Archive for the ‘Mali’ Category

Land der Dogon

September 16, 2007

Als Land der Dogon bezeichnet man die Region um die Klippen von Bandiagara, mit ihren Dutzenden Dörfern am Fusse und auf den Felsen. Vor rund fünfhundert Jahren ist ein Teil der Mande als Dogon vor der Islamisierung oder vor den Reiterheeren der Mossi zu den Klippen von Bandiagara geflohen, wo sie die seit dem elften Jahrhundert in den Felsen lebenden Tellem vertrieben haben. Das Wort Dogon bedeutet kleiner Bruder. Die ersten Behausungen der Dogon sehen denjenigen der Tellem recht ähnlich, sind aber am Fuss der Klippe errichtet worden. Tellem bedeutet Ahne in Dogon. Es waren vermutlich Pygmäen und ihre Häuser hoch oben in den Felsen machen viel vom Mythos der Gegend aus. Die Dogon wurden zwar teils Muslime und Christen, haben aber recht viel von ihren alte, animistische Ritualen und Glauben behalten. Viele Dörfer haben ein spirituelles Oberhaupt genannt Hogon, der sich zumindest ein bisschen verkleidet für Touristen, jedes Quartier hat ein Toguna, einen niedriger Unterstand, wo die Alten den ganzen Tag palavern und überall sind kleine Speicher, mit Dächern spitz wie ein Hexenhut.

