Weisse Städtchen

Dezember 6, 2015 by

Die letzten Tage sind wir kreuz und quer durch die andalusische Pampa gefahren. Da wechseln sich Dünen, Herbstwälder, Olivenbäume, Nadelwälder und karge Felsen ab, unglaublich. Die Wälder sind fast alle eingezäunten Jagdreviere oder Freiland-Schweinezuchten. Dazwischen viele weiße Ortschaften, alle sehr heraus gepützerlt. Besonders schön ist die Landschaft um das Bergdorf Grazalema. Dort scheinen sie auch Gras zu verkaufen, auf jeden Fall haben wir zwei Jungen aus einem deutschen Strafprojekt dorthin mitgenommen. Auch der Rest ist übrigens ziemlich in deutscher Hand.

Übernachtet haben wir in Ronda, dort gibt es eine Brücke über eine Schlucht, guten Weissen und Stierkampf; dann in Zahara de los Atunes, dort haben wir fünf verschiedene Stückchen Thunfisch gegessen; und in Cadiz, mit feinem Roten, frittierten Fischen und fast soviel Flamenco wie Stierkampf.

Cadiz gilt als Mini-Havanna und ist nicht nur weiß und etwas weniger gepützerlt, dafür hat es unzählige Friseure. Ich hatte dort einen großartigen Auftritt auf dem Kirchturm. Sechzehn vor vier habe ich mir langsam die Ohren zu gehalten. Und genau als mich zwei Frauen völlig entgeistert gemustert haben, ging das Geläute los, die beiden sind in die Luft gesprungen, haben geschrien und sind davon gestoben 😀

Oberhalb von Cadiz ist das Naturschutzgebiet Doñana. Verschiedenste Möwen und Hirsche, wandernde Dünen, Wälder und ein riesiger Fluss, von wo Kolumbus los fuhr. Offenbar alles sehr niedlich, dauert ein Momentito von fünfzehn Minutitos, immer mit Cuidadito (Vorsichtchen) und hasta luegito 🙂 Im Süden sprechen sie dafür wie Chtis, tambieng und so.

Unterdessen sind wir in Sevilla und morgen fahren wir nach Córdoba, bevor wir Dienstag heim müssen.

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Granada

Dezember 1, 2015 by

Wir wollten zwar noch etwas an die Wärme, aber Granada ist auf 700 M.ü.M. Dafür kriegen wir viel herbstliche Stimmungen ab, kommt in Barcelona viel zu kurz. Herbst mit Kakteen zwischen den farbigen Bäumen und der weissen Altstadt ist aber auch recht speziell.

Vorgestern fuhren wir gleich wieder raus, in die Sierra Nevada. Ein sanftes Gebirge mit Aussicht aufs Meer (und paar Zacken von Afrika manchmal), ist wohl in einem normalen Jahr noch karger. Hat nicht nur eine Baumgrenze, sondern einen Baumgürtel. Und wir waren plötzlich vielleicht 50 Meter neben einer Steinbock-Familie. In einen Dorf habe ich noch meine Fototasche auf einer Bank liegen gelassen, war ein Zettel dort und ich konnte sie in einen Handicrap-Laden daneben abholen. Auch in Granada kann man es offenbar etwas lockerer nehmen als in Barcelona, manche legen Kameras einfach so hinter sich auf die Bar!

Gestern waren wir auf der Alhambra. Von aussen eine grosse Allerwelts-Befestigung auf einem Hügel, innen eine immense Gartenanlage mit filigranen maurischen und protzigen Antworten der Zurückeroberer. Weil sich die katholischen Könige bald mehr für Übersee interessiert hatten, hat ihr Palast halt erst seit kurzem ein Dach. Ich hatte irgendwann mal etwas genug vom verschnörkelten Pflaster, aber ich war noch nie in einem Palast der mit so vielen verschiedenen Materialien und Techniken verziert war.

Auch in der Altstadt sind viele Details mit Ornamenten verziert. In Restaurants sind viele Menüs arabisch oder orientalisch angehaucht. Es hat auch ein paar Basarstrassen und man hört oft Arabisch. Ob das Neue sind oder deren Familien die Inquisition überstanden haben?

