Archive for the ‘Burkina Faso’ Category

Ouagadougou II

September 25, 2007

Ouaga war sehr entspannt. Als Hauptstadt ist es wieder etwas moderner, etwas weniger „ça va?“ und Souvenierhändler. Die Museen schliessen über mittag. Da dort kaum etwas angeschrieben ist und es gerade mal jeder zehnte Einheimische lesen könnte, wird man geführt. Um Trinkgeld wird nicht gefragt, genommen wird es aber schon. Im Musikmuseeum wurde ich noch auf gut zwei Stunden Djembe-Unterricht eingeladen. Nichts von wegen „Afrikaner haben Rythmus einfach im Blut,“ so harte Arbeit habe ich in Afrika sonst höchstens auf Feldern gesehen. Es wurde wenig gesprochen und viel gespielt und geflucht. Aber wenn es mal gestimmt hat, hatte der Lehrer eine riesen Freude 🙂
Über mittag war ich auf einen Fruchtsaft „Chez Auntie Propre.“ Als sie den Grund meiner Essens-Abstinenz erfragt hatte, begann die Grossmutter zur Belustigung der Gäste allerlei Verdauungsstörungen geräuschvoll zu imitieren, um kurz darauf mit den passenden Tabletten und etwas Wasser wieder aufzutauchen. Schon seit Tagen auf Schadensbegrenzung aus habe ich dankend abgelehnt.
Ouagadougou ist die Hauptstadt des Westafrikanischen Kinos, sogar mit einem Cineasten-Denkmal. Ausserdem sei ein Kinobesuch in der Region vor allem wegen der Audienz ein lohnendes Spektakel und der einheimische Titel „Mathy la Tueuse“ klang vielversprechend. Es sollte mir aber vergönnt bleiben: beim ersten Anlauf wurde kein Film gezeigt, weil ich alleine war und als sich um halb Neun der Saal etwas gefüllt hatte, haben sie den Ton nicht auf die Reihe gekriegt. Beide Male wurde der Eintritt anstandslos zurück erstattet. Als Weisser alleine im Kino habe ich sogar bei der Getränkedame für Verwunderung gesorgt, die würden sich sonst höchstens in Begleitung her wagen. Immerhin war der halboffene Saal eindrücklich, als ich zum ersten Mal dort sass hatten sie gerade einen heftigen Schauer mit Wetterleuchten am Laufen.
Auf dem Rückweg musste ich mich noch eines hartnäckigen Bettlers mit langer Geschichte entledigen, der mir die letzten Francs CFA abnehmen wollte. Da waren auch laute, unfreundliche Worte nötig und ich fand es bereits schade, so etwas als letzte Erinnerung mit nach Hause nehmen zu müssen. Zum Glück hat mich dann ein Rollerfahrer einach so an den Flughafen gestellt, nachdem ich gegen Mitternacht an einer eher unbelebten Kreuzung ewig auf ein Taxi gewartet hatte. Er lies sich überhaupt nicht dazu bewegen, die extra fürs Taxi aufgesparten CFAs an zu nehmen und hat so meinen Urlaub gerettet 😉
Der Rückflug war zwar anstrengend, aber an sich völlig unspektakulär. Nagelschere und Pincette habe ich mir wie der grösste Anfänger abnehmen lassen. Viel Warten, die National Geographics France welche ich zwischen Moschee und Supermarkt in Ouaga noch gekauft hatten waren schon lange gelesen und die afrikanischen Kopfhörer schon lange kaputt. Wenn ich im Flieger nichts gegessen habe hiess es nur „Ah, Ramadan.“ Die Afrikaner sind bereits in dicken Kleidern am Flughafen eingetroffen, haben sich in Casablanca etwas besser eingepackt und im Landeanflug zur Sicherheit noch zwei Jacken über die beiden Pullover gezogen und eine Wollkappe aufgesetzt.
In Afrika habe ich die Armut nie drückend empfunden. Abgesehen von ein paar Ausnahmen sind die Unterschiede nicht allzu extrem und dermassen heftige Kontraste wie in Kambodscha habe ich nicht erlebt. Seit ich zurück bin mache ich mir doch meine Gedanken. Ich habe in sechs Wochen Westafrika beispielsweise nur einmal einen Hahn für warmes Wasser gesehen und der hat erst noch nicht funktioniert, hier gibt es das auf jedem Bahnhofspissoir. Oder Treppen, ich wäre schon paarmal fast gestürzt. Die Reise hat mir eindrücklich vor Augen geführt, welche Annehmlichkeiten ich wirklich schätze und auf was ich getrost verzichten könnte … Zum Beispiel Durchfall, aber den bin ich auch fast los 😉
Damit wäre hier bis auf weiteres Schluss mit T.I.A. Die alten Beiträge konnte ich bereits wieder herstellen und all die versprochenen Fotos gibt es später auch noch 😉