Ireli

Ich habe die Dogon als recht humorvoll erlebt. Sie treiben das in Afrika übliche „ça va?“-Spiel auf die Spitze, indem sie sich gegenseitig streng geregelt nach dem Wohlergehen der ganzen Familie erkundigen, so dass es wie ein Kanon tönt. Um dem ganzen noch den Rest Persönlichkeit zu entziehen, geht das auch gruppenweise im Chor. Da sie polygam sind, kommt es schon mal vor dass sich zwei Frauen gegenseitig über das Wohl ihres gemeinsamen Ehemannes befragen. Man liebt es oder man hasst es 😉
Die Landschaft ist pefekt zum Wandern, mit Pfaden und Treppen in den Klippen, die man kaum sieht und feinem Sand am Fuss. Die Regenzeit hat zwar ihre Tücken und kann den sowieso schon teuren Transport erschweren, dafür hat es nicht allzuviele Touristen, ist nicht zu heiss und alles ist grün. Und der Sternenhimmel, insbesondere Richtung Zentrum der Milchstrasse war wunderbar.
Weil man heilige Stätten der Dogon leicht übersehen kann und horende Opfer fällig würden um die Fetische zu besänftigen wird einem nahegelegt, sie nur mit einem Guide zu besuchen. Ich habe im Nachhinein das gefühl, dass man als gut informierter und sensibler Reisender alles richtig machen würde, während gewisse Guides auf der Jagd nach „cadeaux“ wohl mehr Fotos zulassen als toleriert würde. Schwieriger wäre das mit den Pfaden. Ausserdem darf im Land der Dogon kein Schwarzer einen Weissen begleiten, ohne offizieller Guide zu sein. Da ich fast nur schlechte Erfahrungen mit Guides gemacht habe und es eigentlich nicht mag geführt zu werden, habe ich mit fast einem Dutzend potentieller Guides gesprochen – von „Ali le grand“ (<1.70m) bis zu „Philip le magnifique.“ Gewählt habe ich schlussendlich einen älteren Herrn, der gut Französisch sprach, auf seinen Fotos anständige Turnschuhe trägt und sich nicht mit einem lächerlichen Pseudonym vorstellen musste. Nicht dass er kein Pseudonym hätte, er wird wegen seines Nachnamens Napoleon genannt, was sich später als recht zutreffend herausstellen sollte. Da er kein Handy hat, habe ich in einem Laden angerufen, wo er jeden Morgen vorbeikommt, damit er auf mich warten würde. Er war wirklich dort und wir wurden uns recht schnell einig, vier Tage und drei Nächte lang zusammen seine Heimat zu erkunden.
Wir fuhren erst nach Bandiagara, dann musste er einen Wagen für Sangha mieten, wo er mich zu seiner Frau und seiner 35 Tage alten Tochter brachte. Sie leben dort gemeinsam mit vielleicht dreissig Mitgliedern seiner Grossfamilie in recht einfachen Verhältnissen. Die Möbel zum Beispiel beschränken sich auf ein paar niedrige Schemmel und zwei wackelige Stühle, gekocht wird wie überall auf offenem Feuer, aber fliessendes Wasser gibt es nicht und die Toilette hat stark an ein mittelalterliches Verlies mit kleinem Loch im Boden erinnert. Als ich mit Kessel und Tasse duschen ging hatte mein Guide das Gefüh ich würde noch Socken tragen, weil meine Füsse so weiss sind. Wie man in Afrika Socken weiss halten könnte.
Leider ha er sich als Erstes gleich mal betrunken und völlig daneben aufgeführt. Er hat alle rumkommandiert und sich die ganze Zeit wiederholt. Statt den Rat seiner Frau, mich in Ruhe essen zu lassen, zu befolgen hat er sich beschwert, weil sie ihm sage was er tun solle. Irgendwann hat er dann eingesehen, dass es besser wäre, wenn wir uns nun hinlegen würden. Zu meiner Beruhigung hat er von seiner Frau eine heftige Gardinenpredigt kassiert.
Am nächsten morgen war er zwar verkatert, aber konnte immerhin wieder einigermassen sprechen. Er hat mir Sangha gezeigt, eines der grössten Dörfern mit etwa zehn Quartieren. Gegen Mittag war er wieder hackedicht und hat mich mit einem Jungen zu den Klippen geschickt, um ein paar Bauten der Tellem zu sehen. Nach dem Essen wollte er sich für eine halbe Stunde hinlegen. Ich liess ihn jeweils drei schlafen, damit er wieder etwas nüchtern wurde. Gegen Abend gingen wir zum Markt von Sangha, der jede Dogon Woche – also alle fünf Tage – statt findet und wo Leute aus allen Dörfern her kommen. Eigentlich wollten wir noch an diesem Abend die Klippen runter steigen, aber da ein berühmter Dogon-Musiker ein Konzert geben sollte, blieben wir eine weitere Nacht. Dummerweise fiel der Konzertbesuch einem Platzregen zum Opfer.
