Posts Tagged ‘Balkan’

Butrint

August 5, 2008

Auch nach Saranda bin ich gleitig gekommen. Ein Taxifahrer wollte mich zwar für sein Taxi begeistern, er wäre schneller dort. Aber da kam bald ein Minibus und der ist gerast was das Zeug hält, egal wieviel die Kinder geheult und gekotzt haben …
In Saranda gibt es ausser Blöcken in allen Bauphasen und lokalem Strandtourismus nicht viel zu sehen, die Sehenswürdigkeiten liegen ausserhalb. Seit kurzem gibt es auch eine Herberge, aber Reisende aus Spanien haben sie erfolglos gesucht und mir dann ein günstiges, nicht zu verfehlendes Hotel empfohlen. Auf der Zielgerade wurde ich von einer älteren Frau abgefangen, die mir ein schumriges Zimmer für zehn Euro vermietet hat. Zum ersten Mal war mein Pass egal, nur Geld wollte sie sehen. Ihre Tochter konnte gar etwas Englisch und so konnte mich der Vater auf ein Bier einladen und ich das Gepäck am nächsten Tag dort lassen.
Auf der Suche nach einer Karte für die Fähre habe ich mal wieder den Holländer Martjin gekreuzt, er hat die Herberge nach zwei Stunden gefunden und mir gezeigt. Wir haben zusammen zu abend gegessen und uns für den nächsten Morgen verabredet, um die Ruinen von Butrint zu besuchen. Die ausgrabungsstädte liegt auf einer Halbinsel in einem Nationalpark, wo in den letzten 2500 Jahren verschiedenste Kulturen gesiedelt haben. Abgesehen von der Vielfalt nicht allzu spektakulär und die tollen Mosaike sind alle mit einer Schicht aus Sand geschützt, aber alles ist sehr informativ beschildert — da könnte sich manchere grössere Sache eine Scheibe abschneiden. Um acht waren wir dort, vor der Hitze und den Touristenströmen. Hätten wir den ersten Bus genommen hätten wir um den Zaun steigen müssen, obwohl die Dame der Touristeninformation gemeint hat, es würde für den ersten Bus geöffnet. Ihre Brochure wusste aber auch nichts vom Bus zurück um elf, ohne ihn hätte ich die Fähre für Corfu verpasst, die Rückfahrt war nämlich recht harzig, wegen der schmalen Strasse und dem vielen Gegenverkehr. Die Gesichter und verkrampften Hände der Leute in den entgegenkommenden Fahrzeugen waren unbezahlbar 😀
Corfu ist wohl das Schlimmste was ich je gesehen habe, was Touristen angeht. Jedesmal wenn ich gefragt habe, wann die Fähre in Bari ankommt wurde mir eine spätere Zeit genannt. Der Bahnhof sei auch gleich neben dem Hafen, eine Viertelstunde entfernt vielleicht … Ja, eine Viertelstunde im Taxi und sonst hätte ich den Zug verpasst. Seit Mitternacht bin ich zuhause, die Karten aus der ersten Serie haben es sogar vor mir geschafft 🙂

Advertisements

Gjirokastra

August 2, 2008

Gjirokastra wird auch Stadt der tausend Stufen genannt, nicht zu unrecht. Stufen gibts zwar kaum, aber hoch und runter gehts die ganze Zeit. Alle Strassen in der Altstadt sind mit schwarzem, rosa und weissem Stein gepflastert, ich mag das 🙂 Es war die zweite Museumsstadt der Volksrepublik Albanien und gehört nun zum UNESCO Weltkulturguterbe. Ansonsten alles wie gewohnt. Die Zitadelle auf dem Hügel ist gut erhalten, sie wurde bis 1971 als Gefängnis verwendet und beherbergt nun ein Museum voller kommunistischem Pathos. Die Zellen sieht man nur wenn man aufs Klo geht und von den Leuten (Kriminelle gab es damals ja nicht, oder?), die dort eingesperrt wurden, kein Wort — höchstens gut versteckt und in Albanisch. Aber die Aussicht ist toll und man kommt auch morgens in der Früh rein, Bauarbeiter und Wächter sind schon dort. Die dunklen Häser aus dem 18. und 19. Jahrhundert sind teils recht verfallen und die Plattenbauten rundum stehen ihnen kaum nach. Auch abends läuft wenig, da es eine Studentenstadt ist und die nun an der Küste im Urlaub sind.

