Archive for the ‘Interrail’ Category

Malmö und Lund

Oktober 19, 2010

Auch Schweden hat eine zweite Chance verdient und so fuhren wir vorgestern nach Malmö und Lund. Diese gehören wie Kopenhagen und Helsingör zur Öresund-Region und sind schnell im Regionalzug zu erreichen. Diese sind übrigens ausnamslos begleitet, für Touristen angenehm, für Pendler ärgerlich.
Malmö hat ein lustiges Wappen, roter Adler auf weissem Grund und hat einen ziemlich grossen, schönen Park mit botanischem Garten und Flüsschen ums Schloss. Daneben eine ziemlich edle Einkaufsmeile, mit modernen und lustigen Skulpturen.

Fassade in Lund

Lund ist eine alte Studentenstadt, zwanzig Minuten weiter. Ganze Quartiere aus kleinen, älteren Häuschen. Zu den Backsteinern haben sie hier noch Kopfsteiner genommen, bis weit aus dem Stadtkern raus. Die Uni liegt zentral in einem Park mit Fontäne und so. Die Apotheke ist noch im ursprünglichen Raum, mit grossen Gläsern in holzigen Gestellen hinter und aktueller Werbung auf dem Tresen. Hauptattraktion ist der Dom von 1145, sehr schön, mit Mosaik über dem Altar und vielen Schnitzereien, die noch sehr an die Vikinger mahnen. Er hat auch eine grosse Krypta, wo jede Säule anders aussieht.
Gestern haben wir einen gemütlichen Tag gemacht. Eigentlich wollten wir noch so bunte Helme kaufen, aber leider gibt es die nicht wirklich in meiner Grösse 😦 Dafür hat uns der Verkäufer über die politische Situation der Velofahrer aufgeklärt, es werde viel Geld in die Velowege gebuttert, weil Kopenhagen vom Spitzenplatz in Sachen Velofreundlichkeit abegelöst wurde. Ausserdem sei das Credo hier „lieber dumm aussehen, als dumm sein“ und daher all die doofen Hjelmer 🙂 Eine weitere sprachliche Entdeckung sind das Ligekistemagasin (Bestattungsinstitut), der Perronafsnit und vom Automobil haben sie hier das Bil behalten. Ansonsten habe ich mich derart auf das Suchen von Dan*-Schildern fixiert, dass ich mehrmals fast in Leute gelaufen wäre. Die Stadt war sehr voll, Woche 42 haben alle (ausser VerkäuferInnen) frei, zum Kartoffelpflücken. Sogar der Vergnügungspark Tivoli wurde nochmal geöffnet, man hört die Schreie in der halben Stadt.
Unser Interrail läuft morgen ab und so haben wir einen Nachtzug gebucht. Eigentlich wollten wir am Schalter noch eine IR-Karte (in Norwegen liegen die einfach auf) dalassen, falls mal wieder jemand nach einer fragt, ohne ein Ticket zu kaufen — aber dieser da war so freundlich, dass wir es nicht übers Herz brachten. Bevor wir heute abend einsteigen gehen wir nochmal ins Louisiana Kunstmuseum, den Film zu Anselm Kiefers Atelier und Spielplatz schauen. Irgendwann sollte es hier auch noch etwas bunter werden, ich habe ziemlich viele Fotos gemacht … Ausserdem wollen wir noch bei den Regierungen hier unser Ferienvideo beantragen — man wird überall konstant überwacht — und laden hiermit offiziell die dänische Krone zu einem Schoggi-Probieren ein, damit die auch wissen, was Schokolade ist und niemand mehr auf die von ihr gebilligten Brownies reinfällt 🙂

