Archive for the ‘Westafrika’ Category

Ouagadougou II

September 25, 2007

Ouaga war sehr entspannt. Als Hauptstadt ist es wieder etwas moderner, etwas weniger „ça va?“ und Souvenierhändler. Die Museen schliessen über mittag. Da dort kaum etwas angeschrieben ist und es gerade mal jeder zehnte Einheimische lesen könnte, wird man geführt. Um Trinkgeld wird nicht gefragt, genommen wird es aber schon. Im Musikmuseeum wurde ich noch auf gut zwei Stunden Djembe-Unterricht eingeladen. Nichts von wegen „Afrikaner haben Rythmus einfach im Blut,“ so harte Arbeit habe ich in Afrika sonst höchstens auf Feldern gesehen. Es wurde wenig gesprochen und viel gespielt und geflucht. Aber wenn es mal gestimmt hat, hatte der Lehrer eine riesen Freude 🙂
Über mittag war ich auf einen Fruchtsaft „Chez Auntie Propre.“ Als sie den Grund meiner Essens-Abstinenz erfragt hatte, begann die Grossmutter zur Belustigung der Gäste allerlei Verdauungsstörungen geräuschvoll zu imitieren, um kurz darauf mit den passenden Tabletten und etwas Wasser wieder aufzutauchen. Schon seit Tagen auf Schadensbegrenzung aus habe ich dankend abgelehnt.
Ouagadougou ist die Hauptstadt des Westafrikanischen Kinos, sogar mit einem Cineasten-Denkmal. Ausserdem sei ein Kinobesuch in der Region vor allem wegen der Audienz ein lohnendes Spektakel und der einheimische Titel „Mathy la Tueuse“ klang vielversprechend. Es sollte mir aber vergönnt bleiben: beim ersten Anlauf wurde kein Film gezeigt, weil ich alleine war und als sich um halb Neun der Saal etwas gefüllt hatte, haben sie den Ton nicht auf die Reihe gekriegt. Beide Male wurde der Eintritt anstandslos zurück erstattet. Als Weisser alleine im Kino habe ich sogar bei der Getränkedame für Verwunderung gesorgt, die würden sich sonst höchstens in Begleitung her wagen. Immerhin war der halboffene Saal eindrücklich, als ich zum ersten Mal dort sass hatten sie gerade einen heftigen Schauer mit Wetterleuchten am Laufen.
Auf dem Rückweg musste ich mich noch eines hartnäckigen Bettlers mit langer Geschichte entledigen, der mir die letzten Francs CFA abnehmen wollte. Da waren auch laute, unfreundliche Worte nötig und ich fand es bereits schade, so etwas als letzte Erinnerung mit nach Hause nehmen zu müssen. Zum Glück hat mich dann ein Rollerfahrer einach so an den Flughafen gestellt, nachdem ich gegen Mitternacht an einer eher unbelebten Kreuzung ewig auf ein Taxi gewartet hatte. Er lies sich überhaupt nicht dazu bewegen, die extra fürs Taxi aufgesparten CFAs an zu nehmen und hat so meinen Urlaub gerettet 😉
Der Rückflug war zwar anstrengend, aber an sich völlig unspektakulär. Nagelschere und Pincette habe ich mir wie der grösste Anfänger abnehmen lassen. Viel Warten, die National Geographics France welche ich zwischen Moschee und Supermarkt in Ouaga noch gekauft hatten waren schon lange gelesen und die afrikanischen Kopfhörer schon lange kaputt. Wenn ich im Flieger nichts gegessen habe hiess es nur „Ah, Ramadan.“ Die Afrikaner sind bereits in dicken Kleidern am Flughafen eingetroffen, haben sich in Casablanca etwas besser eingepackt und im Landeanflug zur Sicherheit noch zwei Jacken über die beiden Pullover gezogen und eine Wollkappe aufgesetzt.
In Afrika habe ich die Armut nie drückend empfunden. Abgesehen von ein paar Ausnahmen sind die Unterschiede nicht allzu extrem und dermassen heftige Kontraste wie in Kambodscha habe ich nicht erlebt. Seit ich zurück bin mache ich mir doch meine Gedanken. Ich habe in sechs Wochen Westafrika beispielsweise nur einmal einen Hahn für warmes Wasser gesehen und der hat erst noch nicht funktioniert, hier gibt es das auf jedem Bahnhofspissoir. Oder Treppen, ich wäre schon paarmal fast gestürzt. Die Reise hat mir eindrücklich vor Augen geführt, welche Annehmlichkeiten ich wirklich schätze und auf was ich getrost verzichten könnte … Zum Beispiel Durchfall, aber den bin ich auch fast los 😉
Damit wäre hier bis auf weiteres Schluss mit T.I.A. Die alten Beiträge konnte ich bereits wieder herstellen und all die versprochenen Fotos gibt es später auch noch 😉

Banfora

September 20, 2007

Das mit Banfora hat bestens geklappt. Bin zwar erst um vierzehn Uhr in Bobo los, weil ich auf eine CD mit Videos von dem Musiker wartete, aber der Bus war pünktlich und schnell. In Banfora habe ich mir gleich ein Töffli gemietet und bin damit in den Busch gefahren. Rechtzeitig vor Sonnenuntergang war ich bei den Domen von Fabedougou, einer Gesteinsformation in der Art der Bungle Bungles in Australien. Es war sehr ruhig und das Licht ideal. Ein paar Minuten daneben sind die Wasserfälle von Karfiguela. Da es schon recht spät war und ich hüfttiefes Wasser queren hätte müssen, habe ich die nicht von Nahe gesehen. Als ich zurück kam war es dunkel.

