriegt haben. Einfach so. Völlig beiläufig. Wir haben extra auf Vorspeise verzichtet, dass wir noch eine Nutella-Calzone essen konnten und dieser einfach zwei Pizzas! Ich habe immer noch ein komisches Gefühl wenn ich dran denke, so belustigt und irritiert 🙂

… Und vorhin bin ich in der Kletterhalle runter gefallen, weil ein Griff auseinander gebrochen ist. Der von der Halle musste ziemlich viele Fotos machen, hat er wohl noch nie gesehen. Bin ja schon etwas schwerer geworden, aber soo viel dann auch wieder nicht 😀

Ab morgen noch paar Tage in den Stollen …

… dann paar Tage Skifahren 🙂

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Unser Barcelona

März 27, 2018

Der Frühling kommt zwar zögerlich, aber er führt uns vor Augen, wie gut das Leben hier eigentlich ist. Hier die Hinweise, die ich normalerweise Gästen schicke — kommet in Scharen 🙂

Tageskarten für Metro und Bus rentieren kaum. Für 10 Euro kriegt man eine 10-Fartenkarte, die man auch teilen kann. Einmal stempeln ist recht lange gültig, auch wenn man von Metro auf Bus umsteigt und das Ticket nochmal durch den Automaten muss wird in der ersten halben Stunde (oder so) nicht nochmal gestempelt. Ausserdem gelten Tageskarten wohl für viele Sachen nicht, wie die Doppelstöcker für Touristen, die angeblich auch ganz gut sind um einen Überblick zu kriegen.

Ansonsten Taschendiebe. Hotelsafe benutzen, in der Metro immer ein bisschen bewegen, in grossen Menschenmengen nicht aufhalten lassen … Und die grossen Attraktionen möglichst im Internet vorab buchen, kostet gleich viel Geld, aber viel weniger Nerven 🙂

Zu sehen gibts sehr vieles, aber ich finde man kann auswählen und muss nicht alles gesehen haben, ausser der Altstadt. Etwas weniger bekannt und trotzdem schön sind die paar Hügel rundum, Montjuic (30min zu Fuss), der Bunker (45min Metro & zu Fuss), Tibidabo (1h ÖV, heruntergekommener Vergnügungspark und furchtbar kitschige Kathedrale drauf) und Montserrat (2h OeV, zum richtig wandern), insbesondere gegen Sonnenuntergang sehr schön. Das Miro-Museeum ist auch ganz nett, nicht zu gross, dafür mit Quecksilber-Springbrunnen.

Ausserdem gibt es unheimlich viel gutes Essen 🙂 Vegetarisch ist nicht ganz einfach, dafür oft auch gleich vegan. Hier ein paar Favoriten: Bitacora und Stoke Bar für bisschen Tapas wie hier üblich; Palo Cortao für dasselbe etwas gehobener und andalusisch angehaucht; La Mundana ebenfalls, aber etwas mehr vom Grill; Terra d’Escudella oder Senyor Parellada für katalanisch; O Meu Lar für Fleisch oder Fisch, gallizisch; La Paradeta fuer Meeresungeziefer; Mano Rota für gediegen (gutes Dutzend Gänge).

Und wenn Tapas zu viel werden gibt es auch eine grosse Auswahl an internationalen Restaurants. Barcelona ist die Stadt mit den meisten ItalienerInnen ausserhalb Italiens, entsprechend fein ist Pizza hier (Napoletani DOC ist wohl das Beste, fritierte Calzone probieren und Nutella-Calzone nicht vergessen; NAP hat auch viele AnhängerInnen und ist super schnell). Für japanisch Luri, chinesisch Dream Cafe, persisch Rincon Persa. De Paula hat die besten Burger, Makamaka auch ganz anständige (falls man über fürchterliches Bier und Wein wegsehen kann), Bro Burger und Bacoa auch. Cat Bar hat super Bier und vegane Burger. Bombay Spicey ist ein guter Inder und Magraner Boig ein guter Grieche. Taqueria für mexikanisch und Tabo für chilenisch.

Cerveceria Jazz ist unsere Lieblingsbar, gemütlich und gutes Bier. Sor Rita ist die Lustigste, hat viele lustige Fotos an der Wand und kaputte Barbies. Auch lustig ist Nevermind, mit einem Pool für Skater. Oder Absenta, mit einer grünen Fee an der Decke. Stoke Bar, Teatre Antic (draussen) und Tinta Roja sind ruhiger. Die einzige Weinbar die wir gekannt haben hat leider Besitzer gewechselt und ist nun furchtbar.