Helsingør und Louisiana

Oktober 16, 2010

Potz war der Bahnhof von Stockholm gestern voll! Heute wollten wir Dänemark eine zweite Chance geben und zogen wieder mit einem dieser äusserst hässlichen Lokalzüge hier zwischen Dänemark und Schweden los. Dieser war nur zehn Minuten spät, hat uns dafür nicht im Stich gelassen, wie der gestern … Dafür ist das Zugpersonal ausnehmend freundlich, es stammt wohl zum Grossteil aus Schweden.
Wir fuhren nach Helsingør zum Schloss Kronenburg, das durch Hamlet weiltweit bekannt wurde. Es war damals gerade ein neu wiederaufgebauter Prunkbau zum Einziehen von Wegzöllen im Öresund und da es äusserlich gut erhalten ist, landete es auf der UNESCO-Liste. Da bei der Restauration nicht alle Details der Inneneinrichtung bekannt waren, hat der engagierte Architekt voll auf die Vorstellungskraft der Besucher gesetzt. Das beginnt bereits beim Eingang, wo Kasernengeräusche ertönen. Immerhin sind ein paar Gemälde, Möbel und Teppiche aus der Zeit zu sehen, auf einem ist eindeutig Obelix drauf — definitiv das Highlight! Ansonsten sind Texte auf Touchscreens halt auch nur Texte …
Bereits beim Testen, ob meine Fototasche in die Kiste passt oder ob ich sie nicht mitnehmen darf wurde ich von weitem angeschnautzt „This belongs into a locker, no discussion!“ Hoppla. Dann „I suggest you visit the royal rooms first.“ und als wir nicht sofort reagiert, sondern einen Grund abgewartet haben „hello, are you here?“ Immerhin hat er sich dann bequemt zu erklären, dass das halt der natürlichste Weg sei …

Helsingør

Obwohl ich die kleine Türe praktisch ausgefüllt habe und mit meiner senfgelben Jacke nicht gerade diskret unterwegs bin, hat uns die Wächterin die Türe zur Kappelle direkt vor der Nase zugeschlagen. Immerhin ist die Kappelle auch ganz schön, mit Einrichtung aus dem sechzehnten Jahrhundert. Weiter gings zum „Tower“, wie sie hier dem Dach neben dem Turm sagen und zum Dessert in die Katakomben, wo sich tausend Mann mit Proviant für sechs Wochen belagern lassen konnten. Es war stimmungsvoll mit Petrollampen ausgeleuchtet und wenn man sich zum saftigen Eintrittspreis auch noch eine Taschenlampe gekauft hätte, hätte man auch die Schilder lesen können. Dänemark hat Brasilien, das sich geweigert hat, für das Abschaffen des Sundzolls zu bezahlen, die Schulden erst 2003 erlassen — dass die Mentalität noch da ist, erstaunt also nicht weiter.
Enttäuscht haben wir uns trotz der knappen Zeit noch ins Louisiana gewagt, obwohl wir von diesem Museum für moderne Kunst nur wussen, dass sie kalte Füsse gekriegt haben, als Bjørn Nørgaard (unser Liebling von Koppenhagen) mit der Opferung eines Pferdes gegen das Desinteresse am Vietnamkrieg demonstrieren wollte. Gute Entscheidung, es ist wirklich toll. Es hat eine Sammlung mit einem Picasso, die grösste mit Giacomettis Skulpturen, Künstlerportraits von Arnold Newman und Skulpturen von Max Ernst, daneben zwei Ausstellungen. Die eine zeigt den Werdegang von Anselm Kiefer, dessen riesigen Bilder mit Strukturen aus dick aufgetragener Farben und Materialien wie Stroh oder Stacheldraht uns wirklich gut gefallen haben. Die andere zeigt Aktionen von Sophie Calle. Sie hat ihr Bett ausgeliehen oder eine e-Mail, in der ein Freund mit ihr Schluss macht, von über 170 Frauen interpretieren (sprich tanzen, berechnen …) lassen, um darüber weg zu kommen.
Leider ist das einzig wirklich pünktliche hier die Schliessung dieses Museums, schon fünf Minuten vor sechs wurde man zum Gehen aufgefordert …
Immerhin kamen wir so rechtzeitig zum kitschigen Sonnenuntergang raus und wieder nach Kopenhagen, wo wir herrlich bekocht wurden und jetzt die neusten Folgen The Big Bang Theory auf uns warten 🙂 Vielen Dank!

