Archive for the ‘Mazedonien’ Category

Plan einer Wanderung …

Juli 22, 2008

Eigentlich will ich morgen nach Brajcino fahren, ein Dorf nahe gleich an der griechischen Grenze, und von dort aus quer durch den Pelister Nationalpark nach Bitola wandern. Etwa in der Hälfte müsste eine Hütte zum übernachten sein. Von dort aus will ich den Bus nach Prilep nehmen und dort beim Kloster Treskovac auf dem Mt. Zlato übernachten und wieder zurück nach Ohrid, um den Bus nach Tirana zu nehmen.
Habe mich den ganzen Tag vorbereitet. Eine „no cooking only eating“-Wurst, Pettitbeurs und Wasser stehen bereit, eine Karte ist ergoogelt und beim Fotografen gedruckt, Gepäck kann ich hier lassen, sogar die Nummer im Lonely Planet angerufen habe ich und die Frau wusste rein gar nichts, aber das Wetter scheint mir einen Strich durch die Rechnung zu machen. Durch den Tag hats verschiedentlich kurz geschüttet, hat gerade so gereicht um die Luftfeuchtigkeit an zu heben und alles schlimmer zu machen, aber jetzt tuts recht übel … Vorhin hat es kurz geblitzt, alle PCs ausgeschaltet und meiner springt nicht mehr an.
Und heute hat mir einer erzählt, er hätte seit einem Monat keinen Regen mehr gesehen. Ich ja auch kaum, so kam ich gar nicht auf die Idee, Wetterprognosen an zu sehen. Das habe ich nun nach geholt und es sieht richtig übel aus: ganz Europa Regen, ausser Griechenland. Aber der Schauer war von kurzer Dauer, hat gerade gereicht um die Strassen für das anschliessende Spektakel bei Sonnenuntergang leer zu fegen 🙂 Im Sinne von Lükus „me isch ja wasserdicht“ will ich das doch morgen versuchen 🙂

Ohrid

Juli 22, 2008

Zum ersten Mal auf dieser Reise hat sich jemand um Sitznummern gescherrt. So hat es mich gestern neben eine gesprächige Englisch Studentin verschlagen und die Fahrt durch bewaldete Berge war recht unterhaltsam.
Ohrid ist die touristische Hauptattraktion Mazedoniens und das merkt man … Da wird man auch mal auf der Strasse auf irgendein Angebot angesprochen, die Leute aus dem Lonely Planet haben mich inzwischen alle gefunden und überall gibts Zimmer. Aber es ist deutlich günstiger als Skopje, dort sind die Leute von verwöhnten UN-Leuten für Kosovo verdorben worden … An der neuen Bushaltestelle gibt es eine Touristeninformation, die sogar einige Busfahrpläne kennt und einigermassen günstige Unterkunft organisieren kann. Da ich erst nachträglich geschnallt habe, dass es eine neue Busstation etwas ausserhalb gibt ist der Deal doch nicht wirklich gut. Immerhin scheint es ruhig, nahe bei der Busstation, ging zügig und ich wurde sogar abgeholt 😉
Es ist wunderbar an einem See gelegen, umgeben von Hügeln. Trotz 700 m.ü.M. war es gestern 39 Grad warm. Zu sehen gibt es jede Menge Kirchen, nur sind viele abgesperrt, zugeparkt, zugebaut, umgebaut, in Renovation oder schlicht nicht sehenswert … Ein paar sind aber wirklich romantisch.
Neben der einen modernen Kirche werden auch Überreste einer Basilika aus dem vierten Jahrhunder frei gelegt. Das grosse Mosaik des Bodens sieht man bereits, daneben wurde ein Grab ausgegraben. Das heisst einer oder zwei Pinseln an einem Skelett rum, die restlichen fünf Nasen versuchen winkend die Menge Touristen vom Fotografieren ab zu halten … Ich glaube ich kenne da viele Wissenschaftler, die sich ob öffentlichem Interesse mehr freuen würden 😉 Lara Croft und Indiana Jones haben gehörig versagt, als es um meine Studienwahl ging … Naja, heute morgen, als es noch etwas kühler war, hat es mehr nach Arbeiten ausgesehen 😉
Mit der Ruhe wars dann doch nichts. Zwar ohne Verkehr, dafür mit fürchterliche Nachbarn. Deren Kinder haben sich bis in alle Nacht schreiend und heulend herum gejagt und morgens um fünf musste irgend wer verabschiedet werden, was natürlich auch nicht ging, ohne dass das ganze Quartier wach geschrien wurde … Dafür war ich bei Sonnenaufgang kurz nach sechs bei Sveti Joan at Kaneo, meiner Lieblingskirche hier. Sie steht auf einer Klippe am See. Es waren bereits Badegäste unterwegs, um sich einen Platz an den hart umkämpften Stränden zu sichern und die ganze Altstadt musste mit Laubgebläsen von Zigarettenstummeln und Abfall gereinigt werden …