Narcopisos

Februar 4, 2018

Die Ruhe war von kurzer Dauer, denn die Wahlen haben die Lage nicht geklärt, im Gegenteil. Die Separatisten haben zwar mit 47.5% der Stimmen ein Prozent oder so eingebüsst, aber im Prinzip trotzdem eine Mehrheit im Parlament. Im Prinzip, weil man sich im Parlament nur in gewissen Situationen vertreten lassen darf, zum Beispiel wenn man in Untersuchungshaft sitzt, aber nicht wenn man in Brüssel „im Exil“ ist. Wahrscheinlich würde aber auch eine einfache Mehrheit reichen um den „Präsidenten“, wie sie Puigdemont immer noch nennen, wieder zu installieren, denn die Unionisten sind wohl noch ein bisschen mehr verkracht, als die Separatisten. Im Moment haben sie die Wahl aber ausgesetzt und der neuste Schildbürgerstreich ist zwei Regierungen zu bilden, eine legitime in Brüssel und eine legale hier.

Aber eigentlich wollte ich über Wohnungsnot schreiben, denn die treibt hier besonders absurde Blüten: Narcopisos. Das sind Wohnungen, die Immobilienhaie Dealern zur Zwischennutzung vermieten, bis die letzten hartnäckigen Mieter aus den 70er vertrieben sind. Dann pinseln die Haie den leeren Block neu an und vermieten die Wohnungen für ein Vielfaches. Unterdessen stellen die Dealer einen riesigen schwarzen Türsteher davor und sehen zu, dass geputzt wird, wenn sich jemand übergibt und dass die Körper unter einer Strassenlampe abgeladen werden, wenn sich jemand übernimmt. Sie kriegen das Heroin angeblich aus der beachtlichen pakistanischen Diaspora, die insbesondere während Schulferien zuviel Verkehr für rigorose Kontrollen verursacht. In Pakistan gibt es Heroin günstig, weil Schlafmohn im Machtvakuum das die Amerikaner in Afgahnistan zurück gelassen haben gut wächst. Die Konsumenten seien Touristen und Schnorrer, die wissen in welchen Eckladen sie ihre Münzen Noten umtauschen können, denn die Dealer nehmen nur Noten. Ein Schuss koste zehn Euro.

Für den Kontext, wir bezahlen hier rund 850 Euro für eine „warme“ Wohnung, in Bern waren es 1100 Franken für eine Warme. Beide Wohnküche + Schlafzimmer, wenig charmanter Mittelaltbau, auch schwierige Nachbarn, relativ zentral gelegen. Jetzt verdienen wir zusammen knapp 5000 Euro nach Steuern und Krankenkasse, in Bern waren es wohl knapp 9000 Franken vor Steuern und Krankenkasse. In der Schweiz war das aber anderthalb Medianlöhne, hier sind es vier oder fünf! Wenn man nun einen guten Arbeitsvertrag (unsere Postdocs würden nicht reichen) und die 20-40% vom Kaufpreis auf der hohen Kante hat, wird es günstiger: Freunde ein paar Blöcke weiter haben Wohnküche + drei Zimmer + Terrasse und bezahlen für die Hypothek 550 Euro 🙂 Abgesehen vom Wohnen ist das Leben hier schon deutlich günstiger; ein Abendessen mit zwei Pizzen und vier Bier kostet vielleicht 25 Euro und der Preis für die Zehnfahrtenkarte für die Metro wurde erst gerade auf 10 Euro angehoben.

Was man gegen Narcopisos oder für Süchtige tun sollte, weiss ich auch nicht; aber bei der Wohnungsnot könnte Deprivatisierung helfen, in Basel, in Leipzig …

… und auch hier übernimmt ein Syndikat Hypotheken:

Propaganda

Oktober 30, 2017

Inspiriert duch einen Artikel hier einen Vorgeschmack der medialien Diät, die uns so vorgesetzt wurde. Wüste Sachen, seid gewarnt!

Die Separatisten:

Das öffentlich-rechtliche katalanische Fernsehen (die Schauspielerin imitiert spanische Vizepräsidentin, die unterdessen Katalonien regiert):

Die Unionisten:

Wer hat’s erfunden?