Stockholm

Oktober 16, 2010

Nach einer kurzen Nacht zuhause im angenehmen Budget Hotel Oslo haben wir im Zug die Reichsgrenze überquert und sind in Stockholm gelandet. Norwegen mag zwar mit dem Frauenstimmrecht auch schneller gewesen sein, als wir in der Schweiz — aber im Zug war die Rollenverteilung noch klar: Mann wird Kondukteur, frau serviert in der Kaffeteria. In Schweden sehen sie das etwas lockerer, vielleicht weil die Uniform ohne Hut auskommt? Ausserdem sind im Heimatland von Ericsson Klingeltöne in voller Lautstärke salonfähig …
Stockholm ist höchstwahrscheinlich schwedisch für arschkalt. Die königlichen Wachen hier sind wirklich nicht zu beneiden und sie haben nichtmal eine Bärenfellmütze. Immerhin dürfen sie sich etwa alle zwei Stunden abslösen und dabei ein bisschen träberlen. Herzig. Auch herzig ist nach wie vor die Sprache, sogar spanische Touristen können sich amüsieren. Wir waren im Karamell-Affären-Laden, weil es dort bei den Nyheter schwarze Ragusa gab 🙂
Wir sind hier in einem sogenannten Best Hotel, wo man sich Bettwäsche (wenigstens stilsicher von IKEA ;-)) mieten muss, Hygiene-Regeln. Die Betten schaut man sich trotzdem besser nicht zu genau an, nützt herzlich wenig. Und die an der Reception scheisst es offensichtlich auch ziemlich an.

Schwedischer Königspalast

Sonst ist Stockholm sehr nett. Hübsche Altstadt, auf einer kleinen Insel, mit kleinen Gässchen. Voller Souvenierläden und sogar in der Schweizer-Konditorei hängen mehrere Bilder von der Hochzeit der Prinzessin. Bestes Wetter, trotzdem saukalt für Sightseeing. Gestern haben wir im Wesentlichen im Vasa-Museum verbracht. Die Vasa war Stolz der königlichen Marine und sank 1628 direkt vom Stapel. 333 Jahre später wurde sie gehoben und weil das Wasser hier zuwenig salzig für Holzwürmer ist, sieht sie noch ganz toll drein. Anhand der prunkvollen Schnitzereien wird einem erklärt, wie die Leute damals gelebt haben und wie der König auf dem Kontinent gekriegert hat.
Stockholm hat auch Erstaunliches zu bieten, noch nie habe ich einen Obdachlosen in MBT-Schuhen gesehen oder neben einem im Internetkaffe gesurft. Ausserdem ist bei McDonalds mindestens die Hälfte ergraut — ohne Grosskinder dabei zu haben! Unterdessen stehen Teenies um ganze Strassenblöcke für Autogramme vom Schwachström-Sänger Håkan Hellström an.
Heute fuhren wir im Archipel rum, saumässig kalt wars auf dem Schiff, aber schön. Ansonsten kann man hier vorallem Hippster beobachten, je näher das Wochenende kommt, desto mehr solche Wochenendausflügler kommen an. Schnäuze und geschleckte Frisuren sind angesagt, lärmige Nächte in der Herberge die Folge. Und wir fahren gleich zurück nach Kopenhagen, weg von den Reichstelefonkabinen zurück zu den lustigen Velohelmen 🙂

Sognefjord

Oktober 15, 2010

Dummerweise war gerade Sonntag und da ist in Bergen ziemlich tote Hose. Auch war kein einziges Internetkaffe offen, so konnten wir nicht heraus finden, ob und was für Unterkunft in Vik offen ist. Nach Vik wollten wir, um die einzige Stabkirche, die ausserhalb der Saison geöffnet wird, anzusehen. Weil die Touristen-Saison zu Ende ist, fahren nur noch Express-Fähren und so sind wir ziemlich schnell von Bergen weg gedonnert, entlang der schönen Küste, mit vielen kleinen Inseln, im tollen Abendlicht. Etwas oberhalb geht es wieder Land einwärts, in den Sognefjord. Es ist der grösste Fjord der Welt, also genaugenommen der breiteste, tiefste und längste — da sind sie ganz besonders stolz drauf 😉

