Archive for the ‘Serbien’ Category

Studenica

August 29, 2011

Unterdessen sind wir bei Milos und seinem Bruder mit Frau und Kind im Dorf. Wir tun, was man halt auf dem Land so tut, schauen zu den Ziegen, Schafen, Hunden und Hühnern, schiessen auf Flaschen und fahren wilde Gefährte 😉 Ausserdem essen wir viel zu viel, denn Tomaten sind hier süss und Gurken haben Geschmack. Und sie haben erst noch so wirklich tolle, würzige Würste 🙂

Kloster Studenica

Vorgestern haben wir das Kloster in Studenica besucht. Es geht auf einen König aus dem zwölften Jahrhundert zurück, der dort mit seinem Bruder Mönch wurde. Eine ruhige Anlage, schön gelegen in kargen, aber grünen Hügeln. Auf dem Rückweg haben wir den bekanntesten serbischen Kurort Vrnjacka Banja besucht. Gestern fuhren wir zum Markt in Varvarin, dem nächstgrösseren Dorf und haben gelernt, dass Zuckerwatte nur mit Bart wirklich Spass macht 🙂
Heute fahren wir zurück nach Belgrad, um zur Beerdigung meines Grossvaters nach Hause zurück zu fliegen.

Belgrad III

August 26, 2011

Wir sind mal wieder in Belgrad gelandet, um noch einmal Milo zu besuchen, bevor er sein Studium abschliesset. Belgrad hat sich ziemlich herausgeputzt, die Innenstadt ist voller Ausstellungen der KunststudentInnen, Kopien von Bildern aus dem Nationalmuseum hängen in den Strassen, Audioguide dazu kann herunter geladen werden und in der Zitadelle machen sich Boulderer breit (immerhin noch keine Slacklines … ;-)). Der Touristenstrom aus dem Westen ist spürbar grösser geworden, ganze Buse voller deutscher Senioren lassen sich die Stadt zeigen. Das würde unseren Eidgenossen auch nicht schaden, aber wir wären schon zufrieden wenn die sich der letzten beiden Jahren erinnern könnten, bevor sie ganze Völker verunglimpfen

Strassenkunst in Belgrad
Unter der Haube hat sich leider weniger getan. Bei den Museumsbesuchen hatten wir knapp eine 50% Quote — das Museum für Zeitgenössische Kunst beherbergt nur noch ein paar streunende Hunde, das der orthodoxen Kirche und eine weitere Kunstausstellung wird gerade umgebaut und vom Nationalmuseum ist nur ein Bruchteil zugänglich. Beim begleichen der Hotelrechnung haben wir auch nicht schlecht gestaunt, die haben seit der Reservation letzte Woche klammheimlich die Preise zur Hochsaison nahezu verdoppelt und ihre Homepage komplett überarbeitet. Dafür haben wir ein paar sehr schöne und erstaunlich preiswerte Restaurants mittem im Kuchen gefunden 🙂

Novi Pazar

Juli 13, 2008

Novi Pazar war im Mittelalter Hauptstadt Serbiens. Alt ist nicht mehr viel, aber es gibt doch noch ein Quartier mit osmanischem Altstadt-Feeling. Minarette werden wieder häfiger.
Wurde irgendwo abgeworfen, der Busbahnhof ist mal wieder mehr schlecht als recht signalisiert und eine Krankenschwester in Pause hat mir dann den Weg gezeigt, bis sie mich bei einem einheimischen Paar mit geben konnte. Der Mann konnte etwas Englisch und hat mir gleich den Fahrplan für Pristina erfragt. Ich bin in einer recht schäbigen Pension unter gekommen, aber günstig und zentral. Habe noch nie soviele streunende Hunde gesehen und die neueren Quartiere haben zwar schöne Blöcke, sind aber arg voll getagt.
Das Kloster, was im Lonely Planet nach gleich neben der Altstadt aussah und für den Abenspaziergang geplant war, liegt nun offenbar gut 15km ausserhalb und fiel mangels Scooterverleih oder Ähnlichem ins Wasser. Ich habe dann der ältesten Kirche Serbiens eine Chance gegeben. Sei auf einem Hügel an der Strasse nach Kraljevo, gleich ausserhalb der Stadt. Dort fand ich einen Liter Wasser später nur den Wegweise und musste alles wieder rein in die Stadt, über die Brücke und am anderen Ufer zurück … Aber immerhin, sie ist recht malerisch, inmitten alter Grabsteine und das Licht war auch gut 😉

