Archive for the ‘Indien’ Category

Hampi

April 14, 2009

Hampi ist ein Dorf, weg von der klebrig heissen Küste, im eher durstig heissen Landesinneren Südindiens (Agra war am durstigsten). Morgens badet das ganze Dorf – Tempelelefant inklusve – bei den Gahts am Fluss. Die letzten Tage war dann doch ein Festival, es war alles voll Pilgerern. Aber die schlafen draussen und kriegen Essen gratis (wir wurden auch gleich eingeladen — aber ohne Übersetzer hätten wir den älteren Herrn nicht verstanden), so haben wir doch Unterkunft gefunden. Wir haben auch ein paar Rituale gesehen und etwas Farbe abgekriegt … Viele Herbergen und Restaurants sind hier sehr familiär und morgens sitzen alle da, bereit zum Rätseln, was denn nun das Bleichgesicht wollen könnte. Auf das rein vegetarische Essen (für Fleisch und Alkohol müsste man den Fluss überqueren, Hampi ist zu heilig) muss man meistens läger warten, weil die Zutaten erst eingekauft werden müssen, und zum Abschied überreicht einem die analphabetische Grossmutter voller Stolz eine Visitenkarte 🙂

Wagen

Die Region wird seit Jahrtausenden bewohnt, aber vorallem im vierzehnten und fünfzehnten Jahrhundert war hier das mächtige Hindu-Königreich Vijayanagara. In dieser für die Hindu-Mythologie wichtigen Gegend wurde ein Bollwerk gegen den Islam errichtet. Ob hier nun eine halbe oder mehrere Millionen gelebt haben, gehen die Meinungen auseinander — es ist aber eine riesiges Gebiet voller Ruinen. Diesen sieht man an, dass sie in nur zwei hundert Jahren gebaut wurden, sie sind nicht sehr detailiert geschmückt, dafür zusammenhängend und intelligent in die Umgebung eingebaut. Es gibt gar einen Wassertank, der das ganze Jahr über voll ist.
Die Überresten wurden erst in den achziger Jahren entdeckt. Ein an den Ausgrabungen beteiligter Architekt und Stadtplaner hat uns die letzten Tage zielstrebig rumgeführt. Für die angehenden ArchitektInnen war wohl vorallem die Vielfalt der Räme interessant. Von kleinsten Guru-Zellen in Höhlen, bis zu grossen, aber irgendwie filigranen Tempeln haben wir alles gesehen.

Um Hampi

Die ArchitekturstudentInnen sind jetzt aber weg und mir sagt die Landschaft mehr zu. Ich könnte noch Tage in den Reis- und Bannanenfeldern, mit den rötlichen Felsbrocken und Kokospalmen drin, verbringen. Auf den Spaziergängen findet man wirklich seine Ruhe und ich habe auch schon mehrere Eisvögel gesehen! Eigentlich hätte ich mich eingelebt — der neue Hut hat jetzt auch Salzränder, ich habe soviel Bart, dass mich die Barbiere in Ruhe lassen und die kalte Dusche fühlt sich auch so an — aber nächste Nacht fahre ich mit dem Bus zurück nach Mumbai und übermorgen früh bin ich zuhause.

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Goa

April 11, 2009

Wir waren in günstigen Bungalovs, direkt am Strand. Gute Restaurants gehören auch zur Anlage. Ich habe wunderbar gepennt, wohl seit Monaten mal länger als sieben Stunden 🙂 Nicht dass das selbstverständlich wäre. Palolem Beach war zwar mal ein Geheimtipp, unterdessen übelst voll und die Resorts lassen wohl auch nicht mehr lange auf sich warten … Ausserdem bevölkern hier buchstäblich hundertausend heulende Höllenhunde den Strand. Aber die berühmt berüchtigten Goa-Parties laufen heutzutags ab halb elf mit Funkkopfhörern 😉 An der Reception wird man beim Wasser kaufen aber immer noch gefragt, ob es nicht auch noch etwas Kokain sein dürfe.
Wir waren auf einem Bootsausflug, statt auf einer Insel am „einsamen“ Strand daneben, statt Barbeque haben sie uns kalte, gegrillte Fische gebracht und auf der Rückfahrt haben die Gigolo-Fischer noch die Leine in den Motor gekriegt und mussten einander abschleppen.
Zum Schluss liessen wir uns von den Halsabschneidern auch noch für einen schlechten Preis in Jeeps nach Hampi fahren. Die wollten uns trotzdem bei Bekannten auf der falschen Seite des Flusses abstellen („alles voll drüben, Festival, bla …“) und so wurde es gestern recht spät. Zum Glück liegt Dorf Hampi wunderschön, in Reisfeldern mit Palmen und grossen, roten Gesteinsbrocken drin, so hat die Fahrt der untergehenden Sonne entgegen voll entschädigt 🙂

