Posts Tagged ‘Spanien’

Sevilla und Cordoba

Dezember 12, 2015

Wir haben extra ein Zimmer etwas ausserhalb von Sevilla gebucht, der Verkehr im Innern sei sehr anstrengend. War er dort draussen auch, vorallem weil sie weitgehend auf Schilder verzichten. Immerhin haben die Ausfahrten Nummern, sogar der Reihe nach, kommt einfach nicht jede vor …  Auch hat die Karre mit mehr Beulen Vortritt und nicht die von rechts — soviel wurde mir noch nie Vortritt gewährt 😀 Auf der anderen Seite fahren anders als in Katalonien oder Huesca fahren nur sauteure Wagen mit überhöhter Geschwindigkeit, fand ich sehr stossend …

Sevilla hat eine schöne, protzige Kathedrale. Kolumbus liegt (vielleicht) drin und unzählige Schätze, die sie nach seiner Entdeckung Amerikas von dort abgeschleppt haben. Stolz präsentiert, hat ziemlich an den Vatikan erinnert. Ausserdem gibt es den Palast , Alcazar, noch etwas farbiger und vielseitiger als die Alhambra. Dorne aus Game of Thrones wurde teils dort gedreht und der Spanien-Platz hatte einen Auftritt in Star Wars. Dazwischen viele Kutschen und Gitarrenmusik.

Und zwar nicht von Hippies. In Sevilla ist man nämlich extrem schick und ziemlich antiquiert angezogen. Viel so Steppjacken die etwas nach Reiten aussehen. Steht ja auch Kavaliere auf den Herrentoiletten. Und Buben mit kurzen Hosen und Kniesocken, Mädchen so gut wie nie in Hosen, dafür auch mal schon als Kinder geschminkt. Und Unmengen von Kindern, wir sind mal in einen Trottoir-Stau mit acht Kinderwagen geraten … Ausserdem sind sie furchtbar ungezogen; Wir hätten ja auch Hotel vor dem Schlafen gehen weit nach Mitternacht noch etwas Gumpiball gespielt oder bisschen Steine über die Dächer vom Alcazar geschmissen — aber nicht vor den Eltern und die interessiert das hier einen Feuchten.

Abgesehen davon dass sie einem keinen Platz lassen, sind die Leute aber sehr freundlich. Und lustig: Eine ältere Frau in einer ruhigen Gasse am Telefon „hola, soy la Christina, buenas tardes!“ und drei gestandene Männer drehen sich prompt grinsend um „hola Christina, buenas tardes!“ 😀 Auch wissen sie Party zu machen. In den Bars um das Hotel waren Abends Flamenco-Konzerte und zum Frühstück ging soviel Brandy in Weisswein-Gläsern über die Theke, dass sie die Flasche gar nicht mehr versorgt haben. Ausserdem scheinen sie auch recht eifersüchtig zu sein, ich habe noch nie ein Detektiv-Büro angeschrieben gesehen und hier gleich mehrere mit riesigen Reklamen 🙂

Die letzte Nacht der Reise haben wir in Cordoba verbracht. Cordoba ist vielleicht etwas ruhiger und vorallem die Moschee. Sie sehen das natürlich anders und so haben wir Tortilla und Salmorejo (Tomaten-Brot-Suppe, Spezialität von dort, super) gegessen. Laut der Frau an der Reception besser als ihres, das ihrer Mutter oder ihrer Grossmutter und die Schlange zur Mittagszeit war immens (dreimal so lang wie für die Mezquita). War schon nett und ich schätze unterdessen auch Tortilla-Sandwiches, aber ich kann die Besessenheit der Spanier mit Tortilla nicht ganz nachvollziehen … Item, die Moschee ist grossartig. Die Gebetsnische und die Kuppel darüber wirklich wundervoll. Auf den Tickets steht aber Kathedrale (dachte schon wir wären falsch) und die ist eine Katastrophe. Haben sie in die Mitte vom stilvollen Gebetsraum geklotzt und ist unglaublich wüst. Hat sogar der König gemeint, der vor paar hundert Jahren den Umbau genehmigt hat …