Älteste Kirche Serbiens

Sie sind sich hier keine fremdsprachigen Touristen gewöhnt. Beim Nachtessen hat die Frau extra jemanden gesucht, der Englisch spricht. Er hat bisschen mit mir geplaudert, gefragt ob ich Geld habe und sich grinsend aus dem Staub gemacht, schliesslich war er überflüssig. Aber offenbar hat nun ganz Mitteleuropa Ferien, man sieht immer mehr Nummernschilder von Heimkehrern. Hier im Internetkaffee arbeitet auch einer, der in Deutschland war. Er möchte zurück, die Leute hier würden nichts wirklich ernst nehmen …
Aber es ist klar die richtige Stadt um Richtung Kosovo weiter zu fahren.

Immer noch in der Provinz …

Juli 12, 2008

… und es gefällt mir ganz gut, ich hatte es nicht eilig weiter zu kommen. Aber mir laufen die ersten Tubofolk-Klassiker nach. „Bora Bora“ hat übrigens auch einen serbischen Text verpasst gekriegt 🙂
Milos Bruder ist Coiffeur (ansonsten ganz der Alte) und hat uns die Haare geschnitten. Wir haben eine Quelle besucht, mit Kohlensäre-haltigem Wasser. Wir waren auch ein wenig im Ausgang und da wir den ganzen Tag nur gegessen haben, mochte ich nur einen Salat. „Ist er Vegetarier?“ Milo: „Nein“ – „Was hat er dann?“ Gestern hat einer nach Mitternacht ein paar Donuts auf eine Kreuzung gelegt, sowas staubt hier heftig. Die Strassen werden immer mal wieder aufgerissen und nicht wieder zugeschüttet. Auch Häuser sieht man oft noch nicht fertig, aber auf der anderen Seite schon wieder mit abbröckelnder Farbe.
Im Moment ist für ein paar Tage Jahrmarkt im nächst grösseren Dorf Varvarin und ich habe mir für 35 Eier ein Paar China-Fussballschuhe gekauft 🙂 Sie sind orange, würde zu meinen Augen passen, hat Milos Freundin gemeint, und sein Vater „24 Stunden werden sie schon halten, ist hier so die übliche Garantie.“ Immerhin sind sie mit grosser Wahrscheinlichkeit nicht radioaktiv, seit einem Skandal mit Spielzeugen aus China wird alle Ware von dort penibel untersucht und deklariert. Mussten auch kurz in die Apotheke, verrauchter als jede Kneipe und als Rückgeld gibts Paracetamol 🙂 Zum Essen gabs gegrilltes Lamm, eine Spezialität und auf dem Rückweg haben wir an der Ecke Ausgangs Dorf noch wen aufgeladen, so läuft hier ÖV.
Zuhause ist das Internet ausgefallen. Wir haben das Haus neu verkabelt, dachten erst es wäre deshalb, aber es sei überall so. Da die Antenne auf ihrem Dacht steht bezahlen sie immerhin nichts dafür 😉
Auch in der Unfall-Geschichte hat sich was getan: es sind Zeugen aufgetaucht die behaupten, dass das Opfer auf die Strasse trat ohne sich um zu sehen … Der Verdacht liegt nahe, dass der Dorfcoiffeur einfach die besseren Karten hat, wenn es ums Mobilisieren geht …
Voraussichtlich fahre ich morgen nach Novi Pazar, wo ein UNESO Weltkulturerbe Kloster steht und von dort aus soll es dann weiter in den Kosovo gehen.
Ändere den Untertitel wohl bald zu „Hello to me, myself and I“ … Aber immerhin hatte ich am Neunten einen neuen Besucherrekord mit vierzig Hits 🙂