Hier noch ein paar persönliche Eindrücke, damit es nicht zu objektiv wird hier:

Nachwuchs

Unterdrückung

Don't flag with my life

Geschichten aus einem Heisenland

Oktober 8, 2017

Katalonien war nie unabhängig, aber der Traum ist alt und mehrmals wurde eine Katalanische Republik ausgerufen. Geschichte wurde zur Legende, Legende zum Mythos und 86 Jahre lang wusste niemand mehr um den Nationalismus bis er sich eines Tages einen neuen Träger suchte (ja, da ist aus Herr der Ringe 😉 Bis jetzt hat mich das pure Böse in der Geschichte nicht interessiert — aber jetzt kommen mir immer wieder Zeilen in den Sinn: One Ring to rule them all, One Ring to find them, One Ring to bring them all and in the darkness bind them). Eigentlich wollte ich ein Text schreiben, der nur so von Hass trieft, aber der Teil steht auch in den Zeitungen, darum ein paar Geschichten 🙂

Ein Freund, dem man durchaus ansieht, dass er von Mexiko oder so ist, musste sich von einem demonstrierenden Katalanen voller Stolz erzählen lassen, dass es ihre Unabhängigkeitsbestrebungen in der internationalen Presse noch vor das furchtbare Erdbeben in Mexiko geschafft haben.

Beide meine Freunde hier aus dem Balkan können kaum schlafen. Der eine hat mit seiner Mutter telefoniert und als sie auf den Seperatismus zu sprechen kamen hat der Vater mit „nicht am Telefon“ das Gespräch unterbrochen.

Donnerstag waren wir an einem Konzert einer andalusisch-mazedonischen Sängerin, mit Flamenco-Gesang und Balkansound. Schön und emotional. Ich habe mir vorallem vorgestellt wie sich Aufführungen im belagerten Sarajevo angefühlt haben müssen.

Unsere Bank hat uns am Abstimmungssonntag folgendes Video geschickt:

Mittwoch hat sie ihren Sitz nach Alicante verlegt. Donnerstag hat eine weitere Bank ihren Sitz nach Mallorca verlegt, heute scheint’s eine nach Valencia. Wir hatten unser Geld längst in die andere Richtung verlegt … Eine grosse Pharmafirma und die Gas- und Wasserversorgung sind ebenfalls weg gezogen.

Eine Arbeitskollegin von Ste hat, nachdem sie anerkennen musste dass nicht nur die Spanische Propaganda-Presse, sondern die ganze Welt sagt, dass Katalonien nicht automatisch in der EU wäre, gemeint: „Glaubt ihr wirklich, dass unsere Führer nach all den Jahre keine Verträge mit jedem EU-Land haben?“

Ein Arbeitskollege aus Zaragoza hat sich ein Billet nach Hause gekauft, einfach. Er hat nicht mehr ausgehalten keine Meinung haben zu dürfen, ohne von seinen Kolleginnen Nazi genannt zu werden.

Ein Freund von hier, dessen Eltern geheiratet haben, damit sie sich in Francos Gefängnisse Briefe schreiben konnten und der trotzdem kein Separatist ist, der ist bitter enttäuscht über seine separistischen Freunde, die dann doch nicht streiken wollen wenn es kostet (Beamte hatten frei).

Mein Chef hat einem anderen Professoren vorgeworfen, in seinen Ansichten würden die Hälfte fehlen, die keine Unabhängigkeit will. Dieser Antwortete das spiele keine Rolle, die reinen Katalanen wären zu 90% dafür.

Freunde von hier, mit denen ich früher vernünftige Diskussionen führen konnte, grüssen nicht mehr.

Ich habe Franquisten durch unsere Strassen marschieren sehen. Keiner hat etwas gesagt.

Die letzte Stimme der Vernunft sind die undogmatischen Linken (sprich die anarcho-kommunistischen Gewerkschaften). Nur sie kritisieren noch beide Seiten:

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Touristen und Terroristen

September 3, 2017

Hier geht langsam das Sommerloch zu Ende. Es war zwar wie immer, aber es fühlte sich schrecklich anders an. Touristen und Terroristen wurden in Barcelona Synonyme. Plakate wie „This is not tourism, this is an invasion!“ gehören zum Stadtbild, wie Graffiti von Touernica und sparatistische Fahnen: schwarzes „Si“ in weissem Kreis auf rotem Grund — ein Schelm wer nichts Böses denkt …

Vorletzten Sonntag haben in Barceloneta „Einheimische“ den Strand mit einer Menschenkette blockiert; notabene nachdem sie sich wohl seit der Strand für die olympischen Spiele aufgeschüttet wurde über alle Guiris, die an diesem dreckigen Strand baden, angeekelt lustig gemacht haben. Vorher war dort ein Slum.

Natürlich reagiert auch unsere Bürgermeisterin, die mir mal grosse Hoffnung gemacht hat: Segways sind jetzt in der Altstadt und am Strand entlang verboten. Ich hab sie ja auch gehasst, vor allem die elektrischen Trottinette, die ziehen Rowdies magisch an, aber ein paar KMUs zerstören wird nun mal Gentrifizierung nicht aufhalten. Genau so wenig wie die Aufforderung zum Bespitzeln der Nachbarn.