Advertisements

Banfora

September 20, 2007

Das mit Banfora hat bestens geklappt. Bin zwar erst um vierzehn Uhr in Bobo los, weil ich auf eine CD mit Videos von dem Musiker wartete, aber der Bus war pünktlich und schnell. In Banfora habe ich mir gleich ein Töffli gemietet und bin damit in den Busch gefahren. Rechtzeitig vor Sonnenuntergang war ich bei den Domen von Fabedougou, einer Gesteinsformation in der Art der Bungle Bungles in Australien. Es war sehr ruhig und das Licht ideal. Ein paar Minuten daneben sind die Wasserfälle von Karfiguela. Da es schon recht spät war und ich hüfttiefes Wasser queren hätte müssen, habe ich die nicht von Nahe gesehen. Als ich zurück kam war es dunkel.

Domes de Fabedougou

Natürlich gab es auch dort unzählige Guides. Ich musste mir den Weg von den Domen zum Wasserfall auch zeigen lassen, weil mir der Typ ihn nicht beschreiben konnte (oder wollte). Eigentlich ist es nicht sehr schwer zu finden: Gleich nach der SK Tankstelle links rein über die Gleise, bei der ersten heiklen Gabelung links. Der Rest ist Bauchgefühl und schon bald sieht man die Berge immer wieder zwischen den riesigen Zuckerrohren. Bei den Domen gehts runter, dann durch ein grosses Feld und bei der ersten Kreuzung rechts. Dort immer weiter bis eine scharfe Linkskurve bei einem grossen Baum kommt, wo man ein paar Meter davor rechts abbiegen kann. Die Strasse rechts führt zu den Fällen, nach der Linkskurve gehts zurück nach Banfora, immer den grösseren Strassen nach. Einzig eine heikle Stelle gibts, dort zweigt die Strasse rechts neben einer Barriere vorbei ab und dann bei der Gabelung links weiter. Wenn mit Guide, dann nur auf einem anständigen Rücksitz oder eigenem Fahrzeug 😉
Am nächsten morgen wollte ich zum Hippo-See bei Tengrela raus fahren. Nach einer Nacht mit viel Durchfall, Bauschmerzen und wenig Schlaf hatte ich aber nicht die Kraft um die aufgeweichte Strasse unter die Räder zu nehmen. Stattdessen fuhr ich nach Ouagadougou, wiederum ungewohnt und versöhnlich schnell in einem pünktlichen, angenehm klimatisierten Bus. Weil alle Experimente fehl schlugen, lebe ich seither ausschliesslich von Elektrolyt-Trunk, so kann ich in Ruhe schlafen und fühle mich wieder fit. Da Essen keine Option ist, schlage ich die heissesten Stunden mit Museen und Internet tot. Heute nacht fliege ich nach Hause.

Bobo-Dioulasso

September 18, 2007

Gestern war also Bobo dran. Auch hier fallen im Moment vielleicht zehn potentielle Guides auf jeden Touristen, aber sie verstehen Phrasen wie „non merci“ recht gut, im Gegensatz zu denjenigen in Mali.
Die Stadt ist sonst sehr gemütlich, es ist nicht allzu heiss, mit vielen gemütlichen Lokalen und einer lebendigen Künstlerszene. Man kann sogar Ateliers besichtigen, ohne allzu heftig belangt zu werden – Freude und Stolz überwiegen. Es werden vorallem viele Statuen und Masken hergestellt, aus schönen Tropenhölzern und aus Bronze und natürlich Batiken.
Ich bin am morgen gleich zur alten Moschee gegangen. Sie ist zwar ebenfalls im sudanesischen Stil erbaut, aber etwas weniger urchig als die in Djenné, weil mit Farbe statt Lehm überzogen. Auch hier konnten nicht-Muslime längere Zeit nicht rein, weil bei der Rally Dakar 2000 viele mit Schuhen reinspaziert sind. Das Geld der Touristen ist aber auch hier stärker als der Groll …