Kruševac

Juli 8, 2008

Bin Sonntag viel zu früh erwacht und gegen sechs stand der Herr mit Kaffee auf der Matte. Mir war es ziemlich schlecht, er hat ununterbrochen vor sich hingeplappert und der Niva gehört auch noch am Nachbarn 😦 Um acht fuhr der Bus nach Kruševac in Serbien. Die Strecke durch Montenegro ist wunderschön, erst die Moraca-Schlucht hoch, dann durch ein anständiges Gebirge und zum Schluss wird es flach, ähnlich dem Seeland, aber mehr Wald und weniger besiedelt. Vereinzelt waren auch Kühe zu sehen und das Heu wird noch schön aufgestapelt, wie man es bei uns dank den hässlichen, weissen Siloballen scho lange nicht mehr sieht.
Miloš hat mich abgeholt und dann in sein Heimatdorf gefahren. Seine Eltern scheint es gut zu gehen, erst gerade zurück gekommen und sich am einrichten. Sein Vater hat mir gleich voller Freude die neuen Hühner gezeigt. Es gibt viel zu essen, insbesondere die Tomaten und Wassermelonen sind wunderbar 🙂
Hier ist es extrem ruhig — zwischen Idylle und Anarchie. Jeder kennt jeden, das Strassenbild beherrschen Traktore und man sieht auch mal ein Pferdegespann. Gerade gestern ist ein Nachbar angefahren worden, ein anderer aus dem Dorf ist spasseshalber auf ihn zugefahren und Alkohol war wohl auch im Spiel. Glücklicherweise nur ein gebrochenes Bein. Gerade bei Dunkelheit muss man recht aufpassen, viele Fahrzeuge sind nicht beleuchtet und viele Kleintiere unterwegs. Wir haben auf einer Heimfahrt auch ein Rebhuhn erwischt, mit Grossvaters Hauptsache-Mercedes (50% T.I.A.).
Gestern ging es mir wieder einigermassen gut und wir waren ein wenig im Dorf und auch auf dem Friedhof, wo das Essen Zigeuner und die Kerzen die Feuerwehr anziehen. Hier kaufen viele bereits zu Lebzeiten einen Platz für ihr Grab und wenn jemand stirbt, wird oft der Grabstein für den Partner auch bereits aufgestellt, einfach ohne Todesdatum.
Gegen abend haben wir ein Kloster und die Altstadt von Kruševac angeschaut. Backsteine sind angesagt. Ein Pfarrer hat mir ein Buch geschenkt, mit der Geschichte des Klosters. Für Reformierte schon starker Tabak, der Gründungsmythos. Kruševac war früher Hauptstadt eines Fürstentums. Von hier aus sind die Soldaten unter Lazar vor gut sechs hundert Jahren richtung Kosovo gezogen, um den Vormarsch der Türken zu stoppen. Sogar der Ausgang der Schlacht auf dem Amselfeld ist unklar, aber beide Führer starben und es entstanden unzählige Mythen … Zum Schluss haben wir Hamburger in einem Schuppen gegessen, wo schon Miloš Vater in seiner Jugend die besten gekriegt hat und Billard gespielt. Da war ich ziemlich peinlich unterwegs 😉

Belgrad II

Juni 27, 2008

Wir sind mit Burek, einer Hackfleischwähe, in den zweiten Tag Belgrad gestartet. Weiter mit einem zwölf-Stunden-Sightseeing-Marathon: Kirchen, Museen (das über Tesla ist noch bis zum 16. Juli wegen Bauarbeiten gesperrt) und Titos Grab, mit all den Geschenken der Untergebenen und politischen Freunden. Besonders angesagt sind Staffelhölzer die ihm von allerlei Verbänden und Firmen zugetragen wurden.