Taj Mahal

April 9, 2009

Wir haben nun die Reiche der Rajputen Richtung Terretorium der Moguln verlassen. Die bauen ein wenig anders und waren wohl noch etwas mächtiger. Beim Bus sollten wir eine halbe Stunde vor Abfahrt sein und der fuhr dann auch gleich los, machte bald eine gute Stunde Pause und zum Schluss waren wir mal wieder eine gute Stunde später in Agra. Die Rikscha liess sich entgegen allen durch Reiseführer geschürten Erwartungen locker auf einen fairen Drittel runter handeln und stellte uns ohne Faxen beim Hotel ab. Die Reservation ist zwar unter gegangen, aber die hatten doch Platz.
Vorgestern Abend reichte es noch für Fort Agra, einem noch etwas eindrüklicheren Palast, mit Wassergraben, Moschee und allem was so dazu gehört. Leider darf man nur einen kleinen Teil besuchen. Die Sicht auf den Taj Mahal ist aber prächtig, er liegt gleich auf der anderen Seite des Flusses. Sein Erbauer wurde von seinem Sohn gestürtzt und in einem Turm vom Fort eingesperrt, mit Sicht auf die Grabstätte.
Den Taj Mahal haben wir uns für gestern morgen früh gespart. Ab sechs Uhr kann man rein. Die Sicherheitskontrollen sind sehr streng, da wurden Leute wegen einer Tüte Chips zurück zu den Schliessfächern geschickt — nichts mit weg werfen. Aber dass meine Fototasche einen doppelten Boden hat, wo immerhin das grosse Tele rein geht, hat noch keiner gemerkt 😀

Taj Mahal

Spannung und Erwartungen waren imens. Die Anlage selbst ist wunderbar. Ein langer Garten mit dem wegen der Reflektionen berühmten Brunnen führt zum Mausoleum. Rundum sind rote Mauern, mit Geb&auuml;den drin. Leider weit weniger gepflegt, als dar Taj selbst. Am Geld kann es kaum liegen, der Eintrittspreis für foreign friends ist fünfundsiebzig mal höher und recht saftig. Ein einziger Bus voller Touristen — und davon kommen täglich ettliche — würde locker für das Monatsgehalt eines Arbeiters reichen. Der Taj selbst ist von allen Seiten sehr elegant schon fast modern. In seinem weissen Marmor sind feine Mosaike und im Innern auch Schnitzereien. Lediglich die Kuppel ist eine Enttäschung.
Um acht waren wir fertig. Schon dann ist alles voller Besucher und die Stimmung defintiv weg. Statt Kopftüchern — wie es bei einer Moschee üblich wäre — sind Schuhüberzieher im Ticket inbegriffen. Angestellte bitten eher aggressiv um Trinkgelder (auch wenn gleich hinter ihnen gross „free service“ steht) oder fordern einen auf Geld irgendwo rein zu werfen und finden auch zahlreiche Deppen, die das grosszügig unterstützen … Fazit: als Gesamtanalage durchaus sehenswert, aber sehr touristisch und ziemlich überbewertet.
Nach einem Frühstück auf der Terasse mit Sicht auf den Taj Mahal sind wir mit einem Taxi fünf Stunden nach Dehli gefahren. Nur so konnten wir nach der Besichtigung am morgen den Flug am Abend erwischen. Heute ist unser wohl verdienter Tag am Strand von Goa, zurück bei der ganzen Bande. Morgen gehts ins Landesinnere, zum Dorf Hampi, Ruinen warten.

