Archive for the ‘Chile’ Category

Adee Iquique

Januar 24, 2013

Postkarten haben wir doch noch gefunden (mussten die Hoffnung auf Schönere aufgeben), eine Poststelle zum einzeln Wiegen lassen auch (mir wäre ja eine Marke aufkleben eigentlich lieber gewesen). Es sind offensichtlich die letzten Tage im Flightpark, Zeit für ein Fazit.

Die Klaus-Dieter haben ihre Schirme nach einem anonymen Anruf von der Polizei aus einer besonders schlechten Gegend Iquiques abholen lassen und sind abgereist. Wir lassen hier ein paar einheimische Familien im Flightpark zurück, die hier Sommerferien verbringen, damit Papa etwas fliegen kann. Und Weltenbummler. Unser Liebling ist unabsichtlich bei den Fallschirmjägern gelandet und hat in der Hochebene gelernt, das paar Bier beim grillen auf 4000 m.ü.M. keine gute Idee sind. Oder die Geschichte von dem Dutzend chinesischen Nichtschwimmern im Tauchkurs, die ja schließlich tauchen lehnen wollten 😀 Und die Mauserin, die jeweils den Winter in warmer Luft verbringt. Und zumindest der Zwilingsbruder Charlie vom unduchsichtigen Karl 😉

Artur Prat Universität

Zum Fliegen. Fünf Wochen und noch kein bisschen (mehr) müde. Insgesamt waren wir wegen (für unseren Geschmack) zu lahmen Bedingungen oder Ausflügen sieben Tage nicht in der Luft, die Anderen wenigstens morgens und abends eine halbe Stunde, an guten Tagen beide Male bis zur Genüge. Vario haben wir nicht mal mitgenommen. Die Thermik wurde mit dem Sommer tendenziell schwächer, der Wind entgegen den Erwartungen der Kenner aus früheren Jahren auch.

Während wir im Groundhandling, Touch-and-Go, Thermik und aktiv fliegen extreme Fortschritte machen konnten, sind wir Acro-fliegerisch wegen der geringen Höhe nicht wirklich weiter gekommen.

Einen halben Meter Rippstopp, ein Sitzbrett (Thomas hatte Ersatz für mich), ein Paar Handschuhe, drei Paar Schuhe, aber abgesehen von paar Schürfungen sind wir unversehrt, obwohl wir jede Woche einen Bruch sahen. Krücken und Korsett sind auch hier angesagt. Ist Fliegen in Iquique gefährlich? Ich denke nicht. Man startet zwar meist in grenzwertig starkem Wind und fliegt oft in Bodennähe in turbulenter Luft, aber das Wetter ist nach etwas Zuschauen einfach einzuschätzen und mit etwas früher oder später, etwas weiter oben oder unten starten finden alle passende Bedingungen 🙂

Ich fürchte, wir müssen wieder kommen …

Hochebene

Januar 18, 2013

Wir hatten Glück und Sergio Cortez konnte uns trotz viel anderer Arbeit doch noch ein paar Tage die Hochebene zeigen. Im Gegensatz zu anderen Anbietern plant er eine extra Nacht Camping ein, noch so bedeuten die 1200km viel fahren.

Montag fuhren wir also nach Colchane (3500 m.ü.M), dem zweitgrößten Dorf in der Hochebene im Norden Chiles. Der Weg führt an den Salpeterminen und dem in einen Hügel geschabten Gigante de Atacama vorbei, entlang ausgetrockneter Flüsse, wobei die Vegetation langsam zunimmt, bis erste Hasen mit langem Schwanz auftauchen, dann Esel und Strauße und schließlich Lamas, die im romantischen Gewitter gemächlich zur Sache gingen 🙂

Nicht nur wir bekamen die gut vier Kilometer Höhe zu spüren, auch die Autos mussten kämpfen. Den Van (nur wenige Fahrzeuge sind in Chile für den gewerblichen Transport zugelassen, keines mit Allrad) musste man immer mal wieder von der Batterie trennen — Reboot tut gut — und der Pickup hat ein wenig Äther zum Starten gekriegt.