Pflaster in Gjirokastra

Gjirokastra

Das Hotel ist für hiesige (und meinige) Standards eher teuer, dafür hat mich der Manager auf ein Eis eingeladen, als ich ihn in der Strasse gekreuzt habe und mir Tölpel gleich noch eins gekauft, als es mir auf den Boden fiel 😉 Meine Wäsche war so schnell gewaschen, dass ich mich bereits für den Abendspaziergang frisch anziehen konnte. Das Früstück mit Feigenkonfitüre und Ziegenkäse war auch toll und das Zimmer hat schön geschnitzte Decke und Schränke. Die Mücken sind aber derart in Überzahl, dass ich mir eine Creme dagegen gekauft habe, Licht in der Dusche braucht ja niemand und Warmwasser ist Gückssache 😉
Auch von der Postkartenfront gibt es Neuigkeiten. Damals in Kruja habe ich für 25 Lek 10 Lek-Marken gekauft, hier wurden mir 40 Lek-Marken für 40 Lek angedreht. Damit wäre es ungefähr wie die schweizer B-Post. Ich habe mich etwas gesorgt, immerhin waren die Karten für die Grossmütter bei der ersten Serie, aber der Manager meinte nur „Don’t worry“ 🙂
Ich fahre jetzt nach Saranda an die Küste zurück und versuche von dort ein Ticket für eine Fähre nach Italien zu organisieren.

Vuno

August 1, 2008

In Berati wollte ich noch eine zweite Welle Postkarten abschicken, aber nach einer ereignisarmen Viertelstunde in einem verdammt heissen Postbüro wurde es mir zu blöde. Dort gabs einen Wächter, der vorallem der Solitair spielenden Dame in Schalter eins Getränke gekauft hat und einen zweiten Schalter wo gerade mal ein einziger Brief raus kam in der Zeit …
Ich fuhr dann nach Fieri, wo ich mich zu einem doofen Minibus überrumpeln liess, statt den normalen Bus zwei Minuten später zu besteigen. Der ist dann ewig rumgekurvt, bis er so richtig brätsch voll war. In Vlora wurde ich irgendwo rausgeschmissen, ein Taxi brachte mich zum angeblichen Busstopp. Dort hat mir ein Typ erzählt, von hier aus fahre heute kein Bus mehr, aber er hätte gerade Pause und würde mich für viel Geld in die nächste Ortschaft stellen, wovon er glaubt, dass noch einer fahre. Ich hab ihn etwas runter gehandelt, schliesslich hatte ich keine Karte und sonst konnte ich mit keinem Schwein sprechen. Auf der Fahrt wollte er erst einen hundert Euro schein in kleinere gewechselt haben. Als ich sagte, dass ich Euros im Kofferraum hätte wollte er mich dann los schicken, etwas Trinken zu kaufen. Er würde natürlich bezahlen sagte er, mir den Hunderter hinstreckend, den er eigentlich gewechselt haben wollte … Da habe ich auf vorsichtig geschaltet, einen angeblich wertlosen schweizer Hunderter gezeigt und gemeint ich könne weder wechseln noch sei ich durstig … Immerhin fuhr der Bus, er kam natürlich von Vlora und der Typ fuhr nicht zurück, er hatte offensichtlich da was zu tun. In Vlora und Berati sah ich auch verschiedentlich gefälschte schweizer Nummernschilder, mit einem gelben Strich auf rotem Grund als Kantonswappen 😉 Ansonsten sieht man vorallem italienische und griechische Nummernschilder neben den albanischen, und vereinzelt ein englisches.
Dann wurde alles gut. Beim Warten hat mir ein kleiner Junge einen Stuhl organisiert, ich musste da drauf sitzen, da gab es nichts. Er konnte ein paar Brocken Englisch und ich musste seine Hand ewig schütteln. Er hat dann meinen kleinen Rucksack getragen, sich immer so gesetzt wie ich und mir gesagt, wenn ich wieder Schweiss von der Stirn wischen musste 😀 Er stieg irgendwann aus und ich musste mit dem Bebe auf dem Nebensitz weiter spielen, bis wir in Vuno waren. Die Fahr war spektakulär, direkt von der Küste durch einen Nationalpark auf einen gut tausend Meter hohen Pass und wieder runter.

Ionische Küste

In Vuno hat eine Holänderin mit ihrem albanischen Freund die Schule wieder aufgebaut und fürt dort durch den Sommer eine ässerst freundliche Herberge. Wir waren ein gutes Duzend, etwa zur Hälfte Holänder und Albaner, viele habe ich schon von Tirana her gekannt. Die ionische Küste ist voller weisser Kieselstrände, viele verlassen oder unberührt. Die Polizei hat alle illegalen Bauten zerstört, von manchen Hotels steht einfach noch die legale Hälfte. Es gehen Gerüchte um, dass ein grosses Projekt geplant ist, sonst wären eher Bussen angesagt gewesen.

