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Sommerloch, mal wieder

August 22, 2016

War nicht so viel los in der „Letzte“, haben vorallem zuviel gearbeitet. Ostern waren wir in Verges, einem kleinen Dorf mit Prozession, Theater und dem berühmten Totentanz. Hier in Katalonien. Dem letzten der Welt, in Katalonien. Sie sind sehr stolz darauf, hier in Katalonien … Sehr verschlafenes Kaff als wir gegen Mittag eintrafen, wir hatten Angst keinen Parkplatz zu finden 😉 Gegen Abend hat es sich dann anständig gefüllt. Inklusive dem völlig unverständlichen Dialekt in Gironas Hinterland eine sehr schöne Osterfeier. Damit habe ich den katalanischen Oster-Grandslam geschafft, meine Rangliste ist Verges > Tarragona >> Girona.

Bis dahin ist der Sommer angenehm. Wir haben unsere dicke Luxus-Latex-Matratze mit der günstigsten Federmatratze aus der Ikea ersetzt, viel besser. Ausserdem ist es unter unseren schweizer Freunden Mode geworden, sich Mädchen aus Barcelona an zu lachen. Die eine ist Schauspielerin. Das letzte Stück, und auf das war sie besonders stolz, hiess „Frau“, katalanisch für Betrug (ja, sie und ihre intellektuellen Freunde können selbstverständlich Deutsch). Wir kamen mitts drin rein, es hat gerade ein Anthropologe den Regisseuren interviewt, während im Hintergrund bisschen geputzt wurde und so. War amüsant, aber langfädig, irgendwie mussten sie ja die sieben Stunden füllen (die sieben Stunde waren das Einzige was kein Betrug war, die haben sich sogar die Mühe gemacht Playback zu theatern). Darauf gab es noch irgend so eine Shakespear-Parodie mit kaum Handlung, aber immerhin standen sie auf einem Tisch.

Dann waren wir zweimal in der Schweiz, das ist dort wo der Geldautomat Fünfziger und Hunderter rausspuckt, wenn man gerne kleine Noten hätte. Der Golf hat gut mitgemacht, nur einmal kurz in den Safemode gefallen. Auf der Heimfahrt habe ich an einem schönen Stutz kurz beschleunigt zum schauen ob noch alles in Ordnung ist und hat mich glatt erwischt. Wie schon am Bielersee und kurz vor der spanischen Grenze nochmal — mal schauen wieviele Fotos sie uns nachschicken … Apropos Rasen, auf dem Weg ins Eriz haben wir einen Jeep eingeholt. Der fuhr eine Weile gemütlich weiter, bis er wohl unsere blauen Nummernschilder gesehen hat, dann fuhr er über die Sicherheitslinie davon wie ein Henker 😀

Für die Geburtstagsfeiern von Stes Eltern gingen wir dann mit ÖV 😉 Interrail macht das bezahlbar, aber man muss nicht meinen, dass man das auch kaufen kann nur weil der Billet-Schalter offen ist, da muss schon auch die richtige Person dort sein. Dafür war die Chauffeuse im Flughafenbus morgens um fünf schon sehr nett und gesprächig und letztens hat sich ein Verkäufer im Supermarkt die Mühe gemacht meine Bankkarte anzusehen, damit er mich mit Namen verabschieden konnte. Sachen gibts.

Morgen segeln wir mit Freunden auf Weltreise nach Mallorca. Dank Testlauf an der Costa Brava mit einem (unterdessen schon ehemaligen) Arbeitskollegen sind wir bestens vorbereitet: solide kotzt es sich wenn man im Lee den Kopf zwischen den Seilen rausbaumeln lässt 🙂

Klischees stimmen!

November 22, 2015

Es ist mal wieder Zeit zum Ausrufen oder um einen viel zitierten Mitarbeiter der Hostel Heart of Gold in Berlin zu bemühen: Klischees stimmen! Beim Putzen habe ich statt dem Kabel aus der Steckdose die Steckdose aus der Wand gezogen. Die Schrauben waren rund ein Zentimeter lang und die Hälfte davon steckte nur in der Farbe …

Und letztens im Gemüseladen ist tatsächlich ein Kunde zurück gekommen, er habe 15 cent zuwenig Rückgeld gekriegt. Dabei hat er noch so ein vorwurfsvolles Gesicht gemacht, Sonntag im Eimer. Und das bei einem von Chinesen geführten Laden, die einen ganz stolz darauf hinweisen dass bei Ihnen das Wasser mas balato ist 🙂