Moschee von Bobo-Dioulasso

Gleich daneben liegen die alten Quartiere. Ich habe mich ohne Guide auf gemacht und war bald einmal mit einem Dutzend Waisen aus einer Schule eines Schweizers unterwegs. Unzählige Händchen halten, viel Gezupfe an den Häärchen auf meiner Hand und ein paar Ateliers und Strassen später lasse ich mich von einem Typen irgendeiner der zahlreichen Vereinigungen in ihr Batikatelier fahren, um zu sehen wie die gemacht werden. Ausser ein paar Werkzeugen gibt es dort aber auch nichts zu sehen, dafür umso mehr zu kaufen. Diese Assotiationen haben hochgesteckte Ziele – Armut bekämpfen, Schulen für alle und Frauenreche alles gleichzeitig, verlieren aber kein Wort über die Art ihrer Arbeit und legen derart viel Wert auf ihre Dokumente, dass man einfach misstrauisch werden muss.
Zurück in der Altstadt traf ich den einen Musiker-Guide wieder, der mir versprochen hat, mich umsonst rum zu führen. Wir haben gemeinsam die Runde beendet und uns für die Probe seiner traditionellen Musik und Tanz Gruppe verarbredet. Ich bin danach zum Markt gegangen, wo ihnen seit sechs Tagen der Ramadan zusätzlich zur Touristenflaute zu schaffen macht. Das bedeutet zwar dass man im ganzen Markt gesucht und zu irgendwelchen Läden geschleppt wird, aber auch dass man den Preis tiefer runter kriegt, weil sie einfach Geld brauchen. Bei Sonnenuntergang war ich kurz bei der Kathedrale, einer mehr besseren Lagerhalle mit Turm daneben. Ich wurde kurzerhand für den Abt gehalten und gefragt wo ich die kleinen Bibeln hingelegt hätte.

Kathedrale von Bobo-Dioulasso

Nach einem vorzüglichen gegrillten Hühnchen bin ich zu der Probe gegangen. Ich versehe zwar nichts von afrikanischer Musik, aber war jetzt doch fünf Wochen hier und bin nicht ganz um alles gekommen – aber die waren wirklich nicht schlecht. Der Tanz hat sehr anstrengend ausgesehen, ein bisschen wie unter Starkstrom. Sie sind recht ambitioniert, üben fünfmal die Woche und waren bei Wettbewerben auch schon vorne mit dabei. Ich habe Fotos gemacht und werde ihnen beim Webauftritt unter die Arme greiffen, falls ich jemals die Daten von ihnen erhalten sollte. Zurück zum Hotel fuhr ich in einem Taxi mit sehr frommer Radio-Predigt.
Heute abend und morgen früh will ich die Landschaft im Westen erkunden und habe ein Programm, wie man es nach ein paar Wochen hier eigentlich nicht mehr haben sollte … Falls es doch klappt, bin ich Donnerstag in Ouagadougou. Und übrigens 😉 mein Handy hat sich erholt, ich hatte vergessen es aus zu schalten und es hat dann Netz gesucht bis der Akku leer war. Dafür habe ich meinen Hut im Land der Dogon liegen oder stibitzen lassen.

Land der Dogon

September 16, 2007

Als Land der Dogon bezeichnet man die Region um die Klippen von Bandiagara, mit ihren Dutzenden Dörfern am Fusse und auf den Felsen. Vor rund fünfhundert Jahren ist ein Teil der Mande als Dogon vor der Islamisierung oder vor den Reiterheeren der Mossi zu den Klippen von Bandiagara geflohen, wo sie die seit dem elften Jahrhundert in den Felsen lebenden Tellem vertrieben haben. Das Wort Dogon bedeutet kleiner Bruder. Die ersten Behausungen der Dogon sehen denjenigen der Tellem recht ähnlich, sind aber am Fuss der Klippe errichtet worden. Tellem bedeutet Ahne in Dogon. Es waren vermutlich Pygmäen und ihre Häuser hoch oben in den Felsen machen viel vom Mythos der Gegend aus. Die Dogon wurden zwar teils Muslime und Christen, haben aber recht viel von ihren alte, animistische Ritualen und Glauben behalten. Viele Dörfer haben ein spirituelles Oberhaupt genannt Hogon, der sich zumindest ein bisschen verkleidet für Touristen, jedes Quartier hat ein Toguna, einen niedriger Unterstand, wo die Alten den ganzen Tag palavern und überall sind kleine Speicher, mit Dächern spitz wie ein Hexenhut.

