Posts Tagged ‘Andalusien’

Weisse Städtchen

Dezember 6, 2015

Die letzten Tage sind wir kreuz und quer durch die andalusische Pampa gefahren. Da wechseln sich Dünen, Herbstwälder, Olivenbäume, Nadelwälder und karge Felsen ab, unglaublich. Die Wälder sind fast alle eingezäunten Jagdreviere oder Freiland-Schweinezuchten. Dazwischen viele weiße Ortschaften, alle sehr heraus gepützerlt. Besonders schön ist die Landschaft um das Bergdorf Grazalema. Dort scheinen sie auch Gras zu verkaufen, auf jeden Fall haben wir zwei Jungen aus einem deutschen Strafprojekt dorthin mitgenommen. Auch der Rest ist übrigens ziemlich in deutscher Hand.

Übernachtet haben wir in Ronda, dort gibt es eine Brücke über eine Schlucht, guten Weissen und Stierkampf; dann in Zahara de los Atunes, dort haben wir fünf verschiedene Stückchen Thunfisch gegessen; und in Cadiz, mit feinem Roten, frittierten Fischen und fast soviel Flamenco wie Stierkampf.

Cadiz gilt als Mini-Havanna und ist nicht nur weiß und etwas weniger gepützerlt, dafür hat es unzählige Friseure. Ich hatte dort einen großartigen Auftritt auf dem Kirchturm. Sechzehn vor vier habe ich mir langsam die Ohren zu gehalten. Und genau als mich zwei Frauen völlig entgeistert gemustert haben, ging das Geläute los, die beiden sind in die Luft gesprungen, haben geschrien und sind davon gestoben 😀

Oberhalb von Cadiz ist das Naturschutzgebiet Doñana. Verschiedenste Möwen und Hirsche, wandernde Dünen, Wälder und ein riesiger Fluss, von wo Kolumbus los fuhr. Offenbar alles sehr niedlich, dauert ein Momentito von fünfzehn Minutitos, immer mit Cuidadito (Vorsichtchen) und hasta luegito 🙂 Im Süden sprechen sie dafür wie Chtis, tambieng und so.

Unterdessen sind wir in Sevilla und morgen fahren wir nach Córdoba, bevor wir Dienstag heim müssen.

Granada

Dezember 1, 2015

Wir wollten zwar noch etwas an die Wärme, aber Granada ist auf 700 M.ü.M. Dafür kriegen wir viel herbstliche Stimmungen ab, kommt in Barcelona viel zu kurz. Herbst mit Kakteen zwischen den farbigen Bäumen und der weissen Altstadt ist aber auch recht speziell.

Vorgestern fuhren wir gleich wieder raus, in die Sierra Nevada. Ein sanftes Gebirge mit Aussicht aufs Meer (und paar Zacken von Afrika manchmal), ist wohl in einem normalen Jahr noch karger. Hat nicht nur eine Baumgrenze, sondern einen Baumgürtel. Und wir waren plötzlich vielleicht 50 Meter neben einer Steinbock-Familie. In einen Dorf habe ich noch meine Fototasche auf einer Bank liegen gelassen, war ein Zettel dort und ich konnte sie in einen Handicrap-Laden daneben abholen. Auch in Granada kann man es offenbar etwas lockerer nehmen als in Barcelona, manche legen Kameras einfach so hinter sich auf die Bar!

Gestern waren wir auf der Alhambra. Von aussen eine grosse Allerwelts-Befestigung auf einem Hügel, innen eine immense Gartenanlage mit filigranen maurischen und protzigen Antworten der Zurückeroberer. Weil sich die katholischen Könige bald mehr für Übersee interessiert hatten, hat ihr Palast halt erst seit kurzem ein Dach. Ich hatte irgendwann mal etwas genug vom verschnörkelten Pflaster, aber ich war noch nie in einem Palast der mit so vielen verschiedenen Materialien und Techniken verziert war.

Auch in der Altstadt sind viele Details mit Ornamenten verziert. In Restaurants sind viele Menüs arabisch oder orientalisch angehaucht. Es hat auch ein paar Basarstrassen und man hört oft Arabisch. Ob das Neue sind oder deren Familien die Inquisition überstanden haben?

Abgesehen von Banken ist mir noch nichts katalanisches aufgefallen. Leider auch das Brot mit Tomaten und Olivenöl nicht … Dafür sprechen sie ein sehr reflektiertes Spanisch hier, sogar Süssigkeiten verkaufen sich. O-Ton Alhambra-Schild: this part of the monument only will be able to be visited once. Und wenn man nicht restlos alle „S“ verschluckt fürchten sie man würde kein Wort verstehen. Sie würden dann natürlich nicht Englisch auspacken, sie fragen dann einfach allpott ob man sie versteht und wiederholen sich endlos. Ein Kellner hat uns auch die spanische Karte gebracht, nachdem Ste die spanische Frage ob Englisch oder Spanisch mit „ingles“ beantwortet hat 🙂

Ansonsten hat es viele Hippies und Gitarren und die Vögel zwitschern auch erst gegen abend. In der sehr freundlichen barocken Kathedrale fragt die Dame am Schalter „Jose, reisst du die Tickets ab oder soll ich?“ Jose zwei Meter daneben sich mit einer Nonne unterhaltend „nein, ich mache das!“ 😀