Am nächsten Morgen wollten wir früh los ziehen. Um sechs war eigentlich alles bereit, aber seine Hose war noch dreckig weil er am Vortag in eine Pfütze getretten ist und er war bereits wieder in einem derart schlechten Zustand, dass wir erst gegen acht Uhr los kamen, was nicht nur wegen der Hitze schlecht ist, sondern auch wegen den Fotos. In der Morgensonne sind die Dörfer am besten beleuchtet. Vor dem Abstieg führte er mich zu einem Aussichtspunkt für den Wasserfall, vorbei an Orakel-Sandkästen, wobei die nächtlichen Spuren der Füchse, welche die Antworten enthalten sollen, ebenfalls dem Regen zum Opfer gefallen waren. Dann lies er mich zu Quellen führen, während er sich weiter die Lampe gefüllt hat. Unten an der Klippe im Dorf Banani das selbe Spiel: Spaziergänge mit Nachwuchsguides, die ihrerseits auch schon Mühe mit Gehen hatten und ewiglange Siesta.
Am Abend hat sich bestätigt was sich schon den ganzen Tag abgezeichnet hat: das Geld was ich bezahlt hatte war versoffen. Ich hatte überhaupt keine Lust, ihm Geld zu leihen, aber wenn ich irgendwie zurück kommen wollte blieb mir nichts anderes übrig als irgendwen zu bezahlen. Er hat mir erzählt, dass er von dem Geld in Mopti gelassen habe und mir als Garantie seine Identitätskarte und seine Guide-Erlaubnis überlassen.
Am vierten und letzten Tag wanderten wir barfuss durch den feinen Sand, weil man immer wieder durch Wasser gehen musste. Was wir an dem Tag am morgen gewonnen hatten verloren wir in einem Campement in Ireli gleich wieder, wo wir „rasteten“ – sprich ich mir irgendwelche Souveniers ansehen musste und er sich voll laufen liess. Ich konnte ihn nur mit einem massiven Wutanfall dazu bewegen, mir doch noch dieses Dorf – ebenfalls eines der grösseren und wohl das schönste von allen – zu zeigen. Damals war er weinerlich drauf, er sei ein schlechter Guide und viel zu alt und und und … Der Aufstieg war wiederum sehr malerisch. Es ging auch so einer Spalte in der Klippe entlang hoch. Ein wenig Wasser rinnt dort runter und kühlt angenehm.
Oben angekommen wollte er den Rücktransport organisieren – alleine, weil es viel mehr kosten würde, wenn er mit einem Weissen gesehen würde. Erst als ich demonstrativ vor der Beiz Stellung bezogen hatte ging er auch wirklich zur Kreuzung, war aber schon wieder recht besoffen und alles andere als erfolgreich. Ausserdem begann es zu regnen. Seine Frau hat wunderbare Erbsen gekocht, er vorallem davon geredet, dass wir heute nicht fahren könnten, wegen dem Regen. Ich liess das so nicht stehen und irgendwann wurde es ihm zu bunt und er nahm mich mit zur Kreuzung. Ich habe dort im Office des Guides de Sangha etwas rumgestänkert und irgendwann fand sich dann ein „Quatre-Quatre“ – so nennen sie hier Allradfahrzeuge – dessen Fahrer sich trotz des Nieselregens die Fahrt zugetraut hat. Wir kamen so spät nach Mopti zurück, dass ich gleich in Sévaré zur Übernachten blieb. Am nächsten Tag hat er sich nicht mehr blicken lassen und ich habe seine Dokumente trotz stundenlangem Warten und Anzeige immer noch. Immerhin habe ich eine Fallnummer bei der Polizei in Mopti, wobei die sich von mir alles, von Name des Vaters bis Fakultät, aufgeschrieben haben und vom alten Betrüger lediglich den Namen. Ausserdem scheint zumindest die Zulassung als Guide doch einigermassen wichtig zu sein, es haben mir recht viele ins Gewissen geredet, die doch zurück zu lassen. Ich fühlte mich jedoch eher den nachfolgenden Touristen als dem Säufer verpflichtet.
Wenn man sich achtet, ist das ganze Land der Dogon voller leerer Fussel-Flaschen. Ihr Hirse-Bier brauen sie zwar schon ewig, aber Kay, die britische Lady vom Hotel in Sévaré, meint ein echtes Alkoholproblem gebe es vorallem an den von Touristen besuchten Orten und erst seit wenigen Jahren. Auch sonst hinterlässt die Moderne ihre Spuren, Kinderspielen mit alten Batterien, schreien „avion avion“ wenn eines vorbei fliegt und der Steckentöff hat das Steckenpferd abgelöst. Motorräder gibts überall wo sie durchkommen.
Und Säuglinge wurden mir auch viele gezeigt. Ich habe Fotos gemacht und werde sie hinschicken, Kameras haben hier eigentlich nur Touristen. Der junge Vater der im Hotel in Sévaré arbeitet und seine zukünftige Frau haben sich extra Kleider im selben Stoff angezogen für das Familienfoto.
Ich habe gestern ein Ticket für Bobo-Dioulasso gekauft. Da ich wohl der Einzige war, kam der Bus nicht zu stande und ich wurde stattdessen in einen Bus für Bla gesteckt. Weil der Gepäckjunge es vergessen hat mich dort raus zu schmeissen, bin ich heute morgen um drei in Ségou erwacht. Das ist so gut wie gleich weit weg, nur halt im Nordwesten statt im Nordosten. Knapp zwei Stunden später hat mich dort ein kleiner Bus aufgelesen, um mich eine Station weiter noch einmal drei Stunden sitzen zu lassen. Gut 24 Stunden später war ich da, was einen Schnitt von rund 20 km/h macht, nichts Ungewöhnliches für „Fernverkehr“ hier. Eigentlich wollte ich neben Ouaga auch noch Banfora weiter im Südosten reinquetschen, aber da ich aktuell vom Busfahren die Schnauze ziemlich voll habe, weiss ich nicht 🙂

