Abwege

September 27, 2015 by

Anfangs dachten wir noch im Frühling wäre es immer etwas veränderlicher, dann die Gewitter wären halt immer im Sommer — aber abschliessend kann man sagen, die Wochenenden-Gleitschirm-Saison war grediusä scheisse. Gezwungenermassen haben wir uns halt ein wenig aufs Yoyo-Spielen verlagert …

Und wir sind etwas ins Klettern rein gerutscht. Gestern war Ste das erste mal am Berg, Ausflug nach Montserrat mit Lorenz und einem Bergführer. Dort hat es eine Wand mit vielen Schwierigkeitsgraden. Ausserdem ist die Landschaft aus fruchtbarem roten Sand und Felsen wie riesige Termitenhügel wunderschön. Den Abend haben wir beim Perser ausklingen lassen. Offenbar gibt es dort Freitag und Samstag Abend plötzlich eine Bauchtanz-Einlage mit Discokugel. Das beste war daran das junge deutsche Paar am Nebentisch — ich habe noch nie jemand dermassen betreten Löcher in den Tisch starren sehen 😀 Und das nachdem er schon vorkosten musste, weil sie nicht geglaubt hat, dass auch serviert wurde, was sie bestellt hatte 😀

Ausserdem habe ich letztens in einer Eisdiele versucht sprechend zu bestellen, statt wie üblich mit den Fingern auf alles zu zeigen, was ich gerne hätte. Zwei 1-Liter Geschirre voll, bitte. Sie hätten nur diese 0.75L Becher. Dann halt zwei davon. Darin war dann unheimlich süsse Mandelmilch, die trotzdem noch nach Carton geschmeckt hat, statt Eis. Zum hier trinken oder mitnehmen? Zum Glück habe ich dann doch noch auf Eis gezeigt!

Immerhin wurde das miese Flieger-Wetter von rund zwei Duzend Besuchern versüsst und zumindest in den nächsten beiden Wochen geben sich noch weitere die Klinke in die Hand — vielen Dank allerseits! 🙂 Mal abgesehen davon dass es schön ist Besuch zu haben lernt man auch alte Freunde anders kennen, wenn man sie ein paar Tage um sich hat, statt sich für ein paar Stunden in einer Bar zu treffen 🙂

Und letztes Wochenende war wieder das Rock-in-Opposition Festival in Carmaux. Dieses mal haben wir noch vor der Grenze genügend getankt — sicher ist sicher! Zuverlässig wurden wir kurz nach der Grenze ganz zufällig kontrolliert, immerhin ohne Auspacken. Das Program war dieses Jahr etwas weniger Extrem und es gab keinen harten Ziegenkäse mehr, trotzdem wunderbar 🙂

Sommerloch II

Juli 14, 2015 by

Sie haben es also geschafft, Stes Vater und seine Freunde, Barcelona-Bern in rund 55 Stunden auf dem Rad! Haben erschreckend gut ausgesehen, erst beim Abendessen und nach unzähligen Bieren war die Luft draussen 😉

Der Internet-Techniker kam dafür nicht (aber die Hitzewelle blieb). Zum zweiten Mal. Immerhin hat beim diesem Termin jemand angerufen, sogar zwanzig Minuten vor dem Termin. Beim ersten Termin kam einfach keiner. Angeblich habe er am Samstag davor angerufen und weil ich nicht ran ging, kam dann einfach keine Sau. Nicht mal ein verpasster Anruf oder eine SMS. Heute kam er dann doch noch und konnte das regeln 🙂

Das beste war aber eigentlich das Vertrag-Abschliessen an sich. Ich musste zwar mit dem original Ausweis nochmal hin, aber sie haben dann meinen Namen falsch abgeschrieben, die Adresse vergeigt und irgendwie die Idee gehabt, dass ich Franzose bin. Sogar bei der Adresse haben sie Barcelona, Frankreich hingeschrieben … Umso erstaunlicher dass ich jetzt auf dem Sofa sitze 🙂

Dafür haben wir die Waschmaschine selber geflickt, aber die ist ja auch Made in Germany 😉 Man musste lediglich den Riemen wieder einhängen; so ungefähr wie beim Fahrrad die Kette. Beim ersten Waschgang hat sie noch etwas seltsam gequietscht, jetzt hat sich der Riemen aber anständig reingerangt.