Wir versuchen uns nun mehr schlecht als recht zu erholen. Donnerstag und Freitag war Postdoc Symposium; Berufswahl und mit jedem Schritt wird die Auswahl schwieriger (und je nach Wahl der Schritt noch viel mehr …). Dann direkt ans Weihnachtsessen; dieses Jahr in einem teuren Club am Strand, wo die fünf hundert Nasen gerade so reinpassen. Immerhin war Selbstbeweihräucherung so fast unmöglich und es war trotz wenig und nicht gerade tollem Essen ziemlich lustig 🙂 Heute ist leider nicht genug Wind zum Kiten, dafür haben Nachbarn den ganzen Tag ein Fest. Dummerweise kennen sie nur ein Lied und es ist erst noch richtig Scheisse … Immerhin haben wir Tannenzweige, Kerzen, Mandarinli und Panettone 🙂

Sommerloch II

Juli 14, 2015

Sie haben es also geschafft, Stes Vater und seine Freunde, Barcelona-Bern in rund 55 Stunden auf dem Rad! Haben erschreckend gut ausgesehen, erst beim Abendessen und nach unzähligen Bieren war die Luft draussen 😉

Der Internet-Techniker kam dafür nicht (aber die Hitzewelle blieb). Zum zweiten Mal. Immerhin hat beim diesem Termin jemand angerufen, sogar zwanzig Minuten vor dem Termin. Beim ersten Termin kam einfach keiner. Angeblich habe er am Samstag davor angerufen und weil ich nicht ran ging, kam dann einfach keine Sau. Nicht mal ein verpasster Anruf oder eine SMS. Heute kam er dann doch noch und konnte das regeln 🙂

Das beste war aber eigentlich das Vertrag-Abschliessen an sich. Ich musste zwar mit dem original Ausweis nochmal hin, aber sie haben dann meinen Namen falsch abgeschrieben, die Adresse vergeigt und irgendwie die Idee gehabt, dass ich Franzose bin. Sogar bei der Adresse haben sie Barcelona, Frankreich hingeschrieben … Umso erstaunlicher dass ich jetzt auf dem Sofa sitze 🙂

Dafür haben wir die Waschmaschine selber geflickt, aber die ist ja auch Made in Germany 😉 Man musste lediglich den Riemen wieder einhängen; so ungefähr wie beim Fahrrad die Kette. Beim ersten Waschgang hat sie noch etwas seltsam gequietscht, jetzt hat sich der Riemen aber anständig reingerangt.

Ausserdem hatte ich noch die Frechheit, an meinem Institut zwei Vorschläge zu machen, eine e-Mail wurde sogar gelesen, aber soviel Apparatschik-Abwherhaltung habe ich noch nie erlebt; weder als Repräsentant des Mittelbaus im Krieg mit den Herren Professoren in Basel, noch im Militär wo ich wegen meiner grossen Klappe trotz allen positiven Beurteilungen nie befördert wurde — überall wurde zumindest hingehört und dann vielleicht wegen praktischen Einwänden doch nichts unternommen, aber hier wird wird entweder das e-Mail nicht gelesen oder dann das Problem an der Wurzel gepackt und jegliche Argumentation völlig lächerlich in der Luft zerrissen …

Und jetzt ab in die Schweiz, die Fahrräder zurück bringen und so 🙂 Bitternötig. Endlich schlafen unter Laken statt in Lachen!

Weihnachten

Dezember 24, 2014

Die Wäsche will zwar nicht mehr recht trocknen (nimmt nur immer mehr Fischaroma an), aber draussen ist es immer noch gut zehn Grad. Drinnen leider auch. Dafür mit echtem Weihnachtsbaum. Wir konnten unsere Mitbewohner auch fast von anständigen Kerzen überzeugen … Gibt es scheints ausserhalb von Österreich und der Schweiz nicht. Hat auch keiner einen Feuerlöscher zuhause, und wenn man fragt wo es das gibt fragen alle nur wozu? Die Elektroinstallationen sind ja wie neu, gekocht wird mit Gas und geheizt mit kleinen Öfen. Was war eigentlich der Elektriker von Beruf? Die Feuerwehr ist ja auch nur ein paar (tausend, verwinkelte) Ecken weg und der am Telefon versteht garantiert Spanisch. Oder Katalanisch.