Hafen von Vik

Es hat ziemlich gezogen und wäre auch ohne kalt genug gewesen. Bald war es komplett dunkel und Vik ist auch nicht gerade weit. Gleich neben der Anlegestelle ist ein Camping, der auch Hütten vermietet. Wir haben mal den Besitzer angerufen und als der auf die Frage, ob es denn sehr kalt wird, mit „mh näääääääääääj“ geantwortet hat, haben wir uns so ein Häusschen im Grünen gemietet.
Auch hier gab es kein Internet, mein Netbook hätte uns viel Ärger erspart … Also mussten wir via Telefon abklären, ob sich nun ein Guide finden liess, der uns die Stabkirche Hopperstad zeigen kann. Da uns der Chef vom Denkmalschutz noch nicht geschrieben hatte, haben wir ihm unsere Nummer per SMS von zuhause aus mailen lassen. Leider hat er an der nummer +4179… die Landesvorwahl vermisst und statt das einfach mal in sein Telefon zu tippen ettliche durchprobiert. Auch die Schweizerische und dabei ist ihm kein Lichtlein aufgegangen. Da wir dem Guide zuwenig nach Leuten ausgesehen haben, die für eine Besichtigung ausserhalb der Saison zehn Eintritte springen lassen, hat er uns auch nicht angesprochen, obwohl wir zufällig zu derselben Zeit bei den Kirchen rumgestrolcht sind.
Weil wiedermal Regen überfällig war, haben wir diese Niederlage hingenommen und sind Dienstag frü mit dem Bus weiter. Der Nebel lies nichts Gutes erahnen, aber auf dem Hochplateau oben war der Himmel wieder gewohnt wolkenlos und die Landschaft wunderschön, obwohl sie in keinen Reiseführer erwähnt wurde. Abgesehen von uns waren nur paar Grosis im Bus, irgendwo im Nirgendwo mussten wir in der eisigen Kälte auf einen anderen Bus warten, der dann gerammelt voll Touristen war. Er brachte uns zum Nærøyfjord, dem wohl engsten Fjord, Unesco Weltkulturgut.
Durch ihn fährt eine Fähre, auf der wir doch noch etwas fernöstliche Massentourismuskultur erleben durften … Da steigt man mal ein, besetzt mit einer Tasche einen Sessel mit möglichst guter Sicht an der Wärme und mindestens einen weiteren Stappel Garrtenstühle auf dem Dach und für den Rest werden die Ellbogen weit ausgefahren. Der Nebel war auch wieder da und zum Schluss fährt ein ziemlich teures Bähnli auf das sie auch ganz stolz sind, den Fjord hoch, zurück zur Bergen-Oslo Linie, wo die Japaner auf den besten Plätzen im Speisewagen SMS schreiben …
Es war nicht ganz so schlimm, wie das jetzt wohl tönt 😉 Die Landschaft ist wirklich herrlich, die Stabkriche auch von aussen ganz eindrücklich und die Norweger ganz sypmathische und freundliche Menschen.

Oslo-Finse-Bergen

Oktober 11, 2010

Nach einem riesigen Grönland-Kebab und einem letzten Spaziergang entlang der Akerselva, die quer durch Oslo Drogenmarkt und In(dustrie)viertel fliesst und fällt haben wir in aller Herrgottsfrühe den Zug nach Bergen bestiegen, stilsicher in der ersten Klasse (vielleicht werden wir wirklich langsam alt — aber es war billig und sonst gibt es in Norwegen überall nur eine Klasse), Pappbecher-Kaffee inbegriffen. Überhaupt haben wir noch nie soviel Take-Away Koffein gesehen wie hier. Ist auch kein Wunder, die Morgendämmerung geht hier klammheimlich in den Sonnenuntergang über …

Minarett

Was als schönste Zugfahrt Europas gelobt wird, hat natürlich im Nebel angefangen. Man hat gerade mal paar Birken und Tannen mit wenigen Häusern und Siedlungen buchstäblich dazwischen gesehen. Plötzlich ein Tunnel und auf der anderen Seite perfektes Wetter, tiefblaue Seen und strahlend gelbe Birken — definitv schon Kitsch 🙂 Mit zunehmender Höhe wurden die Bäume immer nackter, dann verschwanden die Birken und Zum Schluss wuchs ausser Skiliftmasten nichts mehr über die Flechten und das Moos hinaus.