Abgesehen von Banken ist mir noch nichts katalanisches aufgefallen. Leider auch das Brot mit Tomaten und Olivenöl nicht … Dafür sprechen sie ein sehr reflektiertes Spanisch hier, sogar Süssigkeiten verkaufen sich. O-Ton Alhambra-Schild: this part of the monument only will be able to be visited once. Und wenn man nicht restlos alle „S“ verschluckt fürchten sie man würde kein Wort verstehen. Sie würden dann natürlich nicht Englisch auspacken, sie fragen dann einfach allpott ob man sie versteht und wiederholen sich endlos. Ein Kellner hat uns auch die spanische Karte gebracht, nachdem Ste die spanische Frage ob Englisch oder Spanisch mit „ingles“ beantwortet hat 🙂

Ansonsten hat es viele Hippies und Gitarren und die Vögel zwitschern auch erst gegen abend. In der sehr freundlichen barocken Kathedrale fragt die Dame am Schalter „Jose, reisst du die Tickets ab oder soll ich?“ Jose zwei Meter daneben sich mit einer Nonne unterhaltend „nein, ich mache das!“ 😀

Klischees stimmen!

November 22, 2015 by

Es ist mal wieder Zeit zum Ausrufen oder um einen viel zitierten Mitarbeiter der Hostel Heart of Gold in Berlin zu bemühen: Klischees stimmen! Beim Putzen habe ich statt dem Kabel aus der Steckdose die Steckdose aus der Wand gezogen. Die Schrauben waren rund ein Zentimeter lang und die Hälfte davon steckte nur in der Farbe …

Und letztens im Gemüseladen ist tatsächlich ein Kunde zurück gekommen, er habe 15 cent zuwenig Rückgeld gekriegt. Dabei hat er noch so ein vorwurfsvolles Gesicht gemacht, Sonntag im Eimer. Und das bei einem von Chinesen geführten Laden, die einen ganz stolz darauf hinweisen dass bei Ihnen das Wasser mas balato ist 🙂

Apropos Schotten, Hostels und Klischees; unsere ehemalige Mitbewohnerin aus Schottland hat sich einmal mit ihrer Freundin aus Frankreich über Liebe machen im Hostel unterhalten. Sie waren sich sofort einig, dass es keine gute Idee ist — aber haben erst nach einer Weile gemerkt, dass nicht beide davon, bzw. dabei, gestört wurden 😀

Dann wäre noch unser Nachhaltigkeitsbüro am Institut. Die haben jetzt alle Birnen im Lift mit Stromsparbirnen ersetzt und die 40% Lift-Licht-Strom-Ersparnisse werden mit riesigen Postern im ganzen Haus gefeiert. Und wir spülen jetzt die Toiletten nicht mehr mit heissem Wasser. Nein, sie haben die Rohre nicht richtig verlegt, sie haben das heisse Wasser einfach abgestellt. Wer braucht schon saubere Hände in einem Labor? Dafür ist es im Moment an meinem Arbeitsplatz 27 Grad — bei beissigen, windigen vielleicht 10 draussen …

Auch bei uns im Treppenhaus haben sie die Lichtzeiten angepasst — ich schaffe es gerade noch bis in den ersten Stock … Die hätten auch besser die kaputte Birne auf unserem Stock ausgetauscht!

Kindergeburtstage sind hier übrigens auch nicht gerade erholsam für die Eltern. Die sind fast jedes Wochenende im Park und die Eltern werden dann auch erwartet. Und prügeln sich auch. Apropos Prügel, Cäsar spricht auch Katalanisch im neuen Asterix.