Apropos Schotten, Hostels und Klischees; unsere ehemalige Mitbewohnerin aus Schottland hat sich einmal mit ihrer Freundin aus Frankreich über Liebe machen im Hostel unterhalten. Sie waren sich sofort einig, dass es keine gute Idee ist — aber haben erst nach einer Weile gemerkt, dass nicht beide davon, bzw. dabei, gestört wurden 😀

Dann wäre noch unser Nachhaltigkeitsbüro am Institut. Die haben jetzt alle Birnen im Lift mit Stromsparbirnen ersetzt und die 40% Lift-Licht-Strom-Ersparnisse werden mit riesigen Postern im ganzen Haus gefeiert. Und wir spülen jetzt die Toiletten nicht mehr mit heissem Wasser. Nein, sie haben die Rohre nicht richtig verlegt, sie haben das heisse Wasser einfach abgestellt. Wer braucht schon saubere Hände in einem Labor? Dafür ist es im Moment an meinem Arbeitsplatz 27 Grad — bei beissigen, windigen vielleicht 10 draussen …

Auch bei uns im Treppenhaus haben sie die Lichtzeiten angepasst — ich schaffe es gerade noch bis in den ersten Stock … Die hätten auch besser die kaputte Birne auf unserem Stock ausgetauscht!

Kindergeburtstage sind hier übrigens auch nicht gerade erholsam für die Eltern. Die sind fast jedes Wochenende im Park und die Eltern werden dann auch erwartet. Und prügeln sich auch. Apropos Prügel, Cäsar spricht auch Katalanisch im neuen Asterix.

Dafür haben wir von unseren neuen Bürgermeisterin aus der Hausbesetzerszene etwas gemerkt. Vielleicht. Auf jeden Fall war seit sie gewählt wurde beim Kolumbus immer Basar. Mit dem Rad etwas mühsam, aber Dank Klebstreifen auf dem Boden einigermassen organisiert. Gerüchte sagen die Hafenpolizeit hätte sich wegen zuwenig Mitgliedern geziert. Und jetzt plötzlich stehen rund um die Uhr mehrere Mannschafts- und Streifenwagen rum und machen Fotos von posierenden Touristen, die keine Selfie-Sticks mehr kaufen können …

Und auch hier wird langsam Herbst, statt Schnee fallen aber nur Blätter. Verdecken die Hundescheisse auch … Der Golf sprang nach längerem rumstehen mal wieder nicht an, hat aber nur etwas Strom gebraucht. Dafür liegt der Garagist schwer krank im Spital und musste die Garage verkaufen. Ausserdem ist in den Bergen mehr Jagd- als Flugwetter. Die sind hier nicht gerade diskret unterwegs, statt Tarnfarben tragen sie orange und statt Peng machen sie Peng, Peng, Peng, Peng …

Wir haben uns dafür vom Parawaiten etwas auf das Kitewaiten verlagert und wollen in der ersten Dezemberwoche noch ein bisschen in den Süden 🙂

Sommerloch II

Juli 14, 2015

Sie haben es also geschafft, Stes Vater und seine Freunde, Barcelona-Bern in rund 55 Stunden auf dem Rad! Haben erschreckend gut ausgesehen, erst beim Abendessen und nach unzähligen Bieren war die Luft draussen 😉

Der Internet-Techniker kam dafür nicht (aber die Hitzewelle blieb). Zum zweiten Mal. Immerhin hat beim diesem Termin jemand angerufen, sogar zwanzig Minuten vor dem Termin. Beim ersten Termin kam einfach keiner. Angeblich habe er am Samstag davor angerufen und weil ich nicht ran ging, kam dann einfach keine Sau. Nicht mal ein verpasster Anruf oder eine SMS. Heute kam er dann doch noch und konnte das regeln 🙂

Das beste war aber eigentlich das Vertrag-Abschliessen an sich. Ich musste zwar mit dem original Ausweis nochmal hin, aber sie haben dann meinen Namen falsch abgeschrieben, die Adresse vergeigt und irgendwie die Idee gehabt, dass ich Franzose bin. Sogar bei der Adresse haben sie Barcelona, Frankreich hingeschrieben … Umso erstaunlicher dass ich jetzt auf dem Sofa sitze 🙂

Dafür haben wir die Waschmaschine selber geflickt, aber die ist ja auch Made in Germany 😉 Man musste lediglich den Riemen wieder einhängen; so ungefähr wie beim Fahrrad die Kette. Beim ersten Waschgang hat sie noch etwas seltsam gequietscht, jetzt hat sich der Riemen aber anständig reingerangt.