Ausserdem hatte ich noch die Frechheit, an meinem Institut zwei Vorschläge zu machen, eine e-Mail wurde sogar gelesen, aber soviel Apparatschik-Abwherhaltung habe ich noch nie erlebt; weder als Repräsentant des Mittelbaus im Krieg mit den Herren Professoren in Basel, noch im Militär wo ich wegen meiner grossen Klappe trotz allen positiven Beurteilungen nie befördert wurde — überall wurde zumindest hingehört und dann vielleicht wegen praktischen Einwänden doch nichts unternommen, aber hier wird wird entweder das e-Mail nicht gelesen oder dann das Problem an der Wurzel gepackt und jegliche Argumentation völlig lächerlich in der Luft zerrissen …

Und jetzt ab in die Schweiz, die Fahrräder zurück bringen und so 🙂 Bitternötig. Endlich schlafen unter Laken statt in Lachen!

Sommerloch

Juli 9, 2015 by

Bei uns ist etwas Ruhe eingekehrt und die Hitze gibt uns den Rest. In der Wohnung bleibt es rund um die Uhr um dreissig Grad. Dafür liessen uns die Nachbarn schlafen seit Xavi mir eine sehr eloquente Notiz aufgesetzt hat, die ich dann in seriöser Schrift gedruckt im Klarsichtmäppli mit wirklich viel Panzertape an die Türe geklebt habe 🙂 Der Sommer hat aber auch Gutes, zum Beispiel Besuch. Nebem dem Erbaulichen aus der Heimat auch von Tigermücken. Die hört und sieht man nicht, ihre Stiche jucken dafür auch zehn Tage später noch als rote Flecken vor sich hin. Danke Klimawandel.

Es war auch wieder San Joan (die kürzeste Nacht, mit den heftigen Feuerwerken) und wir waren bei Tech(no)-Hippies. Die haben Pflanzen auf ihrem Balkon und weil sie nicht recht rauchen können, dachten sie die würden nicht funktionieren. Hat dann einige auf dem falschen Fuss erwischt … Die hatten dafuer umso mehr Spass am deutschen Wirtschaftsprofessoren, der total überzogen völligen Unsinn erzählt hat. Zum Beispiel dass es in der Attacama so heiss sei, weil die näher am Aequator und damit näher an der Sonne ist! Er hörte sich auch viel lieber selber zu, als sich von der Übermacht an PysikerInnen erklären zu lassen, dass Quantentheorie doch funktioniert und wie das mit dem „vor dem Urknall“ ist — der Kenner schweigt und geniesst 🙂

Wenn noch viele deutsche Ökonomen so denken sind, dann erklärt das wohl die Griechenland-Krise. Apropos, alles verscherbeln ist nicht die Krise ueberwinden! Einen Viertel des Haushalts von der EU-Förderung beziehen übrigens auch nicht, liebe „Krisenchampions“ im Baltikum, Freunde der grossen Töne 🙂 Item, hat Spanien also die seine Telefongesellschaft verschachert, die wiederum ihre ADSL-Techniker als Selbstständige outsourced und die streiken seit Februar. ADSL-Verträge kann man natürlich immer noch und ohne Warnung abschliessen; „schon abgeschickt, funktioniert morgen!“ (Ich hab ziemlich gestaunt, in der Schweiz haben wir vom Telefonsupport jeweils von zehn Arbeitstagen gesprochen). Immerhin soll nächsten Montag jemand vorbei kommen, nach gerade mal zehn Wochen (bezahlen).