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Djenné

September 10, 2007

Nach ein paar Kreisen im nächtlichen Hafen von Mopti habe ich die richtige Pinasse irgendwie gefunden. Helfen konnte mir keiner, ein Kind hat mich immer gefragt ob ich zum Flughafen von Sévaré oder Bamako wolle und meine Karte ist zumindest in der Regenzeit auch für nichts. Irgendeiner hat dann gemeint, er kenne diesen Typen nicht aber seinen Bruder und mir das immer und immer wieder erklärt, weil ich damit offensichtlich nicht zufrieden war. Mit der Zeit konnte er mir aber doch noch die Richtung zu den Pinassen weisen und dort fand sich dann wer, der mich hinbrachte. Der Kapitän höchstpersönlich hat mir geholfen mein Mückennetz zu installieren, was aufgrund dessen hier fremden Bauart eine rechte Weile gedauert hat. Der Zoo-Faktor war riesig, nicht wegen dem Schaf oder den Hühnern, sondern wegen den rund zwanzig Einheimischen jeden Alters, die mich keine Sekunde aus den Augen gelassen haben. Spätestens als ich mein aufblasbares Kissen installiert habe, genoss ich alle Aufmerksamkeit. Ich habe mich gleich hingelegt und prächtig geschlafen.

Mein Boot für Djenné

Kurz vor Sonnenaufgang bin ich aufgewacht. Wir hatten bereits abgelegt und die Leute waren am beten. Am Ufer hat es vereinzelt Sträucher und Bäme, viel Gras und ab und zu ein Dorf. Bei einem standen alle am Ufer, wir wurden mit einem Horn begrüsst und haben ein paar Leute ab geladen. Mit der Zeit wurde es recht brütig, aber die haben die ganze Zeit über Tee gekocht. Wie jedesmal wenn ich wasche oder ein Schiff betrette gab es Regen. Immerhin wurde es dadurch angenehm kühl und nun war es an mir zu grinsen, wie die sich alle Winter- und Hochseekleidung angezogen haben.
Ab und zu starb der Motor ab, einmal musste etwas repariert werden. Nach einem „ça va?“ – „merci, et vous?“ – „ça va très bien!“ mit dem Kapitän sprang er aber wieder an. Mit um sechs Uhr abends dort sein wurde es trotzdem nichts. Ob wegen einem Missverständnis, einer Panne oder ob ich mal wieder rein gelegt wurde weiss ich nicht, abgesehen vom obigen konnte der Kapitän noch „il faut monter“ sagen, wann immer ich mich irgendwohin bewegen sollte.
Es wurde dunkel und wir landeten mit dem Kahn voller betender Muslime direkt im Busch gegen das Ufer. Ich hatte sonst keine Zeitangaben, mein Handy lässt sich nun überhaupt nicht mehr anstellen. Einzige plausible Erklärung die ich habe, ist dass ich es kaputt geschwitzt habe. Wie ich mich dann auf dem Dach schlafen legen wollte kam Sturm auf. Nachdem wir eine Zeitlang unter dem vielleicht drei mal vier Meter grossen Unterstand zusammengekauert gewartet haben, wurde ein etwa dreissig Zentimeter breiter Laden montiert, wo ich mich drauf legen konnte. Mückennetz war nicht mehr drin und ich habe mich in nicht allzu frische Leintücher eingewickelt, um das Schlimmste ab zu wenden. Unzählige Stiche und viel Moskitogeräusche haben mich weitgehend vom Schlafen abgehalten.
Der Morgen wurde mit einem Wutanfall des Kapitäns lanciert. Er hat insbesondere seinem weinenden Säugling gegenüber nicht gerade viel Verständnis an den Tag gelegt – seine Schläge und Tritte konnten ihn auch nicht besänftigen – aber diesmal ist er so durch das Schiff auf seinen Ältesten los gestürmt, dass ich dachte es brenne oder so. Ein weiterer Mann hat sich dann dazwischen gestürzt und ihn fest gehalten, bis er sich wieder beruhigt hatte und es konnte weiter gehen.
In aller Frühe waren wir in Djenné, Unesco Welterbe und Heimat des grössten Lehmbautes der Welt. Ich habe mich gleich Richtung Moschee aufgemacht, die Ungläubige laut Reiseführern nicht mehr betreten dürfen, seit ein Modefotograf in den Innenräumen nicht ganz genehme Fotos gemacht hat. Aber Geld ist mächtig und ich wurde bald angesprochen, zum Hintereingang geführt und vom angeblichen Sohn des Baumeisters eingelassen. Im Innern ist es recht düster, Sandboden und etwa ein Viertel des Raumes wird von quadratischen Säulen eingenommen. Ich liess mich im Anschluss von dem Guide durch die Altstadt führen, e war einigermassen kompetent, wollte mir aber mehrmals erklären was ein Imam ist und brachte mich auch noch bei einer Tuchfärberei vorbei …

Moschee von Djenné

Montag ist der grosse Markt in Djenné, darum wollte ich auch heute hinfahren. Mit der zeit wurde der Platz um die Moschee immer voller und farbiger. Ansonsten wird mir vorallem der Schlamm und sein arger Gestank in Erinnerung bleiben. Das begann mit einem Hilfswerk, das Wasserleitungen installiert hat ohne sich Gedanken über das Abwasser zu machen. Ich bin wirklich nicht ausserordentlich heikel, lasse keinen Fischmarkt aus und habe noch kein Essen komplett verschmäht, aber heute hatte ich wirklich einen Moment lang Angst mich übergeben zu müssen. Zurück nach Sévaré fuhr ich in einem normalen Buschtaxi, einem Mercedes-Bus mit gut zwanzig Sitzplätzen. War zwar viel schneller, aber mit allen Stopps, Fähre, Händlern und zu bestechenden Polizeikontrolle ähnlich aufreibend.
Voraussichtlich gibt es für mich wiedermal ein Bett diese Nacht und ab morgen will ich ein paar Tage im Land der Dogon wandern gehen.