Finse

Beim höchsten Bahnhof Skandinaviens, Finse auf 1222,2 m.ü.M (gääähn) sind wir ausgestiegen und mussten als echte Schweizer den erstbesten Berg besteigen. Immerhin war die Aussicht auf den sechstgrössten Gletscher Norwegens ganz toll. Man ist dort oben so stolz, dass diese Zahlen sogar auf Englisch durchgesagt werden, ansonsten ist Norwegen im Vergleich zu Dänemark nicht gerade International … Aber dafür entschädigt die Sprache auf jeden Fall. Zum Beispiel gibt es in Bergen einen Frisör Horfixör, das Spital heisst noch Sjukenheim und ein kaputtes Klo ist im Rustand.
Item, bis Bergen ging es wieder umgekehrt runter, also erst Tannen, dann nackte Birken … bis und mit dem Fjord. Bergen hat ziemlich viel Schickimicki für eine Studentenstadt. Am Meer gibt es eine herrliche Holzhäuserreihe, wie im wilden Westen, mit UNESCO-Stempel.
Ausserdem ist Bergen von Bergen umgeben, auf einen davon mussten wir natürlich hoch. Bei der Bahn herrschte Hochbetrieb, die Leute wollten endlich mal wieder an die Sonne. Zum Glück ist es zum Wandern nicht weit und gibt es eine nette Wanderkarte, mit farbigen Wegen und so. Leider ist dann oben nichts mehr farbig und die Worte auf den Wegweisern sucht man auch vergeblich auf der Karte … Dafür wäre die Loipe bis um 23 Uhr beleuchtet! Wir sind uns mit unseren Bergschuhen etwas übermotorisiert vorgekommen, aber etwas abseits der Kinderwagenbahnen waren wir sehr froh, so eine Regenperiode geht nicht ganz spurlos an einem Moorgebiet vorbei …
Auch kulturell ist einiges los in Bergen, es war gerade eine grosse Munch-Ausstellung dort und wir haben uns noch einen letzten Schrei angesehen, bevor wir die Fähre nach Vik genommen haben, obwohl das Güetzi an der Touristeninformation gemeint hat, da würden keine mehr hinfahren 🙂

Die Rückreise war ebenbürtig, gibts aber ein andermal … Wir sind unterdessen in Stockholm und gehen jetzt pennen 🙂

Oslo

Oktober 6, 2010

Wir hatten uns einigermassen gewöhnt, an die Backsteinreihen und die extravaganten Münzen mit Löchli, Müsterli und Herzli, aber sehr diskreten und gut versteckten Zahlen drauf — dann sind uns aber die Museen ausgegangen. Als nächstes wollen wir Bergen und die Westfjorde besuchen. Lange wurde strömender Regen für die ganze Woche prognostiziert und wir hatten schon einen Plan B (Gotland und Stokholm) bereit. Bergen hat dreihundert Regentage pro Jahr und das Meiste fällt im Oktober … Nun sieht es aber nach einem strahlenden Wochenende aus, so haben wir die Fähre nach Oslo genommen und lassen hier die Front vorbei ziehen.

Opernhaus Oslo

Die Fahrt in der Kabine war angenehm (höre ich da „ihr werdet langsam alt“? Es gab nur Kabinen, Ehrenwort) und die Ankunft im Fjord von Oslo sehr bunt, denn wir haben den Herbst eingeholt. Leider bis jetzt erst in grau (und nass), aber das tolle Licht aus Dänemark sollte bald auch eintreffen …
Begrüsst wurden wir von einem Zivilisten mit Zoll-Badge. Hier heissen die Jugendherbergen wieder Jugendherbergen und nicht mehr Danhostel, die Securitas wieder Securitas und nicht Dansecurity und im Hardrock Cafe läuft nicht mehr Robbie Williams. Es gibt auch wieder ein richtiges Migrantenviertel (das Grønland heisst ;-)) und der Bahnhof ist ziemlich zwielichtig. In Dänemark hat es in den Museen immer Vekselmaskinen, wo  man Münzen für die Schliessfächer gekriegt hat — hier borgt man sie einfach beim Wachmann.
Apropos, das Museen-Defizit konnten wir nachhaltig beheben. Leider wurde das Munchmuseum gerade umgestellt, dafür haben wir die Nationalgalerie und die Ableger für angewandte und moderne Kunst besucht. Entgegen allen Erwartungen war gerade ein Schrei da und die Wohnzimmer aus den verschiedenen Epochen waren auch ganz nett 🙂
Unser Nachtessen war norwegisch, Rentier und Schaf. Dagegen ist Smørrebrød raffiniert. Dann ein kleiner Abendspaziergang auf der Oper und morgen wollen wir uns noch eine Dröhnung Geschichte holen, mit Freiluftmuseum und Vikingerschiffen. Dann hoffen wir, dass das Wetter hält und fahren Richtung Bergen.