Ging mit dem Flieger-Verband (wegen der Versicherung, die vom schweizer Verband ist nur noch in der Schweiz gültig, wenn man im Ausland wohnt …) etwas schneller; weil da kann man nach ein paar Wochen und unzähligen e-Mails und Telefonaten kurzerhand im Büro vorbei … Eine Stunde später hatte ich die Ausweise. Hat der Katalanisch-Kurs zum ersten mal genützt 🙂

Das Wetter war leider nicht nur zum Fliegen und so waren wir an einem Wochendende im Vall de Boi. Samstag haben wir uns die ganzen romanischen Kirchen angesehen und am Abend fand eine Art Chienbäse statt, halt etwas weniger organisiert 😉 Statt Feuerwehr oder Sanität haben einfach zwei ganz wichtige Polizisten zugeschaut. Sonntag wollten wir auf den Besiberri Nord, wegen der Aussicht. Auf der Karte fehlende Schmelzwasserflüsse haben dem recht früh einen Riegel geschoben, aber der Rest vom Aigüestortes Nationalpark war auch ganz hübsch 🙂

Zehn Jahre Pflog

Mai 22, 2015 by

Heute vor zehn Jahren haben wir hier den ersten Beitrag geschrieben 🙂 Kommt mir laenger vor. Das bedeutet auch, dass ich eine Dekade an Unis verbracht habe. Kommt mir kuerzer vor … Das ist uebrigens der 140. Eintrag. Kommt mir wiederum weniger vor.

Item, wir hatten es die Tage sehr gut, etwas streng. Obwohl wir nicht halb soviele Bars besucht haben, wie wir eigentlich wollten. Die Nachbarn haben nochmal eine Fruehmorgenparty nachgelegt. Die Waschmaschine hat wohl endgueltig den Geist aufgegeben. Der Golf noch nicht, im Moment fehlt ihm nur etwas Kuehlwasser.

Immerhin hatte ich meine erste Erfahrung mit Taschendieben, sonst haette ich gar nichts zum Schreiben. Morgens um halb zwei in einer wirklich vollen Metro. Ich Portemonaie in der Fuedlaetaschae. Sage meinen Freunden vor einem kurzen, aber geschaeftigen Halt adee, guten Moment hat er gewaehlt. Jeder muss leben, Fuedlaetaesche ist eigentlich ziemlich Neinnein und solides Handwerk schaetze ich durchaus — aber dann pfuscht er, ich merke es, drehe mich um, sehe es in seiner Hand, er wirft es weg und ich lese es wieder auf. So weit so gut, aber dann streitet er lautstark alles ab und macht ein riesen Theater. Geht gar nicht. Hat mich richtig haessig gemacht. War zu gluecklich und angetrunken fuer Hauen, aber liebe Taschendiebe: Steht doch einfach dazu!

Ich habe jetzt nur noch eine Bankkarte im Portmonaie und den Fahrausweis beim Autoschluessel. In vollen Verkehrsmitteln wechselt das Portmonaie auch Tasche (und ich erschrecke dann allpot weil es hinten fehlt). Tschuldigung fuer die kurzen Saetze. Kommt wohl von einem Geburtstagsgeschenk.

Dreissig

Mai 15, 2015 by

Der Author meines ersten katalanischen Krimis kam 1976 auf die Welt. Keine zehn Jahre aelter als ich. Junger Schnaufer, dachte ich als ich es in der Umschlagsklappe sah. Fuer vielleicht drei Sekunden, dann merkte ich, dass der quasi vierzig ist … Auch mein Ruecken meint dass ich nun ein gewisses Alter erreicht habe, wenn ich ihn mit einem Sonntag auf dem Sofa nach seiner Meinung frage 😉