Schlucht

In der Nähe gibt es eine Schlucht und am ersten Tag wanderten wir dort hin. Leider sind die Pfade ziemlich zugewachsen und schwer zu finden, so mussten wir des öfteren mit Thymianbüschen und Stechpalmen statt Olivenhainen leben. Dafür riecht meine Fototasche nun ganz fein 🙂 Am zweiten Tag sind wir oberhalb gestartet und alles dem Flussbett nach hoch. War wunderbar und zum Abendessen gabs Ziege vom Grill und Glenlievet 🙂

Olivenhain

Heute hatte ich mehr Glück mit dem Transport — auch wenn es zuerst nicht so aussah. Der Bus in Vuno fuhr statt um zehn um halb zehn und wir musste ihm nach jagen. Drinnen war es unheimlich stickig, weil sich ein paar Herren an den paar Sonnenstrahlen, die von Zeit zu Zeit durchs offene Fenster fielen gestört haben … Kaum in Saranda fuhr ein Minibus für Gjirokastra vor, der mich ohne gross Federlesen dort hin fuhr. Die Fahrt kann sich unmöglich rentiert haben. Dort wurde ich mit dem zweiten Fahrgast bei dessen Wohnung abgeladen. Er hat mich gefragt, in welches Hotel ich möchte und dann kurzerhand dessen Manager bestellt, nicht ohne mir einen Rakj an zu bieten. Dafür wars mir ein bisschen früh und nach Vlora war ich (zu unrecht) etwas misstrauisch. Auf jeden Fall kam der Manager prompt und ich bin nun in einem schönen, traditionellen Hotel einquartiert.

Berati

Juli 28, 2008

Berati sind zwei alte Quartiere, ein christliches und ein muslimisches, dazwischen ein Fluss, unter einem Hügel auf dem eine Zitadelle steht. Rundum in der Ebene Plattenbauten, draussen rum Industrie und ein paar weitere Hügel. Man kann ewig in den (Sack-)Gässchen voller Kapellen spazieren, leider sind viele geschlossen (und am Montag sowieso). Als schönste alte Stadt Albanines wurde sie unter Hoxah zur Museumsstadt und die Sakralbauten wurden vor der Atheismus-Kampagne verschont. Man hört hier auf dem Land auch wieder die Rufe der Muezzin und ein älterer Herr hat sich bekreuzigt, als er das schweizer Kreuz auf meinem Pass sah 😉 Auf die Ruinen der Zitadelle haben sie eine Antenne gestellt, teils hat es mehr als ein riesiges Audio-Guide-Schild an den Gebäden, man hört viele streunende Hunde jaulen und Abfall findet sich leider auch ziemlich überall … Man kann sich aber frei in den Ruinen bewegen. Eine Halle ist recht gut erhalten und die Ratten sorgen für zusätzliches Indy-Feeling. Ich glaube, man müsste Eintritt bezahlen, aber bei den Seiteneingängen interessiert das niemanden.

Gorica

Ich habe einen Engländer getroffen, der hier eine Herberge eröffnen will und er hat erzählt, dass Berati vom Lotterieaufstand am schlimmsten betroffen war. Die Stadt wurde von Jugendbanden beherrscht. Mädchen verschwanden zeilenweise und wurden zwangsprostituiert, Leute erschossen. Deshalb gibt es kaum mehr Nachtleben, Frauen sind höchstens vereinzelt zum Servieren in Beizen und um zehn sind die Strassen ausgestorben.
Eigentlich wollte ich im Nationalpark daneben zu Berg gehen, aber der Deutsche mit seinem Touristen-Büro ist nicht auffindbar und sonst kann mir auch niemand wirklich weiter helfen. Ist auch wieder extrem heiss, da die Wolken weg sind. Jetzt fahre ich ab morgen wohl der Küste nach runter.