Jaipur

April 6, 2009

Jaipur ist die Hauptstadt Rajasthans. Gegründet wurde sie von einem Maharaja Jai Singh (wem sonst?), einem grossen Krieger und Astronomen (und dass Astronomen die wildesten Krieger sind, weiss ich aus erster Hand). Gleich neben seinem Palast hat er riesige Sonnenuhren und andere Geräte gebaut, um den Lauf der Gestirne zu beobachten. Die grösste Sonnenuhr läuft angeblich auf zwei Sekunden genau, eine weitere funktioniert auch mit dem Mond. Ich bin trotzdem den Eindruck nicht ganz los geworden, dass es mehr um Horoskope als Wissenschaft ging …
Nicht gerade viele Reisende empfehlen Jaipur, aber ich kann sie nicht verstehen. Eine so grosse Altstadt, wie aus einem Guss, habe ich noch selten gesehen. Sie wurde zur Begrüssung eines englischen Adeligen pink eingefärbt und ist seither als Pink City bekannt. Heute sind die Hausbesitzer verpflichtet, ihr Haus pink zu halten. Es ist in wirklichkeit aber eher ein ocker oder orange. Auch von der Architektur her ist die Stadt sehr einheitlich, vorallem der Bazar. Dazu gehören auch ein paar Paläste und drei Forts. Auf dem Palast hägt über der Fahne noch eine zweite, viermal kleinere. Ein junger Maharaja von Jaiput hat einmal den Mund etwas voll genommen, wofür ihm ein mächtigerer Herrscher den Titel „Eineinviertel“ verliehen hat. Steht so im Reiseführer, der Audio-Guide hat das natürlich ganz anders formuliert 😉 Einer der Maharajas von Udaipur war offenbar ein grosser Polospieler, mit Weltmeister und jahrelanger Domination der indischen Liga, ein anderer talentieter Fotograf und ein weiterer Komponist — aber von den beiden Letzteren gabs dann doch keine Kostproben.

Fassade des Windpalasts

Fort Amber ist etwas ausserhalb, riesengross und eigentlich auch mehr ein Palast, mit See, Gartenanlagen, Mosaiken und Elefanten, die Touristen hoch tragen. Ein grosser Teil ist zugänglich und man kann ewig in den unzähligen Zimmern herumirren. Ein weiteres Fort bietet wunderbare Aussicht auf die Stadt.
Ausserdem ist Jaipur auch gross im Souvenir- und Handarbeitengeschäft, aber so entspannt wie hier kann man sich das selten ansehen, sofern man die Läden direkt bei den Hauptattraktionen meidet.
Heute ging ein heftiger Wind (mit viel Sand), gab sogar ganz wenige Tropfen Regen. So konnte sich mein neuer Hut gleich auf der ganzen Linie bewähren, mein Begleiter hatte einfach zuviel Vergnügen am Handeln. Der Händler hat uns bei all seinen Hüten versprochen, dass er den besten Preis mache — kein Wunder, es gibt dort keinen weiteren Hutverkäfer und dieser eine hat sich auch zügig aus dem Staub gemacht 😉 Auf jeden Fall ist es weder ein Ganster-, noch ein Militär- oder Touristenhut, sondern ein Schlapphut. Mein Indiana-Jones-Faktor ist um einiges gestiegen. Jaja, Hüte kaufen ist unglaublich heikel.
Geschlichtliches und Kulturelles ohne Gewähr, Anekdoten mit einem Augenzwinkern. Wie immer. Und morgen gehts zum Taj Mahal!