Domes de Fabedougou

Natürlich gab es auch dort unzählige Guides. Ich musste mir den Weg von den Domen zum Wasserfall auch zeigen lassen, weil mir der Typ ihn nicht beschreiben konnte (oder wollte). Eigentlich ist es nicht sehr schwer zu finden: Gleich nach der SK Tankstelle links rein über die Gleise, bei der ersten heiklen Gabelung links. Der Rest ist Bauchgefühl und schon bald sieht man die Berge immer wieder zwischen den riesigen Zuckerrohren. Bei den Domen gehts runter, dann durch ein grosses Feld und bei der ersten Kreuzung rechts. Dort immer weiter bis eine scharfe Linkskurve bei einem grossen Baum kommt, wo man ein paar Meter davor rechts abbiegen kann. Die Strasse rechts führt zu den Fällen, nach der Linkskurve gehts zurück nach Banfora, immer den grösseren Strassen nach. Einzig eine heikle Stelle gibts, dort zweigt die Strasse rechts neben einer Barriere vorbei ab und dann bei der Gabelung links weiter. Wenn mit Guide, dann nur auf einem anständigen Rücksitz oder eigenem Fahrzeug 😉
Am nächsten morgen wollte ich zum Hippo-See bei Tengrela raus fahren. Nach einer Nacht mit viel Durchfall, Bauschmerzen und wenig Schlaf hatte ich aber nicht die Kraft um die aufgeweichte Strasse unter die Räder zu nehmen. Stattdessen fuhr ich nach Ouagadougou, wiederum ungewohnt und versöhnlich schnell in einem pünktlichen, angenehm klimatisierten Bus. Weil alle Experimente fehl schlugen, lebe ich seither ausschliesslich von Elektrolyt-Trunk, so kann ich in Ruhe schlafen und fühle mich wieder fit. Da Essen keine Option ist, schlage ich die heissesten Stunden mit Museen und Internet tot. Heute nacht fliege ich nach Hause.

Bobo-Dioulasso

September 18, 2007

Gestern war also Bobo dran. Auch hier fallen im Moment vielleicht zehn potentielle Guides auf jeden Touristen, aber sie verstehen Phrasen wie „non merci“ recht gut, im Gegensatz zu denjenigen in Mali.
Die Stadt ist sonst sehr gemütlich, es ist nicht allzu heiss, mit vielen gemütlichen Lokalen und einer lebendigen Künstlerszene. Man kann sogar Ateliers besichtigen, ohne allzu heftig belangt zu werden – Freude und Stolz überwiegen. Es werden vorallem viele Statuen und Masken hergestellt, aus schönen Tropenhölzern und aus Bronze und natürlich Batiken.
Ich bin am morgen gleich zur alten Moschee gegangen. Sie ist zwar ebenfalls im sudanesischen Stil erbaut, aber etwas weniger urchig als die in Djenné, weil mit Farbe statt Lehm überzogen. Auch hier konnten nicht-Muslime längere Zeit nicht rein, weil bei der Rally Dakar 2000 viele mit Schuhen reinspaziert sind. Das Geld der Touristen ist aber auch hier stärker als der Groll …

Moschee von Bobo-Dioulasso

Gleich daneben liegen die alten Quartiere. Ich habe mich ohne Guide auf gemacht und war bald einmal mit einem Dutzend Waisen aus einer Schule eines Schweizers unterwegs. Unzählige Händchen halten, viel Gezupfe an den Häärchen auf meiner Hand und ein paar Ateliers und Strassen später lasse ich mich von einem Typen irgendeiner der zahlreichen Vereinigungen in ihr Batikatelier fahren, um zu sehen wie die gemacht werden. Ausser ein paar Werkzeugen gibt es dort aber auch nichts zu sehen, dafür umso mehr zu kaufen. Diese Assotiationen haben hochgesteckte Ziele – Armut bekämpfen, Schulen für alle und Frauenreche alles gleichzeitig, verlieren aber kein Wort über die Art ihrer Arbeit und legen derart viel Wert auf ihre Dokumente, dass man einfach misstrauisch werden muss.
Zurück in der Altstadt traf ich den einen Musiker-Guide wieder, der mir versprochen hat, mich umsonst rum zu führen. Wir haben gemeinsam die Runde beendet und uns für die Probe seiner traditionellen Musik und Tanz Gruppe verarbredet. Ich bin danach zum Markt gegangen, wo ihnen seit sechs Tagen der Ramadan zusätzlich zur Touristenflaute zu schaffen macht. Das bedeutet zwar dass man im ganzen Markt gesucht und zu irgendwelchen Läden geschleppt wird, aber auch dass man den Preis tiefer runter kriegt, weil sie einfach Geld brauchen. Bei Sonnenuntergang war ich kurz bei der Kathedrale, einer mehr besseren Lagerhalle mit Turm daneben. Ich wurde kurzerhand für den Abt gehalten und gefragt wo ich die kleinen Bibeln hingelegt hätte.

Kathedrale von Bobo-Dioulasso

Nach einem vorzüglichen gegrillten Hühnchen bin ich zu der Probe gegangen. Ich versehe zwar nichts von afrikanischer Musik, aber war jetzt doch fünf Wochen hier und bin nicht ganz um alles gekommen – aber die waren wirklich nicht schlecht. Der Tanz hat sehr anstrengend ausgesehen, ein bisschen wie unter Starkstrom. Sie sind recht ambitioniert, üben fünfmal die Woche und waren bei Wettbewerben auch schon vorne mit dabei. Ich habe Fotos gemacht und werde ihnen beim Webauftritt unter die Arme greiffen, falls ich jemals die Daten von ihnen erhalten sollte. Zurück zum Hotel fuhr ich in einem Taxi mit sehr frommer Radio-Predigt.
Heute abend und morgen früh will ich die Landschaft im Westen erkunden und habe ein Programm, wie man es nach ein paar Wochen hier eigentlich nicht mehr haben sollte … Falls es doch klappt, bin ich Donnerstag in Ouagadougou. Und übrigens 😉 mein Handy hat sich erholt, ich hatte vergessen es aus zu schalten und es hat dann Netz gesucht bis der Akku leer war. Dafür habe ich meinen Hut im Land der Dogon liegen oder stibitzen lassen.