Ausserdem hatte ich noch die Frechheit, an meinem Institut zwei Vorschläge zu machen, eine e-Mail wurde sogar gelesen, aber soviel Apparatschik-Abwherhaltung habe ich noch nie erlebt; weder als Repräsentant des Mittelbaus im Krieg mit den Herren Professoren in Basel, noch im Militär wo ich wegen meiner grossen Klappe trotz allen positiven Beurteilungen nie befördert wurde — überall wurde zumindest hingehört und dann vielleicht wegen praktischen Einwänden doch nichts unternommen, aber hier wird wird entweder das e-Mail nicht gelesen oder dann das Problem an der Wurzel gepackt und jegliche Argumentation völlig lächerlich in der Luft zerrissen …

Und jetzt ab in die Schweiz, die Fahrräder zurück bringen und so 🙂 Bitternötig. Endlich schlafen unter Laken statt in Lachen!

Katalanisch doch noch brauchbar

April 1, 2015

Inspiriert von den ganzen Aprilscherzen überall hier auch was. Leider wahr. Letzte Woche konnte ich zum ersten Mal von dem halben Jahr Katalanisch-Unterricht profitieren! Ich habe nämlich den schnellsten Rechner Spaniens namens MareNostrum hier in Barcelona besucht. Obwohl hauptsächlich von Spanien finanziert und trotz der englischen Einladung zur speziel an Forscher, Unternehmer und Manager gerichteten Führung haben die nicht einmal nachgefragt, ob denn alle Katalanisch verstehen …Dafür mussten sie dann Fachbegriffe mehrmals wiederholen und ins Englische übersetzen.

Item, ich habe eigentlich alles verstanden und der Unterhaltungswert der Führung wäre sonst gelinde gesagt vernachlässigbar. Einzig dass sie nun mit Technik aus der Mobiltelefonie experimentieren fand ich interessant; davon wird mehr und somit guenstiger produziert, ausserdem ist es auf klein und wenig Stromverbrauch optimiert.

Es wurde vorallem betont, wie schnell der Supercomputer mal war — heute ist er höchstens noch als der Schönste bekannt, er wurde nämlich in einer Kapelle gebaut. Besser gesagt inszeniert, mit viel Glas, Rot und Moenchsgesaengen.

Damit sind wir quasi bei Ostern, vielleicht schaffen wir es diesesmal an den Totentanz in Verges. Das Video ist auch Katalanisch, aber ich kann es übersetzen: „Verges ist in Katalonien. Dort wird der letzte Totentanz Europas aufgeführt. Also eigentlich von der ganzen Welt. Nur noch in Katalonien. Verges ist in Katalonien. Dort … Europas, nein der ganzen Welt … Katalonien … “

Überigens, im Katalanisch-Unterricht kam eine neue Schülerin dazu … Die korrigiert ihre spanische Begrüssung beim Betretten des Zimmers sofort mit einer „richtigen“ — obwohl der Lehrer noch nicht mal da ist! Dabei haben jetzt endlich alle übermotivierten Mamis aufgegeben …

Das erste Jahr

März 11, 2015

Heute vor einem Jahr bin ich in Barcelona angekommen. Zeit für ein wenig Sentimentales 🙂

Greyerzer

Den Golf zum Beispiel. War nicht nur der Turbo. Der ganze Motor war hinüber. Sorry fuer den Cliffhanger, war nicht extra, sondern Verdrängen.

Reparieren koste fast soviel wie einer „neuer“ oder ich überlasse ihn dem Händler, er schaue mit dem Schrottplatz und den Papieren. Habe mich für die zweite, bequeme Variante entschieden. Letztens habe ich nachgefragt ob alles geklappt habe. Hat es. Ich muss für letztes Jahr keine Steuern zahlen und kann den Wagen nächste Woche mit neuem Motor Probe fahren 😉 Für denselben Preis wie letztes mal gehört er wieder mir, der Treuhänder ginge dieses mal sogar auf die Garage. Dann bräuchte ich auch keine neue Versicherung, wüsste einigermassen wie der Hase läuft und einen Service habe ich auch gespart 😉

Oder Skifahren. Wenn es hart kommt kann man gemütlich mit dem Zug für einen Tag nach La Molina. Anständig grosses Gebiet, leider auch unanständig flach. Oder mit dem Bus ein Wochenende nach Andorra. Immerhin sind dort die roten Pisten nicht mehr schwarz — aber immer noch flach. Anstehen muss man eigentlich nie — dafür viele Bojen umfahren. Und vom Lift aus werden nicht nur Stuerzende ausgelacht wie zuhause, es gibt auch Applaus fuer Pirouetten 🙂

