Archive for the ‘Montenegro’ Category

Kruševac

Juli 8, 2008

Bin Sonntag viel zu früh erwacht und gegen sechs stand der Herr mit Kaffee auf der Matte. Mir war es ziemlich schlecht, er hat ununterbrochen vor sich hingeplappert und der Niva gehört auch noch am Nachbarn 😦 Um acht fuhr der Bus nach Kruševac in Serbien. Die Strecke durch Montenegro ist wunderschön, erst die Moraca-Schlucht hoch, dann durch ein anständiges Gebirge und zum Schluss wird es flach, ähnlich dem Seeland, aber mehr Wald und weniger besiedelt. Vereinzelt waren auch Kühe zu sehen und das Heu wird noch schön aufgestapelt, wie man es bei uns dank den hässlichen, weissen Siloballen scho lange nicht mehr sieht.
Miloš hat mich abgeholt und dann in sein Heimatdorf gefahren. Seine Eltern scheint es gut zu gehen, erst gerade zurück gekommen und sich am einrichten. Sein Vater hat mir gleich voller Freude die neuen Hühner gezeigt. Es gibt viel zu essen, insbesondere die Tomaten und Wassermelonen sind wunderbar 🙂
Hier ist es extrem ruhig — zwischen Idylle und Anarchie. Jeder kennt jeden, das Strassenbild beherrschen Traktore und man sieht auch mal ein Pferdegespann. Gerade gestern ist ein Nachbar angefahren worden, ein anderer aus dem Dorf ist spasseshalber auf ihn zugefahren und Alkohol war wohl auch im Spiel. Glücklicherweise nur ein gebrochenes Bein. Gerade bei Dunkelheit muss man recht aufpassen, viele Fahrzeuge sind nicht beleuchtet und viele Kleintiere unterwegs. Wir haben auf einer Heimfahrt auch ein Rebhuhn erwischt, mit Grossvaters Hauptsache-Mercedes (50% T.I.A.).
Gestern ging es mir wieder einigermassen gut und wir waren ein wenig im Dorf und auch auf dem Friedhof, wo das Essen Zigeuner und die Kerzen die Feuerwehr anziehen. Hier kaufen viele bereits zu Lebzeiten einen Platz für ihr Grab und wenn jemand stirbt, wird oft der Grabstein für den Partner auch bereits aufgestellt, einfach ohne Todesdatum.
Gegen abend haben wir ein Kloster und die Altstadt von Kruševac angeschaut. Backsteine sind angesagt. Ein Pfarrer hat mir ein Buch geschenkt, mit der Geschichte des Klosters. Für Reformierte schon starker Tabak, der Gründungsmythos. Kruševac war früher Hauptstadt eines Fürstentums. Von hier aus sind die Soldaten unter Lazar vor gut sechs hundert Jahren richtung Kosovo gezogen, um den Vormarsch der Türken zu stoppen. Sogar der Ausgang der Schlacht auf dem Amselfeld ist unklar, aber beide Führer starben und es entstanden unzählige Mythen … Zum Schluss haben wir Hamburger in einem Schuppen gegessen, wo schon Miloš Vater in seiner Jugend die besten gekriegt hat und Billard gespielt. Da war ich ziemlich peinlich unterwegs 😉

Montenegros Küste

Juli 5, 2008

Letzte Nacht bin ich noch ewig mit dem Berater auf der Terasse gesessen, bin heute nicht so da. Die Tour ging nach Kotor und Budva, zwei Städtchen an Montenegros Küste. Die Küste an sich ist schön, mit Fjorden und Sandstränden. Montenegro hat als einziges Land den Türken die Stirn geboten, gehörte dann zu Österreich-Ungarn und hat in den letzten Kriegen an der Seite Serbiens gekämpft. Seit dem Referendum 2006 ist Montenegro von Serbien unabhängig.

Fjord von Kotor

Kotor hat einige Kirchen zu bieten und ich musste wieder auf der Befestigung rumkrackseln, Ausblick war zwar nicht so toll, dafür wars echtes Mittelalter. Wieder unten kam da dieser ami-asiatische Bodybuilder mit spanischem Namen „What, you have been up there? WHY?“ 😀 Die Stadt fühlt sich irgendwie echter an, ist nicht so raugeputzt und halt auch nicht derart gut aufgebaut wie Dubrovnik. Dubva hingegen ist sehr gemütlich, nicht viel Volk.
Hier gibt es kaum mehr westliche Touristen, fast nur noch Ex-Sovjets. Die Russen haben alles aufgekauft und bauen Hotel an Hotel. Die Verschiebung im Zielpublikum sieht man auch den Souvenierläden an 😉 Bisschen Bootli fahren und wunderbarer Fisch waren auch drin.
Nachdem mich ein paar Typen in die Pampa geschickt haben und ich den Busbahnhof doch noch gefunden habe, bin ich weiter in die Hafenstadt Bar. Meine Sprachkentnisse nützen hier kaum mehr und dass ausser Reizwäsche-Boutiquen nichts offen hat, macht es auch nicht besser. Insbesondere die Reiseagenturen haben entgegen Angaben auf Türe und im Reiseführer allesamt geschlossen … Immerhin konnte ich mit den Damen am Ticketschalter am Bahnhof gut kommunizieren, wobei die eine nur Buse und die andere nur die Züge kennt. Sie wussten sogar, wo man umsteigen muss — aber wann und ob die Anschlüsse fahren wissen auch die nicht 😀
Musste recht lange nach einem Zimmer suchen. Bei den unzähligen „Sobe, Rooms, Zimmer“-Schildern hatte ich kein Glück. Irgendeiner konnte mir dann via Dolmetscher am Handy etwas bei älteren Leuten vermitteln — teuer, dafür scheint morgens an den Busbahnhof stellen mit drin zu sein (hoffentlich mit dem klapprigen Lada Niva und nicht mit dem neuen Ford 😉 ).