Land der Dogon

September 16, 2007

Als Land der Dogon bezeichnet man die Region um die Klippen von Bandiagara, mit ihren Dutzenden Dörfern am Fusse und auf den Felsen. Vor rund fünfhundert Jahren ist ein Teil der Mande als Dogon vor der Islamisierung oder vor den Reiterheeren der Mossi zu den Klippen von Bandiagara geflohen, wo sie die seit dem elften Jahrhundert in den Felsen lebenden Tellem vertrieben haben. Das Wort Dogon bedeutet kleiner Bruder. Die ersten Behausungen der Dogon sehen denjenigen der Tellem recht ähnlich, sind aber am Fuss der Klippe errichtet worden. Tellem bedeutet Ahne in Dogon. Es waren vermutlich Pygmäen und ihre Häuser hoch oben in den Felsen machen viel vom Mythos der Gegend aus. Die Dogon wurden zwar teils Muslime und Christen, haben aber recht viel von ihren alte, animistische Ritualen und Glauben behalten. Viele Dörfer haben ein spirituelles Oberhaupt genannt Hogon, der sich zumindest ein bisschen verkleidet für Touristen, jedes Quartier hat ein Toguna, einen niedriger Unterstand, wo die Alten den ganzen Tag palavern und überall sind kleine Speicher, mit Dächern spitz wie ein Hexenhut.