Ansonsten ist die Dekoration recht mager, am Institut und im Rest vom Haus gar nichts. Barcelona spielt ganz vorne bei der geschmacklosesten Beleuchtung überhaupt mit. Ausser am einen Markt, da haben sie ganz liebevoll einen halben Meter Lichterketten um die Pfosten gewickelt, wie Nato-Draht … Auch abgsehen von der Dekoration will nicht wirklich Adventsstimmung aufkommen. Es ist weder kalt noch dunkel. Zusaetzlich ist man sich Barcelona im Dunkeln auch ganz gut gewohnt …

Hmhm

Trotzdem ist die Stadt voller (Einkaufs-)Touristen. Wohl hauptsächlich aus dem Umland und die sind sich auch nicht zu doof um einen ganzen Block an zu stehen für ein paar vergünstigte Takeaway-Nudeln am Blackfriday. Weil Strand nicht doch nicht mehr ganz so attraktiv ist, sieht man oft nicht über die Strasse, an der wir leben. Und die ist gerade mal drei Meter breit … Besonders gäbig wenn man noch ein Ikea-Gestell dabei hat.

Item, Mandarinli sind hier herrlich, aber spanische Nüssli kaum zu finden. Weihnachtsgüetzi sowieso nicht, nicht mal Zutaten wie gemahlene Nüsse oder Puderzucker (so verzweifelt sind wir …). Immerhin Grittibänze haben wir halt selber gebacken und mit Kollegen ein anständiges Chlouseznacht gemacht 🙂

Dafür sind hier Krippen angesagt. Und zwar realistische, was bedeutet dass auch immer einer am Scheissen ist. Der hat sogar einen Namen, Caganer. Sei auch ein Symbol für den Zyklus des Lebens und Dünger. Neuerdings ist auch einer am Seyken, der Pixaner. Dann gibts noch den Cagatio, ein Holzklotz, der in der Adventszeit brav zugedeckt und gefüttert wird. Nur um in dann am Dreikönigstag mit einem Stock zu verprügeln, bis er die Geschenke (oder eine graue Süssigkeit, das Pendant zur Rute) scheisst. Eingen Guten wünscht man sich mit menja bé, caga fort i no tinguis por a la mort!“ (‚Iss gut, scheiss kräftig und fürchte dich nicht vor dem Tod!‘).

Mit meinem Katalanisch-Kurs läuft es übrigens auch langsam besser; sprich ich muss nicht mehr jedesmal eine Stunde spazieren gehen um mich zu beruhigen. Nichts macht einen Sprachkurs unerträglicher als eine Horde übermotivierter Jungmütter, die jeden Scheiss super finden … Wir sind auch nicht mehr bei Verwandschaftsgraden, die ich nicht mal auf Berndeutsch kenne. Putzen und Sternzeichen sind zwar auch nicht viel alltagstauglichere Themen (merke ich jeweils, wenn ich nicht auf Englisch erzählen kann, was wir gelernt haben), aber führen zu erstaunlich lustigen Lektionen in der kleinen Gruppe 🙂

Und Weihnachtsessen sind des Weiteren auch angesagt. Mit unterirdischen Präsentationen. Unser Direktor hat Zahlen präsentiert, Demografie und so — obwohl die kurz davor per e-Mail kamen. Und der CEO hat ein gutes Duzend CAPSLOCK-SLIDES runter gelesen. Erst haben alle gelacht, dann wurde uns klar: die meint das ernst! Ihr Englisch ist aller Exzellenz zum Trotz dermassen schlecht, dass man sie ohne Folien schlicht nicht verstanden hätte. Kann auch nicht schaden. Tapas und Ente waren aber vorzüglich. Zum Dessert gab es erst ein ewig langes Lotto — das Weihnachtslotto Spaniens ist wohl das Grösste der Welt, ebenfalls mit unheimlich vielen Preisen und die werden dann noch aufgeteilt — und den traditionellen Dance-your-Lab-Videobewerb. Wäre unsere Gruppe nicht etwas hinten gehockt hätten wir mit unserer Loituma-Version glatt gewonnen 🙂 Die wollten drum gerecht sein und hatten einen Schallpegelmesser auf der Bühne … In diesem Sinne frohe Festtage!