Civet Adventures

Am zweiten Tag fuhren wir erst durch das Ayamara-Dorf Isluga mit seiner malerischen Kirche. Danach sahen wir abgesehen von zwei Hirten in der Ferne den ganzen Tag keine Menschen mehr. Es ging über einen 4700m hohen Pass an den Salzsee Surire, wo wir uns eine heiße Quelle mit den Flamingos teilten und campierten.

Vicuña II

Glücklicherweise war die Nacht nicht sehr kalt, aber der Regen hat die Pisten mit Pfützen übersät und eine Brücke weggeschwemmt. Wir konnten furten, die Polizei warnte uns aber vor dem zweiten Pass und so nahmen wir den längeren Weg nach Putre durch die Ebene. Der einsetzende Regen und der Nebel sagten uns, dass das richtig war 🙂

Putre ist der größte Ort in der Hochebene, fühlt sich etwas nach Basecamp an und wir erholten uns im besten Hotel des Hochlands. Bei der Ankunft wurden wir gleichgültig aus der Türe beäugt, dann aber gemütlich und eigentlich ganz anständig versorgt und verabschiedet. Zum Apero gibts Pisco Sour im Restaurant.

Auf der Rückfahrt via Arica waren wir recht bald unter dem Nebel wieder im Trockenen. Die sandigen Täler hatten noch grüne Böden von den Flüssen aus der Hochebene. Ein Hare-Krischna-Dorf hats auch. Arica ist eine recht touristische Stadt am Meer, mit einer von Eiffel gezeichneten Kirche aus Metall.

Marien-Figur

Übrigens hatten nicht nur wir unser Abenteuer; ein deutscher Flugschüler, der sich zu den besseren 50% aller Piloten zählt, hat sich beim „Streckenfliegen“ das Bein gebrochen und dann wurden der Gruppe vor dem Spital alle Schirme aus dem Bus geklaut. Immerhin haben sie es damit auf die Frontseite der Zeitung geschafft. Normalerweise nehme ich mir ja gewisse Freiheiten, aber das stimmt so wirklich!

Mit einem kurzen, aber lebendigen Flug hat heute die letzte Woche Ferien angefangen. Nachmittags war der Wind wieder so schwach, dass mann gegen den Wind seiken konnte, aber gestern soll gut gewesen sein und die Hoffnung stirbt zu letzt 🙂

Rally Dakar

Januar 11, 2013

Heute ist die Rally Dakar in Alto Hospitio vorbei gedonnert, Fliegen verboten. So haben wir uns einen Gelände wagen gemietet und sind in die Besucherzone gefahren. Dort mussten die Motorräder, Quads, Buggys, Autos und Lastwagen von einer weiten Ebene via ein paar weiche Dünen auf einer Schotterpiste direkt vor den Zuschauern den Berg hoch heizen. Einige haben die Abzweigung verpasst und sich besonders spektakulär den Berg hoch gewühlt. Eine sehr staubige und lärmige Angelegenheit diese Rally, wir waren gegen Mittag alle kaputt und mussten dann auch noch fliegen gehen …

Hilux

Überhaupt sind wir vor Allem am Fliegen, obwohl langsam der Sommer kommt und die sowieso schon enge Thermik immer weniger hoch geht. Heute war das erste Mal zwei drei vier fünf Tage hintereinander Flaute in Palo Buque, so dass wir kaum hoch kamen. Dafür haben die mit ihren normal grossen Schirmen umso mehr Spass und so ist auch noch alles voller Bojen …

Ausserdem liessen wir uns von einem Wiener mit Schnitzel bekochen (und essen seither Salatresten) und haben das Weinregal bald durch geackert, noch keine schlechte Flasche erwischt! Halt viel Kaffee-Note. Auch tolles Bier haben sie da, helle und dunkle Ales mit und ohne Beeren und ein Bock mit Schokoladen-Geschmack zum Dessert.