Kruja

Juli 26, 2008

Gestern abend war ich mit einem Amerikaner, der in Genf für UNMIK arbeitet und einem pensionierten Lehrer aus London im Kunstmuseeum. Abgesehen von einer kleinen Präsentation von Abschlussarbeiten einer Uni für Architektur und katholischen Ikonen (die haben mehr Gold und weniger Dunkelblau) sind vorallem Werke des sozialistischen Realismus ausgestellt. Wunderbar 🙂 Wir mussten danach auf die Pyramide des ehemaligen Hoxha-Museeums steigen und runter rutschen. Bei den einheimischen Kinder sieht das ganz kontrolliert aus — aber die wissen im Gegensatz zu uns auch wie bremsen … Danach haben wir im Skytower etwas getrunken, da hat man tolle Aussicht und die Terasse dreht sich einmal pro Stunde rundum. Schon der Lift hoch bot prächtige Aussicht.
Heute morgen bin ich früh nach Kruja gefahren, dort stand das Schloss von Skanderbeg. Er war in der osmanischen Armee und als die Serben eine Schlacht gewannen desertierte er mit seinen Mannen, gelang durch eine List in die Festung und beflaggte sie mit seinem Familienwappen, dem Adler auf rotem Grund, der nun Landesfahne ist. Er starb an Malaria. Es war recht früh, wenig Leute unterwegs. Ein alter Mann kam auf mich zu, wollte wissen woher ich bin, schüttelte meine Hand und wünschte mir auf Italienisch alles Gute. In den weit läufigen Stadtmauern sind ein Hammam, ein Tekke, ein ethnologisches Museeum und ein durch und durch pathetisches Museeum zu Skanderbegs Ehre zu sehen. Riesige Wandbilder, wo Illyaren Römer und Albaner Osmanen abschlachten, obwohl beide Kriege verloren gingen … Daneben Replikas seines Helmes und Schwertes, Bilder und Bücher aus aller Welt mit Bezug zu ihm. Durch das ethnologische Museeum wurde ich von einem wirklich kompetenten, älteren Herr geführt. In dessen Harem ist ein Wandbild von Ringern 🙂 Beim Verlassen der Altstadt habe ich bemerkt, dass ich entweder vor oder mir der Junge einen Weg neben der Kontrolle rein gezeigt hat, da wurden Billette verkauft.

Skanderbegs Burg

War nochmal beim Schweizer, er hat immer noch keinen Käse. Dafür hat mir der pensionierte Lehrer etwas Emmentaler aus einem Supermarkt gebracht, wunderbar 🙂 Morgen fahre ich nach Berat, eine Stadt im Süden in den Bergen. Von dort aus der Küste entlang runter bis ich genug habe und dann mit der Fähre via Italien nach Hause.
Am Rande, es gibt eine sehenswerte Stern.de Fotostrecke Wie ich den Balkan-Krieg erlebt habe von Uli Reinhardt.

Tirana

Juli 25, 2008

Die Niederschlagsmenge war zwar immer noch bescheiden, die Temperaturen wären auch angenehm und es gibt hier unten immer wieder Aufhellungen. Aber an den Bergen hingen die Wolken bis weit runter und da mich Felsen anstelle von markierten Wegen erwarteten, übte ich mich in Vernunft und liess ich die Sache bleiben … Mittags nahm ich einen Bus nach Tirana und habe somit wieder zu den drei Franzosen aus Bukarest aufgeschlossen. Habe sie in Skopje getroffen, dann haben wir in Ohrid zusammen gegessen und waren nun in Tirana zusammen unterwegs. Sie fuhren vorhin nach Montenegro weiter, um morgen einen Freund in Dubrovnik zu treffen.
An der albanischen Grenze mussten wir pro westlichen Tourist einen Euro zusammen kratzen, eine Stunde später wurden wir rein gelassen. Beim Hotel gleich nach der Grenze sah ich zum ersten mal eine slavische neben der albanischen Flagge. Hier geht sogar Heiraten ohne Albanien-Fahne, man belächelt die Kosovaren (niemand spricht hier von Kosovo-Albanern) als ein wenig rückständig. Die Grenze ist in den Bergen und alles voller Bunker. Während dem Kommunismus wurden schätzungsweise 700 000 dieser fünf Tonnen schweren Beton-Pilze gebaut. Sie ertragen Panzerbeschuss (beim Test habe sich der Engenieur reingestellt) und sind kaum zu entfernen. Heute haben sie keine Aufgabe mehr, ärgern die Bauern und man sagt, dass mancher Albaner in so einem Bunker seine Unschuld verloren habe … Die Fahrt ging danach durch Durrëssi (Mollorca für Albaner) nach Tirana.