Mopti

September 10, 2007

Nach einer Dusche und einem Gespräch mit der englischen Besitzern des angenehmen Maisons des Arts in Sévaré fuhr ich nach Mopti, gleich daneben. Die Stadt liegt an der Kreuzung der Flüsse Niger und Bani und wird sogleich „Venedig Malis“ genannt. Hier konnte ich mein Visum problemlois verlängern, vom Hotel her wusste ich, dass dies bei der Dame absolut seriös gehen würde. Ich hatte nicht mal die nötigen Passfotos dabei, aber der Typ hat alles ausgefüllt und „grande soeur“ hat unterschrieben. Ob sie wegen ihrer Authorität oder Figur so gerufen wird, weiss ich auch nicht.
Mit den Guides ist es hier sehr übel, ihr Hauptargument ist, dass man dann von den Anderen in Ruhe gelassen würde, wenn man einen habe. Ausserdem seien sie dafür da, es sei ihr Job. Ich konnte meinen erst mit dem OMATHO-Trick abhängen. Dafür konnte ich mit Hilfe eines Touristen-Pirogen-Fahrers für den Fünftel seines Touristenangebots eine Fahrt nach Djenné bei einem Transporteur aushandeln. Ich werde heute um neun am Hafen erwartet und soll auf der Pinasse schlafen, damit wir morgen rechtzeitig ablegen können und vor Sonnenuntergang dort sind.

Bamako

September 8, 2007

Ich konnte mir beim Einsteign kaum erklähren, wie man so viele Beulen und Lackschäden in einen Flieger kriegt: Der Flug war aber wunderschön, besonders die Fluss-/Dschunellandschaften um Banjul und Conakry (Guinea). Die undefinierbaren Fleischbälle passten wiederum besser zum Flugzeug.
Von Bamakos Flughafen weg gibt es fixe Taxitarife, wie erwartet hat er es mit dem teureren für weite Fahrten und ausgewählte Luxushotels versucht, aber er liess sich recht leicht davon abbringen. Da das Maison des Jeunes voll war, bin ich in einer ehemaligen Mission gelandet, die ein Neffe des Pastors geerbt hat. Er lässt sich immer mal wieder blicken, am liebsten mit 4×4 und einer Walther hinten im Hosenbund, reisst ein paar dumme Sprüche und bezahlt sein Personal eher schlecht als recht. Dort habe ich einen Autoexporteur (Charrä abä – Chnubä ufä) mit seinem Freund, der sich in Europa nur von Lebensmitteln kurz vor dem Ablaufen aus Kontainern von Supermärkten ernährt, getroffen. Sie wurden nach einer Woche endlich ihren Nissan los – Mercedes und Toyotas laufen besser.
Nach Senegal ist Bamako Entspannung pur. Sogar die Bettelkinder aus den Koranschulen fragen einen nur ausnahmsweise nach Geld. Leider gibt es die doofen „Guides“. Ich habe einen erwischt, der gleich noch Musiker ist und einen Strassenkinderhort führt – falls man ihm glauben darf. Habe ihm von Anfang an klar gemacht, dass ich nichts von ihm haben will und dass ich sein Kinderding weder sehen noch unterstützen will, trotzdem lief er mir nach, bis ich mich ins National Museeum geflüchtet habe und ihm entgegen seinen Erwartungen kein Ticket gekauft habe. Dieses besteht aus drei Ausstellungen, zu Archäolgie, Kultgegenständen und Tüchern. Es hätte auch über den Mittag offen und wäre somit ideal gegen die Mittagssonne – aber das steht noch in keinem Führer so. Zurück in der Stadt ist diese Nervensäge gleich wieder zur Stelle und nun überhaupt nicht mehr bereit von mir ab zu lassen, bevor ich nicht eine von seinen CDs oder sonstwas für ihn gekauft habe, schliesslich habe er mich durch die ganze Stadt geführt. Er frage mich ja nicht um Geld, von Herzen soll es kommen und so weiter … Bevor ich die Nerven verloren und den armen Typen verprügelt habe bin ich zum offiziellen Tourismus-Büro gegangen. Da wollte er erst nicht mit rein, aber da lies ich nicht locker, habe denen alles erzählt und die haben ihn – obwohl er einer der ihren sei – ein paar Minuten gehütet und mir die Flucht ermöglicht.