Dafür haben wir von unseren neuen Bürgermeisterin aus der Hausbesetzerszene etwas gemerkt. Vielleicht. Auf jeden Fall war seit sie gewählt wurde beim Kolumbus immer Basar. Mit dem Rad etwas mühsam, aber Dank Klebstreifen auf dem Boden einigermassen organisiert. Gerüchte sagen die Hafenpolizeit hätte sich wegen zuwenig Mitgliedern geziert. Und jetzt plötzlich stehen rund um die Uhr mehrere Mannschafts- und Streifenwagen rum und machen Fotos von posierenden Touristen, die keine Selfie-Sticks mehr kaufen können …

Und auch hier wird langsam Herbst, statt Schnee fallen aber nur Blätter. Verdecken die Hundescheisse auch … Der Golf sprang nach längerem rumstehen mal wieder nicht an, hat aber nur etwas Strom gebraucht. Dafür liegt der Garagist schwer krank im Spital und musste die Garage verkaufen. Ausserdem ist in den Bergen mehr Jagd- als Flugwetter. Die sind hier nicht gerade diskret unterwegs, statt Tarnfarben tragen sie orange und statt Peng machen sie Peng, Peng, Peng, Peng …

Wir haben uns dafür vom Parawaiten etwas auf das Kitewaiten verlagert und wollen in der ersten Dezemberwoche noch ein bisschen in den Süden 🙂

Abwege

September 27, 2015 by

Anfangs dachten wir noch im Frühling wäre es immer etwas veränderlicher, dann die Gewitter wären halt immer im Sommer — aber abschliessend kann man sagen, die Wochenenden-Gleitschirm-Saison war grediusä scheisse. Gezwungenermassen haben wir uns halt ein wenig aufs Yoyo-Spielen verlagert …

Und wir sind etwas ins Klettern rein gerutscht. Gestern war Ste das erste mal am Berg, Ausflug nach Montserrat mit Lorenz und einem Bergführer. Dort hat es eine Wand mit vielen Schwierigkeitsgraden. Ausserdem ist die Landschaft aus fruchtbarem roten Sand und Felsen wie riesige Termitenhügel wunderschön. Den Abend haben wir beim Perser ausklingen lassen. Offenbar gibt es dort Freitag und Samstag Abend plötzlich eine Bauchtanz-Einlage mit Discokugel. Das beste war daran das junge deutsche Paar am Nebentisch — ich habe noch nie jemand dermassen betreten Löcher in den Tisch starren sehen 😀 Und das nachdem er schon vorkosten musste, weil sie nicht geglaubt hat, dass auch serviert wurde, was sie bestellt hatte 😀

Ausserdem habe ich letztens in einer Eisdiele versucht sprechend zu bestellen, statt wie üblich mit den Fingern auf alles zu zeigen, was ich gerne hätte. Zwei 1-Liter Geschirre voll, bitte. Sie hätten nur diese 0.75L Becher. Dann halt zwei davon. Darin war dann unheimlich süsse Mandelmilch, die trotzdem noch nach Carton geschmeckt hat, statt Eis. Zum hier trinken oder mitnehmen? Zum Glück habe ich dann doch noch auf Eis gezeigt!

Immerhin wurde das miese Flieger-Wetter von rund zwei Duzend Besuchern versüsst und zumindest in den nächsten beiden Wochen geben sich noch weitere die Klinke in die Hand — vielen Dank allerseits! 🙂 Mal abgesehen davon dass es schön ist Besuch zu haben lernt man auch alte Freunde anders kennen, wenn man sie ein paar Tage um sich hat, statt sich für ein paar Stunden in einer Bar zu treffen 🙂

Und letztes Wochenende war wieder das Rock-in-Opposition Festival in Carmaux. Dieses mal haben wir noch vor der Grenze genügend getankt — sicher ist sicher! Zuverlässig wurden wir kurz nach der Grenze ganz zufällig kontrolliert, immerhin ohne Auspacken. Das Program war dieses Jahr etwas weniger Extrem und es gab keinen harten Ziegenkäse mehr, trotzdem wunderbar 🙂

Sommerloch II

Juli 14, 2015 by

Sie haben es also geschafft, Stes Vater und seine Freunde, Barcelona-Bern in rund 55 Stunden auf dem Rad! Haben erschreckend gut ausgesehen, erst beim Abendessen und nach unzähligen Bieren war die Luft draussen 😉

Der Internet-Techniker kam dafür nicht (aber die Hitzewelle blieb). Zum zweiten Mal. Immerhin hat beim diesem Termin jemand angerufen, sogar zwanzig Minuten vor dem Termin. Beim ersten Termin kam einfach keiner. Angeblich habe er am Samstag davor angerufen und weil ich nicht ran ging, kam dann einfach keine Sau. Nicht mal ein verpasster Anruf oder eine SMS. Heute kam er dann doch noch und konnte das regeln 🙂