Kumbalgarh und Ranakpur

April 5, 2009

Donnerstag abend wollte ich auf zum Sonnenuntergang auf einen Hügel mit ein paar Tempeln spazieren, liess mich aber von einem Schild von wegen No-Entry, striktes Vogelschutz-Gebiet, aufhalten. Zum Glück fährt gleich dahinter, nach einem Park und einem Zaun eine Seilbahn hoch. Dort kommt auf unzählige „No Plastic Zone“-„Keep Evironement Clean“-Schilder genau eine unscheinbare Kartonkiste, die möglicherweise als Abfallkübel gedacht ist … Aber die Aussicht war auch gut, nur wäre das Licht morgens besser.
Gestern habe ich mit einem spanischen Reiseleiter einen Wagen gemietet, um Kumbalgarh und Ranakpur zu besuchen. Endlich konnte ich mal zusehen, wie man in Indien richtig fährt. Nach links und rechts schauen vor dem Ab- oder Einbiegen ist verpönt, dafür ist die Hupe da. Damit man die m&oumlg;lichst die ganze Zeit betätigen kann, hält man das Steuerrad im oberen Drittel und hornt mit dem Unterarm. Aber wie das mit der Strassenseite geht konnte ich nicht ganz nachvollziehen, eigentlich wäre Linksverkehr, aber er fuhr wenn keiner kam immer ganz rechts …
Bei Kumbalgarh steht ein grosses Fort, umgeben von einer 36km langen Mauer, auf der bis zu acht Pferde nebeneinander geritten werden können. Die Aussicht von ganz oben ist atemraubend, die Hügel verschwinden nach und nach im blauen Dunst.

Fort Kumbalgarh

In Ranakpur stehen mehrere Jain Tempel. Jainismus ist als Reformbewegung aus dem Hinduismus entstanden. Soweit ich das verstanden habe, wollten sie durch Vereinfachen der Rituale die Macht der Priester verringern und haben die Kasten nicht akkzeptiert. Sie verehren eine Reihe von Idolen und diese sehen Buddha-Statuen ganz ähnlich. Von aussen sehen die Tempel aber den hinduistischen ähnlich. Es gebe zwei Arten von Jain Mönchen, die Nackten und die mit Mundschutz, damit sie keine Insekten schlucken. Letztere wischen den Weg vor sich die ganze Zeit, um nichts Kriechendes zu verstampfen (ich habe aber bis jetzt weder noch gesehen). Leder und alles Konsumierbare (auch Wasser) ist im Tempel untersagt. Ich musste meine Kameratasche sicher drei Wachmännern zeigen, Taschen sind nämlich auch nicht zugelassen.
Der Tempel selbst ist ziemlich schön, mit vielen feinen Steinmetzarbeiten. Zum Glück ist er aus weissem Marmor (im Gegensatz zu Ajanta), schliesslich muss man die Schuhe auch ausziehen.
Schon nur wegen der Fahrt durch die karge Landschaft hat sich der Ausflug gelohnt. Man fährt zwar hundert Kilometer aus Udaipur, trotzdem gibt es kaum eine Ecke, wo man keine anderen Menschen sieht. Spuren von Menschen sieht man jedoch überall, die ganze Gegend ist mit einem Netz aus Trockenmauern überzogen. Auf dem Land sieht man auch mehr Turbane, deren Tragart und Farbe sagen einiges über den Träger aus. Auch ganz interessant fand ich, dass meistens innerhalb eines Dorfes die Kopfütücher gleich tief in die Gesichter gezogen waren.
Auf der Rückfahrt haben wir noch bei einem Hindu-Tempel kurz gestoppt. Dessen Wächter hat kaum von der Zeitung aufgesehen und nur gemeint „This Vishnu temple, money there!“
Auf heute bin ich nach Jaipur gefahren, wo ich einen Kollegen meiner Schwester getroffen habe. Wir sehen uns noch den Taj Mahal an und treffen die anderen dann in Goa, um zusammen nach Hampi zu fahren. Diesesmal war ich in einem Bus unterwegs. Das Bett war zwar nur wenig schmaler und kürzer als ich, aber irgendwie hat da niemand an Gepäck gedacht und das musste dann auch noch in die Zelle. So war es doch noch angemessen kuschelig. Auf der einen Seite war so ein Schiebedeckel und auf der anderen hätte man das Fenster genügend weit öffnen können, um den Ellbogen Manta-mässig raus zu halten. Immerhin hatte ich Glück mit meinem Einzelkasten 😀