Ireli

Ich habe die Dogon als recht humorvoll erlebt. Sie treiben das in Afrika übliche „ça va?“-Spiel auf die Spitze, indem sie sich gegenseitig streng geregelt nach dem Wohlergehen der ganzen Familie erkundigen, so dass es wie ein Kanon tönt. Um dem ganzen noch den Rest Persönlichkeit zu entziehen, geht das auch gruppenweise im Chor. Da sie polygam sind, kommt es schon mal vor dass sich zwei Frauen gegenseitig über das Wohl ihres gemeinsamen Ehemannes befragen. Man liebt es oder man hasst es 😉
Die Landschaft ist pefekt zum Wandern, mit Pfaden und Treppen in den Klippen, die man kaum sieht und feinem Sand am Fuss. Die Regenzeit hat zwar ihre Tücken und kann den sowieso schon teuren Transport erschweren, dafür hat es nicht allzuviele Touristen, ist nicht zu heiss und alles ist grün. Und der Sternenhimmel, insbesondere Richtung Zentrum der Milchstrasse war wunderbar.
Weil man heilige Stätten der Dogon leicht übersehen kann und horende Opfer fällig würden um die Fetische zu besänftigen wird einem nahegelegt, sie nur mit einem Guide zu besuchen. Ich habe im Nachhinein das gefühl, dass man als gut informierter und sensibler Reisender alles richtig machen würde, während gewisse Guides auf der Jagd nach „cadeaux“ wohl mehr Fotos zulassen als toleriert würde. Schwieriger wäre das mit den Pfaden. Ausserdem darf im Land der Dogon kein Schwarzer einen Weissen begleiten, ohne offizieller Guide zu sein. Da ich fast nur schlechte Erfahrungen mit Guides gemacht habe und es eigentlich nicht mag geführt zu werden, habe ich mit fast einem Dutzend potentieller Guides gesprochen – von „Ali le grand“ (<1.70m) bis zu „Philip le magnifique.“ Gewählt habe ich schlussendlich einen älteren Herrn, der gut Französisch sprach, auf seinen Fotos anständige Turnschuhe trägt und sich nicht mit einem lächerlichen Pseudonym vorstellen musste. Nicht dass er kein Pseudonym hätte, er wird wegen seines Nachnamens Napoleon genannt, was sich später als recht zutreffend herausstellen sollte. Da er kein Handy hat, habe ich in einem Laden angerufen, wo er jeden Morgen vorbeikommt, damit er auf mich warten würde. Er war wirklich dort und wir wurden uns recht schnell einig, vier Tage und drei Nächte lang zusammen seine Heimat zu erkunden.
Wir fuhren erst nach Bandiagara, dann musste er einen Wagen für Sangha mieten, wo er mich zu seiner Frau und seiner 35 Tage alten Tochter brachte. Sie leben dort gemeinsam mit vielleicht dreissig Mitgliedern seiner Grossfamilie in recht einfachen Verhältnissen. Die Möbel zum Beispiel beschränken sich auf ein paar niedrige Schemmel und zwei wackelige Stühle, gekocht wird wie überall auf offenem Feuer, aber fliessendes Wasser gibt es nicht und die Toilette hat stark an ein mittelalterliches Verlies mit kleinem Loch im Boden erinnert. Als ich mit Kessel und Tasse duschen ging hatte mein Guide das Gefüh ich würde noch Socken tragen, weil meine Füsse so weiss sind. Wie man in Afrika Socken weiss halten könnte.
Leider ha er sich als Erstes gleich mal betrunken und völlig daneben aufgeführt. Er hat alle rumkommandiert und sich die ganze Zeit wiederholt. Statt den Rat seiner Frau, mich in Ruhe essen zu lassen, zu befolgen hat er sich beschwert, weil sie ihm sage was er tun solle. Irgendwann hat er dann eingesehen, dass es besser wäre, wenn wir uns nun hinlegen würden. Zu meiner Beruhigung hat er von seiner Frau eine heftige Gardinenpredigt kassiert.
Am nächsten morgen war er zwar verkatert, aber konnte immerhin wieder einigermassen sprechen. Er hat mir Sangha gezeigt, eines der grössten Dörfern mit etwa zehn Quartieren. Gegen Mittag war er wieder hackedicht und hat mich mit einem Jungen zu den Klippen geschickt, um ein paar Bauten der Tellem zu sehen. Nach dem Essen wollte er sich für eine halbe Stunde hinlegen. Ich liess ihn jeweils drei schlafen, damit er wieder etwas nüchtern wurde. Gegen Abend gingen wir zum Markt von Sangha, der jede Dogon Woche – also alle fünf Tage – statt findet und wo Leute aus allen Dörfern her kommen. Eigentlich wollten wir noch an diesem Abend die Klippen runter steigen, aber da ein berühmter Dogon-Musiker ein Konzert geben sollte, blieben wir eine weitere Nacht. Dummerweise fiel der Konzertbesuch einem Platzregen zum Opfer.
Am nächsten Morgen wollten wir früh los ziehen. Um sechs war eigentlich alles bereit, aber seine Hose war noch dreckig weil er am Vortag in eine Pfütze getretten ist und er war bereits wieder in einem derart schlechten Zustand, dass wir erst gegen acht Uhr los kamen, was nicht nur wegen der Hitze schlecht ist, sondern auch wegen den Fotos. In der Morgensonne sind die Dörfer am besten beleuchtet. Vor dem Abstieg führte er mich zu einem Aussichtspunkt für den Wasserfall, vorbei an Orakel-Sandkästen, wobei die nächtlichen Spuren der Füchse, welche die Antworten enthalten sollen, ebenfalls dem Regen zum Opfer gefallen waren. Dann lies er mich zu Quellen führen, während er sich weiter die Lampe gefüllt hat. Unten an der Klippe im Dorf Banani das selbe Spiel: Spaziergänge mit Nachwuchsguides, die ihrerseits auch schon Mühe mit Gehen hatten und ewiglange Siesta.
Am Abend hat sich bestätigt was sich schon den ganzen Tag abgezeichnet hat: das Geld was ich bezahlt hatte war versoffen. Ich hatte überhaupt keine Lust, ihm Geld zu leihen, aber wenn ich irgendwie zurück kommen wollte blieb mir nichts anderes übrig als irgendwen zu bezahlen. Er hat mir erzählt, dass er von dem Geld in Mopti gelassen habe und mir als Garantie seine Identitätskarte und seine Guide-Erlaubnis überlassen.
Am vierten und letzten Tag wanderten wir barfuss durch den feinen Sand, weil man immer wieder durch Wasser gehen musste. Was wir an dem Tag am morgen gewonnen hatten verloren wir in einem Campement in Ireli gleich wieder, wo wir „rasteten“ – sprich ich mir irgendwelche Souveniers ansehen musste und er sich voll laufen liess. Ich konnte ihn nur mit einem massiven Wutanfall dazu bewegen, mir doch noch dieses Dorf – ebenfalls eines der grösseren und wohl das schönste von allen – zu zeigen. Damals war er weinerlich drauf, er sei ein schlechter Guide und viel zu alt und und und … Der Aufstieg war wiederum sehr malerisch. Es ging auch so einer Spalte in der Klippe entlang hoch. Ein wenig Wasser rinnt dort runter und kühlt angenehm.
Oben angekommen wollte er den Rücktransport organisieren – alleine, weil es viel mehr kosten würde, wenn er mit einem Weissen gesehen würde. Erst als ich demonstrativ vor der Beiz Stellung bezogen hatte ging er auch wirklich zur Kreuzung, war aber schon wieder recht besoffen und alles andere als erfolgreich. Ausserdem begann es zu regnen. Seine Frau hat wunderbare Erbsen gekocht, er vorallem davon geredet, dass wir heute nicht fahren könnten, wegen dem Regen. Ich liess das so nicht stehen und irgendwann wurde es ihm zu bunt und er nahm mich mit zur Kreuzung. Ich habe dort im Office des Guides de Sangha etwas rumgestänkert und irgendwann fand sich dann ein „Quatre-Quatre“ – so nennen sie hier Allradfahrzeuge – dessen Fahrer sich trotz des Nieselregens die Fahrt zugetraut hat. Wir kamen so spät nach Mopti zurück, dass ich gleich in Sévaré zur Übernachten blieb. Am nächsten Tag hat er sich nicht mehr blicken lassen und ich habe seine Dokumente trotz stundenlangem Warten und Anzeige immer noch. Immerhin habe ich eine Fallnummer bei der Polizei in Mopti, wobei die sich von mir alles, von Name des Vaters bis Fakultät, aufgeschrieben haben und vom alten Betrüger lediglich den Namen. Ausserdem scheint zumindest die Zulassung als Guide doch einigermassen wichtig zu sein, es haben mir recht viele ins Gewissen geredet, die doch zurück zu lassen. Ich fühlte mich jedoch eher den nachfolgenden Touristen als dem Säufer verpflichtet.
Wenn man sich achtet, ist das ganze Land der Dogon voller leerer Fussel-Flaschen. Ihr Hirse-Bier brauen sie zwar schon ewig, aber Kay, die britische Lady vom Hotel in Sévaré, meint ein echtes Alkoholproblem gebe es vorallem an den von Touristen besuchten Orten und erst seit wenigen Jahren. Auch sonst hinterlässt die Moderne ihre Spuren, Kinderspielen mit alten Batterien, schreien „avion avion“ wenn eines vorbei fliegt und der Steckentöff hat das Steckenpferd abgelöst. Motorräder gibts überall wo sie durchkommen.
Und Säuglinge wurden mir auch viele gezeigt. Ich habe Fotos gemacht und werde sie hinschicken, Kameras haben hier eigentlich nur Touristen. Der junge Vater der im Hotel in Sévaré arbeitet und seine zukünftige Frau haben sich extra Kleider im selben Stoff angezogen für das Familienfoto.
Ich habe gestern ein Ticket für Bobo-Dioulasso gekauft. Da ich wohl der Einzige war, kam der Bus nicht zu stande und ich wurde stattdessen in einen Bus für Bla gesteckt. Weil der Gepäckjunge es vergessen hat mich dort raus zu schmeissen, bin ich heute morgen um drei in Ségou erwacht. Das ist so gut wie gleich weit weg, nur halt im Nordwesten statt im Nordosten. Knapp zwei Stunden später hat mich dort ein kleiner Bus aufgelesen, um mich eine Station weiter noch einmal drei Stunden sitzen zu lassen. Gut 24 Stunden später war ich da, was einen Schnitt von rund 20 km/h macht, nichts Ungewöhnliches für „Fernverkehr“ hier. Eigentlich wollte ich neben Ouaga auch noch Banfora weiter im Südosten reinquetschen, aber da ich aktuell vom Busfahren die Schnauze ziemlich voll habe, weiss ich nicht 🙂