Das beste war aber eigentlich das Vertrag-Abschliessen an sich. Ich musste zwar mit dem original Ausweis nochmal hin, aber sie haben dann meinen Namen falsch abgeschrieben, die Adresse vergeigt und irgendwie die Idee gehabt, dass ich Franzose bin. Sogar bei der Adresse haben sie Barcelona, Frankreich hingeschrieben … Umso erstaunlicher dass ich jetzt auf dem Sofa sitze 🙂

Dafür haben wir die Waschmaschine selber geflickt, aber die ist ja auch Made in Germany 😉 Man musste lediglich den Riemen wieder einhängen; so ungefähr wie beim Fahrrad die Kette. Beim ersten Waschgang hat sie noch etwas seltsam gequietscht, jetzt hat sich der Riemen aber anständig reingerangt.

Ausserdem hatte ich noch die Frechheit, an meinem Institut zwei Vorschläge zu machen, eine e-Mail wurde sogar gelesen, aber soviel Apparatschik-Abwherhaltung habe ich noch nie erlebt; weder als Repräsentant des Mittelbaus im Krieg mit den Herren Professoren in Basel, noch im Militär wo ich wegen meiner grossen Klappe trotz allen positiven Beurteilungen nie befördert wurde — überall wurde zumindest hingehört und dann vielleicht wegen praktischen Einwänden doch nichts unternommen, aber hier wird wird entweder das e-Mail nicht gelesen oder dann das Problem an der Wurzel gepackt und jegliche Argumentation völlig lächerlich in der Luft zerrissen …

Und jetzt ab in die Schweiz, die Fahrräder zurück bringen und so 🙂 Bitternötig. Endlich schlafen unter Laken statt in Lachen!

Sommerloch

Juli 9, 2015 by

Bei uns ist etwas Ruhe eingekehrt und die Hitze gibt uns den Rest. In der Wohnung bleibt es rund um die Uhr um dreissig Grad. Dafür liessen uns die Nachbarn schlafen seit Xavi mir eine sehr eloquente Notiz aufgesetzt hat, die ich dann in seriöser Schrift gedruckt im Klarsichtmäppli mit wirklich viel Panzertape an die Türe geklebt habe 🙂 Der Sommer hat aber auch Gutes, zum Beispiel Besuch. Nebem dem Erbaulichen aus der Heimat auch von Tigermücken. Die hört und sieht man nicht, ihre Stiche jucken dafür auch zehn Tage später noch als rote Flecken vor sich hin. Danke Klimawandel.

Es war auch wieder San Joan (die kürzeste Nacht, mit den heftigen Feuerwerken) und wir waren bei Tech(no)-Hippies. Die haben Pflanzen auf ihrem Balkon und weil sie nicht recht rauchen können, dachten sie die würden nicht funktionieren. Hat dann einige auf dem falschen Fuss erwischt … Die hatten dafuer umso mehr Spass am deutschen Wirtschaftsprofessoren, der total überzogen völligen Unsinn erzählt hat. Zum Beispiel dass es in der Attacama so heiss sei, weil die näher am Aequator und damit näher an der Sonne ist! Er hörte sich auch viel lieber selber zu, als sich von der Übermacht an PysikerInnen erklären zu lassen, dass Quantentheorie doch funktioniert und wie das mit dem „vor dem Urknall“ ist — der Kenner schweigt und geniesst 🙂

Wenn noch viele deutsche Ökonomen so denken sind, dann erklärt das wohl die Griechenland-Krise. Apropos, alles verscherbeln ist nicht die Krise ueberwinden! Einen Viertel des Haushalts von der EU-Förderung beziehen übrigens auch nicht, liebe „Krisenchampions“ im Baltikum, Freunde der grossen Töne 🙂 Item, hat Spanien also die seine Telefongesellschaft verschachert, die wiederum ihre ADSL-Techniker als Selbstständige outsourced und die streiken seit Februar. ADSL-Verträge kann man natürlich immer noch und ohne Warnung abschliessen; „schon abgeschickt, funktioniert morgen!“ (Ich hab ziemlich gestaunt, in der Schweiz haben wir vom Telefonsupport jeweils von zehn Arbeitstagen gesprochen). Immerhin soll nächsten Montag jemand vorbei kommen, nach gerade mal zehn Wochen (bezahlen).