Dafuer darf ich mich jetzt an Nachbarn stoeren, die uns um halb fuenf mit fuerchterlichem und fuerchterlich lautem Latino-Pop wecken. Oder am Telekom-Techniker-Streik, davon merkt man naemlich genau gar nichts — ausser man will einen neuen Internetanschluss! Entsprechend wenig wird es wohl nuetzen und entsprechend lange muessen wir wohl warten … Und Pflanzen essen. Und am Samstag Auto waschen, bis die Kabel schmoren. Zum Glueck war nicht Flugwetter, dann ist Abschleppen nicht so schlimm. Ist ja auch ein aelterer Herr, aber ich dachte er waere nur beim Treibstoff so anspruchsvoll … Item, ging letztes Wochenende wieder, mal sehen wie lang 😉

Aber eigentlich mache ich mir keinen Kopf ueber das Altern, aber manchmal durchaus ueber mein Leben. Ich habe das Gefuehl, dass man als Postdoc irgendwie zwischen dem Studenten- und einer richtigen Karriere steckt und beste aus beiden Welten kombiniert: wenig auf dem Konto, schlechter Lohn, kurze Vertraegen, dreckige WGs und dafuer auch mal ein Wochenende im Buero und auch kaum Ferien. Ausserdem klopft die Fraud-Police regelmaessig an: Waehrend ich in der Schweiz war hat eine Professorin, die richtig Software entwickelt, sich erkundigt, was ich denn als Naechstes im Sinn haette, weil die von meinen Nebenprojekt-Prograemmchen dermassen beeindruckt war und meine Berner Kollegen sprechen von „real breaktrough“ und meinen ein bisschen Vektor-Geometrie, Gymerstoff …

Egal, Auffahrt ist da zwar kein Feiertag, dafuer sind viele Freunde aus der Schweiz hier und wir werden meinen und Moerus Geburtstag nachtraeglich, bzw. puenktlich begiessen 🙂

Nächster Halt Poble Sec

April 16, 2015 by

Nun die Dusche in der Altstadt hatte zwar warmes Wasser, dafür hat es im Zimmer daneben geschimmelt. Dem „Flicken“ fiel dann der Charm der rosa Plättchen ziemlich zum Opfer, völlig unpassende weisse wurden rein gekleistert. Kleister überall, nur nicht in den Fugen, so dass dann halt beim Nachbarn unten aus der Decke getropft hat …

Wir sind jetzt nach Poble Sec, am Fuss des kleinen Hausbergs Monjuic, gezogen. Ein gemütliches Wohnquartier, da wird man gegrüsst wenn man einen Supermarkt betritt und in den kleinen Pakishops sind Hometrainer statt Aufpassern wird man irgendwann gefragt ob man Hilfe brauchen könne 🙂 Die neue Wohnung hat nun sogar in der Küche warmes Wasser 🙂 Die Wohnung gehört einer Arbeitskollegin, die nun Kinder hat und in eine grössere gezogen ist; der Klassiker hier. Auch ein Klassiker ist die ganze Tupperware, Mittagessen zur Arbeit mitnehmen tun hier sogar Müllmänner und in der Wohnung hat es davon sicher mehr als normales Geschir.

Keine jede Woche wechselnden (und meist nervenden) AirBnB-Nachbarn mehr (Ostermorgen: „Honeyyyy, did you find the screws?“ 😀 )  dafür eine arabische Mamma, deren Essen im Treppenhaus immer unglaublich lecker riecht (und die manchmal beim Frühstück mit ihrem Sohn schimpfen muss). Keine Kakerlaken, dafür kam ein Jäger zu Besuch (und Fliegen …). Keine Glocken mehr, dafür ein wenig Verkehr. Leider auch keine riesige Terrasse mehr, dafür französische Fenster (das sind die bis zum Boden) mit einem kleinen Balkon davor (Roucherschämieggeli). Dafür werden uns hier wohl nicht mehr die Wäscheklämmerli geklaut …

… und wir haben auch einen günstigen, einfachen Parkplatz für das zurückgekehrte Auto 🙂 Es geht ihm besser den je, mit dem neuen Turbo und frisch getunt hat es nochmal zehn Prozent mehr PS. Vorher hatten wir auf dem Monjuic parkiert und als wir es für die Tiefgarage abholten waren vielleicht fünfzig Meter unterhalb mehrere Wagen mit eingeschlagenen Scheiben hintereinander …