Udaipur

April 3, 2009

Ich bin von Udaipur total positiv überrascht. Nach all den Hinweisen in Reiseführern und Berichten von anderen Reisenden habe ich mit dem Schlimmsten gerechnet (und in diesen Rechnungen bin ich gut ;-)). Klar, es ist voller Touristen und man kriegt an jeder Ecke Toilettenpapiert, klar musste ich dem Prepaid-Taxifahrer vorsorglich vorgeflunkern, ich hätte reserviert. Er hat dann doch noch ein bisschen gewartet, lies sich aber leicht weg schicken. Die Händler sind so freundlich und lassen einen einfach davon gehen, dass ich mich auch mal in einen Laden getrauen würde und Trickbetrüger („Can you help me with letter from Switzerland … I have problem …“) sind hier auch mehr herzig als bedrohlich. Blickt man etwas stober kommt sofort ein „No English?“ und ein weiteres Nicken später ist man sie los. Slums oder Obdachlose muss man richtig suchen.

Udaipur liegt um einen künstlichen See, der im Moment zwar nicht gerade viel Wasser hat, aber der Rest ist Gras und die Jungen spielen dort frühmorgens Kricket. Apropos Gras, ging keine halbe Stunde, da wurde ich gefragt, ob ich welches zum Rauchen möchte. Die Gassen hier sind enger und leider wirklich voller Abgasdunst. Nur mit einer Karte etwas finden ist so gut wie unmöglich, glücklicherweise kommt man von selbst bei allen Sehenswürdigkeiten vorbei. Hier sieht man mehr Frauen und gegen Abend bildet sich auf einer Treppe am See ein farbiger Teppich von traditionell gekleideten Frauen, mit ihren Kopftüchern. Dahinter ist der gröste Palast Rajasthans, mit unzähligen Türmchen und Balkönchen. Manche sind voller Spiegel-Mosaiken, andere sind aus Kacheln, die aus einem schweizer Ofen stammen könnten — soviele Stilelemente an einem Gebäde habe ich noch nie gesehn. Eigentlich sind es drei Paläste, der erste wurde Mitte 16. Jahrhundert vom Maharaja Udai Singh II, dem Gründer der Stadt, erbaut. Heute ist ein grosser Teil ein Museeum (mit Sterlingmotor betriebenen Ventilatoren) und ein Teil ein Palasthotel. Dort kann man eine Sammlung von Kristallglas betrachten, bis und mit Bett liess sich ein anderer Maharaja daraus schleifen. Das Hotel ist jedoch deutlich eindrücklicher.

Udaipur

Ausserdem steht der gröste Hindu-Tempel Nordindiens hier, mit schönen Schnitzereien. Man bezahlt keinen Eintritt, aber Spenden für Essen an Bedürftige sind willkommen. Ein Student hat mich für ein Trinkgeld herum geführt. Im inneren, heilligen Teil gibt es Spiegel, damit alle die Ganesh-Statue sehen können, wenn es einmal voll gestopft ist.
Ich wohne gleich auf der anderen Seite des Sees. Da ist eine etwas ruhigere Gegend mit Herbergen, die alle Dachterassen mit grossartiger Aussicht haben, gerade abends auch mit eindrücklich mühsamer Geräschkulisse. Dann ist die Stadt etwa zu einem Drittel stilvoll, zu einem weiteren halt so normal indisch und zum letzten mit übelstem Weihnachtsbaum-Kitsch beleuchtet. Die Brücke zur Altstadt ist auch öfters mit Kühen verstopft und gestern hat ein äterer Hindu mit Tritten und Tasche um Durchlass ersucht. Das hat dem Kalb weniger gepasst und es hat den Kopf in seine Richtung gesenkt. Er hat sich mit einem „Nightmare“ hinter mich geflüchtet und ich habe das als waschechter Kuhschweizer mit etwas Zureden bravourös gemeistert 😉