Ging mit dem Flieger-Verband (wegen der Versicherung, die vom schweizer Verband ist nur noch in der Schweiz gültig, wenn man im Ausland wohnt …) etwas schneller; weil da kann man nach ein paar Wochen und unzähligen e-Mails und Telefonaten kurzerhand im Büro vorbei … Eine Stunde später hatte ich die Ausweise. Hat der Katalanisch-Kurs zum ersten mal genützt 🙂

Das Wetter war leider nicht nur zum Fliegen und so waren wir an einem Wochendende im Vall de Boi. Samstag haben wir uns die ganzen romanischen Kirchen angesehen und am Abend fand eine Art Chienbäse statt, halt etwas weniger organisiert 😉 Statt Feuerwehr oder Sanität haben einfach zwei ganz wichtige Polizisten zugeschaut. Sonntag wollten wir auf den Besiberri Nord, wegen der Aussicht. Auf der Karte fehlende Schmelzwasserflüsse haben dem recht früh einen Riegel geschoben, aber der Rest vom Aigüestortes Nationalpark war auch ganz hübsch 🙂

Zehn Jahre Pflog

Mai 22, 2015 by

Heute vor zehn Jahren haben wir hier den ersten Beitrag geschrieben 🙂 Kommt mir laenger vor. Das bedeutet auch, dass ich eine Dekade an Unis verbracht habe. Kommt mir kuerzer vor … Das ist uebrigens der 140. Eintrag. Kommt mir wiederum weniger vor.

Item, wir hatten es die Tage sehr gut, etwas streng. Obwohl wir nicht halb soviele Bars besucht haben, wie wir eigentlich wollten. Die Nachbarn haben nochmal eine Fruehmorgenparty nachgelegt. Die Waschmaschine hat wohl endgueltig den Geist aufgegeben. Der Golf noch nicht, im Moment fehlt ihm nur etwas Kuehlwasser.

Immerhin hatte ich meine erste Erfahrung mit Taschendieben, sonst haette ich gar nichts zum Schreiben. Morgens um halb zwei in einer wirklich vollen Metro. Ich Portemonaie in der Fuedlaetaschae. Sage meinen Freunden vor einem kurzen, aber geschaeftigen Halt adee, guten Moment hat er gewaehlt. Jeder muss leben, Fuedlaetaesche ist eigentlich ziemlich Neinnein und solides Handwerk schaetze ich durchaus — aber dann pfuscht er, ich merke es, drehe mich um, sehe es in seiner Hand, er wirft es weg und ich lese es wieder auf. So weit so gut, aber dann streitet er lautstark alles ab und macht ein riesen Theater. Geht gar nicht. Hat mich richtig haessig gemacht. War zu gluecklich und angetrunken fuer Hauen, aber liebe Taschendiebe: Steht doch einfach dazu!

Ich habe jetzt nur noch eine Bankkarte im Portmonaie und den Fahrausweis beim Autoschluessel. In vollen Verkehrsmitteln wechselt das Portmonaie auch Tasche (und ich erschrecke dann allpot weil es hinten fehlt). Tschuldigung fuer die kurzen Saetze. Kommt wohl von einem Geburtstagsgeschenk.

Dreissig

Mai 15, 2015 by

Der Author meines ersten katalanischen Krimis kam 1976 auf die Welt. Keine zehn Jahre aelter als ich. Junger Schnaufer, dachte ich als ich es in der Umschlagsklappe sah. Fuer vielleicht drei Sekunden, dann merkte ich, dass der quasi vierzig ist … Auch mein Ruecken meint dass ich nun ein gewisses Alter erreicht habe, wenn ich ihn mit einem Sonntag auf dem Sofa nach seiner Meinung frage 😉