Apropos Aktionismus, um das Gebäude wo wir drin arbeiten ist jetzt Rauchverbot. Vorbildfunktion und so. Die Raucher in Labormäntel stehen jetzt viel besser sichtbar an der Strasse und sitzen auf der Treppe. Mol, guet gmacht. Immerhin profitieren die Obdachlosen: Im Innenhof kann man jetzt super pennen.

Zurück zu den Touristen. Leider sehen nicht mal unsere doch sehr gebildeten Freunde den Zusammenhang zwischen dem Anstieg im Tourismus und dem Abstieg im nahen Osten. Nicht mal nachdem sie ihre Ferien von den griechischen Inseln nach England verlegt haben, weil man den Anblick einer Nussschale voller Flüchtlinge seiner Freundin nicht zumuten kann. Andere entfliehen den Touristenströmen nach Bali. Und selbst Freunde die sich progressiv finden, glauben Fliegen sei einfach zu teuer! Denn AirBnB ist schuld.

Dabei mag mag ich eigentlich Touristen besser als Einheimische. Sie bedanken sich wenn man ihnen auf schmalen Strassen ausweicht, sie haben kaum Hunde die unsere Strasse dauerhaft in ein Minenfeld verwandeln und sich in der Nacht von den Balkons aus ankläffen, und sie fahren dann auch nicht mit aufheulenden Motoren und lauter Musik um den Block (und wenn sie es täten, wäre ihr Musikgeschmack höchstwahrscheinlich besser).

Item, vor zwei Wochen fuhren nun richtige Terroristen auf den Ramblas auf. Unsere Bürgermeisterin hielt eine Rede, Barcelona sei eine offene Stadt und alle seien willkommen. Das klang noch ganz anders, als ein paar Jugendliche einen vollen Touristenbus angehalten und verwüstet haben, mehr so wie Trump zum KKK … Offenbar kommen nun doch Poller, aber ich glaube nicht, dass die den Jugendlichen genügend Perspektive gegeben hätten, dass sie diesem Hassprediger nicht auf den Leim gegangen wären …

Immerhin scheint es die Restbevölkerung der Stadt gut weggesteckt zu haben: Ich musste noch keine verschmierten Moscheen sehen und auch keine Kreuzritterfahnen-schwingende Identitäre, die haben sie sofort verjagt 🙂 Unterdessen ist wieder alles beim Alten: in der Zeitung stand wie einzigartig die katalanischen Terroristen sind (denk Crema Catalana), die rechten Separatisten haben die Demonstration gegen Terror genutzt um möglichst viele rechte Separatistenfahnen dem König unter die Nase zu halten, und die linken Separatisten sind fern geblieben, weil der König für alles Böse steht 🙂

Nachtrag: Zum morgigen ersten Schultag (heute ist noch der Nationaltrauertag) hat el Periodico doch noch verlauten lassen, dass die Integrationsklassen der letzten Zehn Jahren der steigenden Ungleichheit wenig entgegensetzen konnten und neue Unterrichtskonzepte diskutiert werden müssen.

Detroit

März 19, 2017

Freitag Mittag war die Konferenz vorbei. Xavi und ich haben uns den Rückflug ab Detroit eingerichtet und gingen einen Wagen mieten. Den kleinsten den es gab, einen Toyota Corolla. Die Frau am Schalter wusste nicht wie man in die nächste Grosse Stadt kommt (I live around the corner and don’t get around much), dafür konnte sie uns sagen was unsere Versicherung abdeckt: anything you crash into, but not our vehicle. Als ich nochmal zurück ging um zu fragen was denn S und B an der Schaltautomatik bedeuten hat sie mich nicht mehr erkannt und gemeint P is for park, R for reverse and D for drive.

Wir sind dann ohne S und B nach Waldo gefahren, einem kleinen Dorf das uns die freundlichen Leute vom Institut wegen den Baloney Sandwiches empfohlen haben. Baloney ist phonetisch für Bologna und Bologna ist Lyoner und die Sandwiches sind wie Hamburger, aber statt Hammburger ist eine gut zwei Zentimeter dicke Lyonerscheibe drin. Kaum einen Umweg wert (Xavi fragt sich immer noch was Bologna denen angetan hat dass sie sowas danach benennen), aber die Spunte war herrlich und das Kaff auch. Laut den Öffnungszeiten war zu, also wollten wir in der Garage gleich über die Strasse nachfragen. Das Tor voller NRA-Kleber war auch zu, aber einer hat sehr misstrauisch zum Fenster rausgeäugt. Dann haben die beiden Rednecks sich dahinter aufgestellt, das Tor langsam hochgelassen und „can we help ya?“ Da sei schon offen, wir sollten einfach rein und have a good day 🙂