Madrid

Oktober 18, 2014

Wegen einer Konferenz war ich etwas in Madrid. Hier gehen die Leute aus dem Weg, wenn man Fotos machen will und es wird konsequent Spanisch geantwortet. Immerhin verstehen die meisten etwas Englisch und sprechen recht klar. Sie seien viel offener hier, als in Barcelona. Dafür gehen sie einfach durch einen durch. Sehr sorgfältig gekleidet, aber furchtbar altmodisch. Hoffe das ist nicht der nächste Trend … Hoffentlich setzen sich auch gesponserte Metro-Linien nicht durch. Nägschter Halt Organe Bäreplatz, nei merci.

Uhren

Vor der Konferenz waren wir noch etwas reduziert, weil manche noch auf ihre Fliegen aufpassen mussten. So habe ich versucht, mich noch etwas zu erholen. Nicht ganz einfach, im Hostel läuft so einiges und Vereinzelte tanzen bis gegen Mittag vergnügt neben ihrem Ghettoblaster in den Strassen 😉

Samstag haben wir uns das Nationalmuseum gegeben. Voller alter Meister. War Dank der Königshäuser recht international und hatte auch paar Sachen, die mir gefallen haben. El Greco oder Szenen aus Werkstädten, wie man sie sonst eher aus der Sowjetunion kennt, als aus dem Mittelalter. Auf einem Bild von Rubens schmieden sie Blitze für Jupier. Ziemlich klassisch, bis auf den Blitz, voll „->“, wie in einem Comic. Und dann war da noch Hieronymus Bosch, hier als el Bosco bekannt. Viel Phantasie, Farben und Ironie — wie es sein muss 🙂

Sonntag der nächste Nationalfeiertag. Erfrischend wenig Fahnen, dafür umso mehr Militär. Habe sogar den König zur Parade fahren sehen. Aber eigentlich haben sie schon vor allem gemacht, was Soldaten am besten können: gewartet. Mit bisschen Männchen schlagen, rumdrehen, riegeln und singen. Irgendwann durften sie dann mit ihren Santana Land-Rover-Kopien vorfahren und die den Franzosen abgekupferten Legionäre hinten drein rennen. Dazwischen marschierten jede Menge Truppen, bis mit Skiern. Durfte ich mich für einmal nicht allzu deplaziert fühlen, mit meiner Skijacke 🙂 Die mussten am meisten Viva Espana schreien. Ein Schelm wer denkt, weil alle aus den Pyrenäen dort landen?

Guardia Civil

Dann wieder die volle Dröhnung Kultur: Gusgus, Brauerei, Microtheater, Jazz. Herrliches Bier machen die Deutschen auch hier. Die Theater waren in den kleinen Kellerabteilen einer ehemaligen Metzgerei und dauern jeweils eine Viertelstunde. Erst ein Beziehungsdrama, nur das Fluchen verstanden, dann eine schockierende Geschichte und darauf ein lustiges Stück über einen Kunstraub im Haus eines Schlafwandlers. Jazz war an Xavis Geburtstag, sein Cousin hat gespielt.

Maureen Choi Quartet

Die Konferenz war ganz inspirierend, gegen Ende etwas gar viel Selbstbeweihräucherung. Zum Glück haben die Stammzellen-Vorträge ein paar Nischen für weitere Museen geboten 😉 Dann im Zug mit fast dreihundert Sachen zurück heizen und ab an die Postdoc Retreat. Überraschung: Kaderstellen (und interessante Stellen an Neuen, geheimen, Projekten) werden oft gar nicht ausgeschrieben und dafür schauen sich Rekrutier ohne Ahnung als erstes die Lebensläufe an, entsprechend wichtig ist Networking und Sichtbarkeit.