Nächste Woche holen wir uns noch eine eigene Portion Rally ab, wir haben eine Tour nordwärts durch das Hochland nach Arica gebucht 🙂

Flucht vor Silvester

Januar 2, 2013

Unterdessen sind noch drei weitere Freunde aus der Schweiz zu und gestoßen, aber auch der DHV hat zünftig aufgestockt. Da wir aber dank den schnellen Acroschirmen immer als erste starten können, werden wir das überleben 🙂

Silvester stieg im Flightpark ein Fest mit 1500 Gästen, also genau genommen am Neujahr, von eins bis sieben. Wir haben den Soundcheck erlebt und mangels Hoffnung auf Schlaf die Flucht ergriffen. Der harte Kern hier fand es doch ganz witzig. Im Club weiter unten an der Straße wird noch immer gefeiert…

Wir andren fuhren eine Stunde in den Süden zur Punta Patacha, wo man an einem schönen Hang aus ziemlich feinem Sand bis fast zum Sonnenuntergang soaren (erst sportlich bockig, dann sportlich fein) konnte. Der Sonnenuntergang war der Schönste bis anhin, dann hielten wir die Füße ein bisschen in den kalten Ozean, grillierten Fisch und geboren einen herrlichen Sternenhimmel. Kurz vor Jahreswechsel ging der Mond auf und kurz danach wir unter die Schirme. Auf der Rückfahrt haben wir noch Seelöwen geguckt (und gelauscht) und bei Palo Buque ein Neujahrsflug genossen.

Möve

In Argentinien wird übrigens Weihnachten mit Countdown und Champagner begossen und die Argentinierin im Camp hat sich beschwert hier würden sich die Leute gar nicht richtig freuen.

Neben Fliegen war in den letzten Tagen ein bisschen Einkaufen angesagt. Der Weihnachtsschmuck hängt noch, die Musik ist wieder mehr so wie man es sich hier vorstellt. An Sonn- und Feiertagen ist das Durchschnittsgewicht im Supermarkt deutlich tiefer als während Bürozeiten. T-Shirts und Socken waren einfach, aber die kennen nur anliegende Boxershorts und wollten mir partout keine XXL verkaufen… Dass hier der Daumen nicht gezählt wird musste ich auch erst merken 🙂

Eh ja, gutes Neues allerseits!

Pisagua und Humberstone

Dezember 27, 2012

Die letzten beiden Tagen haben wir in Pisagua verbracht, dessen Hafen beim Salpeter-Boom in den 1870ern wichtig und von den Chilenen erobert wurde. Von der einst blühenden Stadt ist heute noch ein Fischerdorf übrig, das wegen seiner idealen Lage zwischen Pazifik und Nichts unter Militärdiktaturen als Gefangenenlager diente. Der Name kommt übrigens von Piss und Agua wegen dem Geruch von Salpeter im Meer.

Graffiti

Wir fuhren also frühmorgens mit zehn Nasen vom Flightpark in zwei Geländewagen hin, flogen auf den Hinweg etwas, wanderten der zerklüfteten Küste entlang und assen Empanadas (frittierte Teigtaschen) und frittieren Fisch in Pisagua. Am Nachmittag durchquerten wir ein ausgetrocknetes Flussbett, flogen dort in ruhiger Luft bis wir genug hatten (bzw. unsere Arme) und [x] pennten gleich am Strand unter den Schirmen, nachdem wir Würste und riesige Braten grilliert hatten. Die Braten dauern zwar ewig, dafür wird das Fleisch so saftig dass es beim reinbeissen spritzt 🙂 Die Resten überliessen wir dem Fuchs.

Gestern waren wir etwas zu spät beim Morgenstartplatz, so dass der Wind bereits recht stark war und ohne Wolken waren die Bedingungen entsprechend ruppig, wenige taten sich das an und nach Empanadas schauten wir uns Pisagua genauer an.

Bagger

Auf dem Rückweg besuchten wir das verlassene Salpeterwerk Humberstone. Es wurde ebenfalls in den 1870ern gegründet und wurde schnell zur Kleinstadt. Nach der Entdeckung von synthetischem Dünger ging das Werk bankrott, wurde übernommen, modernisiert und in den 40ern zum erfolgreichsten Salpeterwerk. 1960 war die Luft endgültig draußen. Was übrig blieb wurde in ein paar Ausstellungen zusammen gestellt und die leeren Gebäude und Fabrikhallen kam man ziemlich frei besichtigen und belauschen; der starke Wind macht viele Geräusche in den zerfallenden Wellblechbaraken.