Ireli

Ich habe die Dogon als recht humorvoll erlebt. Sie treiben das in Afrika übliche „ça va?“-Spiel auf die Spitze, indem sie sich gegenseitig streng geregelt nach dem Wohlergehen der ganzen Familie erkundigen, so dass es wie ein Kanon tönt. Um dem ganzen noch den Rest Persönlichkeit zu entziehen, geht das auch gruppenweise im Chor. Da sie polygam sind, kommt es schon mal vor dass sich zwei Frauen gegenseitig über das Wohl ihres gemeinsamen Ehemannes befragen. Man liebt es oder man hasst es 😉
Die Landschaft ist pefekt zum Wandern, mit Pfaden und Treppen in den Klippen, die man kaum sieht und feinem Sand am Fuss. Die Regenzeit hat zwar ihre Tücken und kann den sowieso schon teuren Transport erschweren, dafür hat es nicht allzuviele Touristen, ist nicht zu heiss und alles ist grün. Und der Sternenhimmel, insbesondere Richtung Zentrum der Milchstrasse war wunderbar.
Weil man heilige Stätten der Dogon leicht übersehen kann und horende Opfer fällig würden um die Fetische zu besänftigen wird einem nahegelegt, sie nur mit einem Guide zu besuchen. Ich habe im Nachhinein das gefühl, dass man als gut informierter und sensibler Reisender alles richtig machen würde, während gewisse Guides auf der Jagd nach „cadeaux“ wohl mehr Fotos zulassen als toleriert würde. Schwieriger wäre das mit den Pfaden. Ausserdem darf im Land der Dogon kein Schwarzer einen Weissen begleiten, ohne offizieller Guide zu sein. Da ich fast nur schlechte Erfahrungen mit Guides gemacht habe und es eigentlich nicht mag geführt zu werden, habe ich mit fast einem Dutzend potentieller Guides gesprochen – von „Ali le grand“ (<1.70m) bis zu „Philip le magnifique.“ Gewählt habe ich schlussendlich einen älteren Herrn, der gut Französisch sprach, auf seinen Fotos anständige Turnschuhe trägt und sich nicht mit einem lächerlichen Pseudonym vorstellen musste. Nicht dass er kein Pseudonym hätte, er wird wegen seines Nachnamens Napoleon genannt, was sich später als recht zutreffend herausstellen sollte. Da er kein Handy hat, habe ich in einem Laden angerufen, wo er jeden Morgen vorbeikommt, damit er auf mich warten würde. Er war wirklich dort und wir wurden uns recht schnell einig, vier Tage und drei Nächte lang zusammen seine Heimat zu erkunden.
Wir fuhren erst nach Bandiagara, dann musste er einen Wagen für Sangha mieten, wo er mich zu seiner Frau und seiner 35 Tage alten Tochter brachte. Sie leben dort gemeinsam mit vielleicht dreissig Mitgliedern seiner Grossfamilie in recht einfachen Verhältnissen. Die Möbel zum Beispiel beschränken sich auf ein paar niedrige Schemmel und zwei wackelige Stühle, gekocht wird wie überall auf offenem Feuer, aber fliessendes Wasser gibt es nicht und die Toilette hat stark an ein mittelalterliches Verlies mit kleinem Loch im Boden erinnert. Als ich mit Kessel und Tasse duschen ging hatte mein Guide das Gefüh ich würde noch Socken tragen, weil meine Füsse so weiss sind. Wie man in Afrika Socken weiss halten könnte.
Leider ha er sich als Erstes gleich mal betrunken und völlig daneben aufgeführt. Er hat alle rumkommandiert und sich die ganze Zeit wiederholt. Statt den Rat seiner Frau, mich in Ruhe essen zu lassen, zu befolgen hat er sich beschwert, weil sie ihm sage was er tun solle. Irgendwann hat er dann eingesehen, dass es besser wäre, wenn wir uns nun hinlegen würden. Zu meiner Beruhigung hat er von seiner Frau eine heftige Gardinenpredigt kassiert.
Am nächsten morgen war er zwar verkatert, aber konnte immerhin wieder einigermassen sprechen. Er hat mir Sangha gezeigt, eines der grössten Dörfern mit etwa zehn Quartieren. Gegen Mittag war er wieder hackedicht und hat mich mit einem Jungen zu den Klippen geschickt, um ein paar Bauten der Tellem zu sehen. Nach dem Essen wollte er sich für eine halbe Stunde hinlegen. Ich liess ihn jeweils drei schlafen, damit er wieder etwas nüchtern wurde. Gegen Abend gingen wir zum Markt von Sangha, der jede Dogon Woche – also alle fünf Tage – statt findet und wo Leute aus allen Dörfern her kommen. Eigentlich wollten wir noch an diesem Abend die Klippen runter steigen, aber da ein berühmter Dogon-Musiker ein Konzert geben sollte, blieben wir eine weitere Nacht. Dummerweise fiel der Konzertbesuch einem Platzregen zum Opfer.