¿Spanisch?

April 22, 2014

So, nun bin ich also bis und mit beim Hausarzt-Zentrum angemeldet. Es fehlt nur noch ein (natürlich freiwilliger) Antrag auf schnellere Verlegung meiner Residenz nach Spanien, denn hier kommen alle Zuziehende in den Genuss von pauschalen 25% Einkommenssteuern während den ersten sechs Monaten. Fast das Doppelte von dem was danach für mich fällig wird … Da könnte vielleicht sogar Zug noch etwas lernen?

Apropos lernen, heute über den Mittag hatte ich meine erste Spanisch Lektion, um meine scheuen Efforte mit Comics, einem mehrsprachigen Museums-Katalog zu kontemporärer chinesischer Photographie und Filmen zu unterstützen. Ich könnte nun mit allem drum und dran sagen, wie ich heisse. Aber war trotzdem lustiger, als alleine ein Buch zu studieren.

Aber leider ist das wohl zwecklos, weil meine Motivation noch nie kleiner war (und das will etwas heissen). In den paar Wochen hier gab es noch keine Situation, wo ich gerne Spanisch gekonnt hätte, hingegen schon viele, wo ich ganz stolz war, dass ich keines kann 😉 Während in Läden zumindest die etwas Jüngeren mit „a little bit“ auf die Frage nach Englisch antworten, heisst es auf Ämtern erst mal grundsätzlich „No“. Manchmal kommt dann später trotzdem was, wie zum Beispiel „How long you stay here?“ Da die Damen meine Aufenthaltsbewilligung von Ende März vor sich hatten, antwortete ich auf die nicht gerade eindeutige Frage mit “ ich werde ein paar Jahre bleiben, vielleicht“. Darauf war sie ganz entsetzt, ein paar Jahre hier und noch kein Spanisch? Ich dachte mir nur „drei Erwachsene und nur Spanisch.“ und war sauer für den Rest vom Tag …

Überhaupt ist hier Spanisch ein zuverlässiger Prädiktor für ein bisschen Stimmungsschwankungen. Die übermotivierte Erasmus-Studentin, die nicht wahrhaben will, dass an ihrem Tisch eigentlich niemand wirklich Spanisch kann und dafür alle dieselbe Muttersprache hätten. Oder neue Wissenschaftler am Institut, die gerademal ausschliesslich „si“ und „no“ können und das dafür umso exzessiver von sich geben, wenn sie Einheimische auf Englisch schulen müssen, weil man mit keinen zwei Wörtern extrem viel zu Arbeitssicherheit sagen kann.

Diese Schulung war übrigens auch völlig unterirdisch. Offenbar sollte man sich in Spanien Bürostuhl und Arbeitsplatz so einrichten, dass man sich den ganzen Tag ja kein bisschen bewegen muss. Und im Notfall soll man die Treppen in Inneren des Gebäudes benutzen, mit den dicken Türen, die nur mit Batch aufgehen und ja nicht die übersichtlichen Treppen draussen, die sind nämlich kein Notausgang. Klar.

Dummerweise wäre es ab und zu schön Katalanisch zu verstehen … In Organya. Oder mit den Freunden von dem Kollegen der hier aufgewachsen ist. Leider haben wir letztes Mal gegen Real schlecht gespielt und verdient verloren 😉

Somit hätte ich ein Ziel, der Weg liegt aber noch völlig im Dunkeln. Es gibt zwar ein paar online Kurse, aber wenn da drei verschiedene Sätze für „Wer bist denn Du?“ stehen, kriege ich eine Krise — das habe ich wohl in keiner Sprache jemals brauchen können … Bier bestellen würde zwar hinten im Reiseführer stehen, brauche ich auch nicht zu lernen, dafür reichen meine Pfoten bestens. In einer Buchhandlung habe ich einen Lehrgang für Erwachsene gefunden und zufällig bei einem Lückentext aufgeschlagen. Mal abgesehen davon dass ich schon als Kind bei sowas kotzen musste, sollte man da ein einziges Adjektiv jeweils in männlicher oder weiblicher Form einsetzen …