Andorra hat aber eine wunderschöne Landschaft, leider auch ziemlich verwallist. Bei dem All-Inclusive-Angebot wurden wir in einer Duty-Free-Mall mit Hotel im 70er James-Bond-Ferienheim-Stil untergebracht. Das Essen war auch so, geniessbar und währschaft 😉

Aber es ist ja wieder Frühling, die Einheimischen grillieren Zwiebeln, Touristen grillieren sich in Badkleidern, man riecht wieder das Meer und kann Glace essen. Ich könnte es unterdessen auch in Katalanisch bestellen, wenn es denn jemand verstehen wollte — sobald die merken dass es nicht meine Muttersprache ist wechseln alle auf Spanisch und ich auf Zeichen … Lesen geht besser. Weil die Roman Noir Autoren immer so poetisch und philosophisch werden wenn es ums Sterben geht verstehe ich zwar nicht alle Details — aber im Gegensatz zum ersten Krimi auf Franz habe ich den Mord mitgekriegt 😀

Ausserdem wird wieder gefestet. Letztens nicht nur mit den Castells, den Menschentürmen, sondern auch mit Falcons, auch so Menschentürme. Aber etwas gaaaanz anderes. Komplett anders. Hat der Kommentator immer wieder gesagt und wenn man genau schaut, sieht man es auch, die stehen sich nicht nur auf die Schultern, sondern manchmal auch auf den Rücken!

PRBB

Wir werden wohl auch noch Gelegenheit kriegen, die feineren Unterschiede schätzen zu lernen, Ste fängt nämlich im April ihr Postdoc an, mit Marie-Curie-Stipendium und Vertrag über drei Jahre. Damit bin ich quasi zur Spielerfrau degradiert worden — kann ja dann bei Shakira anklopfen, wenn ich damit nicht mehr klar komme 😉

Tote Stadt

Januar 18, 2015

Es ist zwar nochmal eine Kutte kälter, aber das erste Quartierfest steht auf dem Programm. Mit Bier- und Weinfestival, ist wesentlich besser verträglich, wenn einen nach wenigen Stunden so richtig friert 😉 Trotz Krise gibt es offenbar viel weniger Schnäppchenjäger als Weihnachtsshopper und die Stadt gehört wieder den ständigen Bewohnern. Leer sind die engen Gassen der Altstadt halt doch am schönsten 🙂

Passend hat gestern ein kleiner, aber öffentlicher Sender den Dokumentarfilm Cituat Morta (Tote Stadt) ausgestrahlt. Am 4. Februar 2006 wurde im Zuge der Auflösung einer Party in einem seit 2000 besetzten Theater ein Polizist schwer verletzt. In einer ersten offiziellen Version wurde er ohne Helm von einem Blumentopf getroffen, der von einem Dach herunter geschmissen wurde. In einem Video von der Szene hört man Polizisten nach Helmen schreien. In einer zweiten offiziellen Version wurde der Polizist von einem geworfenen Stein getroffen. Obwohl diese Version vom Gerichtsmediziner völlig ausgeschlossen wird, wurden fünf Junge für diese Tat verurteilt — durch alle spanischen Instanzen. Drei davon wurden in der Strasse verhaftet, die noch vor der Beweisaufnahme geputzt wurde. Die beiden anderen wurden im Spital von Polizisten angeblich wieder erkannt, wo die ersten drei nach dem Verhör übel zugerichtet verarztet werden mussten. Die beiden waren von einer Ambulanz inklusive Velo von Velounfall aus einem anderen Stadtteil ins Spital gebracht worden. Eine der beiden hat sich während dem Vollzug umgebracht.

Da sich niemand von der offiziellen Seite im Film äussern wollte, ist er vielleicht tendenziös. Hinter der Kulisse tut das offizielle Barcelona aber alles für die Glaubwürdigkeit: Zwei der beteiligten Polizisten sind unterdessen wegen Folter in einem anderen Fall verurteilt wurden. Es hat den Sohn eines Diplomaten gebraucht. Dasselbe Spital hat ihnen jedoch Arbeitsunfähigkeit bescheinigt und sie werden bis an ihr Lebensende eine gute Rente geniessen. Ein Gespräch zwischen dem Informationsoffizier und einem Richter musste auf richterliche Anordnung zensiert werden. Die Gewerkschaft dieser Truppe mit Imageproblem hat gestern den Tweet „Ein guter Tag zum ins Kino gehen. Wobei wenn ihr Fantasie mögt hat C33 [der Sender] genug.“ abgesetzt, zwischen Bildern von ihren Mitgliedern, die stramm stehend für mehr Respekt ihnen gegenüber demonstrieren. Ausserdem hat Spanien die Weihnachtszeit genutzt, um Demonstrationsgesetze massiv zu verschärfen.