Am nächsten Morgen wollten wir früh los ziehen. Um sechs war eigentlich alles bereit, aber seine Hose war noch dreckig weil er am Vortag in eine Pfütze getretten ist und er war bereits wieder in einem derart schlechten Zustand, dass wir erst gegen acht Uhr los kamen, was nicht nur wegen der Hitze schlecht ist, sondern auch wegen den Fotos. In der Morgensonne sind die Dörfer am besten beleuchtet. Vor dem Abstieg führte er mich zu einem Aussichtspunkt für den Wasserfall, vorbei an Orakel-Sandkästen, wobei die nächtlichen Spuren der Füchse, welche die Antworten enthalten sollen, ebenfalls dem Regen zum Opfer gefallen waren. Dann lies er mich zu Quellen führen, während er sich weiter die Lampe gefüllt hat. Unten an der Klippe im Dorf Banani das selbe Spiel: Spaziergänge mit Nachwuchsguides, die ihrerseits auch schon Mühe mit Gehen hatten und ewiglange Siesta.
Am Abend hat sich bestätigt was sich schon den ganzen Tag abgezeichnet hat: das Geld was ich bezahlt hatte war versoffen. Ich hatte überhaupt keine Lust, ihm Geld zu leihen, aber wenn ich irgendwie zurück kommen wollte blieb mir nichts anderes übrig als irgendwen zu bezahlen. Er hat mir erzählt, dass er von dem Geld in Mopti gelassen habe und mir als Garantie seine Identitätskarte und seine Guide-Erlaubnis überlassen.
Am vierten und letzten Tag wanderten wir barfuss durch den feinen Sand, weil man immer wieder durch Wasser gehen musste. Was wir an dem Tag am morgen gewonnen hatten verloren wir in einem Campement in Ireli gleich wieder, wo wir „rasteten“ – sprich ich mir irgendwelche Souveniers ansehen musste und er sich voll laufen liess. Ich konnte ihn nur mit einem massiven Wutanfall dazu bewegen, mir doch noch dieses Dorf – ebenfalls eines der grösseren und wohl das schönste von allen – zu zeigen. Damals war er weinerlich drauf, er sei ein schlechter Guide und viel zu alt und und und … Der Aufstieg war wiederum sehr malerisch. Es ging auch so einer Spalte in der Klippe entlang hoch. Ein wenig Wasser rinnt dort runter und kühlt angenehm.
Oben angekommen wollte er den Rücktransport organisieren – alleine, weil es viel mehr kosten würde, wenn er mit einem Weissen gesehen würde. Erst als ich demonstrativ vor der Beiz Stellung bezogen hatte ging er auch wirklich zur Kreuzung, war aber schon wieder recht besoffen und alles andere als erfolgreich. Ausserdem begann es zu regnen. Seine Frau hat wunderbare Erbsen gekocht, er vorallem davon geredet, dass wir heute nicht fahren könnten, wegen dem Regen. Ich liess das so nicht stehen und irgendwann wurde es ihm zu bunt und er nahm mich mit zur Kreuzung. Ich habe dort im Office des Guides de Sangha etwas rumgestänkert und irgendwann fand sich dann ein „Quatre-Quatre“ – so nennen sie hier Allradfahrzeuge – dessen Fahrer sich trotz des Nieselregens die Fahrt zugetraut hat. Wir kamen so spät nach Mopti zurück, dass ich gleich in Sévaré zur Übernachten blieb. Am nächsten Tag hat er sich nicht mehr blicken lassen und ich habe seine Dokumente trotz stundenlangem Warten und Anzeige immer noch. Immerhin habe ich eine Fallnummer bei der Polizei in Mopti, wobei die sich von mir alles, von Name des Vaters bis Fakultät, aufgeschrieben haben und vom alten Betrüger lediglich den Namen. Ausserdem scheint zumindest die Zulassung als Guide doch einigermassen wichtig zu sein, es haben mir recht viele ins Gewissen geredet, die doch zurück zu lassen. Ich fühlte mich jedoch eher den nachfolgenden Touristen als dem Säufer verpflichtet.
Wenn man sich achtet, ist das ganze Land der Dogon voller leerer Fussel-Flaschen. Ihr Hirse-Bier brauen sie zwar schon ewig, aber Kay, die britische Lady vom Hotel in Sévaré, meint ein echtes Alkoholproblem gebe es vorallem an den von Touristen besuchten Orten und erst seit wenigen Jahren. Auch sonst hinterlässt die Moderne ihre Spuren, Kinderspielen mit alten Batterien, schreien „avion avion“ wenn eines vorbei fliegt und der Steckentöff hat das Steckenpferd abgelöst. Motorräder gibts überall wo sie durchkommen.
Und Säuglinge wurden mir auch viele gezeigt. Ich habe Fotos gemacht und werde sie hinschicken, Kameras haben hier eigentlich nur Touristen. Der junge Vater der im Hotel in Sévaré arbeitet und seine zukünftige Frau haben sich extra Kleider im selben Stoff angezogen für das Familienfoto.
Ich habe gestern ein Ticket für Bobo-Dioulasso gekauft. Da ich wohl der Einzige war, kam der Bus nicht zu stande und ich wurde stattdessen in einen Bus für Bla gesteckt. Weil der Gepäckjunge es vergessen hat mich dort raus zu schmeissen, bin ich heute morgen um drei in Ségou erwacht. Das ist so gut wie gleich weit weg, nur halt im Nordwesten statt im Nordosten. Knapp zwei Stunden später hat mich dort ein kleiner Bus aufgelesen, um mich eine Station weiter noch einmal drei Stunden sitzen zu lassen. Gut 24 Stunden später war ich da, was einen Schnitt von rund 20 km/h macht, nichts Ungewöhnliches für „Fernverkehr“ hier. Eigentlich wollte ich neben Ouaga auch noch Banfora weiter im Südosten reinquetschen, aber da ich aktuell vom Busfahren die Schnauze ziemlich voll habe, weiss ich nicht 🙂