Dafuer darf ich mich jetzt an Nachbarn stoeren, die uns um halb fuenf mit fuerchterlichem und fuerchterlich lautem Latino-Pop wecken. Oder am Telekom-Techniker-Streik, davon merkt man naemlich genau gar nichts — ausser man will einen neuen Internetanschluss! Entsprechend wenig wird es wohl nuetzen und entsprechend lange muessen wir wohl warten … Und Pflanzen essen. Und am Samstag Auto waschen, bis die Kabel schmoren. Zum Glueck war nicht Flugwetter, dann ist Abschleppen nicht so schlimm. Ist ja auch ein aelterer Herr, aber ich dachte er waere nur beim Treibstoff so anspruchsvoll … Item, ging letztes Wochenende wieder, mal sehen wie lang 😉

Aber eigentlich mache ich mir keinen Kopf ueber das Altern, aber manchmal durchaus ueber mein Leben. Ich habe das Gefuehl, dass man als Postdoc irgendwie zwischen dem Studenten- und einer richtigen Karriere steckt und beste aus beiden Welten kombiniert: wenig auf dem Konto, schlechter Lohn, kurze Vertraegen, dreckige WGs und dafuer auch mal ein Wochenende im Buero und auch kaum Ferien. Ausserdem klopft die Fraud-Police regelmaessig an: Waehrend ich in der Schweiz war hat eine Professorin, die richtig Software entwickelt, sich erkundigt, was ich denn als Naechstes im Sinn haette, weil die von meinen Nebenprojekt-Prograemmchen dermassen beeindruckt war und meine Berner Kollegen sprechen von „real breaktrough“ und meinen ein bisschen Vektor-Geometrie, Gymerstoff …

Egal, Auffahrt ist da zwar kein Feiertag, dafuer sind viele Freunde aus der Schweiz hier und wir werden meinen und Moerus Geburtstag nachtraeglich, bzw. puenktlich begiessen 🙂

Nächster Halt Poble Sec

April 16, 2015 by

Nun die Dusche in der Altstadt hatte zwar warmes Wasser, dafür hat es im Zimmer daneben geschimmelt. Dem „Flicken“ fiel dann der Charm der rosa Plättchen ziemlich zum Opfer, völlig unpassende weisse wurden rein gekleistert. Kleister überall, nur nicht in den Fugen, so dass dann halt beim Nachbarn unten aus der Decke getropft hat …

Wir sind jetzt nach Poble Sec, am Fuss des kleinen Hausbergs Monjuic, gezogen. Ein gemütliches Wohnquartier, da wird man gegrüsst wenn man einen Supermarkt betritt und in den kleinen Pakishops sind Hometrainer statt Aufpassern wird man irgendwann gefragt ob man Hilfe brauchen könne 🙂 Die neue Wohnung hat nun sogar in der Küche warmes Wasser 🙂 Die Wohnung gehört einer Arbeitskollegin, die nun Kinder hat und in eine grössere gezogen ist; der Klassiker hier. Auch ein Klassiker ist die ganze Tupperware, Mittagessen zur Arbeit mitnehmen tun hier sogar Müllmänner und in der Wohnung hat es davon sicher mehr als normales Geschir.

Keine jede Woche wechselnden (und meist nervenden) AirBnB-Nachbarn mehr (Ostermorgen: „Honeyyyy, did you find the screws?“ 😀 )  dafür eine arabische Mamma, deren Essen im Treppenhaus immer unglaublich lecker riecht (und die manchmal beim Frühstück mit ihrem Sohn schimpfen muss). Keine Kakerlaken, dafür kam ein Jäger zu Besuch (und Fliegen …). Keine Glocken mehr, dafür ein wenig Verkehr. Leider auch keine riesige Terrasse mehr, dafür französische Fenster (das sind die bis zum Boden) mit einem kleinen Balkon davor (Roucherschämieggeli). Dafür werden uns hier wohl nicht mehr die Wäscheklämmerli geklaut …

… und wir haben auch einen günstigen, einfachen Parkplatz für das zurückgekehrte Auto 🙂 Es geht ihm besser den je, mit dem neuen Turbo und frisch getunt hat es nochmal zehn Prozent mehr PS. Vorher hatten wir auf dem Monjuic parkiert und als wir es für die Tiefgarage abholten waren vielleicht fünfzig Meter unterhalb mehrere Wagen mit eingeschlagenen Scheiben hintereinander …