Schönes neues Jahr allerseits!

Weihnachten

Dezember 24, 2014

Die Wäsche will zwar nicht mehr recht trocknen (nimmt nur immer mehr Fischaroma an), aber draussen ist es immer noch gut zehn Grad. Drinnen leider auch. Dafür mit echtem Weihnachtsbaum. Wir konnten unsere Mitbewohner auch fast von anständigen Kerzen überzeugen … Gibt es scheints ausserhalb von Österreich und der Schweiz nicht. Hat auch keiner einen Feuerlöscher zuhause, und wenn man fragt wo es das gibt fragen alle nur wozu? Die Elektroinstallationen sind ja wie neu, gekocht wird mit Gas und geheizt mit kleinen Öfen. Was war eigentlich der Elektriker von Beruf? Die Feuerwehr ist ja auch nur ein paar (tausend, verwinkelte) Ecken weg und der am Telefon versteht garantiert Spanisch. Oder Katalanisch.

Ansonsten ist die Dekoration recht mager, am Institut und im Rest vom Haus gar nichts. Barcelona spielt ganz vorne bei der geschmacklosesten Beleuchtung überhaupt mit. Ausser am einen Markt, da haben sie ganz liebevoll einen halben Meter Lichterketten um die Pfosten gewickelt, wie Nato-Draht … Auch abgsehen von der Dekoration will nicht wirklich Adventsstimmung aufkommen. Es ist weder kalt noch dunkel. Zusaetzlich ist man sich Barcelona im Dunkeln auch ganz gut gewohnt …

Hmhm

Trotzdem ist die Stadt voller (Einkaufs-)Touristen. Wohl hauptsächlich aus dem Umland und die sind sich auch nicht zu doof um einen ganzen Block an zu stehen für ein paar vergünstigte Takeaway-Nudeln am Blackfriday. Weil Strand nicht doch nicht mehr ganz so attraktiv ist, sieht man oft nicht über die Strasse, an der wir leben. Und die ist gerade mal drei Meter breit … Besonders gäbig wenn man noch ein Ikea-Gestell dabei hat.

Item, Mandarinli sind hier herrlich, aber spanische Nüssli kaum zu finden. Weihnachtsgüetzi sowieso nicht, nicht mal Zutaten wie gemahlene Nüsse oder Puderzucker (so verzweifelt sind wir …). Immerhin Grittibänze haben wir halt selber gebacken und mit Kollegen ein anständiges Chlouseznacht gemacht 🙂

Dafür sind hier Krippen angesagt. Und zwar realistische, was bedeutet dass auch immer einer am Scheissen ist. Der hat sogar einen Namen, Caganer. Sei auch ein Symbol für den Zyklus des Lebens und Dünger. Neuerdings ist auch einer am Seyken, der Pixaner. Dann gibts noch den Cagatio, ein Holzklotz, der in der Adventszeit brav zugedeckt und gefüttert wird. Nur um in dann am Dreikönigstag mit einem Stock zu verprügeln, bis er die Geschenke (oder eine graue Süssigkeit, das Pendant zur Rute) scheisst. Eingen Guten wünscht man sich mit menja bé, caga fort i no tinguis por a la mort!“ (‚Iss gut, scheiss kräftig und fürchte dich nicht vor dem Tod!‘).

Mit meinem Katalanisch-Kurs läuft es übrigens auch langsam besser; sprich ich muss nicht mehr jedesmal eine Stunde spazieren gehen um mich zu beruhigen. Nichts macht einen Sprachkurs unerträglicher als eine Horde übermotivierter Jungmütter, die jeden Scheiss super finden … Wir sind auch nicht mehr bei Verwandschaftsgraden, die ich nicht mal auf Berndeutsch kenne. Putzen und Sternzeichen sind zwar auch nicht viel alltagstauglichere Themen (merke ich jeweils, wenn ich nicht auf Englisch erzählen kann, was wir gelernt haben), aber führen zu erstaunlich lustigen Lektionen in der kleinen Gruppe 🙂