Bobo-Dakar

August 17, 2007

Unser Plan war mit den 8 Uhr Bus nach Bamako zu fahren, um noch am Abend die Tickets für den Zug nach Dakar zu kaufen. Der fährt je nach Quelle zwei bis drei Mal die Woche, Dienstag Morgen sollte angeblich einer fahren. Der 8 Uhr Bus war aber schon voll, wir haben aber um 13.30 Uhr den 10 Uhr Bus erwischt. Das Warten war halb so schlimm, da wir von Diskussionen mit ein paar grimmig blickende Gepäckträgern bestens unterhalten wurden. Sie wollten unbedingt einen Fünfliber pro Rucksack, den sie in den Bus gelegt hatten – ansonsten würde der Bus nicht fahren, sie unser Gepäck wieder ausladen und und und … Die Weicheren liessen sich mit dem Frage ob das nur sei weil wir weiss sind abspeisen, der härteste Brocken hat uns demonstriert, wie er auch Malier ausnimmt (nur um die Hälfte, aber immerhin) und uns erst in Ruhe gelassen, nachdem ich zum Schalter gegangen bin. Ansonsten war Burkina recht entspannt. Zwar hat zum Beispiel eine Frau für vier Bananen etwa einen Franken haben wollen, aber mit Kopfschütteln und einer 25-Rappen-Münze war es erledigt. Ausserdem sind sie recht humorvoll: als ich im Hotel zum ersten Mal einen Witz verstanden habe und lachen musste schrie der Bäcker sofort „Ahhh le premier sourire de Vladimir Putin!“ oder im Internetkaffee „une heure s’il vous plait“ – „ça me plait.“
Auf jeden Fall hatten wir einen Bus, sammt unserem Gep&aum;ck und einer halben Brockenstube. Der Streichelzoo ist zum Glück an der Haltestelle geblieben. Laufend stiegen noch Passagiere zu, bis wirklich kein Platz mehr frei war. Beim Überholen musste immer einer die Türe schliesse, weil man die Fenster nicht öffnen konnte. An der Grenze kamen wir zügig vorbei. Bei Einbruch der Dunkelheit hat dann der Fahrer nochmal rund einen halben Franken pro Fahrgast eingezogen, um eine Eskorte in Form eines bewaffneten Soldaten zu kaufen. Gegen Elf war es dann soweit. Beide Reifen hinten rechts völlig zerfetzt. Ersatzräder Fehlanzeige. Erst wurde der Bus mit Wagenhebern gehoben und gebetet, dann die Pneus von den Felgen getrennt, ein paar Frauen haben sich wie besoffen über den einen Franzosen lustig gemacht, der die Eskorte nicht bezahlt hatte … bis dann völlig tote Hose war, kein Licht, keine Worte, nichts mehr. Irgendwann zwischen fünf und sechs sprang dann der Motor nach paar Versuchen, inklusive Pumpen durch ein Loch im Boden, wieder an. Der Bus war zwar komplett zugenebelt, aber immerhin hat er sich wieder bewegt. Woher die ganzen Reifen kamen, ist mir nach wie vor völlig schleierhaft.
Ich hatte vom vielen Fächeln langsam einen Tennisarm (obwohl ich den Fächer unterwegs von einer Frau zurück klauen musste). Dann war noch der Yoghurt-Drink der die Frage „Du, glaubste man kann das noch essen?“ gleich selbst mit einem Plopp und einem mittleren Feuerwerk vom Boden bis zur Decke über mehrere Bänke beantwortet hat. Gegen Mittag kamen wir mit rund zwölf Stunden Verspätung in Bamako an. Dort weht ein ganz anderer Wind, Startpreis für ein Taxi bei 30 Franken, Verhandlungen werden mit harten Bandagen geführt. Ein Typ aus Ghana hat die Taxifahrer unterstützt, indem er uns auf Englisch dem Rassismus-Argument den Boden entzogen hat – er liess sich wohl bestens bescheissen. Zum Schluss haben wir einen älteren, gläubigen Fahrer gefunden, der uns für einen Sechstel zum Bahnhof gefahren hat.
Wir waren zwar etwas spät für den Zug, fuhren aber trotz aller Bemühungen ungefragter Guides, uns für irgendeinen Bus zu begeistern, zum Bahnhof. Dort stand dann mit Kreide geschrieben, dass der Zug auf zwei Uhr in der früh am Tag vorher verschoben wurde. Der Zug würde zum nächsten Mal etwa am Samstag, Sonntag oder Montag fahren – halt wenn er wieder vorbei kommt.
Wir brachten uns im Bahnhofsbuffet in Sicherheit. Auf weitere drei bis fünf Tage im Bus hatte niemand besonders Lust, also wollten wir uns beim offiziellen Touristen Büro OMATO nach einem günstigen Flug erkundigen. Auf dem Weg dorthin fanden wir ein Reisebüro, weil wir statt uns an die Karte zu halten uns nach dem Weg erkundigt hatten. Dort wurde uns ein Flug für Freitag nach Banjul (in Gambia), kaum teurer als der Zug nach Dakar in Aussicht gestellt. Bei OMATO sahen wir dann doch noch vorbei, um uns nach dem Verbleib des Guides Pablo zu erkundigen, der die beiden bei ihrem Besuch vordere Woche um mehrere Hundert Euro geprellt hat. Man suche ihn nach wie vor, man werde ihnen das Geld schicken sobald man ihn habe, man habe das schon öfters getan, etc. Der nette Herr fuhr uns dann in seinem Mercedes zum Maison des Jeunes, wo wir zu dritt in einem Massenlager einquartiert wurden. Abgesehen von Zimmern gibts dort fast den ganzen Tag etwas Getrommel, Basketball oder Kampfsport.