Erster April auf indisch

April 1, 2009

Die Rückreise war viel besser, bin schläfrig gegen Mitternacht eingestiegen, wenn die letzten fliegenden Händler ausgestiegen sind und konnte bis zum Endbahnhof schlafen 🙂 Sie haben mich in ein Abteil mit drei Frauen gesteckt, welch Ehre. Frauen habe ich bis jetzt schon vorallem in Stein gemeisselt gesehen …
Zurück in Mumbai hab ich auf dem richtigen Perron einen falschen Zug erwischt, konnte gerade noch aussteigen, aber in die andere Richtung wieder rein kommen war zumindest mit Vollpackung nicht drin. Also gings mit Rikschas weiter, zuerst zurück zur anderen Linie und als es dort auch unheimlich Volk hatte, immer weiter. Der eine Rikschah-Wallah hatte offenbar keine Ahnung, wo ich hin wollte und konnte offensichtlich auch nicht lesen, denn er hat mich völlig in die Pampa rausgefahren. Wollte ihm dann nur die Hälfte bezahlen (sonst lernt er das nie …) und das gab ein ziemliches Theater. Da kann plötzlich niemand mehr Englisch. Police-Wallah (hier gibts für alles einen Wallah, z.B. Tee-Wallah, Putz-Wallah …) musste her, wollte aber auch nichts verstehen. Am Ende hab ich halt sauer alles bezahlt und er hat mir dann wirklich etwas mehr heraus gegeben, als das Meter gezeigt hat — ob von sich aus oder wegen dem Polizist weiss ich nicht 😉
Ich konnte dann glücklicherweise gleich in der Strasse in Mumbai ein Ticket bucht, günstiger als die vorherigen Möglichkeiten war es auch noch.
Abends haben wir Geburtstag gefeiert, sind erst in einem Fischer-Slum statt im noblen Weinrestaurant gelandet. Die eine Kollegin meiner Schwester wurde richtig mit Anrufen und SMS bombardiert, ein Inder hat ihr sehr zuvorkomend mit dem mobilen Internetzugang geholfen und ist nun ganz schauderhaft in sie verliebt 😀
So, ich getraue mich noch etwas raus, hier in Udaipur. Rajasthan ist etwas karger, trockener und heisser, wobei es heute auch in Mumbai übel heiss war.

Ellora und Ajanta

März 31, 2009

Das mit dem Nachtzug habe ich mir erholsamer vorgestellt. Da war zwar Platz und es gab auch einen Vorhang, nur musste ich da meine Füsse raus strecken und da ich gleich neben der Türe war, hat mich das Gerüttel am Vorhang recht mitgenommen. Der Zug hat auch überall gehalten, wie sonst soll man sieben Stunden für dreihundert Kilometer brauchen? Immerhin war ich pünktlich kurz nach vier Uhr morgens am Ziel …
Eigentlich wollte ich gleich weiter nach Ellora und dort eine Nacht verbringen, schliesslich steht in beiden meinen Reiseführern Ajanta könne man sich schenken, wenn man nicht allzu viel Zeit hat. Aber da diese Höhlentempel Dienstags geschlossen sind, bin ich in der Jugendherberge von Aurangabad unter gekommen und habe heute auch noch Ajanta besucht. Hat sich definitiv glohnt, aber eins ums andere.
Gestern Nachtmittag habe ich mich also nach Ellora aufgemacht. Dort gibt es 34 in den Felsen gehauene Tempel. Die buddhistischen sind voller ruhig lehrenden oder meditierender Figuren, während die hinduistischen lebendige Schnitzereien wilder Kreaturen zeigen. Dann gibts noch jainistische, die sind was dazwischen. Leider sind die meisten nicht wirklich fertig. Spätestens wenn es um Frauenbrüste geht, hat sie ihre Arbeitswut verlassen und sie haben soviel Stein wie möglich dran gelassen 😉 Irgendwann gingen mit die Akkus aus, hat immerhin den Ärger über das erneute Stativ-Verbot etwas verblassen lassen …
Ein Portugiese aus der Herberge ist mit dem Rad drei Stunden raus gefahren. Dabei fiel das eine Pedal ab. Der erste Bus wollte uns dann nicht mit nehmen, aber beim zweiten durften wir das Rad aufs Dach hiefen.
In Ajanta gibt es auch rund dreissig buddhistische Tempel, um die Schleife eines ausgetrockneten Flusses angeordnet. Sie sind etwas fertiger und mit wunderbaren, teils gut erhaltenen Wandmalereien verziert. Die meisten Höhlen sind schön ausgeleuchtet. Ist auch sonst um einiges touristischer, die Händler etwas nerviger. Wie immer „ten ruppees for indian friend, two hundred fifty for foreign friend“ … Ich war mit einer Tour dort. Der Guide war nicht sehr humorvoll, dafür umso Lehrerhafter, „come here, Sir, look there, Sir … This is …“ Immerhin war genügend Zeit, alles zu selber nochmal zu sehen (wenn man auf Mittagessen verzichtet hat), aber das Licht wäre frühmorgens um einiges besser gewesen.