Fassade IV

Auch hier sieht man die Fingerabdrücke des Kommunismus in der Architektur, aber die meisten Blöcke sind sehr farbenfroh angemalt. Begonnen damit hat der Bürgermeister persönlich — er sei Maler, Basketballer und Rapper, habe ich gehört 😉
In Tirana gibts sonst nicht allzuviel zu sehen. Ein Geschichtsmuseeum, ein Kunstmuseeum, eine alte Moschee (der Rest wurde während dem Kommunismus zerstör) und ein paar neue Sakralbauten. Ich verbringe ziemlich viel Zeit im Swiss Chalet, bei einem Freiburger, der eine Albanerin geheiratet hat (sie blieb in der Schweiz 😉 ) und nun hier ein Restaurant in Gang bringen will. Es steht mittem im hippen Ausgangs-Quartier, das früher Parteimitgliedern vorbehalten war. Im Moment wartet er (und ich damit 🙂 ) auf eine Lieferung Käse.
Strom, Wasser und Internet können hier schon mal ausfallen, Addressen sind mangels Hausnummern auch nicht einfach zu finden. Würde man nicht denken, es fahren fast ausschliesslich anständige Wagen rum. Viele SUVs auch hier, wobei die Strassen als Grund durchgehen. Man merkt hingegen, dass es Führerscheine erst seit wenigen Jahren gibt. Hier wird nichtmal für eine rote Ampel mit Polizisten angehalten. Aber das Schlusslicht in Europa konnten sie an Moldawien abgeben.
Zum Schluss wie gewohnt etwas Geschichte, davon hat auch Albanien genug … Die Wurzeln der Albaner gehen auf illarische Stämme zurück, die Griechen hatten auch eine paar selbstverwaltende Kolonnien in dem Gebiet. Gerade als sich diese Stämme organisieren wollten sind die Türken eingefallen. Man hat sich unter Skanderbeg organisiert und konnte den Vormarsch um 26 Jahre hinauszögern. Sie brüsten sich Europa vor der Eroberung durch die Osmanen gerettet zu haben. Nach der militärischen Niederlage einigten sich die wichtigsten Schriftsteller auf römische Schriftzeichen und begannen so die Albaner kulturell zusammen zu schweissen. Albanien wurde zum Schlachtfeld, als die Slaven die Osmanen vertrieben. Unabhängigkeitsbestrebungen gab es immer, der Plan wurde aber beeinträchtigt, als Serbien Kosov übernahm. Im ersten Weltkriegt zerbrach das Land in sich bekriegende Kleinstaaten.
1920 wurde Tirana Hauptstadt, ein orthodoxer Priester konnte es etwas einen. Er wurde vom Innenminister Ahmed Bey Zogu gestürzt, der sich König Zog I nannte und mit Hilfte Italiens das Land aufbaute, bis es eigentlich eine italienische Kolonie war. Italienische Siedler zogen in den fruchtbaren Süden und italienische Berater übernahmen die Geschäfte. Zog selber wurde etwas exzentrisch, seine Mutter war Küchencheffin aus Angst vor Gift, er spielte exzessiv Poker, rauchte 150 Zigaretten pro Tag und schoss bei einem Attentat gar zurück. Mussolini liess Albanien im zweiten Weltkrieg erobern.
In Albanien erwachte der Wiederstand gegen die Faschisten als erstes. Eine kommunistische Partei mit Enver Hoxha als erstem Sekretär wurde gegründet, später eine Volksrepublik kurz darauf auch, als erster atheistischer Staat. Tito wollte Albanien in Jugoslavien haben, aber Albanien fand Stalins UDSSR einen sympathischeren Verbündeten, bis Chruschtschow eine Basis an der Küste aufbauen wollte. Danach orientierte sich Albanien an China, wobei Hoxha wieder Rivalen als feindliche Spionen los wurde, wie er es nach dem Bruch mit Jugoslavien tat. Nach dem Tod Maos hat ihn Hoxha als Revisionisten und Rassisten abgetan, die Beziehungen abgebrochen und Albanien wurde komplett isoliert und es kam vermehrt zu Nahrungsknappheiten.

Ehemaliges Hoxha Museum

Nach dem Tode Hoxhas 1985 rutschte Ramiz Alia nach. Die Regierung war unterdessen völlig eingeschlafen. 4500 Albaner flüchteten in Botschaften und durften nach Verhandlungen mit der Polizei das Land verlassen. Sie leben nach wie vor in Italien. Es kam zu Protesten von Studenten, andere Parteien wurden zugelassen und 1992 wurden die Kommunisten abgewählt. Gestohlene Mercedese wurden importiert, Kollektivfarmen zu Marijuana-Plantagen und Vlora zum Hafen für illegale Migration nach Europa. Pyramidensysteme wurden aufgezogen und als die zusammenbrachen verloren 70% der Albaner ihr Vermögen. Es kam 1997 zu einem Volksaufstand. Die Übergangsregierung bat um ausländische Truppen, um die Zerstörungen und Plünderungen zu stoppen. 1999 wurde Albanien mit einer halben Million Kosovaren überschwemmt, internationale Hilfsgelder kamen ins Land und seither geht es aufwärts.