In den Hügeln hinter Bamako

Nach einer ausgiebigen Siesta in der Herberge habe ich noch einen ausgedehnten Abendspaziergang unternommen. Die Avenue de la Liberté ist führt in die Hügel und nachdem sie immer schmaler wird und man am Schluss auf dem Mäuerchen daneben balancieren muss, zweigt eine Piste zu tollen Aussichtspunkten ab. Während man auf einem Pfad durch schulterhohes Gras geht tut sich die Sicht auf die Hauptstadt zwischen den Hügeln immer mehr auf, bis man zum Schluss ein 180°-Panorama vor sich hat. Echt wunderschön. Links hört man Vogelgezwitscher und Grillen, rechts Stadtlärm und oben auf dem Hügel hat es Hirten und ihre Ziegen. Soviel Smog habe ich jedoch noch niergends gesehen, über Bamako hängen Rauchschwaden in allen Farben. Zur Feier des erfolgreichen Verkaufs ging ich mit dem Exporteuer Pizzas essen und dann haben wir bis tief in die Nacht hoch philosophische Gespräche geführt.

Gebäude der Bank von Westafrika

Gestern bin ich nur noch kurz am Niger-Fluss spazieren gegangen, bevor ich meine Sachen gepackt habe. Zum Abschluss wurde ich nochmal übers Ohr gehauen. Ein Englisch Sprechender angeblich aus Ghana soll per Western Union Geld überwiesen kriegen, nur fehlt ihm der eine Sicherheitscode. Das Geld komme aus der Schweiz – die er überzeugend gut kennt, Wechselkurs stimmt auch und alle Namen tönen echt nach Schweiz. Ich soll ihm das Telefonat wegen der Nummer vorschiessen, würde das Geld gleich wieder kriegen. Damit habe ich nie gerechnet, aber Telefonate sind hier günstig und aus Gewunder habe ich ihm Hilfe vesprochen. Als dann das Gespräch rund das Zehnfachte gekostet hat und er zum Geldabholen seinen Pass noch erst herschaffen musste, war meine Neugierde entgültig gestillt. War zwar der günstigste Beschiss, aber doch irgendwie ärgerlich. Hier in Bamako habe ich Österreicher getroffen, denen es genau gleich ergangen ist.
Ich liess mich dann zum Busbahnhof fahren und habe dort einen Bus nach Sévaré gesucht. Statt mich an eine grosse Kompanie mit gutem Ruf zu halten fuhr ich eine Stunde früher überraschend pünktlich mit „Express Bamakoise“ ab. Schon beim ersten Stopp wurden wir eingeholt und entgegen allen Versicherungen war ich erst morgens um halb fünf hier. Ich verbrachte dir Fahrt neben einem Touareg, in dessen Pass steht, dass er gegen 88 gebohren wurde. Er hat sein Essen immer mit allen geteilt, immerhin lies er mich beim Handy-Pron aus. Aber die Fotos von zuhause durfte ich sehen, mit viel Maschinengewehren und so. Im Norden Malis ist immer ein bisschen eine Rebellion im Gange.