Wir fuhren weiter Richtung Berlin, dem Zentrum der Amischen Ohios. An den Hauptstrassen sind vorallem kitschige Läden, aber der freundliche Herr der gerade das Kulturzentrum am schliessen war hat uns noch gesagt dass sie hier trotz all dem Schweiz-Kitsch Schwäbisch sprechen und von der grossen Pferdeauktion in Mt. Hope erzählt. Der Käse in Heiri’s Cheeseshop mit Berner Bär auf blauem Grund war nicht wirklich besser nur weil er von Frauen in Röcken mit Haube verkauft wird, aber die Pferdeversteigerung war herrlich. Hauptsächlich Amische, alle gleiche Kutte, gleicher Hut, gleicher „Haarschnitt“ und kaum moderne Technik. Wie im Fernsehen hat einer den aktuellen Preis gesungen während die Pferde in der Mitte vorgeführt wurden. Dazwischen paar gefürchige in Tarnkleidung, die Amischen nennen sie „the English“. Wir haben uns etwas mit einem Amischen in seinem Laden unterhalten, freundliche Leute und stolz dass sie von Reisenden aus so vielen Ländern besucht werden.

Da wir wenig Zeit hatten sind wir Richtung Norden gefahren, um in Bowling Green zu übernachten. Es war saumässig kalt, wir waren sehr müde und haben in einem schmucken Kaffee an der Bar gegessen, als wir plötzlich gemerkt haben dass wir im falschen Bowling Green sind — das Massacker fand in Bowling Green, Kentucky nicht statt. Es hat eine lange Weile gedauert, bis wir uns wieder ohne zu Lachen ansehen konnten …

Am Samstag fuhren wir nach Michigan. Kaum über die Grenze sind die Strassen furchtbar. Wir fuhren direkt ins Henry Ford Museum, eine Mischung aus Nostalgie, Landmaschinen, Dampfmaschinen und vielen, vielen Autos. Die Texte sind vielleicht etwas angestaubt (Our cars, our video games, our frozen food, and our clothes are all impossible without electricity 😉 ), aber Umweltthemen wurden erstaunlich kritisch behandelt. Auch die Arbeitszeiten der Fabrikarbeiter — aber beim Kapitalismus war fertig kritisch.

Auch in Detroit war es saukalt, wir haben den Rest vom Samstag die schwarzen Dodge der Polizei bestaunt und in der Hochbahn Runden gedreht. Wir wollten noch auf ein Konzert oder so, aber die waren alle sehr früh, unsere Geschmäcker könnten kaum verschiedener sein und so sind wir schlussendlich einfach im Motel eingepennt. Das Motel war recht schäbig, fertig freundlich. Dafür war im Erdgeschoss ein tolles Diner wo man nur Frühstücken konnte (teils brauchen sie Worte schon etwas seltsam für uns, den Hauptgerichten sagen sie auch Entrees …), die Pfannkuchen, Rühreier, Rösti (Hash Browns sagen sie dem) und French Toast waren aber das beste was ich drüben gegessen hatte. Ausserdem war die Kundschaft durchmischt. Obwohl Detroit 80% schwarz ist kann man dort ohne Probleme Tage unter Weissen verbringen …

… Zum Beispiel an der St. Patricks Parade, mit Rasenmähern, Bulldog-Verein, Dudelsäcken, irischem Tanz und ganz viel Bier. Dann haben wir bei Whole Foods etwas höhlengereifter Gerierzer gegessen und uns das Heidelberg Projekt angeschaut. Dort hat vor dreissig Jahren ein dreissig jähriger Soldat mit seinem Grossvater und Kindern aus der Nachbarschaft Häuser angemalt als Zeichen gegen den Zerfall. Leider hat der Zerfall dem Projekt auch ziemlich zugesetzt und der Rest soll bald verschwinden.