Nachtrag: Das Mail mit den „Homeworks“ ist direkt im Spam gelandet — Google kennt mich wirklich langsam zu gut …

Essen

April 13, 2014

Gestern war in der Bar unter meinem Schlafzimmer ein Geburtstag, zumindest wurde alle paar Lieder wieder etwas mit der Happy-Birthday-Melodie angestimmt. Dazwischen Sierra-Madre (dini …) und Cantare (o nid besser), also habe ich die Flucht ergriffen.Hier ist unterdessen warm. Und das bedeutet voll Touristen (und Sonnenbrände :D). Dichtestress beim Morgestraich ist ein Kinder********* dagegen. Immerhin war gestern der erste Tag, an dem ich kein Schweizerdeutsch gehört habe (im Gegensatz zum Abstimmen können wir offenbar noch Ferien machen). Ich bin dann im Gracia gelandet, einem Dorf das von der Stadt verschluckt wurde. Es habe seinen Charakter beibehalten — ich kann mir aber schlecht vorstellen, dass es da vor hundert Jahren auch schon nach Räucherstäbchen, Reformhaus und Vollkorn-Zigaretten gerochen hat. Auf der Suche nach einer 25’000er Organya-Karte wurde ich vom Sportgeschäft zu einer Buchhandlung geschickt. Nach der Beschreibung bin ich bei einer Buchhandlung, die auf Engel spezialisiert ist gelandet. Paar mal davor hin und her getigert, dann entschieden dass die kaum so etwas Weltliches führen werden und siehe da, 10 Meter weiter war eine sehr gute Reisebücherei. Auf jeden Fall sehr malerisch und man kann erst bei Mushi Mushi Kleider kaufen und dann im La Trini etwas essen gehen 😉

Genau, eigentlich wollte ich über Essen schreiben. Spanien sei das europäische Land, das am wenigsten Brot esse. Nicht wirklich erstaunlich. Es gibt im Prinzip Baguette in allen Formen und Farben; Faustregel: je exotischer das Äussere, desto weniger frisch das Innere. Ausnahme-Bäckereien bestätigen die Regel (und seien angeblich im Kommen, natürlich vor allem im Wullesöckler-Quartier Gracia). Dafür kann man bei Schinken nichts falsch machen, Käse ist auch sehr gut. Ich hatte zum Beispiel französischer Emmentaler-Verschnitt, ganz anständig. Parmesan, Gerierzer findet man. Spanischer Käse ist auch fein, vielleicht etwas weniger Abwechslungsreich und etwas sauer.

Schokolade ist hier flüssig und sehr heiss. Darin tunkt man Xurros, frittierte, „längliche Krapfen mit Sternquerschnitt“ (Wikipedia). Im Moment eine super Sache, März ist wohl der spanische April und es kann noch saumässig kalt werden … Mitgebrachter Schokolade ergeht es noch roher — die verdampft im Büro regelrecht 😉

Ansonsten isst man hier öfters mehrere, im Extremfall „Tapas“ ausschliesslich, kleinere Gänge. An sich sympathisch, aber bietet Potential zum Ausufern … Letztens gab es in der Mensa triefende, frittierte Kartoffeln mit Würstchen und Spiegeleiern zur Vorspeise, dann so ein Kartoffelstock, der nicht Kartoffelstock war und dafür umso salziger, mit Tintenfisch gefüllt mit Hackfleisch, Meeresfrüchten und Oliven. Tja, manchmal fragt das Leben ob man ein Mann oder ein Schmetterling ist und dann kann man sich halt für den Rest vom Tag nicht mehr bewegen …