Bobo-Dakar

August 17, 2007

Unser Plan war mit den 8 Uhr Bus nach Bamako zu fahren, um noch am Abend die Tickets für den Zug nach Dakar zu kaufen. Der fährt je nach Quelle zwei bis drei Mal die Woche, Dienstag Morgen sollte angeblich einer fahren. Der 8 Uhr Bus war aber schon voll, wir haben aber um 13.30 Uhr den 10 Uhr Bus erwischt. Das Warten war halb so schlimm, da wir von Diskussionen mit ein paar grimmig blickende Gepäckträgern bestens unterhalten wurden. Sie wollten unbedingt einen Fünfliber pro Rucksack, den sie in den Bus gelegt hatten – ansonsten würde der Bus nicht fahren, sie unser Gepäck wieder ausladen und und und … Die Weicheren liessen sich mit dem Frage ob das nur sei weil wir weiss sind abspeisen, der härteste Brocken hat uns demonstriert, wie er auch Malier ausnimmt (nur um die Hälfte, aber immerhin) und uns erst in Ruhe gelassen, nachdem ich zum Schalter gegangen bin. Ansonsten war Burkina recht entspannt. Zwar hat zum Beispiel eine Frau für vier Bananen etwa einen Franken haben wollen, aber mit Kopfschütteln und einer 25-Rappen-Münze war es erledigt. Ausserdem sind sie recht humorvoll: als ich im Hotel zum ersten Mal einen Witz verstanden habe und lachen musste schrie der Bäcker sofort „Ahhh le premier sourire de Vladimir Putin!“ oder im Internetkaffee „une heure s’il vous plait“ – „ça me plait.“
Auf jeden Fall hatten wir einen Bus, sammt unserem Gep&aum;ck und einer halben Brockenstube. Der Streichelzoo ist zum Glück an der Haltestelle geblieben. Laufend stiegen noch Passagiere zu, bis wirklich kein Platz mehr frei war. Beim Überholen musste immer einer die Türe schliesse, weil man die Fenster nicht öffnen konnte. An der Grenze kamen wir zügig vorbei. Bei Einbruch der Dunkelheit hat dann der Fahrer nochmal rund einen halben Franken pro Fahrgast eingezogen, um eine Eskorte in Form eines bewaffneten Soldaten zu kaufen. Gegen Elf war es dann soweit. Beide Reifen hinten rechts völlig zerfetzt. Ersatzräder Fehlanzeige. Erst wurde der Bus mit Wagenhebern gehoben und gebetet, dann die Pneus von den Felgen getrennt, ein paar Frauen haben sich wie besoffen über den einen Franzosen lustig gemacht, der die Eskorte nicht bezahlt hatte … bis dann völlig tote Hose war, kein Licht, keine Worte, nichts mehr. Irgendwann zwischen fünf und sechs sprang dann der Motor nach paar Versuchen, inklusive Pumpen durch ein Loch im Boden, wieder an. Der Bus war zwar komplett zugenebelt, aber immerhin hat er sich wieder bewegt. Woher die ganzen Reifen kamen, ist mir nach wie vor völlig schleierhaft.
Ich hatte vom vielen Fächeln langsam einen Tennisarm (obwohl ich den Fächer unterwegs von einer Frau zurück klauen musste). Dann war noch der Yoghurt-Drink der die Frage „Du, glaubste man kann das noch essen?“ gleich selbst mit einem Plopp und einem mittleren Feuerwerk vom Boden bis zur Decke über mehrere Bänke beantwortet hat. Gegen Mittag kamen wir mit rund zwölf Stunden Verspätung in Bamako an. Dort weht ein ganz anderer Wind, Startpreis für ein Taxi bei 30 Franken, Verhandlungen werden mit harten Bandagen geführt. Ein Typ aus Ghana hat die Taxifahrer unterstützt, indem er uns auf Englisch dem Rassismus-Argument den Boden entzogen hat – er liess sich wohl bestens bescheissen. Zum Schluss haben wir einen älteren, gläubigen Fahrer gefunden, der uns für einen Sechstel zum Bahnhof gefahren hat.
Wir waren zwar etwas spät für den Zug, fuhren aber trotz aller Bemühungen ungefragter Guides, uns für irgendeinen Bus zu begeistern, zum Bahnhof. Dort stand dann mit Kreide geschrieben, dass der Zug auf zwei Uhr in der früh am Tag vorher verschoben wurde. Der Zug würde zum nächsten Mal etwa am Samstag, Sonntag oder Montag fahren – halt wenn er wieder vorbei kommt.
Wir brachten uns im Bahnhofsbuffet in Sicherheit. Auf weitere drei bis fünf Tage im Bus hatte niemand besonders Lust, also wollten wir uns beim offiziellen Touristen Büro OMATO nach einem günstigen Flug erkundigen. Auf dem Weg dorthin fanden wir ein Reisebüro, weil wir statt uns an die Karte zu halten uns nach dem Weg erkundigt hatten. Dort wurde uns ein Flug für Freitag nach Banjul (in Gambia), kaum teurer als der Zug nach Dakar in Aussicht gestellt. Bei OMATO sahen wir dann doch noch vorbei, um uns nach dem Verbleib des Guides Pablo zu erkundigen, der die beiden bei ihrem Besuch vordere Woche um mehrere Hundert Euro geprellt hat. Man suche ihn nach wie vor, man werde ihnen das Geld schicken sobald man ihn habe, man habe das schon öfters getan, etc. Der nette Herr fuhr uns dann in seinem Mercedes zum Maison des Jeunes, wo wir zu dritt in einem Massenlager einquartiert wurden. Abgesehen von Zimmern gibts dort fast den ganzen Tag etwas Getrommel, Basketball oder Kampfsport.