Djenné

September 10, 2007

Nach ein paar Kreisen im nächtlichen Hafen von Mopti habe ich die richtige Pinasse irgendwie gefunden. Helfen konnte mir keiner, ein Kind hat mich immer gefragt ob ich zum Flughafen von Sévaré oder Bamako wolle und meine Karte ist zumindest in der Regenzeit auch für nichts. Irgendeiner hat dann gemeint, er kenne diesen Typen nicht aber seinen Bruder und mir das immer und immer wieder erklärt, weil ich damit offensichtlich nicht zufrieden war. Mit der Zeit konnte er mir aber doch noch die Richtung zu den Pinassen weisen und dort fand sich dann wer, der mich hinbrachte. Der Kapitän höchstpersönlich hat mir geholfen mein Mückennetz zu installieren, was aufgrund dessen hier fremden Bauart eine rechte Weile gedauert hat. Der Zoo-Faktor war riesig, nicht wegen dem Schaf oder den Hühnern, sondern wegen den rund zwanzig Einheimischen jeden Alters, die mich keine Sekunde aus den Augen gelassen haben. Spätestens als ich mein aufblasbares Kissen installiert habe, genoss ich alle Aufmerksamkeit. Ich habe mich gleich hingelegt und prächtig geschlafen.

Mein Boot für Djenné

Kurz vor Sonnenaufgang bin ich aufgewacht. Wir hatten bereits abgelegt und die Leute waren am beten. Am Ufer hat es vereinzelt Sträucher und Bäme, viel Gras und ab und zu ein Dorf. Bei einem standen alle am Ufer, wir wurden mit einem Horn begrüsst und haben ein paar Leute ab geladen. Mit der Zeit wurde es recht brütig, aber die haben die ganze Zeit über Tee gekocht. Wie jedesmal wenn ich wasche oder ein Schiff betrette gab es Regen. Immerhin wurde es dadurch angenehm kühl und nun war es an mir zu grinsen, wie die sich alle Winter- und Hochseekleidung angezogen haben.
Ab und zu starb der Motor ab, einmal musste etwas repariert werden. Nach einem „ça va?“ – „merci, et vous?“ – „ça va très bien!“ mit dem Kapitän sprang er aber wieder an. Mit um sechs Uhr abends dort sein wurde es trotzdem nichts. Ob wegen einem Missverständnis, einer Panne oder ob ich mal wieder rein gelegt wurde weiss ich nicht, abgesehen vom obigen konnte der Kapitän noch „il faut monter“ sagen, wann immer ich mich irgendwohin bewegen sollte.
Es wurde dunkel und wir landeten mit dem Kahn voller betender Muslime direkt im Busch gegen das Ufer. Ich hatte sonst keine Zeitangaben, mein Handy lässt sich nun überhaupt nicht mehr anstellen. Einzige plausible Erklärung die ich habe, ist dass ich es kaputt geschwitzt habe. Wie ich mich dann auf dem Dach schlafen legen wollte kam Sturm auf. Nachdem wir eine Zeitlang unter dem vielleicht drei mal vier Meter grossen Unterstand zusammengekauert gewartet haben, wurde ein etwa dreissig Zentimeter breiter Laden montiert, wo ich mich drauf legen konnte. Mückennetz war nicht mehr drin und ich habe mich in nicht allzu frische Leintücher eingewickelt, um das Schlimmste ab zu wenden. Unzählige Stiche und viel Moskitogeräusche haben mich weitgehend vom Schlafen abgehalten.
Der Morgen wurde mit einem Wutanfall des Kapitäns lanciert. Er hat insbesondere seinem weinenden Säugling gegenüber nicht gerade viel Verständnis an den Tag gelegt – seine Schläge und Tritte konnten ihn auch nicht besänftigen – aber diesmal ist er so durch das Schiff auf seinen Ältesten los gestürmt, dass ich dachte es brenne oder so. Ein weiterer Mann hat sich dann dazwischen gestürzt und ihn fest gehalten, bis er sich wieder beruhigt hatte und es konnte weiter gehen.
In aller Frühe waren wir in Djenné, Unesco Welterbe und Heimat des grössten Lehmbautes der Welt. Ich habe mich gleich Richtung Moschee aufgemacht, die Ungläubige laut Reiseführern nicht mehr betreten dürfen, seit ein Modefotograf in den Innenräumen nicht ganz genehme Fotos gemacht hat. Aber Geld ist mächtig und ich wurde bald angesprochen, zum Hintereingang geführt und vom angeblichen Sohn des Baumeisters eingelassen. Im Innern ist es recht düster, Sandboden und etwa ein Viertel des Raumes wird von quadratischen Säulen eingenommen. Ich liess mich im Anschluss von dem Guide durch die Altstadt führen, e war einigermassen kompetent, wollte mir aber mehrmals erklären was ein Imam ist und brachte mich auch noch bei einer Tuchfärberei vorbei …

Moschee von Djenné

Montag ist der grosse Markt in Djenné, darum wollte ich auch heute hinfahren. Mit der zeit wurde der Platz um die Moschee immer voller und farbiger. Ansonsten wird mir vorallem der Schlamm und sein arger Gestank in Erinnerung bleiben. Das begann mit einem Hilfswerk, das Wasserleitungen installiert hat ohne sich Gedanken über das Abwasser zu machen. Ich bin wirklich nicht ausserordentlich heikel, lasse keinen Fischmarkt aus und habe noch kein Essen komplett verschmäht, aber heute hatte ich wirklich einen Moment lang Angst mich übergeben zu müssen. Zurück nach Sévaré fuhr ich in einem normalen Buschtaxi, einem Mercedes-Bus mit gut zwanzig Sitzplätzen. War zwar viel schneller, aber mit allen Stopps, Fähre, Händlern und zu bestechenden Polizeikontrolle ähnlich aufreibend.
Voraussichtlich gibt es für mich wiedermal ein Bett diese Nacht und ab morgen will ich ein paar Tage im Land der Dogon wandern gehen.