Am nächsten morgen war es dann nichts mehr mit dem Flug für Freitag. Er war teurer und nun auch schon am Donnerstag. Dafür haben wir auf dem Blatt mit den Tarifen 30% Studentenrabatt entdeckt, obwohl uns noch am Vortag versichert worden war, sowas gebe es nicht. Somit war der Flug wieder in unserer Reichweite und wir wollten buchen. Bei der Fluggesellschaft erfuhr ich, dass der Flug nach Banjul aber aufgeschlagen hat und somit wollten wir einfach günstig und schnell nach Dakar kommen. Mit meinem Studentenausweis sei es überhaupt kein Problem und würde ich automatisch den Studententarif erhalten – aber alleine war er dann aber doch etwas wenig, deshalb mussten wir erst Bestätigungen von der Uni Wien ausdrucken. Ich wurde wiederum vom Reisebüro zur Fluggesellschaft SLOK Air gefahren, aber da war keiner mehr – wir sollten die Tickets direkt am Flughafen besorgen.
Trotz Taxi mit viertem Gang extra zum den Hang hinunter rollen und Stau kamen wir eine Stunde vor Abflug an. Dort wurden wir vom selben englischsprechenden Typen empfangen, der dann kurz mit seinem Chef sprechen musste. Es gebe ein Problem hat er gmeint, sie hätten nicht sicher gewusst ob wir noch kommen würden und deshalb sei in der Economy Class kein Platz mehr frei. Er habe aber seinem Chef gesagt dass er die volle Verantwortung trage und könne uns ein Angebot machen. Einen Business-Class-Flug für den vollen Economy-Class-Preis. Sehr wiederwillig haben wir zugesagt, da auch die Bambara-Worte des freundlichen Agenten nichts geholfen haben und wir bereits zuviel Zeit verloren hatten. Er wurde nicht durch die Sicherheitskontrolle gelassen und damit hatte die Fluggesellschaft freie Hand. Wir haben die Tickets gekriegt, aber natürlich war noch Platz in der Economy-Class und keiner wollte oder konnte mehr mit uns sprechen. Vielleicht hätten wir sein Englisch nicht verstanden, von Business-Class sei nie die Rede gewesen und überhaupt, so etwas wie Studentenrabatt gebe es gar nie. Diskutieren mit Flughafenpersonal auch zwecklos. Beschissen werden gehört zwar dazu – aber so offen betrogen wie in Mali wurde ich noch nie. Zum Dessert fehlt auch noch mein Kopfhöhrer und die Kordel der Tasche wo er drin war, war nach dem Flug nicht ordentlich zusammen gezogen.
Mali hat es geschafft, es ist das erste Land das ich beim besten Willen nicht empfehlen kann. Die anderen Beiden hatten bereits vorher einschlägige Efahrungen gemacht.
Der Flug hingegen war angenehm. Mit dabei war die U17-Ü2m-Mannschaft von Gambia, die gerade ein Nachwuchsturnier gewonnen hatte. Wir werden in Banjul vielleicht einige wieder sehen.
Der Empfang in Senegal war hundsmiserabel. Die Polizisten haben uns kaum beachtet; „c’est dure avec les visa“ und den Pass auf den Boden vor die Füsse geknallt. Mit den Taxifahrern das gewohnte Spiel: 7000 für Stadtzentrum – nein, wir hatten schon angebote für 4000 – 4500 – nein! – OK, 4000 für dich, 4000 für dich, 4000 für dich – Nein, nein, nein! – OK, 4000 für alle drei. Natürlich kenne er l’Auberge Rouge. Im Zentrum dann die Frage „tu connais làbas?“ und dann grosse Rumfragerei. Er hat sie dann gefunden, aber geschlossen. Dann fuhr er uns zurück zum Flughafen, um den doppelten Preis zu kriegen und dort von einem Oberklassehotel zum nächsten, bis wir dann eines auf unser Niveau runter handeln konnten. Der Hotelier hat die Diferenz zwischen meinem und seinem letzten Gebot beglichen, man hat sich die Hand geschüttelt und gute Nacht gewünscht. Immerhin ist es einigermassen romantisch, direkt am Strand und nur Sandstrassen. Wir werden uns heute hier ausruhen und wollen morgen mit Bus und Fähre nach Banjul fahren. In Gambia gibt es vielleicht etwas Funkstille, weil es dort Internet fast nur an der Küste gebe.