Passend  zu dieser Auferstehung sind wir Karfreitag mit meinen Eltern und Grossmutter nach Girona gefahren. Nette Altstadt, mit grossen jüdischem Viertel und bisschen Ruinen auf dem Hügel. Vielleicht etwas zusammen gewürftelt. Karfreitag prozessiert dort der Klan auch. Aber im Gegensatz zu Tarragona lassen die die Beleuchtung brennen und haben künstliche Lichter für die Statuen. Dafür haben wir Ostermontag in Sitges noch Caramelles gesehen, Männer jeden Alters, die von Tür zu Tür gehen und Osterlieder singen und Esswaren verteilen. Manche wie traditionelle Bauern verkleidet, Passanten stellen sich spontan dazu. Sternsingen verkehrt herum 🙂 Ausserdem wurden wir in dieser Begleitung in Barcelona nicht mehr von den „Beer? Cerveza? Hashish? Coke?“ Leuten angesprochen, dafür hatte mein Vater plötzlich Dreck auf der Jacke und ein freundlicher Herr wollte sofort putzen helfen 😉

Item, heute morgen habe ich also noch wegen dem Strom rumtelefonieren müssen. Habe auf die Katalanische Nummer angerufen, dann doch gefragt ob die Englisch können. „You want to speak english? One moment please.“ Fünf Minuten später „I am sorry, no one here speaks english“. Chrmpf. Also sage ich auf Katalanisch was ich will, aber die blöde Kuh antwortet natürlich Spanisch, ich versteh kein Wort, was ein Desaster. Dann ist mal eine riesen Schaumlawine aus der Waschmaschine getreten (der Deckel ist halt abgebrochen — jetzt stehen zwanzig Liter Wasser drauf …) und als ich das geputzt hatte, auf meiner dritten Fahrt mit dem Velo-Sharing hat es mich sowas von verschiffet …

Katalanisch doch noch brauchbar

April 1, 2015 by

Inspiriert von den ganzen Aprilscherzen überall hier auch was. Leider wahr. Letzte Woche konnte ich zum ersten Mal von dem halben Jahr Katalanisch-Unterricht profitieren! Ich habe nämlich den schnellsten Rechner Spaniens namens MareNostrum hier in Barcelona besucht. Obwohl hauptsächlich von Spanien finanziert und trotz der englischen Einladung zur speziel an Forscher, Unternehmer und Manager gerichteten Führung haben die nicht einmal nachgefragt, ob denn alle Katalanisch verstehen …Dafür mussten sie dann Fachbegriffe mehrmals wiederholen und ins Englische übersetzen.

Item, ich habe eigentlich alles verstanden und der Unterhaltungswert der Führung wäre sonst gelinde gesagt vernachlässigbar. Einzig dass sie nun mit Technik aus der Mobiltelefonie experimentieren fand ich interessant; davon wird mehr und somit guenstiger produziert, ausserdem ist es auf klein und wenig Stromverbrauch optimiert.

Es wurde vorallem betont, wie schnell der Supercomputer mal war — heute ist er höchstens noch als der Schönste bekannt, er wurde nämlich in einer Kapelle gebaut. Besser gesagt inszeniert, mit viel Glas, Rot und Moenchsgesaengen.