Wie das Eishockey Stadion, wo wir am Abend die Red Wings gesehen haben. Für das Spiel wurden überall Parkplätze aufgemacht und mit teils absurd unterschiedlichen Preisen angeschrieben. Bei einem haben wir einen fast Zahnlosen gefragt ob es denn realistisch sei noch Tickets zu kriegen und der hat gemeint „yes, they’re loosing“. Wir haben beim Schalter nach Tickets gefragt, die wollten 85 pro Person. Als das Spiel dann langsam los ging haben wir bei einem Händler davor für 60 zwei Karten gekriegt. Und wie waren wirklich loosing, mussten aber auch gegen die Rangers von der Tabellenspitze spielen. Ich musste mir nicht allzu viel ansehen, die Frau neben mir wollte alles über unsere Arbeit wissen, obwohl sie erst gemeint hat darüber würden wir sicher nicht sprechen, als ich gesagt habe dass ich mathematische Biologie mache. War eine überraschend intelligente Unterhaltung, insbesondere über Evolution, was ich eigentlich umschiffen wollte um keine bierseeligen Rednecks zu provozieren 😀 Sie ist überigens extra von Kanada rüber gefahren um das legendäre Stadion nochmal zu sehen 🙂

Wir liessen den Abend in einer Bar bei wüstem Detroit Cheese Steak (Schuhsole mit gelber Masse drauf) ausklingen. Nicht mehr viel war offen, aber diese Bar war ganz sympathisch. Durchmischte Besucher, aber die Angestellten bis auf den Türsteher weiss. Hinten waren ein paar Bowling bahnen. Vorne haben ein paar gesungen und zwar so gut dass wir erst beim rausgehen auf dem Schild gesehen dass da Karaoke-Abend war 😀

Über Nacht ist Schnee gefallen, entsprechend früh und langsam haben wir uns auf den Weg zum Flughafen gemacht. Auf die Frage nach einem Besen um den Wagen vom Schnee zu befreien hat die Frau an der Rezeption ihre Kollegin gefragt ob sie sowas ausleihen und die hat „no“ gesagt, keine weiteren Worte von den Beiden. Zum Abschied hat einer direkt vor seinem Zimmer auf den Parkplatz gekotzt. Am Flughafen hat es eine Strasse mit riesigen Parkplätze um Mietwagen zurück zu geben, inklusive Shuttle-Bus zum Flughafen.

Am Flughaben sind die Weissen wieder weitgehend unter sich. Ich sass im Flugzeug neben einem der wenigen Schwarzen und der wusste nicht wie den Gurt schliessen. Dafür hat er dann mit seiner Frau Schach gespielt. Umsteigen im sommerlichen Miami, der letzte Flug liess auch noch zwei Stunden auf sich warten. Das Essen im Flug (und alles seither) war wunderbar — wie die diesen Frass hinkriegen, obwohl das Bier überall super ist, bleibt mir ein Rätsel …

Columbus, Ohio

März 19, 2017

Letzte Woche war ich in Columbus, Ohio an einer Konferenz. Columbus ist die 15. grösste Stadt Amerikas. Columbus Downtown sind ein paar Hochhäuser an einem Fluss, darum paar Parkhäuser und immense Parkplätze und dann jede Menge nach aussen grösser werdende Häuser.

Da es in Amerika kaum Fussgänger gibt, grüsst man sich auf der Strasse. Und auch im Haus wo ich gewohnt habe, aber erst nachdem man sich auf dem Flur versteckt hat, um zu sehen ob der Bärtige die Türe auch selber aufmachen kann und obwohl ich den Code kannte, puddelnass war und trotz einem riesigen Luftsprung vor Schreck nicht davon gerannt bin wollte die Dame noch wissen wer ich denn sei … Zu dem Auftritt kam es übrigens wegen Fahrrad-Sharing, geht in Columbus einfach mit Kreditkarte und ich hab mir einen schlechten Mittag für die Stadtrundfahrt ausgesucht. Die Fahrt ging einem Radweg zwischen Fluss und Autobahn bis zum German Village runter, einem Quartier mit Kopfsteinpflaster. Deutscher Einfluss ist auch sonst sichtbar, es gibt zum Beispiel eine Schreinerei (genau so geschrieben) und eine Familie Bumgarner.

Ansonsten scheint mir Columbus vorallem eine Universitätsstadt zu sein. Auf dem riesigen Campus gibt es sogar ein Comic-Museum inklusive Lesesaal mit super Sammlung. Im Moment war unter anderem Bill Waterson ausgestellt, die Striche leben original nochmal viel mehr und die Farben sind wunderschön. Daneben eine Kooperation von zum Tode Verurteilten, einer SRF Journalistin und ihrem Mann über die Todesstrafe — und ich habe nach der Warnung für Kinder nur an Brüste gedacht … Ähnlich schlecht mit meinen Vorurteilen haben sich übrigens auch die ganzen Regenbogen-Fahnen vor den Kirchen vertragen 🙂