Passend  zu dieser Auferstehung sind wir Karfreitag mit meinen Eltern und Grossmutter nach Girona gefahren. Nette Altstadt, mit grossen jüdischem Viertel und bisschen Ruinen auf dem Hügel. Vielleicht etwas zusammen gewürftelt. Karfreitag prozessiert dort der Klan auch. Aber im Gegensatz zu Tarragona lassen die die Beleuchtung brennen und haben künstliche Lichter für die Statuen. Dafür haben wir Ostermontag in Sitges noch Caramelles gesehen, Männer jeden Alters, die von Tür zu Tür gehen und Osterlieder singen und Esswaren verteilen. Manche wie traditionelle Bauern verkleidet, Passanten stellen sich spontan dazu. Sternsingen verkehrt herum 🙂 Ausserdem wurden wir in dieser Begleitung in Barcelona nicht mehr von den „Beer? Cerveza? Hashish? Coke?“ Leuten angesprochen, dafür hatte mein Vater plötzlich Dreck auf der Jacke und ein freundlicher Herr wollte sofort putzen helfen 😉

Item, heute morgen habe ich also noch wegen dem Strom rumtelefonieren müssen. Habe auf die Katalanische Nummer angerufen, dann doch gefragt ob die Englisch können. „You want to speak english? One moment please.“ Fünf Minuten später „I am sorry, no one here speaks english“. Chrmpf. Also sage ich auf Katalanisch was ich will, aber die blöde Kuh antwortet natürlich Spanisch, ich versteh kein Wort, was ein Desaster. Dann ist mal eine riesen Schaumlawine aus der Waschmaschine getreten (der Deckel ist halt abgebrochen — jetzt stehen zwanzig Liter Wasser drauf …) und als ich das geputzt hatte, auf meiner dritten Fahrt mit dem Velo-Sharing hat es mich sowas von verschiffet …

Katalanisch doch noch brauchbar

April 1, 2015 by

Inspiriert von den ganzen Aprilscherzen überall hier auch was. Leider wahr. Letzte Woche konnte ich zum ersten Mal von dem halben Jahr Katalanisch-Unterricht profitieren! Ich habe nämlich den schnellsten Rechner Spaniens namens MareNostrum hier in Barcelona besucht. Obwohl hauptsächlich von Spanien finanziert und trotz der englischen Einladung zur speziel an Forscher, Unternehmer und Manager gerichteten Führung haben die nicht einmal nachgefragt, ob denn alle Katalanisch verstehen …Dafür mussten sie dann Fachbegriffe mehrmals wiederholen und ins Englische übersetzen.

Item, ich habe eigentlich alles verstanden und der Unterhaltungswert der Führung wäre sonst gelinde gesagt vernachlässigbar. Einzig dass sie nun mit Technik aus der Mobiltelefonie experimentieren fand ich interessant; davon wird mehr und somit guenstiger produziert, ausserdem ist es auf klein und wenig Stromverbrauch optimiert.

Es wurde vorallem betont, wie schnell der Supercomputer mal war — heute ist er höchstens noch als der Schönste bekannt, er wurde nämlich in einer Kapelle gebaut. Besser gesagt inszeniert, mit viel Glas, Rot und Moenchsgesaengen.

Damit sind wir quasi bei Ostern, vielleicht schaffen wir es diesesmal an den Totentanz in Verges. Das Video ist auch Katalanisch, aber ich kann es übersetzen: „Verges ist in Katalonien. Dort wird der letzte Totentanz Europas aufgeführt. Also eigentlich von der ganzen Welt. Nur noch in Katalonien. Verges ist in Katalonien. Dort … Europas, nein der ganzen Welt … Katalonien … “

Überigens, im Katalanisch-Unterricht kam eine neue Schülerin dazu … Die korrigiert ihre spanische Begrüssung beim Betretten des Zimmers sofort mit einer „richtigen“ — obwohl der Lehrer noch nicht mal da ist! Dabei haben jetzt endlich alle übermotivierten Mamis aufgegeben …