Nachtclub auf der Sava

Gegen Abend gingen wir der Donau entlang von Zemun zurück ins Zentrum. Zenum war früher eigenständig und ist heute eingebaut. Es hat aber den ungarischen Charakter erhalten und ist die Heimat des Zemun-Clans, der sich sowohl für die einfache Verhaftung Milosevics, als auch für die Ermordung seines Nachfolgers Dindic, des ersten demokratisch gewählten Präsidenten, rühmt. Ermordet werden gehört sich hier zwar für Staatsoberhäupter – im Museeum zur jugoslavischen Geschichte läuft gar eine Ausstellung über ermordete Regenten – aber hier blicke ich nicht mehr durch … Abends sind wir nochmal raus, Belgrad erwacht erst spät.
Milos hat mir viel erzählt vom Leben in Belgrad. Zum Beispiel dass Händler ohne Lizenz ihre Ware auf Tüchern auf der Motorhaube präsentieren, um im Fall einer Kontrolle schneller vom fliegenden zum fliehenden Händler zu werden und dass es an manchen Tagen der Polizei zu dumm werde und sie dann einfach in regelmässigen Abständen ihre Leute postieren würden.
Auch von den Unis hat er erzählt, man kann wählen zwischen den korrupten und denjenigen für Schnösel. Es zahlt sich für Professoren aus, Leute durch Examen fallen zu lassen dafür „darf“ man sie beliebig wiederholen … Und von der Kirche, serbisch orthodoxe Pfarrer müssen heiraten. Wir hatten gerade zwei Pfarrerssöhne aus seiner Familie getroffen, beides Theologiestudenten. Da habts ihrs, liebe Katholiken 😀
Aber Belgrad ist sehr gemütlich. Die Autos aller Art und Epochen fahren ziemlich anständig, aber geblinkt wird höchstens beim falsch rum in eine Einbahnstrasse fahren oder mitten im Verkehr einfach anhalten. Es fahren auch viele Strassenbahnen, die grünen Trämli sind die alten aus Basel. Überall sind Parks mit Brunnen oder Tanklastwagen mit Trinkwasser 🙂
Um ein Uhr nehme ich den Bus nach Sarajevo. Er fährt erst seit zwei Jahren wieder, vorher war er für vierzehn eingstellt.

Belgrad

Juni 25, 2008

Ich bin wohl behalten in Belgrad angekommen. Im Bus wurde ich unsanft durch ein als Wasser gekauftes, künstldich nach irgendwas schmeckendes Getränk an eine Weisheit erinnert, die uns Fritz damals auf den Weg in den Iran gab. Ich weiss den Wortlaut nicht mehr, aber es lief auf „Cola ist überall Cola“ raus. Bald einmal wurden die Pässe eingesammelt, EU-Grenze. Am nächsten Morgen wurde dann Schmiergeld gesammelt für die andere …
Hier stachen mir vor allem die vielen Leute mit Mäppli unter dem Arm ins Auge. Sowas meidet man zu Hause besser, aber hier haben das alle. Ein paar Sammelnden sind auch darunter, aber deren Reaktionen an sammelt es sich auf englisch schlecht.

St. Markus-Kirche

Ich habe mich dann in der Altstadt herum getrieben. Kaum irgendwo bezahlt man was im zweijährigen Lonely Planet steht — entweder wollen sie das Doppelte oder gar nichts.
Um zum Museeum der serbisch-orthodoxen Kirche gelangen muss man erst durch deren ganze Verwaltung irren. Das Militär Museeum findet einem dann von selbst, wenn man zur Zitadelle hoch geht steht man plötzlich inmitten von Panzern. Als Student genoss ich dort einen Rabatt von 50%. Ausgestellt ist, was sich die Angreiffer und Rebellen halt so abluchsen liessen. Alles in allem ziemlich vollst&auml,ndige Sammlung, vom Mini-Panzer fürs Kinderzimmer, über den Klassenzimmer-Mörser bis zur Turnhallen füllenden Kannone, Feuerwaffen (auch „unser“ Sturmgewehr), F117-Stücke, Splitterbomben, etc. Zu meiner Freude stand da sogar ein Humwee 😀
Die Zitadelle Kalemegdan selbst geht auf die Kelten zurück, wurde rund 115 mal umkämpft und mindestens 40 mal wieder aufgebaut. Dahinter ist die Belgradsche Freiheitsstatue. Es ist ein nackter Mann mit einem Falken, dem slavischen Symbol für Freiheit, auf dem Arm. Er stand früher in der Innenstadt, wurde aber in einem Anfall von Prüderie hinter die Zitadelle verbannt und weg schauen muss er auch noch. Das zu hören hat mich schon etwas erstaunt, nach dem endlosen, lächerlich lauten Gestöhne in der Schnulze im Bus …

Victory monument

Zum Abendessen gab es Lamm, mit Kartoffeln und gemischtem Salat (sprich ein Blatt Kopfsalat und eine Frischkäse-Pepperoni-Kombination darauf). Es war wunderbar und als Lonely Planet „Authors-Choice“ unterdessen gut doppel so teuer.
Falls es jemand noch nicht wissen sollte, ich treffe heute abend meinen Schulfreund Milos, der hier studiert und will mich in den nächsten sechs Wochen etwas in der Region umsehen. So, das war der erste Eintrag aus dem Ausland unter Linux 😀