Mopti

September 10, 2007

Nach einer Dusche und einem Gespräch mit der englischen Besitzern des angenehmen Maisons des Arts in Sévaré fuhr ich nach Mopti, gleich daneben. Die Stadt liegt an der Kreuzung der Flüsse Niger und Bani und wird sogleich „Venedig Malis“ genannt. Hier konnte ich mein Visum problemlois verlängern, vom Hotel her wusste ich, dass dies bei der Dame absolut seriös gehen würde. Ich hatte nicht mal die nötigen Passfotos dabei, aber der Typ hat alles ausgefüllt und „grande soeur“ hat unterschrieben. Ob sie wegen ihrer Authorität oder Figur so gerufen wird, weiss ich auch nicht.
Mit den Guides ist es hier sehr übel, ihr Hauptargument ist, dass man dann von den Anderen in Ruhe gelassen würde, wenn man einen habe. Ausserdem seien sie dafür da, es sei ihr Job. Ich konnte meinen erst mit dem OMATHO-Trick abhängen. Dafür konnte ich mit Hilfe eines Touristen-Pirogen-Fahrers für den Fünftel seines Touristenangebots eine Fahrt nach Djenné bei einem Transporteur aushandeln. Ich werde heute um neun am Hafen erwartet und soll auf der Pinasse schlafen, damit wir morgen rechtzeitig ablegen können und vor Sonnenuntergang dort sind.

Bamako

September 8, 2007

Ich konnte mir beim Einsteign kaum erklähren, wie man so viele Beulen und Lackschäden in einen Flieger kriegt: Der Flug war aber wunderschön, besonders die Fluss-/Dschunellandschaften um Banjul und Conakry (Guinea). Die undefinierbaren Fleischbälle passten wiederum besser zum Flugzeug.
Von Bamakos Flughafen weg gibt es fixe Taxitarife, wie erwartet hat er es mit dem teureren für weite Fahrten und ausgewählte Luxushotels versucht, aber er liess sich recht leicht davon abbringen. Da das Maison des Jeunes voll war, bin ich in einer ehemaligen Mission gelandet, die ein Neffe des Pastors geerbt hat. Er lässt sich immer mal wieder blicken, am liebsten mit 4×4 und einer Walther hinten im Hosenbund, reisst ein paar dumme Sprüche und bezahlt sein Personal eher schlecht als recht. Dort habe ich einen Autoexporteur (Charrä abä – Chnubä ufä) mit seinem Freund, der sich in Europa nur von Lebensmitteln kurz vor dem Ablaufen aus Kontainern von Supermärkten ernährt, getroffen. Sie wurden nach einer Woche endlich ihren Nissan los – Mercedes und Toyotas laufen besser.
Nach Senegal ist Bamako Entspannung pur. Sogar die Bettelkinder aus den Koranschulen fragen einen nur ausnahmsweise nach Geld. Leider gibt es die doofen „Guides“. Ich habe einen erwischt, der gleich noch Musiker ist und einen Strassenkinderhort führt – falls man ihm glauben darf. Habe ihm von Anfang an klar gemacht, dass ich nichts von ihm haben will und dass ich sein Kinderding weder sehen noch unterstützen will, trotzdem lief er mir nach, bis ich mich ins National Museeum geflüchtet habe und ihm entgegen seinen Erwartungen kein Ticket gekauft habe. Dieses besteht aus drei Ausstellungen, zu Archäolgie, Kultgegenständen und Tüchern. Es hätte auch über den Mittag offen und wäre somit ideal gegen die Mittagssonne – aber das steht noch in keinem Führer so. Zurück in der Stadt ist diese Nervensäge gleich wieder zur Stelle und nun überhaupt nicht mehr bereit von mir ab zu lassen, bevor ich nicht eine von seinen CDs oder sonstwas für ihn gekauft habe, schliesslich habe er mich durch die ganze Stadt geführt. Er frage mich ja nicht um Geld, von Herzen soll es kommen und so weiter … Bevor ich die Nerven verloren und den armen Typen verprügelt habe bin ich zum offiziellen Tourismus-Büro gegangen. Da wollte er erst nicht mit rein, aber da lies ich nicht locker, habe denen alles erzählt und die haben ihn – obwohl er einer der ihren sei – ein paar Minuten gehütet und mir die Flucht ermöglicht.

In den Hügeln hinter Bamako

Nach einer ausgiebigen Siesta in der Herberge habe ich noch einen ausgedehnten Abendspaziergang unternommen. Die Avenue de la Liberté ist führt in die Hügel und nachdem sie immer schmaler wird und man am Schluss auf dem Mäuerchen daneben balancieren muss, zweigt eine Piste zu tollen Aussichtspunkten ab. Während man auf einem Pfad durch schulterhohes Gras geht tut sich die Sicht auf die Hauptstadt zwischen den Hügeln immer mehr auf, bis man zum Schluss ein 180°-Panorama vor sich hat. Echt wunderschön. Links hört man Vogelgezwitscher und Grillen, rechts Stadtlärm und oben auf dem Hügel hat es Hirten und ihre Ziegen. Soviel Smog habe ich jedoch noch niergends gesehen, über Bamako hängen Rauchschwaden in allen Farben. Zur Feier des erfolgreichen Verkaufs ging ich mit dem Exporteuer Pizzas essen und dann haben wir bis tief in die Nacht hoch philosophische Gespräche geführt.