Kapitell in Ajanta
Heute abend fahre ich mit dem Nachtzug zuück nach Mumbai zu meiner Schwester, dort gibt es einen Geburtstag zu feiern. Übermorgen gehts weiter nach Udaipur.

Bombay

März 29, 2009

Am Flughafen Zürich wurde ich zum ersten Mal in meinem Leben auf Übergepäck aufmerksam gmacht, bin aber mit den fast vier Kilo Spaghetti durch gekommen. Ich habe meine Schwester und ihren Freund wie abgemacht am Flughafen getroffen. Die beiden studieren Architektur und machen hier an einem Austauschprojekt zum Thema Stadtplanung mit. Die ganze Bande wohnt in der gehobenen Mittelklasse Zweitwohnung der Eltern einer indischen Studentin und ich darf auf dem Sofa auf ihrem Balkon im siebten Stock unter Mückennetz und Ventilator nächtigen. Am Flughafen muss man vorausbezahlte, teure, klimatisierte Taxis nehmen, sonst gibt es günstige und mit Meter, wobei die Gerüchteküche meint, einige haben eine Karte mit Touristentarifen dabei …

Koloniales Bombay

Mumbai ist ziemlich voll. Auch voller Gerüche, manchmal ist jeder Atemzug anders. Ich kann mir nicht vorstellen, wohin all die Rikschas durch den Tag verschwinden. Die Züge sind noch um einiges extremer, dafür schneller. Kontrolliert wird man am Bahnhof und wenn man sich dort ohne Ticket aufhält, muss man eine Busse bezahlen. Auch wenn alle Tickes gleich viel kosten bezahlt man, wenn man eine Station zu spät aussteigt, wobei sowohl das Wissen, wo man ist, als auch das Herauskommen an sich nicht gerade einfach ist — obschon es keine Türen gibt … Das Hineinkommen im Übrigen auch nicht und täglich sterben Leute, die aus fahrenden Zügen fallen. Im Übrigen haben es die Kontrolleure systematisch auf Weisse abgesehen, wer sonst könnte sich die Busse von zwei durchschnittlichen Tageseinkommen leisten?
Ansonsten ist Mumbai ganz nett. Heiss, aber erträglich. Die Leute sind scheu (wobei ich das als Frau vielleicht anders sehen würde, die haben nicht ohne Grund ihre eigenen Wagen in den Zügen), aber hilfsbereit. Nicht einmal die Bettler und unzähligen Obdachlosen sind wirklich aufdringlich. Im Süden gibt es viele Gebäude aus der Kolonialzeit, wobei die ohne Palmen und improvisierte Schattenspender aus irgend Blättern auch irgendwo in Europa stehen könnten. Das habe ich mir am ersten Tag angesehen. Jetzt haben die Burgdorfer auch frei, gestern waren wir auf der Elefanteninsel (mit Höhlentempeln) und heute in einem Nationalpark (mit weiteren Höhlentempeln und ein paar Tigern und Löwen, die man aus einem vergitterten Bus in ihren Käfigen sehen kann). Einen indischen Single Malt Whisky haben wir auch gefunden, nicht sehr interessant, aber süss und ganz gut.
Diese Nacht fahre ich nach Ellora, um — wer hätte das gedacht — noch mehr Höhlentempel zu besuchen. Da ich etwas müde bin, habe ich mir eine Doppelkabine mit Klimaanlage geleistet. Kostet immerhin fünfzehn Franken, die Pritsche wäre nur vier. Dort will ich eine Nacht verbringen, dann hab ich wieder einen Nachtzug zurück und Mittwoch fliege ich (hoffentlich) nach Udaipur. Dann will ich durch Rajasthan bis zum Taj Mahal und dort sehe ich weiter. Im Ganzen habe ich drei Wochen in Indien.