Und Weihnachtsessen sind des Weiteren auch angesagt. Mit unterirdischen Präsentationen. Unser Direktor hat Zahlen präsentiert, Demografie und so — obwohl die kurz davor per e-Mail kamen. Und der CEO hat ein gutes Duzend CAPSLOCK-SLIDES runter gelesen. Erst haben alle gelacht, dann wurde uns klar: die meint das ernst! Ihr Englisch ist aller Exzellenz zum Trotz dermassen schlecht, dass man sie ohne Folien schlicht nicht verstanden hätte. Kann auch nicht schaden. Tapas und Ente waren aber vorzüglich. Zum Dessert gab es erst ein ewig langes Lotto — das Weihnachtslotto Spaniens ist wohl das Grösste der Welt, ebenfalls mit unheimlich vielen Preisen und die werden dann noch aufgeteilt — und den traditionellen Dance-your-Lab-Videobewerb. Wäre unsere Gruppe nicht etwas hinten gehockt hätten wir mit unserer Loituma-Version glatt gewonnen 🙂 Die wollten drum gerecht sein und hatten einen Schallpegelmesser auf der Bühne … In diesem Sinne frohe Festtage!

25 Jahre Mauerfall

November 16, 2014

Zum fünfundzwanzigsten Jahrestag des Mauerfalls letzten Sonntag verbrüderten sich hier Kommunisten mit den Christkonservativen. Aber nicht etwa um Grenzen nieder zu reissen, ganz im Gegenteil … Während Erstere mit keiner Handvoll Prozenten in der Bedeutungslosigkeit rumdümpeln, sprangen Letztere erst vor wenigen Jahren auf den Separatisten-Zug und politisieren ziemlich deckungsgleich mit den Populisten in Madrid — bis und mit Korruptionsskandal. Dieser Schwenker hat sie kurzfristig von zwanzig auf fünfzig Prozent der Stimmen gehoben, in Umfragen sind sie wieder unten.

Die Konsultativ-Abstimmung zog auch noch Seperatouristen aus der ganzen Welt an. So standen progressive Basken und Schotten Schulter an Schulter mit Lombarden (die Wiege der Lega Nord, habe ich vorher auch nicht gewusst, die nur Rechtskonservativ schimpfen ist wohl Schönfärberei) vor dem Parlament. Meine neue Mitbewohnerin aus Glasgow (die auch nicht better together dachte) und ihre Freunde haben versucht mit ihren Landsleuten zu sprechen, aber die waren offenbar nur zum Verarschen hell genug …

Kurz davor mussten wir uns wegen gemeinsamen Bekannten auch noch einen Abend mit Hardcore-Katalanen abgeben. Zum Glück in einer guten Cerveceria 😉 Gar kein Durchkommen — trotz meiner Village-Cred (Heimatort Adelboden) und detaillierten Kenntnisse seiner Heimat (Organya 😉 ). Erstaunlicherweise sind die dort oben eigentlich gar nicht so nationalistisch, die Separatisten-Hochburg ist zwischen Küste und Bergen. Obwohl sie auch dort erstaunlich durchmischt sind (oder kennt jemand wen mit einem Elternteil aus Zürich?). Meine hiesigen Freunde sind dermassen bilingual, dass sie unmittelbar nach einem Gespräch nicht wissen, ob sie nun Katalanisch oder Spanisch gesprochen haben!

Mich würde dann noch interessieren, was die Katalanen mit ihren Minderheiten so im Sinn haben. Artur Mas, aktueller President: „If the majority wants […] the minority have to accept […]“ (zwar schnäderfräsig aus dem Kontext gerissen — aber er hats verdient). Spricht man sie auf Valencia an, werden sie richtig aggressiv, das wären denk Katalanen und basta! Im Val d’Aran auf der anderen Seite des Pyrenäenkamms, das damals den Franzosen schlitzohrig abgeluchst wurde, haben sich gerade mal 8,5% an die Urne begeben — was sie eingelegt haben wollte dann niemand so genau bekannt geben …

Ich hätte übrigens auch Abstimmen dürfen, nur war ich als Teil einer globalen Sklaven-Elite zu fest mit Betteln beschäftigt. Immerhin sind wir ganz zufrieden mit dem Projektvorschlag — hoffentlich wird da ein Stipendium draus 🙂

Adee Barceloneta, salut Gotic!