Gebäude der Bank von Westafrika

Gestern bin ich nur noch kurz am Niger-Fluss spazieren gegangen, bevor ich meine Sachen gepackt habe. Zum Abschluss wurde ich nochmal übers Ohr gehauen. Ein Englisch Sprechender angeblich aus Ghana soll per Western Union Geld überwiesen kriegen, nur fehlt ihm der eine Sicherheitscode. Das Geld komme aus der Schweiz – die er überzeugend gut kennt, Wechselkurs stimmt auch und alle Namen tönen echt nach Schweiz. Ich soll ihm das Telefonat wegen der Nummer vorschiessen, würde das Geld gleich wieder kriegen. Damit habe ich nie gerechnet, aber Telefonate sind hier günstig und aus Gewunder habe ich ihm Hilfe vesprochen. Als dann das Gespräch rund das Zehnfachte gekostet hat und er zum Geldabholen seinen Pass noch erst herschaffen musste, war meine Neugierde entgültig gestillt. War zwar der günstigste Beschiss, aber doch irgendwie ärgerlich. Hier in Bamako habe ich Österreicher getroffen, denen es genau gleich ergangen ist.
Ich liess mich dann zum Busbahnhof fahren und habe dort einen Bus nach Sévaré gesucht. Statt mich an eine grosse Kompanie mit gutem Ruf zu halten fuhr ich eine Stunde früher überraschend pünktlich mit „Express Bamakoise“ ab. Schon beim ersten Stopp wurden wir eingeholt und entgegen allen Versicherungen war ich erst morgens um halb fünf hier. Ich verbrachte dir Fahrt neben einem Touareg, in dessen Pass steht, dass er gegen 88 gebohren wurde. Er hat sein Essen immer mit allen geteilt, immerhin lies er mich beim Handy-Pron aus. Aber die Fotos von zuhause durfte ich sehen, mit viel Maschinengewehren und so. Im Norden Malis ist immer ein bisschen eine Rebellion im Gange.

Dakar

September 4, 2007

Statt zwei schlafender habe ich Vorgestern nach meinem Nachtspaziergang zwei sich um mich sorgende Mädels in der Herberge gefunden. War mir überhaupt nicht recht …
Sobald man nicht mehr mit dem ganzen Gepäck unterwegs ist und nicht mehr allzu fest nach Tourist aussieht, wird man in Dakar fast in Ruhe gelassen, weil so viele Weisse hier leben. Es hat auch Afrikaner aus allen Gegenden und Asiaten. Die Häuser sind riesig und man wähnte sich in Europa, würden nicht so viele Obdachlose in den Strassen schlafen. Ausserdem gibt es ein paar plumpe Taschendiebe. Sie sind wie Händler, nur mit ganz wenig Waare und Sachen, die ganz sicher keiner will. Dann zupfen und schütteln sie halt an den Kleidern und sagen etwas von „netten Schuhen“ bis man sie mehr oder weniger grob weg bugsiert.
Die günstige Herberge ist nicht so toll. Weder die versprochene Klimaanlage noch Ventilator und mal wieder irgendein Getiere in den Matrazen, dass sich durch Mückenspray nicht vom Beissen abhalten lässt. Gestern haben wir es etwas ruhig angegangen, Sachen organisiert und ausgeruht. Gegen Abend fuhren wir zur grossen Moschee, ebenfalls marrokanischer Stil. Sie liegt vielleicht einen Kilometer ausserhalb im Quartier Medina. Dort ist wieder richtiges Schwarzafrika. Wir sind zurück spaziert und je näher man dem Zentrum kommt, umso lästiger wird es.
Heute hingegen haben wir einiges eredigt. Gleich am morgen fuhren wir zum „lac rose“, einem salzhaltigen, braunen See wo die Siegesfeier der Rally Dakar statt findet. Früher haben dort Frauen Salz abgebaut, aber weil dies nicht gut für die Fruchtbarkeit war, wurde es ihnen verboten und heute tun es Männer aus Mali und Burkina Faso, geschützt durch Shea-Butter. Der See ist nicht tiefer als drei Meter und am Boden kristalisiert das Salz und kann weg gekratzt werden. Dank Zwischensaison konnten wir den Preis für das Taxi recht drücken – er lag mir die halbe Fahrt in den Ohren wegen „pas un bon prix“ und im Restaurant am See wurde dies bestätigt. Als wir dort noch eine Viertelstunde überzogen haben wurde er recht sauer. Gekriegt hat er trotzdem nicht mehr. Wenn sie davon profitieren könnten sind sogar die Afrikaner ässerst pingelig wenn es um Zeit geht. Gilt auch beim Verlassen eines Hotelzimmers, egal ob dort je geputzt wird oder überhaupt ein anderes Zimmer besetzt ist.
Am Nachmittag fuhren wir auf die Insel Gorée. Sie war früher Umschlagplatz für Sklaven und ist heute ein Ferienparadies aus schönen Kolonialbauten mit schalem Beigeschmack. Wir liesen uns saumässig teuer rumführen. Der Führer sprach gut Deutsch, trotzdem ist mir nach wie vor schleierhaft wie es soweit je kommen konnte. Dafür weiss ich nun, warum Afroamerikaner grösser als die meisten Afrikaner sind. Auch gibt es dort ein Frauenmuseeum. Ironischerweise fast komplett von ausländischen Botschaften finanziert und nur an der Kasse eine Frau. Aber der Führer hat uns versichert, dass es keine Beschneidungen mehr gebe. Zu sehen gibts neben vielen Alltagsgegenständen aus dem Leben der Frauen auch Portraits, zum Beispiel von der Frau des Präsidenten oder einer Polizistin vom Flughafen. Scherz bei Seite, Senegal hatte 1985 bereits eine Falschirmjägerin, Ratspräsidentinnen, Dorfvorstehrinnnen und Geschäftsführerinnen. Ausserdem gibt es ein staatliches Elitegymnasium nur für Mädchen und die mit 240mm grösste Kanone Westafrikas auf Gorée.
Am Abend waren wir auf dem Markt. Ich verstehe afrikanische Märkte noch überhaupt nicht. Da sagt man was man sucht, wird in irgendeinen Laden gesetzt und dann schleppen die alles an, was der Sache nahe kommen könnte. Trikots der Nationalmannschaft von Gambia für Hannahs Freunde waren dann doch nicht zu finden und Trainingsanzüge in Mädchengrössen (sprich < XL) sind ebenfalls sehr rar.
Morgen um sechs Uhr früh flieg ich zurück nach Bamako, ein Engländer in Bakau hat mich überredet Mali eine zweite Chance zu geben. Ich will vorallem Djénné mit der grossen Lehmmoschee und das Land der Dogon sehen, dann durch den Süden Burkina Fasos zurück nach Ouagadougou reisen. Nur wenn ich fliege bleibt mir genügend Zeit – der Bus kann drei, vier, fünf, sechs oder gar sieben Tage brauchen …
Die beiden aus Wien fahren auf die Insel N’Gor an den Strand, montag fliegen sie nach Hause. Ich verpasse leider ihren grossen Shoppingtag morgen und vermisse die endlosen Diskussionen über was essen, was essen in Wien, was essen auf der Heimreise und was anziehen schon. Und bitte wer soll mir nun das Shampoo aus der Dusche nach tragen? Es war eine gute Zeit für mich, vielen Dank 🙂