à Ou… Ou… où vous allez – Ouagadougou I

August 13, 2007

Der Flughafen hier war so gross, wie zu erwarten war, nachdem mir die Dame in Genf erklärt hat, dass ich mein Gepäck „à Ou… Ou… où vous allez“ abholen könne. Ich bin dann morgens gegen vier in einem Taxi, das mit seinen allerhöchstens fünfhundert Touren alles Fahrende in den Schatten gestellt hat, was ich bis dahin gesehen habe in die Pension gefahren, wo mich die beiden wiener Studentinnen erwartet haben. Dummerweise waren da noch zwei Franzosen und ich war fast gezwungen meine paar Brocken offen zu legen … Die anderen Taxis waren übrigens auch nicht viel besser und deshalb ist der Verkehrt vergleichsweise ruhig 😉
Bald nach dem Frühstück hat es schütten begonnen. Dafür habe ich, bevor ich überhaupt je das Hotel verlassen habe, bereits für Stunden mit zwei Musikern/Guides (eine besonders perfide Kombination, weil das Zeit-Argument weg fällt) gesprochen. Spät am Abend lief es dann auf Batik raus. Das ist hier was Teppiche im Orient – nur geht ohne Waisenhaus und Djembe-Konzert nichts, um den Tee konnten wir uns drücken. Halb so schlimm: das Konzert war gleich um die Ecke (nur passen in eine afrikanische offenbar ein paar gewohnte Ecken) und der Weg über unbefestigte Sandstrassen voller Pfützen, vorbei an Märkten und Ruinen in meinen Augen ganz malerisch.
Auf dem Rückweg kamen wir am abgebrannten Markt vorbei, der vor ein paar Jahren der grösste Westafrikas war. Er wurde nicht wieder aufgebaut und böse Zungen behaupten, dies werde auch nie geschehen, weil man ihn nicht kontrollieren konnte. Jetzt haben sich rundum spezialisierte Märkte gebildet. Fliegende Händler gibts natürlich auch und ich sehe so aus, als ob ich unbedingt einen Säbel brauche, anders lässt sich die Ausdauer des einen Touareg kaum erklären. Die Frage, warum die immer auf mich los gehen, ist hingegen noch offen.
Nachdem die Botschaft von Mali dank der freundlichen Hilfe der österreichischen Botschaft den beiden sofort neue Visa ausgestellt hat, versuchten wir den Bus nach Bobo-Dioulasso zu nehmen. Der Plan ist via Bamako nach Dakar zu fahren, weil sie Mali und Burkina Faso bereits kennen, mir blüht das dann auf dem Rückweg. Nun, der erste Bus fuhr mit der Einen los und liess uns sammt Gepäck stehen. Die Dame von der Botschaft ist dann nochmal aufgekreuzt und so haben wir auch das Geld für das bereits entwertete Ticket zurück und wurden im Botschafts-Landcruiser zur nächsten Busstation gefahren. Beim zweiten Mal hats geklappt und sobald die Temperatur unter 40° zu fallen drohte, haben die Einheimischen alle Fenster geschlossen, damit sich niemand erkältet.
Hier in der protestantischen Mission in Bobo wurden wir mit dem Vorwurf empfangen, die Beiden hätten letzte Woche nicht bezahlt. Sie haben das Geld einer falschen Person gegeben, weil die Frau von der Reception nicht dort war… Das hat sich dann irgendwie erledigt, aber der erste Bus für Bamako morgen ist ausgebucht. Wir werden nun gegen Mitternacht eintreffen, ob und wann wir die Fahrkarten für den Zug nach Dakar erhalten, steht in den Sternen. Viel gesehen habe ich noch nicht, dafür umso mehr erlebt 🙂
Ich habe nun fast eine Stunde geschrieben – die Tastauren hier haben etwa soviel mit unseren gemeinsam, wie die hiesige Nescafe-Werbung voller Hip-Hop mit unserem George Clooney.