Kopenhagen

Oktober 2, 2010

Da ich unterwegs gerade so gut auf Neuigkeiten bezüglich Bewerbungen warten kann, bin ich mit Ste spontan nach Kopenhagen zu einem Schulfreund gefahren, der da mit seiner Frau (jaja, wir werden langsam alt …) ein Auslandsemester macht.

Dänische Architektur

Auf den ersten Blick fallen vorallem die grossen Radstreifen auf und die Skaterhelme, die hier unter Velofahrenden sehr angesagt sind. Ziemlich irritierend, vorallem mit grauen Haaren drunter. Und sie ziehen sie auch in der Einkaufsstrasse nicht aus! Mit dem Dänischen ist es ein bisschen wie mit dem Türkischen, man nimmt das Wort aus dem Oberländischen (zum Beispiel Möbl), fügt „er“ hinzu (wird zu Möbler) und verschluckt die Endung beim Aussprechen fachgerecht. Ähnlich ist es mit der dänischen Architektur, man nimmt Backsteine (Backsteiner) und verziert ein bisschen mit Glas (Glasur). Wenn man etwas raffinierterer bauen will, nimmt man halt noch eine zweite Sorte Backsteine dazu.

Opernhaus Kopenhagen

Gestern haben wir im Nationalmuseum verbracht, was nicht nur an den kurzen Öffnungszeiten von elf bis fünf lag. Vorallem die Ausstellungen mit prähistorischen Funden und Künstlern aus den Emiraten fanden wir toll, daneben haben sie grosse Ausstellungen zu Völkerkunde und dänischer Geschichte. Heute sind wir auch nicht weiter gekommen, das staatliche Kunstmuseum ist ähnlich weitläufig. Es umfasst dänische und ausländische Werke von 1300 bis heute, wobei die Dänen auch an internationalen Grössen wie Matisse oder Picasso einfach vorbeiziehen, um die riesigen Hallen mit dänischer Kunst zu besuchen. Erst wenn Bjørn Nørgaard (der dänische Hirschhorn) am Bildschirm einem Pferd den Bauch aufschlitzt, versuchen die Hipster-Eltern ihre Kinder diskret weiter zu schleusen 🙂 Er kann aber auch ganz schöne Skulpturen machen, die Sonderausstellung mit seinen Werken ist super.
Dass wir noch nicht wirklich weit von Deutschland weg sind, haben wir heute gesehen: Sogar die zur Ablösung marschierende köngliche Leibgarde hält an der roten Ampel! Wir haben noch ein paar Museen vor uns, dann fahren wir wohl via Oslo nach Bergen. Wir haben versucht am Bahnhof eine aktuelle Interrail-Karte zu kriegen, aber die kriegt man partout nur, wenn man sein Interrail auch hier kauft. Dermassen bürokratisch und unflexibel — dabei werden die hier ja nur von Sozialdemokraten regiert 😉

Turku

August 21, 2008

Nachdem wir einige Tage in Berlin geplant, verworfen, verpasst und entdeckt haben wir vorgestern nun endlich den Nachtzug nach Malmö und Stockholm nehmen dürfen. Von da aus gings direkt auf die Nachtfähre nach Turku, Finnland 🙂 Kaum zehn Minuten an Deck, die grosse Überraschung, wir finden einen Gymerkollegen wieder (Rossi aus Biel), was die Fahrt sehr kurzweilig gestaltete. Wir starten morgen mit dem Zug Richtung Norden, nach Rovaniemi. Geplant ist eine Heimreise durch Schweden, wir werden sehen 🙂 Wir sind hier in einem 15-min maximal Internetkaffee, man entschuldige den verworrenen STil.

Übrigens lernen wir fleissig finnisch: mit dem Zählen happerts noch, wir können nicht ernst bleiben bis 3, dafür wissen wir was Erdbeerglace heisst: mansikka jäätelöä.

Krakau

August 13, 2008

Nach Wien und Budapest grüssen wir im Moment aus Krakau. Wir haben Glück mit dem Wetter, sind gesund, munter und frohen Mutes und besuchen morgen Auschwitz. Mühe bekunden wir mit den Sprachen und den Währungen. Nach Ungarisch ist jetzt auch das Polnisch eher schwierig, wir bleiben aber dran. Weiter gehts dann nach Berlin, weg vom gemütlichen Leben hinter dem eisernen Vorhang.