Ausserdem sind die Studierenden politisch ziemlich aktiv, es waren gerade Wahlen und Abstimmungen. Eine Frage betraf Investitionen der Universität in Firmen die mit Israel geschäften und jüdische Studierende fürchten um die Stipendien dieser Firmen und einen anstieg von anti-semitischen Übergriffen. Eine Professorin hat erzählt wie ihre Uni zunehmend kommerzialsiert wird, sie muss sogar ihr Laborraum mieten. Das hat aber auch den Vorteil dass sich die Administration als Service ansieht, während sie in Europe denken sie wären die einzigen die überhaupt etwas arbeiten an den ganzen Unis weil nur sie um acht Uhr morgens anfangen …

Item, wir wurden jeden Morgen im gelben Schulbus auf den Campus raus gefahren. Dort gab es Frühstück, meist Eier-Käse-Wurst-Geköche aus Einweggeschirr, hat immer genau gleich gerochen und geschmeckt, dafür locker den ganzen Tag hingehalten. Der Workshop war interessant, vorallem die Vorträge von Experimentierenden. Auf der theoretischen Seite war die Oxford-Gang etwas übervertreten und die kommen nicht so recht voran weil sie sich nicht die Hände mit Biologie schmutzig machen wollen …

Baskenland

Oktober 30, 2016

Mittwoch 12. Oktober ist Nationalfeiertag. Wir haben die Brücke gemacht und sind Samstag durch die Pyrenäen nach San Sebastian gefahren. Dort sind wir in der Villa eines älteren Ehepaars mit zwei Kampfhunden unter kamen. Wunderbar ruhig, genau was wir nötig hatten 🙂

Wir kamen spät an und der Mann hat uns dann mit seinem Range Rover in die Stadt gefahren, kreuz und quer, immer wieder angehalten um gute Bars zu zeigen. Viel mehr gibt es in San Sebastian auch nicht (paar Strassen Altstadt, gelangweilte Surfer am Strand, furchtbare Neubauten rundum und schroffe Hügel drum, mit einem heruntergekommenen Vergnügungspark), aber die Pinxos in den Bars sind wunderbar 🙂 Jedes der Häppchen ist bis zum passenden Brötchen durchdacht. Avocado-Lachs und Schinken-Ziegenkäse-Foie-Honig waren unsere Favoriten 🙂 Eigentlich dachte ich die Katalanen oder Spanier wären Vorbild für Tolkiens Hobbits gewesen, aber es waren offensichtlich die Basken 😀 Bilbao ist in Baskisch Bilbo und soviele Kochzeugsläden wie dort habe ich noch nie gesehen …

Montag fuhren wir der Küste mit den Surfer-Käffern entlang nach Bilbao. Dort sind die Pinxos etwas weniger frisch, dafür etwas experimentierfreudiger. Meine einheimischen Freunde ziehen San Sebastian vor, die anderen Bilbao. Wir auch Bilbao, ist zwar etwas industrieller und nicht dermassen schön gelegen, aber bodenständiger und viel interessanter. Und den „ongi etorri errefuxiatuak“ (heisst wohl Flüchtlinge willkommen, klingt aber mässig willkommen) Fahnen nach auch etwas offener. Jaja, wir waren im Guggenheim, ich mochte vorallem das normal angezogene Orchester, das ein Stück ohne Uniform und Instrumente playback gespielt hat 🙂

Die Basken sind übrigens sehr freundlich. Nicht im geringsten ironischer Kommentar einer Arbeitskollegin von Ste: „Gell! Die Basken sind uns Katalanen eben sehr ähnlich.“ 🙂 Man brüstet sich auch gerne damit dass nur im Baskenland und in Katalonien Podemos die spanischen Parlamentswahlen gewonnen haben. Liegt vielleicht dran dass sie sich nur für ein Referendum, aber nicht für eine der Antworten darin stark machen? Die andere Parteien sind nämlich alle gespalten. Wenn man sich die lokale Regierung anschaut, siehts weniger rosig aus … Oder dass die spanische Regierung alles daran tut den Basken und Katalanen ans Bein zu pissen? Das Baskenland ist voller Graffiti in Erinnerung an eingesperrte Aktivisten und irgendein Gericht hat gerade entschieden dass das katalanische Stierfkampfverbot nicht rechtens sei, das viel ältere Verbot auf den Kanaren hat sie nie interessiert.

Wir fuhren dann durch Rioja und Navarra zurück. Lustigerweise machen diese quasi lokalen Weine nur einen kleinen Teil der baskischen Weinkarten aus, auch der Käse kam aus ganz Spanien — die wissen schon was gut ist dort oben 🙂 Item, da fährt man so über einen Pass zum Balkon von Rioja und von dort sieht man in die Ebene hinunter, Weinberge soweit das Auge reicht 🙂 Dann noch ein bisschen wildwest Landschaften und paar Stunden später waren wir wieder zuhause.