Plan einer Wanderung …

Juli 22, 2008

Eigentlich will ich morgen nach Brajcino fahren, ein Dorf nahe gleich an der griechischen Grenze, und von dort aus quer durch den Pelister Nationalpark nach Bitola wandern. Etwa in der Hälfte müsste eine Hütte zum übernachten sein. Von dort aus will ich den Bus nach Prilep nehmen und dort beim Kloster Treskovac auf dem Mt. Zlato übernachten und wieder zurück nach Ohrid, um den Bus nach Tirana zu nehmen.
Habe mich den ganzen Tag vorbereitet. Eine „no cooking only eating“-Wurst, Pettitbeurs und Wasser stehen bereit, eine Karte ist ergoogelt und beim Fotografen gedruckt, Gepäck kann ich hier lassen, sogar die Nummer im Lonely Planet angerufen habe ich und die Frau wusste rein gar nichts, aber das Wetter scheint mir einen Strich durch die Rechnung zu machen. Durch den Tag hats verschiedentlich kurz geschüttet, hat gerade so gereicht um die Luftfeuchtigkeit an zu heben und alles schlimmer zu machen, aber jetzt tuts recht übel … Vorhin hat es kurz geblitzt, alle PCs ausgeschaltet und meiner springt nicht mehr an.
Und heute hat mir einer erzählt, er hätte seit einem Monat keinen Regen mehr gesehen. Ich ja auch kaum, so kam ich gar nicht auf die Idee, Wetterprognosen an zu sehen. Das habe ich nun nach geholt und es sieht richtig übel aus: ganz Europa Regen, ausser Griechenland. Aber der Schauer war von kurzer Dauer, hat gerade gereicht um die Strassen für das anschliessende Spektakel bei Sonnenuntergang leer zu fegen 🙂 Im Sinne von Lükus „me isch ja wasserdicht“ will ich das doch morgen versuchen 🙂

Ohrid

Juli 22, 2008

Zum ersten Mal auf dieser Reise hat sich jemand um Sitznummern gescherrt. So hat es mich gestern neben eine gesprächige Englisch Studentin verschlagen und die Fahrt durch bewaldete Berge war recht unterhaltsam.
Ohrid ist die touristische Hauptattraktion Mazedoniens und das merkt man … Da wird man auch mal auf der Strasse auf irgendein Angebot angesprochen, die Leute aus dem Lonely Planet haben mich inzwischen alle gefunden und überall gibts Zimmer. Aber es ist deutlich günstiger als Skopje, dort sind die Leute von verwöhnten UN-Leuten für Kosovo verdorben worden … An der neuen Bushaltestelle gibt es eine Touristeninformation, die sogar einige Busfahrpläne kennt und einigermassen günstige Unterkunft organisieren kann. Da ich erst nachträglich geschnallt habe, dass es eine neue Busstation etwas ausserhalb gibt ist der Deal doch nicht wirklich gut. Immerhin scheint es ruhig, nahe bei der Busstation, ging zügig und ich wurde sogar abgeholt 😉
Es ist wunderbar an einem See gelegen, umgeben von Hügeln. Trotz 700 m.ü.M. war es gestern 39 Grad warm. Zu sehen gibt es jede Menge Kirchen, nur sind viele abgesperrt, zugeparkt, zugebaut, umgebaut, in Renovation oder schlicht nicht sehenswert … Ein paar sind aber wirklich romantisch.
Neben der einen modernen Kirche werden auch Überreste einer Basilika aus dem vierten Jahrhunder frei gelegt. Das grosse Mosaik des Bodens sieht man bereits, daneben wurde ein Grab ausgegraben. Das heisst einer oder zwei Pinseln an einem Skelett rum, die restlichen fünf Nasen versuchen winkend die Menge Touristen vom Fotografieren ab zu halten … Ich glaube ich kenne da viele Wissenschaftler, die sich ob öffentlichem Interesse mehr freuen würden 😉 Lara Croft und Indiana Jones haben gehörig versagt, als es um meine Studienwahl ging … Naja, heute morgen, als es noch etwas kühler war, hat es mehr nach Arbeiten ausgesehen 😉
Mit der Ruhe wars dann doch nichts. Zwar ohne Verkehr, dafür mit fürchterliche Nachbarn. Deren Kinder haben sich bis in alle Nacht schreiend und heulend herum gejagt und morgens um fünf musste irgend wer verabschiedet werden, was natürlich auch nicht ging, ohne dass das ganze Quartier wach geschrien wurde … Dafür war ich bei Sonnenaufgang kurz nach sechs bei Sveti Joan at Kaneo, meiner Lieblingskirche hier. Sie steht auf einer Klippe am See. Es waren bereits Badegäste unterwegs, um sich einen Platz an den hart umkämpften Stränden zu sichern und die ganze Altstadt musste mit Laubgebläsen von Zigarettenstummeln und Abfall gereinigt werden …