Sveti Jovan at Kaneo

Jetzt stehen noch ein paar Ausflüge von hier aus auf dem Programm. Aber dafür bräuchte ich eine Reiseagentur und nur weil dort steht dass sie um acht öffnen, heisst das noch lange nicht dass sie um halb neuen offen haben … Und wenn sie dann offen haben, wissen sie auch nicht sonderlich viel. Höre immer nur der Pelister Nationalpark gehöre zum Einzugsgebiet von Bitola und nicht Ohrid. Stimmt, ist ja auch dreissig Kilometer weit weg 🙂
Da sonst nicht viel zu sagen bleibt, ein paar Statistiken. Mit den Hits gehts rasant aufwärts, gestern mit fast fünfzig ein guter Tag und vor vier Tagen mit 133 ein neuer Rekord 🙂

Tetovo

Juli 20, 2008

Heute morgen war ich in Tetovo, der inoffiziellen Hauptstadt des albanischen Mazedoniens. Dort machen die ausländischen Nummernschilder wieder einen beachtlichen Anteil aus. Auf der Hinfahrt habe ich alles versucht zu entziffern, komme mir vor wie ein Kind, das gerade lesen gelernt hat. Bis auf die unzähligen Zischlaute habe ich die kyrillischen Zeichen langsam beisammen 🙂
Dort steht die Sarena Djamija, eine kleine, verzierte Moschee gebaut mit dem Geld zweier Frauen die jetzt dort begraben sind. Bei einer alten Brücke gelegen und viele Blumen im Vorgarten. Bis auf einen alten Mann der etwas gewischt hat und dann winkend weg ging, waren ausschliesslich Kinder dort. Zwei kleine Mädchen haben eine komplexe Variante von Verstecken gespielt. Die meisten waren ziemlich radikal gekleidet … Alle haben mich scheu angeblickt und artig gegrüsst, einer hats gar mit Salam Alek versucht. Rein kam man nur über eine Treppe und ich habe kurz den Kopf reingsteckt, war alles mit Tüchern verhangen. Wohl die seltsamste Moschee, die ich gesehen habe 🙂

Sharena Djamija

Daneben gibts ein Bektashi Derwischen Kloster. Dieser islamische Orden hat einen sehr mystischen Zugang. Ich wollte mit einem Taxi hinfahren, aber der Fahrer hat mir einfach den Weg erklährt, war auch nicht weit. Das Kloster wurde 2002 von militanten Sunniten angegriffen und ist seither ziemlich kaputt. Es wird vorallem als Park- und Weideplatz benutzt und hat eine Art Restaurant, mit eingeschlagenen Scheiben, aber Tische waren draussen … Mensch war dort aber keiner.
Bei der Rückfahrt habe ich unnötig lange auf den Bus gewartet, hatte nur bei einem Büro nach dem Fahrplan gefragt, aber es gibt dort mehrere Kompanien … Auch muss man hier Tickets vorher besorgen, sonst hat man immer einfach im Bus bezahlt. Für morgen habe ich ein Ticket nach Ohrid, der touristischen Hauptattraktion Mazedoniens.