Weihnachten in Iquique

Dezember 25, 2012

Heute ist sicher die erste Weihnacht wo Ste und ich uns einen kleinen Brenner geholt haben (also noch mehr hässliche Sonnencreme in den nächsten Tagen…). Eigentlich wollten wir nur schnell vom Supermarkt zur Altstadt, aber es war weiter als gedacht und keine Karte dabei half auch nicht…

Iquique lebt vor allem von den Kupferminen im Hinterland, die gut bezahlen. Daneben wird mit Militär und einer zollfreien Zone Präsenz markiert. Es ist eine farbige Stadt, mit tollen Graffiti, und Skatepark am Strand inklusive Samariterstation. In mitten der vergitterten Einfamilienhäusern und wie Pilze aus dem Boden schießenden Hochhäusern ist dann die freundlichere Altstadt. Auch farbig, hauptsächlich aus Holz, mit knarrendem Trottoir, Tram, Handycraps und viel wild-west Flair 🙂

Hier Weihnachten feiern ist sehr, sehr surreal. Viele kitschige, staubige Nikoläuse, Schneemänner, Rentiere und Glocken hinter Gittern. Dazu Stille Nacht, heilige Nacht und Kirchenlieder. Bis gestern waren die Straßen voll Fasnacht-mässige Wagen, von denen Weihnachtsmänner und Comicfiguren Bonbons geworfen haben. Mit Musik, live und aus Boxen und viel Hupen und Sirenen.

Weihnachten IIV

In diesem Sinne Euch allen ein frohes Fest! Wir grillieren jetzt (Thomas zeigt gerade wie richtige Männer einfeuern, mit dem Industrie-Staubsauger) und gönnen und einen besonders guten Wein. Der Supermarkt hat ein riesen Regal mit Wein von hier, für Supermarkt wirklich gut 🙂

Flightpark Altazor

Dezember 22, 2012

Vorgestern bin ich in Iquique gelandet und zwar (sozusagen) pünktlich und mit allem Gepäck, wie Ste, Thomas und Mänu am Montag gelandet sind; obwohl eine Fluggesellschaft vom zweifelhaftem Ruf involviert war. Auch musste niemand zusätzlich bezahlen, obwohl Gleitschirm eigentlich Sportgepäck ist. Aber wenn man den Rucksack nicht gerade Helm voran hinlegt, merkt das keiner und noch so haben sie mich durchgelassen. Hoffentlich haben wir damit unser Glück nicht ganz aufgebraucht, schliesslich wollen wir hier die nächsten sechs Wochen Gleitschirm fliegen 🙂 Wem mein Stil zu langfädig ist, findet übrigens in unserem Acrodemics Blog Bildli 🙂

Keine Stunde nach meiner Landung waren wir in Palo Buque in der Luft, sonnengecremt (wäh)! Das bedingt natürlich, dass der Startplatz in der Nähe vom Flughafen ist und so darf man nicht weiter als bis zur Strasse fliegen, weiter draussen dürfen die Düsenjäger spielen. Dort fliegen wir abends bis der Wind oder wir nachlassen.

Wir wohnen im Flightpark Altazor der einem Schweizer gehört, der auf seinem frühmorgendlichen Kontrollgang feinsäuberlich die Blumentöpfe verrückt, um die gemütliche Unordnung aufrecht zu erhalten 😉 Abgesehen vom Essen das man selber kochen muss (Mayonaise aus 8dl Beutel mit Toast zum Beispiel), ist hier all inclusive: Werkstatt, Autovermietung, Flugschule und jede Menge Gleitschirmflieger, die alles besser wissen… Und DHV-Piloten, nennen wir sie Klaus-Dieter, die ihre Flügel beim allabendlichen Ausschütteln jeweils komplett durch checken.

Maya Graffiti

Jetzt gibts hoffentlich bald Frühstück (Cheerios, 900gr Packung, Joghurt, 1l Beutel, Milch, flüssige) und dann gehts wohl mit dem normalen Bus nach Alto Hospitio. Der macht extra für uns einen Schlenker zum Startplatz 🙂 Höhe hatten wir noch nie allzu viel, aber das verspielte Fliegen ist herrlich. Irgendwie muss ich heute auch noch einkaufen gehen, mir geht bereits die Wäsche aus; dafür habe ich mein Stativ dabei 😉