Damit sind wir quasi bei Ostern, vielleicht schaffen wir es diesesmal an den Totentanz in Verges. Das Video ist auch Katalanisch, aber ich kann es übersetzen: „Verges ist in Katalonien. Dort wird der letzte Totentanz Europas aufgeführt. Also eigentlich von der ganzen Welt. Nur noch in Katalonien. Verges ist in Katalonien. Dort … Europas, nein der ganzen Welt … Katalonien … “

Überigens, im Katalanisch-Unterricht kam eine neue Schülerin dazu … Die korrigiert ihre spanische Begrüssung beim Betretten des Zimmers sofort mit einer „richtigen“ — obwohl der Lehrer noch nicht mal da ist! Dabei haben jetzt endlich alle übermotivierten Mamis aufgegeben …

Das erste Jahr

März 11, 2015 by

Heute vor einem Jahr bin ich in Barcelona angekommen. Zeit für ein wenig Sentimentales 🙂

Greyerzer

Den Golf zum Beispiel. War nicht nur der Turbo. Der ganze Motor war hinüber. Sorry fuer den Cliffhanger, war nicht extra, sondern Verdrängen.

Reparieren koste fast soviel wie einer „neuer“ oder ich überlasse ihn dem Händler, er schaue mit dem Schrottplatz und den Papieren. Habe mich für die zweite, bequeme Variante entschieden. Letztens habe ich nachgefragt ob alles geklappt habe. Hat es. Ich muss für letztes Jahr keine Steuern zahlen und kann den Wagen nächste Woche mit neuem Motor Probe fahren 😉 Für denselben Preis wie letztes mal gehört er wieder mir, der Treuhänder ginge dieses mal sogar auf die Garage. Dann bräuchte ich auch keine neue Versicherung, wüsste einigermassen wie der Hase läuft und einen Service habe ich auch gespart 😉

Oder Skifahren. Wenn es hart kommt kann man gemütlich mit dem Zug für einen Tag nach La Molina. Anständig grosses Gebiet, leider auch unanständig flach. Oder mit dem Bus ein Wochenende nach Andorra. Immerhin sind dort die roten Pisten nicht mehr schwarz — aber immer noch flach. Anstehen muss man eigentlich nie — dafür viele Bojen umfahren. Und vom Lift aus werden nicht nur Stuerzende ausgelacht wie zuhause, es gibt auch Applaus fuer Pirouetten 🙂

Andorra hat aber eine wunderschöne Landschaft, leider auch ziemlich verwallist. Bei dem All-Inclusive-Angebot wurden wir in einer Duty-Free-Mall mit Hotel im 70er James-Bond-Ferienheim-Stil untergebracht. Das Essen war auch so, geniessbar und währschaft 😉

Aber es ist ja wieder Frühling, die Einheimischen grillieren Zwiebeln, Touristen grillieren sich in Badkleidern, man riecht wieder das Meer und kann Glace essen. Ich könnte es unterdessen auch in Katalanisch bestellen, wenn es denn jemand verstehen wollte — sobald die merken dass es nicht meine Muttersprache ist wechseln alle auf Spanisch und ich auf Zeichen … Lesen geht besser. Weil die Roman Noir Autoren immer so poetisch und philosophisch werden wenn es ums Sterben geht verstehe ich zwar nicht alle Details — aber im Gegensatz zum ersten Krimi auf Franz habe ich den Mord mitgekriegt 😀

Ausserdem wird wieder gefestet. Letztens nicht nur mit den Castells, den Menschentürmen, sondern auch mit Falcons, auch so Menschentürme. Aber etwas gaaaanz anderes. Komplett anders. Hat der Kommentator immer wieder gesagt und wenn man genau schaut, sieht man es auch, die stehen sich nicht nur auf die Schultern, sondern manchmal auch auf den Rücken!

PRBB

Wir werden wohl auch noch Gelegenheit kriegen, die feineren Unterschiede schätzen zu lernen, Ste fängt nämlich im April ihr Postdoc an, mit Marie-Curie-Stipendium und Vertrag über drei Jahre. Damit bin ich quasi zur Spielerfrau degradiert worden — kann ja dann bei Shakira anklopfen, wenn ich damit nicht mehr klar komme 😉