Sveti Jovan at Kaneo

Jetzt stehen noch ein paar Ausflüge von hier aus auf dem Programm. Aber dafür bräuchte ich eine Reiseagentur und nur weil dort steht dass sie um acht öffnen, heisst das noch lange nicht dass sie um halb neuen offen haben … Und wenn sie dann offen haben, wissen sie auch nicht sonderlich viel. Höre immer nur der Pelister Nationalpark gehöre zum Einzugsgebiet von Bitola und nicht Ohrid. Stimmt, ist ja auch dreissig Kilometer weit weg 🙂
Da sonst nicht viel zu sagen bleibt, ein paar Statistiken. Mit den Hits gehts rasant aufwärts, gestern mit fast fünfzig ein guter Tag und vor vier Tagen mit 133 ein neuer Rekord 🙂

Skopje

Juli 19, 2008

Gestern morgen hat die Dame von der Reception geklopft, um zu fragen ob ich denn diese Nacht auch bezahlt hätte und es mir dann doch nicht zu glauben … Statt diskret nach zu sehen liess sie mich sp¨ter beim Checkout noch auf ihren Chef warten, der es Minuten später in ihrem Buch tatsächlich entdecken konnte … Als sie auch noch Geld wollten, um meinen Rucksack knapp eine Stunde länger als die Checkout-Zeit auf zu bewahren hatte ich die Nase gestrichen voll und fuhr mit dem nächsten Bus nach Skopje. Aber eigentlich war es eine gute Unterkunft, wenn man auf warmes Wasser verzichten kann („in einer halben Stunde“ 😀 ) und keine Probleme damit hat, dass einem jemand rauchend das Bett macht … Da Serbien Kosovo zwar nicht anerkennt, aber auch keinen eigenen Zoll hat bin ich eigentlich illegal ausgereist und habe keinen Exit-Stempel im Pass.
Das historische Mazedonien lag in Mazedonien, Bulgarien und hautpsächlich Griechenland. Weil auch eine griechische Provinz den Namen trägt sind diese sauer auf ihre nördlichen Nachbarn und haben deren Eintritt in die NATO verhindert. Danach gehörte Mazedonien abwechselnd zu Byzanz und Bulgarien. Später wurde es osmanisch und die ansässigen Albaner wurden grossteils Muslime. Zur selben Zeit kamen die ersten Roma aus dem Norden Indiens in der Region an. In den ersten Kriegen im Balkan gegen die Türken war Mazedonien Schlachtfeld und wurde danach zwischen Griechenland und Serbien aufgeteilt. Mazedonien war danach nach Kosovo ärmste Region Jugoslaviens und wurde 1992 als einzige Provinz unblutig unabhängig und pflegt nach wie vor gute Beziehungen zu Serbien. Viele Serben und Bosniaken sehen Mazedonien als heile Welt, aber auch hier schwelgt der Konfligt mit der ständig wachsenden albanischen Minderheit, die in rund 30 Jahren gleich gross sein wird. Angeblich gibt es in Skopje Mittelschulen, deren Schüler-, Lehrerschaft und Namen in einer stündigen Mittagspause komplett ausgewechselt werden …
Skopje ist eine gute Zusamenfassung meiner bisherigen Reise: Hügel mit Befestigung, Hügel mit Kreuz, alte Brücke zwischen osmanische Moscheen mit Basar und moderne Fussgänger Zone, Hamame (jetzt Kunstausstellungen), Karawansereien, albanische Flaggen und Mutter Theresa-Statue, Kyrillisch, vereinzelt UN-Wagen, kommunistische Architekturkunst und etwas Zerstörung, wenn auch ungewohnt durch ein Erdbeben. Die Skopjer meinen ihr National Theater sei wie das Opernhaus von Sidney, einfach mit Ecken 🙂 Man kann sich auch ein Snowboard kaufen, bei gut dreissig Grad selbst jetzt am Abend und sieht viel weniger Heimkehrer, dafür mehr Touristen.
Das Scherben- und Klamottenmuseeum ist eidrücklich, man kann ewig durch Epochen und Regionen spazieren. Ausserdem ist der Teil mit den Ikonen auf angenehme 27 Grad runter gekühlt. Wichtigstes Ausstellungsstück ist ein byzantinischer Krug mit Penis-förmigem Ausguss. Ich konnte erst beim Verlassen ein Ticket erstehen, der Verkäfer war gerade in Pause und hat nichtmal von seinem Rennspiel aufgesehen, als ich eingetretten bin. Überhaupt hat der Kommunismus seine Spuren hinterlassen, der Staatsapperat sei extrem aufgebläht und die Leute nicht nach Fähigkeit sondern nach ethnischer Herkunft ausgewählt worden. Die Leute an der Reception der Jugendherberge (an einer Strasse namens Prolet 😀 ) sind zwar freundlich und hilfsbereit, aber sie denken keinen Millimeter mit. Das Ticket fürs Frühstück musste ich extra nochmal zurück abholen gehen und den Studentenausweis haben sie eingesackt, obwohl es fast überall in der Stadt Ermässigungen gäbe. Rechnungen in Restaurants und Ampeln lassen sich hier auch ewig Zeit 🙂
Gegen Abend fuhr ich in den Vorort Sutka raus, mit 40`000 Einwohnern die grösste Roma Siedlung Europas. Dort sind kleine Hütten bis grössere Villen angesagt statt Plattenlöcke. Mit dem Reiseführer in der Hand wurde ich für einen Missionaren gehalten. Davon scheints dort einige zu haben, hatte ich den Eindruck … Die Leute leben mehr in den Vorgärten und auf der Strasse, überall sind improvisierte Wäscheleinen und auch mal ein Fuhrwerk, eine Hochzeit oder eine Frau mit Kopftuch am freizügige Abendkleider verkaufen. Es ist einfach etwas bunter, dreckiger und lauter 🙂 Alle Männer sind tättowiert. Leider war der Markt schon menschenleer, als ich kurz nach vier ankam. Auch die Altstadt ist ziemlich tot, angeblich seit die Albaner übernommen haben, früher waren dort die Kaffees rund um die Uhr offen. Das hat nun sogar die UNO bemerkt und ein Projekt zur Wiederbelebung gestartet. Die Leute sind aber auch hier abends draussen, ist ein wenig wie in Bern während der EM 🙂