November 4, 2014

Nach einer Freitagnacht von der übelsten Sorte (Nachbarn haben uns fünf Stunden Schlaf gegönnt — dazwischen gab es ein Ständchen von betrunkenen Russen) und einer versöhnlichen Samstagnacht in Barceloneta leben wir nun in einer WG im Gotic — obwohl sich die in Barceloneta ausgeschriebenen kleinen, möblierten Wohnungen durch die Proteste gegen Touristenwohnungen gefühlt verzigfacht haben 😉 Item, riesiges Zimmer in einer geräumigen Wohnung, mit einer immensen Dachterasse, zentral mitten in der Altstadt und erst noch sehr ruhig (bis auf die Kirchenglocken rundum ;-)). Ich habe gerade neun Stunden durchgepennt, glaube brauche hier wieder einen Wecker … Die Schlösser sind zwar etwas schwierig zu bedienen, aber intakt, ebenso die Spühlung und die Dusche hat warmes Wasser 🙂

Die Küche dann wieder nicht. Dafür hat der alte Bewohner das Zimmer mit Vollkornzigaretten ausgeräuchert, statt geputzt. Zum Glück konnten wir aus der alten Wohnung noch eine fast neue Matratze abstauben … Den Transport bespricht man einfach mit Ali bei der grossen Katze im Raval (dem noch weiter herunter gekommenen Altstadtquartiert) und der kommt dann pünktlich um neun mit seinem Lieferwagen. Kostet dreissig Euro — ausser die Polizei fragt, dann ist man Freunde 😉

Waschmaschine und Kühlschrank aus der alten Wohnung wurden auch von Pakistanis abgeholt, aber von weniger sympathischen. Waren spät, haben Sturm geläutet und wollten sofort den Preis drücken. Am Ende hat der nervöse Besitzer dann doch Geld gesehen und alles war gut 😉 Einen grossen Teil vom Rest haben wir einfach auf die Strasse gestellt — das hat hier ganz eine andere Bedeutung — und das Brauchbare (auch tonnenweise Muster-Kacheln des Architekten) verschwindet innert Minuten. Die Hutablage vom Golf musste ich nicht mal runter tragen, die wurde im Treppenhaus direkt vor der Haustüre abgeholt. Halb so schlimm, der Motor sei hinüber …

Auch halb so schlimm, dass ich ziemlich kurzfristig aus der gemieteten Garage geschmissen wurde, weil die einen längerfristigen Mieter fanden — obwohl die damals auf der Instituts-internen Mailingliste explizit auch nach kurzfristigen Mietern gesucht haben. Auch auf dieser Mailingliste war ein WG-Zimmer mit Doppelbett ausgeschrieben und der liess mich zu einer Besichtigung antanzen nur um mir zu sagen, dass er die Wohnung zu klein für zwei mehr finde — obwohl ich ihm geschrieben habe, dass Ste mindestens die halbe Zeit da wohnen wird …

Aber es hat auch viele tolle Leute am Institut 🙂 Halloween haben wir zu zehnt in einer Brauerei gleich neben der Arbeit verbracht. Die hatten zu der Gelegenheit extra ein Kürbisbier mit weiteren herbstlichen Gewürzen und viel zum Gnagen vom Grill. Toller Ort und interessantes Gebräu, leider (Leber meint zum Gluck) etwas bitter und sauer für meinen Geschmack …

Unterdessen hat Ste — mit etwas Nachhacken — die erste Vorauswahl für ein Stipendium überstanden. Die zuständige Person vom Institut hatte sie erst fälschlicherweise rausgeschmissen; es ist am Lesen-Verstehen des Lebenslaufes gescheitert. Arbeitet ja auch erst knapp vier Jahre hier und hat nur neun Jahre Englisch studiert, da sind Physiker-Lebensläufe schon eine Herausforderung. Wir machen ja zusammen mit den Mathematikern und Informatikern, die ähnliche Gepflogenheiten haben, auch nur die Hälfte der Forschenden am Institut aus …

In der zweiten Runde sollen nun Projekt-Vorschläge gemeinsam mit den zukünftigen Chefs geschrieben werden. Ste hat sich bei zwei beworben und die decken das ganze Spektrum ab, von „schreib was und ich kommentiere dann eine Woche später mit Einzeilern“ nach einer kurzen Sitzung bis „versuch mal was zu schreiben und dann treffen wir uns“ nach vielen Stunden diskutieren und den Ringen rundum die Augen nach sehr wenigen Schlaf. Daumen drücken dass Letzteres klappt 😉