Wir werden wohl nochmal ins Baskenland müssen. Im Frühjahr kann man in den Dörfern um San Sebastian Grilladen essen und dazu sauren Most trinken. Im alten Hafen von San Sebastian bauen sie ein uraltes Schiff nach, das vor Amerika heraus gefischt wurde und Pelota Vasca, eine Art Faustball die nur im Baskenland und in Kalifornien gespielt wird, mit viel Wetten, müsste man auch mal erlebt haben 🙂

Mallorca

September 25, 2016

Am letzten Dienstag im August nach der Arbeit gingen wir also zum alten Hafen von Barcelona (der sei besser ausgerüstet und günstiger, als der olympische) und setzen Segel. 18 Stunden später sah uns die Prognose in Mallorca. Leider hatte der Wind einen Tag Verspätung. Die Buna Luna hat einen elektrischen Motor, gibt keine Sauerei und hat viel Schub, dafür recht wenig Reichweite, vorallem ohne Solarstrom.  Wir strömten mitten in der Nacht erstmal wieder heimwärts. Man könnte meinen dass dies wenigstens meinem Magen zu Gute kam, aber nur ganz ohne Geschwindigkeit kann man Wellen in vollen Zügen geniessen. So habe ich auf immer ein bisschen Essen und Tabletten setzend Richtung Malle detoxt.

Dafür hatten wir viel Zeit für Viecher. Ein recht grosser Rundkopfdelfin schwamm und sprang mitten in der Nacht ein paar Minuten direkt neben uns her. Durch den Mittwoch kam dann langsam etwas Wind auf und wir düsten durch Horden springender Thunfische und Schuppenwolken, die ihre Jagd produziert. Sie haben sich auch für unseren Köder interessiert, aber anbeissen wollten sie dann doch nicht …

So sind wir etwas später als geplant statt die malerische Nordküste ab zu segeln direkt zum Hafen von Andratx gefahren. Ein furchtbarer Ort. Hat einen Panoramaweg, man sieht aber kaum zwischen den leeren Villen raus. Wir haben sicher eine Stunde gesucht, bis wir ein Restaurant gefunden hatten das nicht nur Pizza und Pasta serviert. Es hatte natürlich bäumig Platz und Essen und Trinken waren wunderbar.

Freitag Tag fuhren wir etwas der Küste entlang und haben in einer recht hübschen Bucht Schlange gestanden, bis wir dann Abends etwas geschützt ankern konnten, zum Grillieren und Fisch essen und Pennen. Samstag hatten wir Rückenwind und waren bald in der Bucht von Palma um Fränzis Eltern ab zu holen. Dort haben wir etliche volle Häfen angefunkt, bis einer nicht geantwortet hat und dort sind wir einfach rein und haben uns den letzten Platz geschnappt. Direkt am Ballermann und so kam Ste ziemlich bald zu ihrem Kübel Bier 😀

Item, ich reagiere jetzt noch ein bisschen allergischer wenn jemand findet Barcelona habe zuviele Touristen. Oder wenn jemand aus den Ferien von „den Touristen“ erzählt. Dabei kriegen wir hauptsächlich friedliche und kulturinteressierte Touristen ab — Jungfraubräu ist nun gefiltert weil es sonst die Gäste in Interlaken nicht trinken … Wir hatten letzte Woche sogar eine Aufforderung Nachbarn wegen illegalen Airbnbs zu verpetzen im Briefkasten. Von der Stadt, für einmal nur katalanisch. Vielleicht sollte ich die Nachbarn mit ihren lauten Festen melden, oder alle mit kläffendem Köter … Die sind zwar sicher alle von hier, aber sie hätten es verdient und die Stadt auch 🙂

Palma selber ist aber sehr schön. Ein ehemaliger Arbeitskollege von dort hat uns ein hervorragendes Restaurant empfohlen, glaube die haben noch nie Leute soviel essen sehen. Beim zweiten Anlauf haben wir dann auch noch eine angenehme Weinbar gefunden, der von der Intellektuellen wollte uns irgendwie nicht bedienen. Wir haben dann auch jede Menge Sobrasada, mallorkinische Streichwurst, und Ensaimada und anderes Gebäck importiert. Sie sprechen übrigens auch Katalanisch auf Mallorca, aber nur unter sich, es gilt irgendwie als nicht so fein. Und man sieht keine Separatisten Fahnen, nur Antifa-Graffiti.