Tote Stadt

Januar 18, 2015 by

Es ist zwar nochmal eine Kutte kälter, aber das erste Quartierfest steht auf dem Programm. Mit Bier- und Weinfestival, ist wesentlich besser verträglich, wenn einen nach wenigen Stunden so richtig friert 😉 Trotz Krise gibt es offenbar viel weniger Schnäppchenjäger als Weihnachtsshopper und die Stadt gehört wieder den ständigen Bewohnern. Leer sind die engen Gassen der Altstadt halt doch am schönsten 🙂

Passend hat gestern ein kleiner, aber öffentlicher Sender den Dokumentarfilm Cituat Morta (Tote Stadt) ausgestrahlt. Am 4. Februar 2006 wurde im Zuge der Auflösung einer Party in einem seit 2000 besetzten Theater ein Polizist schwer verletzt. In einer ersten offiziellen Version wurde er ohne Helm von einem Blumentopf getroffen, der von einem Dach herunter geschmissen wurde. In einem Video von der Szene hört man Polizisten nach Helmen schreien. In einer zweiten offiziellen Version wurde der Polizist von einem geworfenen Stein getroffen. Obwohl diese Version vom Gerichtsmediziner völlig ausgeschlossen wird, wurden fünf Junge für diese Tat verurteilt — durch alle spanischen Instanzen. Drei davon wurden in der Strasse verhaftet, die noch vor der Beweisaufnahme geputzt wurde. Die beiden anderen wurden im Spital von Polizisten angeblich wieder erkannt, wo die ersten drei nach dem Verhör übel zugerichtet verarztet werden mussten. Die beiden waren von einer Ambulanz inklusive Velo von Velounfall aus einem anderen Stadtteil ins Spital gebracht worden. Eine der beiden hat sich während dem Vollzug umgebracht.

Da sich niemand von der offiziellen Seite im Film äussern wollte, ist er vielleicht tendenziös. Hinter der Kulisse tut das offizielle Barcelona aber alles für die Glaubwürdigkeit: Zwei der beteiligten Polizisten sind unterdessen wegen Folter in einem anderen Fall verurteilt wurden. Es hat den Sohn eines Diplomaten gebraucht. Dasselbe Spital hat ihnen jedoch Arbeitsunfähigkeit bescheinigt und sie werden bis an ihr Lebensende eine gute Rente geniessen. Ein Gespräch zwischen dem Informationsoffizier und einem Richter musste auf richterliche Anordnung zensiert werden. Die Gewerkschaft dieser Truppe mit Imageproblem hat gestern den Tweet „Ein guter Tag zum ins Kino gehen. Wobei wenn ihr Fantasie mögt hat C33 [der Sender] genug.“ abgesetzt, zwischen Bildern von ihren Mitgliedern, die stramm stehend für mehr Respekt ihnen gegenüber demonstrieren. Ausserdem hat Spanien die Weihnachtszeit genutzt, um Demonstrationsgesetze massiv zu verschärfen.

Schönes neues Jahr allerseits!

Weihnachten

Dezember 24, 2014 by

Die Wäsche will zwar nicht mehr recht trocknen (nimmt nur immer mehr Fischaroma an), aber draussen ist es immer noch gut zehn Grad. Drinnen leider auch. Dafür mit echtem Weihnachtsbaum. Wir konnten unsere Mitbewohner auch fast von anständigen Kerzen überzeugen … Gibt es scheints ausserhalb von Österreich und der Schweiz nicht. Hat auch keiner einen Feuerlöscher zuhause, und wenn man fragt wo es das gibt fragen alle nur wozu? Die Elektroinstallationen sind ja wie neu, gekocht wird mit Gas und geheizt mit kleinen Öfen. Was war eigentlich der Elektriker von Beruf? Die Feuerwehr ist ja auch nur ein paar (tausend, verwinkelte) Ecken weg und der am Telefon versteht garantiert Spanisch. Oder Katalanisch.