Zebrabar

September 2, 2007

Gestern fuhren wir also zu dieser ominösen Zebrabar. Sie hat nicht gerade viel mit dem gleichnamigen Lokal in Biel gemeinsam. Es wird zwar von Schweizern geführt, die waren aber auf Urlaub und so war es recht herunter gekommen. Immerhin verstanden die Wachhunde Berndeutsch. Sonst waren höchstens die Räuberpreise schweizerisch – es gab nicht einmal einen Abfalleimer in den Zimmern und die Pirogue kam auch eine halbe Stunde zu spät.
Auf jeden Fall liegt das Camp in einer schönen Ecke, direkt neben dem Parc National des Oiseaux de la langue de Barbarie wo der Fluss Senegal in den Ozean fliesst, völlig in der Pampa. Kanus und Surfbretter kann man gratis benutzen, Schwimmen geht auch (wenn man sich nicht vor einem toten, aufgeblähten Schaf eckelt, das niemand wegschaffen wollte und dann einfach runter trieb) und es hat dort unzählige Krebse zwischen Daumen- und Kopfgross. Gerade in der Nacht konnte man schon erschrecken, wenn plötzlich etwas davon krabbelt 😉
Heute in der früh fuhren wir in einer Pirogue in den Park rein und haben unter anderen Vögeln wieder Pelikane gesehen. Danach mussten wir ein wenig gehen, bis wir ein Taxi zurück nach St. Loius fanden (mit Gurt ohne Schnalle vor den Bauch halten zum Polizeikontrolle passieren) und von dort fuhren wir in gut vier Stunden mit einem „Sept place“ nach Dakar. Nachdem wir ein paar Hotels die nicht mit sich handeln liessen abgeklappert haben, fanden wir in einer Herberge ganz zentral einigermassen günstig Unterschlupf. Dakar scheint vorallem aus Strassenkindern und -händlern und Ausländern zu bestehen – kaum vorzustellen wie es hier zur Hauptreisezeit aussieht. Abgesehen von der konstanten Belagerung ist es recht ruhig und nicht allzu heiss. Mich hat gerade ein DJ der die Zeit vor seiner Schicht tot schlagen musste durch die schlafende Stadt geführt.

St. Louis

August 31, 2007

St. Louis ist das Venedig von Westafrika. Die Altstadt liegt auf einer Insel im Fluss Senegal und besteht aus anständigen Kolonialbauten und auch Neubauten werden gemauert und sind nicht wie anderswo von Wellblechwänden umgeben. Es war die Hauptstadt der französischen Kolonie Senegal, bevor Dakar Zentrum der ganzen Region wurde.
Es ist recht touristisch hier. Im Restaurant spielen schon mal Strassenmusikanten auf, die gleich noch für ihr Konzert Werbung machen. Wir haben bereits gestern unsere Stammbeiz gefunden. Es ist ein einfaches, günstiges Lokal mit gutem einheimischen Essen. Das bedeutet meist leicht scharfen Reis mit irgendeinem Fleisch. Der Junge von dort hat mir einen Friseur gezeigt, jetzt habe ich absolute Hutpflicht bei Sonne. Ich war noch kaum je so glatt rasiert (im Gesicht – auf dem Schädel hab ich noch welche), dafür war es ein rechtes Massacker. Ich sah ziemlich verschlagen aus, als ich wieder zum Hotel kam.

Fähre

Gegen Abend gingen wir auf die Halbinsel davor, wo es ein recht urtümliches Fischerdorf gibt. Die Fischer halten sich dort auch Pelikane mit gestutzten Flügeln, die vorallem von Kindern verspiesen werden. Es war einiges los, viel Musik und Leute in den Strassen. Einer von den Fischern brachte uns zum „Spiel des falschen Löwen.“ Starke Männer und Frauen tanzen als Löwen geschminkt und verkleidet, singen und necken die Bevölckerung. Jeder muss Eitritt bezahlen, wer nicht kann wird bei einem Kessel mit Wasser fest gehalten, nass gespritzt und geschlagen, bis jemand für ihn bezahlt. Bei den Männern von der Herberge konnte ich dann in Erfahrung bringen, dass dieses Spektakel zwar eine alte Tradition ist, aber ohne jeglichen spirituellen oder religiösen Hintergrund. Es gehe nur um Vergnügen und Geld und findet vorallem während den Ferien statt.

Spektakel

Morgen versuchen wir wohl nochmal zur Zebrabar zu fahren, um einen weiteren Nationalpark zu besuchen, bevor wir uns ins Getümmel von Dakar stürzen.