Skopje

Juli 19, 2008

Gestern morgen hat die Dame von der Reception geklopft, um zu fragen ob ich denn diese Nacht auch bezahlt hätte und es mir dann doch nicht zu glauben … Statt diskret nach zu sehen liess sie mich sp¨ter beim Checkout noch auf ihren Chef warten, der es Minuten später in ihrem Buch tatsächlich entdecken konnte … Als sie auch noch Geld wollten, um meinen Rucksack knapp eine Stunde länger als die Checkout-Zeit auf zu bewahren hatte ich die Nase gestrichen voll und fuhr mit dem nächsten Bus nach Skopje. Aber eigentlich war es eine gute Unterkunft, wenn man auf warmes Wasser verzichten kann („in einer halben Stunde“ 😀 ) und keine Probleme damit hat, dass einem jemand rauchend das Bett macht … Da Serbien Kosovo zwar nicht anerkennt, aber auch keinen eigenen Zoll hat bin ich eigentlich illegal ausgereist und habe keinen Exit-Stempel im Pass.
Das historische Mazedonien lag in Mazedonien, Bulgarien und hautpsächlich Griechenland. Weil auch eine griechische Provinz den Namen trägt sind diese sauer auf ihre nördlichen Nachbarn und haben deren Eintritt in die NATO verhindert. Danach gehörte Mazedonien abwechselnd zu Byzanz und Bulgarien. Später wurde es osmanisch und die ansässigen Albaner wurden grossteils Muslime. Zur selben Zeit kamen die ersten Roma aus dem Norden Indiens in der Region an. In den ersten Kriegen im Balkan gegen die Türken war Mazedonien Schlachtfeld und wurde danach zwischen Griechenland und Serbien aufgeteilt. Mazedonien war danach nach Kosovo ärmste Region Jugoslaviens und wurde 1992 als einzige Provinz unblutig unabhängig und pflegt nach wie vor gute Beziehungen zu Serbien. Viele Serben und Bosniaken sehen Mazedonien als heile Welt, aber auch hier schwelgt der Konfligt mit der ständig wachsenden albanischen Minderheit, die in rund 30 Jahren gleich gross sein wird. Angeblich gibt es in Skopje Mittelschulen, deren Schüler-, Lehrerschaft und Namen in einer stündigen Mittagspause komplett ausgewechselt werden …
Skopje ist eine gute Zusamenfassung meiner bisherigen Reise: Hügel mit Befestigung, Hügel mit Kreuz, alte Brücke zwischen osmanische Moscheen mit Basar und moderne Fussgänger Zone, Hamame (jetzt Kunstausstellungen), Karawansereien, albanische Flaggen und Mutter Theresa-Statue, Kyrillisch, vereinzelt UN-Wagen, kommunistische Architekturkunst und etwas Zerstörung, wenn auch ungewohnt durch ein Erdbeben. Die Skopjer meinen ihr National Theater sei wie das Opernhaus von Sidney, einfach mit Ecken 🙂 Man kann sich auch ein Snowboard kaufen, bei gut dreissig Grad selbst jetzt am Abend und sieht viel weniger Heimkehrer, dafür mehr Touristen.
Das Scherben- und Klamottenmuseeum ist eidrücklich, man kann ewig durch Epochen und Regionen spazieren. Ausserdem ist der Teil mit den Ikonen auf angenehme 27 Grad runter gekühlt. Wichtigstes Ausstellungsstück ist ein byzantinischer Krug mit Penis-förmigem Ausguss. Ich konnte erst beim Verlassen ein Ticket erstehen, der Verkäfer war gerade in Pause und hat nichtmal von seinem Rennspiel aufgesehen, als ich eingetretten bin. Überhaupt hat der Kommunismus seine Spuren hinterlassen, der Staatsapperat sei extrem aufgebläht und die Leute nicht nach Fähigkeit sondern nach ethnischer Herkunft ausgewählt worden. Die Leute an der Reception der Jugendherberge (an einer Strasse namens Prolet 😀 ) sind zwar freundlich und hilfsbereit, aber sie denken keinen Millimeter mit. Das Ticket fürs Frühstück musste ich extra nochmal zurück abholen gehen und den Studentenausweis haben sie eingesackt, obwohl es fast überall in der Stadt Ermässigungen gäbe. Rechnungen in Restaurants und Ampeln lassen sich hier auch ewig Zeit 🙂
Gegen Abend fuhr ich in den Vorort Sutka raus, mit 40`000 Einwohnern die grösste Roma Siedlung Europas. Dort sind kleine Hütten bis grössere Villen angesagt statt Plattenlöcke. Mit dem Reiseführer in der Hand wurde ich für einen Missionaren gehalten. Davon scheints dort einige zu haben, hatte ich den Eindruck … Die Leute leben mehr in den Vorgärten und auf der Strasse, überall sind improvisierte Wäscheleinen und auch mal ein Fuhrwerk, eine Hochzeit oder eine Frau mit Kopftuch am freizügige Abendkleider verkaufen. Es ist einfach etwas bunter, dreckiger und lauter 🙂 Alle Männer sind tättowiert. Leider war der Markt schon menschenleer, als ich kurz nach vier ankam. Auch die Altstadt ist ziemlich tot, angeblich seit die Albaner übernommen haben, früher waren dort die Kaffees rund um die Uhr offen. Das hat nun sogar die UNO bemerkt und ein Projekt zur Wiederbelebung gestartet. Die Leute sind aber auch hier abends draussen, ist ein wenig wie in Bern während der EM 🙂