Ansonsten ist die Dekoration recht mager, am Institut und im Rest vom Haus gar nichts. Barcelona spielt ganz vorne bei der geschmacklosesten Beleuchtung überhaupt mit. Ausser am einen Markt, da haben sie ganz liebevoll einen halben Meter Lichterketten um die Pfosten gewickelt, wie Nato-Draht … Auch abgsehen von der Dekoration will nicht wirklich Adventsstimmung aufkommen. Es ist weder kalt noch dunkel. Zusaetzlich ist man sich Barcelona im Dunkeln auch ganz gut gewohnt …

Hmhm

Trotzdem ist die Stadt voller (Einkaufs-)Touristen. Wohl hauptsächlich aus dem Umland und die sind sich auch nicht zu doof um einen ganzen Block an zu stehen für ein paar vergünstigte Takeaway-Nudeln am Blackfriday. Weil Strand nicht doch nicht mehr ganz so attraktiv ist, sieht man oft nicht über die Strasse, an der wir leben. Und die ist gerade mal drei Meter breit … Besonders gäbig wenn man noch ein Ikea-Gestell dabei hat.

Item, Mandarinli sind hier herrlich, aber spanische Nüssli kaum zu finden. Weihnachtsgüetzi sowieso nicht, nicht mal Zutaten wie gemahlene Nüsse oder Puderzucker (so verzweifelt sind wir …). Immerhin Grittibänze haben wir halt selber gebacken und mit Kollegen ein anständiges Chlouseznacht gemacht 🙂

Dafür sind hier Krippen angesagt. Und zwar realistische, was bedeutet dass auch immer einer am Scheissen ist. Der hat sogar einen Namen, Caganer. Sei auch ein Symbol für den Zyklus des Lebens und Dünger. Neuerdings ist auch einer am Seyken, der Pixaner. Dann gibts noch den Cagatio, ein Holzklotz, der in der Adventszeit brav zugedeckt und gefüttert wird. Nur um in dann am Dreikönigstag mit einem Stock zu verprügeln, bis er die Geschenke (oder eine graue Süssigkeit, das Pendant zur Rute) scheisst. Eingen Guten wünscht man sich mit menja bé, caga fort i no tinguis por a la mort!“ (‚Iss gut, scheiss kräftig und fürchte dich nicht vor dem Tod!‘).

Mit meinem Katalanisch-Kurs läuft es übrigens auch langsam besser; sprich ich muss nicht mehr jedesmal eine Stunde spazieren gehen um mich zu beruhigen. Nichts macht einen Sprachkurs unerträglicher als eine Horde übermotivierter Jungmütter, die jeden Scheiss super finden … Wir sind auch nicht mehr bei Verwandschaftsgraden, die ich nicht mal auf Berndeutsch kenne. Putzen und Sternzeichen sind zwar auch nicht viel alltagstauglichere Themen (merke ich jeweils, wenn ich nicht auf Englisch erzählen kann, was wir gelernt haben), aber führen zu erstaunlich lustigen Lektionen in der kleinen Gruppe 🙂

Und Weihnachtsessen sind des Weiteren auch angesagt. Mit unterirdischen Präsentationen. Unser Direktor hat Zahlen präsentiert, Demografie und so — obwohl die kurz davor per e-Mail kamen. Und der CEO hat ein gutes Duzend CAPSLOCK-SLIDES runter gelesen. Erst haben alle gelacht, dann wurde uns klar: die meint das ernst! Ihr Englisch ist aller Exzellenz zum Trotz dermassen schlecht, dass man sie ohne Folien schlicht nicht verstanden hätte. Kann auch nicht schaden. Tapas und Ente waren aber vorzüglich. Zum Dessert gab es erst ein ewig langes Lotto — das Weihnachtslotto Spaniens ist wohl das Grösste der Welt, ebenfalls mit unheimlich vielen Preisen und die werden dann noch aufgeteilt — und den traditionellen Dance-your-Lab-Videobewerb. Wäre unsere Gruppe nicht etwas hinten gehockt hätten wir mit unserer Loituma-Version glatt gewonnen 🙂 Die wollten drum gerecht sein und hatten einen Schallpegelmesser auf der Bühne … In diesem Sinne frohe Festtage!