Am nächsten morgen war es dann nichts mehr mit dem Flug für Freitag. Er war teurer und nun auch schon am Donnerstag. Dafür haben wir auf dem Blatt mit den Tarifen 30% Studentenrabatt entdeckt, obwohl uns noch am Vortag versichert worden war, sowas gebe es nicht. Somit war der Flug wieder in unserer Reichweite und wir wollten buchen. Bei der Fluggesellschaft erfuhr ich, dass der Flug nach Banjul aber aufgeschlagen hat und somit wollten wir einfach günstig und schnell nach Dakar kommen. Mit meinem Studentenausweis sei es überhaupt kein Problem und würde ich automatisch den Studententarif erhalten – aber alleine war er dann aber doch etwas wenig, deshalb mussten wir erst Bestätigungen von der Uni Wien ausdrucken. Ich wurde wiederum vom Reisebüro zur Fluggesellschaft SLOK Air gefahren, aber da war keiner mehr – wir sollten die Tickets direkt am Flughafen besorgen.
Trotz Taxi mit viertem Gang extra zum den Hang hinunter rollen und Stau kamen wir eine Stunde vor Abflug an. Dort wurden wir vom selben englischsprechenden Typen empfangen, der dann kurz mit seinem Chef sprechen musste. Es gebe ein Problem hat er gmeint, sie hätten nicht sicher gewusst ob wir noch kommen würden und deshalb sei in der Economy Class kein Platz mehr frei. Er habe aber seinem Chef gesagt dass er die volle Verantwortung trage und könne uns ein Angebot machen. Einen Business-Class-Flug für den vollen Economy-Class-Preis. Sehr wiederwillig haben wir zugesagt, da auch die Bambara-Worte des freundlichen Agenten nichts geholfen haben und wir bereits zuviel Zeit verloren hatten. Er wurde nicht durch die Sicherheitskontrolle gelassen und damit hatte die Fluggesellschaft freie Hand. Wir haben die Tickets gekriegt, aber natürlich war noch Platz in der Economy-Class und keiner wollte oder konnte mehr mit uns sprechen. Vielleicht hätten wir sein Englisch nicht verstanden, von Business-Class sei nie die Rede gewesen und überhaupt, so etwas wie Studentenrabatt gebe es gar nie. Diskutieren mit Flughafenpersonal auch zwecklos. Beschissen werden gehört zwar dazu – aber so offen betrogen wie in Mali wurde ich noch nie. Zum Dessert fehlt auch noch mein Kopfhöhrer und die Kordel der Tasche wo er drin war, war nach dem Flug nicht ordentlich zusammen gezogen.
Mali hat es geschafft, es ist das erste Land das ich beim besten Willen nicht empfehlen kann. Die anderen Beiden hatten bereits vorher einschlägige Efahrungen gemacht.
Der Flug hingegen war angenehm. Mit dabei war die U17-Ü2m-Mannschaft von Gambia, die gerade ein Nachwuchsturnier gewonnen hatte. Wir werden in Banjul vielleicht einige wieder sehen.
Der Empfang in Senegal war hundsmiserabel. Die Polizisten haben uns kaum beachtet; „c’est dure avec les visa“ und den Pass auf den Boden vor die Füsse geknallt. Mit den Taxifahrern das gewohnte Spiel: 7000 für Stadtzentrum – nein, wir hatten schon angebote für 4000 – 4500 – nein! – OK, 4000 für dich, 4000 für dich, 4000 für dich – Nein, nein, nein! – OK, 4000 für alle drei. Natürlich kenne er l’Auberge Rouge. Im Zentrum dann die Frage „tu connais làbas?“ und dann grosse Rumfragerei. Er hat sie dann gefunden, aber geschlossen. Dann fuhr er uns zurück zum Flughafen, um den doppelten Preis zu kriegen und dort von einem Oberklassehotel zum nächsten, bis wir dann eines auf unser Niveau runter handeln konnten. Der Hotelier hat die Diferenz zwischen meinem und seinem letzten Gebot beglichen, man hat sich die Hand geschüttelt und gute Nacht gewünscht. Immerhin ist es einigermassen romantisch, direkt am Strand und nur Sandstrassen. Wir werden uns heute hier ausruhen und wollen morgen mit Bus und Fähre nach Banjul fahren. In Gambia gibt es vielleicht etwas Funkstille, weil es dort Internet fast nur an der Küste gebe.