Nationalfeiertag

September 16, 2014

Während alle Augen auf Schottland gerichtet sind, ist Unabhängigkeit natürlich auch hier ein Thema. Einen Nationalfeiertag haben sie bereits, nämlich der 11. September und sie nennen ihn schlicht DER TAG. Da wurde vor genau dreihundert Jahren Katalonien den Habsburgern von den Bourbonen abgeluchst. Damit waren die auf vordere Reiche zurückgehenden Privilegien hin und seither ging es nur noch bergab, aber das war auch alles recht egal, bis Franco das bisschen Blumenniederlegen zum Gedenken verboten hat. Seit sie wieder dürfen geht traditionell die Post ab … Ansonsten merkt man von der habsburgischen Vergangenheit höchstens noch auf Malle etwas 😉

Und so ist die Stadt seit Tagen beflaggt, wobei nur die Fahne der katalanischen Sozialist*Innen noch seltener ist, als die stinknormale Katalonien-Fahne. Eigentlich sieht man nur die mit dem blauen Stern der Nationalist*Innen, die sich wie die Schott*Innen natürlich auch als Teil der EU sehen würden. Was man nicht alles lernt, wenn man mit einem Politik-Studenten wohnt 😉 Auf jeden Fall sind alle meine katalanischen Freunde aus der Stadt verduftet. Dafür wurden massenhaft Autobusse voller Landeier aus allen Ecken eingeführt (auch mit ÖV-Bussen) und die haben sich mit roten und gelben T-Shirts ein V für votar, voluntat oder victòria in den grössten Strassen der Stadt formiert.

Auch zuhause in Barceloneta wird brav weiter Protestiert. Unterdessen ist zwar  nur noch ein kleine, lärmige Horde übrig, dafür protestieren sie nicht mehr gegen illegale Zimmer für Touristen sondern generell gegen ausländische Touristen. Ob die Touristen aus Spanien mit meinen?

Ist auf jeden Fall ehrlicher so, schliesslich sprechen wir hier von einer recht milden Gentrifizierung. Die Wohnungen sind zwar alt, aber für die Lage direkt am Meer und doch so zentral dünken mich die Preise in Ordnung. Xavi sagt zwar jedes mal unter Kopfschütteln, wie besser es hier geworden sei — früher hätten hier nur Junkies gelebt und wie schon mal geschrieben, jedes Auto hatte einen „brecht mich nicht auf, ich wohne im Quartier“-Kleber — aber nach wie vor werden Leute mitten am Tag ausgeraubt (Arbeitskollegin, dieses Jahr und da hat auch niemand von den jetzt Protestierenden geholfen). Ausserdem geht der Touristenstrom laufend zurück. Merke ich vor allem, dass ich nun rund jede zweite Nacht durchschlafen kann. Und das bleibt auch so, weil für die restlichen Störungen sind keine Ausländer verantwortlich …

Eh nu, ich mag auch  nicht, wenn Leute ihre kleinen (und manchmal auch grossen) Geschäfte in der Strasse erledigen, aber da könnte man ja auch für mobile Toiletten wahrend der Hauptsaison demonstrieren. Ausserdem sind die in den Abfall-Containern vor sich hinrottenden Abfälle wesentlich schlimmer. Oder einheimische Väter, die neben ihre spielenden Kinder rotzen …

Während die paar Duzend durch die auf die Proteste hin verschärften Inspektionen geschlossenen Touristen-Wohnungen kaum Leute davon abhalten, ihre Wohnungen an Grossfirmen zu verscherbeln, waren die Folgen für die Betroffenen durchaus unangenehm. Die Touristen wurden einfach vor die Türe gesetzt, obwohl es eigentlich unmöglich ist eine legale von einer illegalen Unterkunft zu unterscheiden. Einige wurden über Jahre betrieben, während die Mühlen der Bürokratie das Bewilligungsgesuch ignoriert haben. Dafür gibt es angeblich nun Bussen zwischen zehn und hunderttausend Euro …

Fazit: Als Tourist bucht man besser nicht über Airbnb in Barceloneta und ich muss mich nach einer neuen Bleibe umsehen. Mein Obermieter hat (verständlicherweise) wenig Lust, so eine WG zu betreiben … Dafür gibt es hoffentlich auf den Winter hin zuverlässig Warmwasser unter der Dusche. Wenn dann auch noch der Duschkopf zum Schlauch hält und weder Türschloss, noch WC-Spülung eine Bedienungsanleitung brauchen wäre, würde ich auch nicht nein sagen. Und ja, ein etwas grosszügigerer Parkplatz, nicht direkt neben einem Porsche, wenn es geht 😉