Prizren

Juli 17, 2008

Heute habe ich einen Ausflug nach Prizren gemacht. Habe von gestern gelernt und bin gleich für den zweiten Bus gegangen. Der fuhr dann halt auch nicht und ich musste wieder warten … Vorwärts kommen sie auch nicht, schon Ausgangs Station wird für die ersten angehalten.
Prizren war auch mal Hauptstadt vom serbischen Reich und hat noch immer eine kleine, aber nette osmanische Altstadt, mit einem Silberschmied „Ramadan“, einem alten Hamam und der Sinan Pascha Moschee, die gerade renoviert wird und voller Gerüste ist. Im Eingang hängt eine Übersetzung des Verdikts von Sultan Mehmet II, das die Franziskaner willkommen heisst, solange sie gehorchen. Die UNO renoviert auch ettliche orthodoxe Kirchen. Sie wurden 2004 komplett verwüstet, wie das serbische Quartier am Hügel gleich hinter der Altstadt. Auf dem Hügel hatten schon die Römer eine Befestigung, dann die Serben, Türken und die KFOR. Der Weg geht entlang vieler Ruinen und Stacheldraht, aber die Aussicht ist gut.

Prizren

Hier gibts vorallem deutsche KFOR Soldaten, aber auch Italiener, Österreicher, Schweizer und Türken. Sie haben das bessere Los gezogen, als die Italiener in Peja. Mit paar Geländewagen in die Altstadt brausen, etwas patroullieren, in einem schicken Strassenkaffee etwas trinken gehen und wieder zurück ins Camp Casablanca …
Nachmittag war ich mit Prizren durch und habe mich dann auf Empfehlung eines deutschen KFOR-Soldaten via Internet nach Gjarkova auf gemacht. Dieses Städtchen hats nicht in den Lonely Planet Western Balkans geschafft, aber hat eine schmucke osmanische Altstadt, mit unzähligen Lädeli und Wohnhäsern wo man nur weisse Wände sieht. Ich hab sie erst nicht gefunden und dann einen mit deutschem Kennzeichen gefragt. Sein Kollege hat mich gleich hingestellt. Auf dem Rückweg sind sie fast bis zum Flughafen von Pristina raus gestanden, wohl rund 10 km, und wir haben einen kleinen Umweg durch Industrie- und Landwirtschaftsgebiet gemacht.
Die Kosov@ Post weiss noch mehr zu berichten. Im Kosovo kommen rund fünf Neugeborene auf jeden Toten und davon sterben fast fünf Prozent. Damit ist Kosovo in Sachen Kindersterblichkeit als letztes Europäisches Land auf Platz 144 zwischen Osttimor und Eritrea und für die Mütter siehts auch nicht viel besser aus.