Man kann aber auch sehr fein auswärts essen. Insbesondere am Mittag zu vernünftigen Preisen, da gibt es eigentlich überall Menüs. Typisch katalanisch sei die Kombination von süss und salzig. Neben dem Lokalen gibt es auch Exotischeres, zum Beispiel Empanadas (leider habe ich noch keine Frittierte wie in Chile gefunden) oder im Steakhouse, wo ein Pole vom Institut zu seinem Essen nur gemeint hat „I ordered medium, this is large!“

Zum Trinken bin ich noch nicht so fest gekommen — das konnte auch das Barcelona Beer Festial nicht ändern, um ein ganzes Museum Schlange stehen geht dann doch nicht (und der Rugby-Spieler vom Institut war schon drin). Die in der Bar offenbar auch zuwenig, sonst hätten die heute morgen um zwei nicht mehr singen können …

Barcelona Skurril

April 1, 2014

Meine häufigen, ausgedehnten Spaziergänge haben mich zwar noch nicht zum Dali- oder Miro-Museum geführt, aber ich kann durchaus verstehen, dass Barcelona Surrealisten inspiriert hat. Aus aktuellem Anlass hier ein paar Müsterli 🙂

Strasse

Wenn ich zum Beispiel mit meinem Rucksack, der ja schon gross ist, aber nur etwa halb so gross wie ich, durch Barcelona gehe, da werde ich angeschaut wie mindestens von einem anderen Planenten. Aber wenn da zwei kleine Mädchen, sicher keine zwölf Jahre alt, mit doppelt so grossen Surfbrettern auf die Metro warten, ist das das Normalste von der Welt!

Über die Exotik meiner grünen Skijacke brauchen wir gar nicht erst zu sprechen, obwohl mitten in der Stadt eine Ski bar steht. Die sieht aber von aussen ziemlich edel aus (ganz im Gegensatz zum alpinen Pendant …). Dorthin führt eine Gasse voller Lampenläden mit Namen wie Obelux und Abelux (Lux ist Katalan für Licht). Auch immer noch überraschend sind die Gesundheitsläden, mit Yogi-Teeli und Räucherstäbchen direkt neben riesigen Bodybuilder-Protein-Dosen im Schaufenster. Manchmal spielt ein Orchester vor der Kirche und PassantInnen tänzeln dazu sehr ernst im Kreis um Ihre Rucksäcke und Mäntel herum (und wer nicht tanzen kann, der schwingt halt eine Katalonien-Fahne im Takt).

Sonntag wollte ich mir Captain America ansehen. Der Film ist hoffentlich so gut, dass ich auch ohne Spanisch zu verstehen Spass habe und bei synchronisierten Filmen besteht immerhin die Chance, dass langsam genug gesprochen wird, so dass ich allenfalls sogar etwas aufschnappen könnte.  Da ist aber schon nachmittags um fünf die halbe Mall angestanden (und es wurde immer schlimmer), so bin ich halt am Strand entlang nach Hause spaziert. Direkt hinter dem Hilton. Dort werden Wolkenkratzer und Autobahnen aus dem Boden gestampft und direkt am Stand ist vor Allem ein riesiger Parkplatz und es hat nach Industrie oder Kehrichtverbrennung gestunken. Ungefähr so stelle ich mir eine chinesische Industriestadt vor.

Sportgerät

Ausserdem wurde ich heute offiziell von der Administration willkommen geheissen, sprich mir wurden eine Stunde lang Werbe-Filmli gezeigt. In meinem Liebling werden die Departemente des Zentrums vorgestellt und dazu rennen und klettern Kinder durch die Gegend — das haben Andere auch schon besser hingekriegt … Dann wurden uns noch so wichtige Büros wie das für Radioaktivität gezeigt und das Gesundheitswesen/Ferienregelung/… etwas erklärt. Zugangskarte, e-Mail oder Vertrag haben wir natürlich immer noch nicht, trotz provisorischem Diplom. Aber ist ja kein Problem, weil auch zukünftige Angestellte bereits gratis Rechtsbeistand geniessen — dachte ich, Arbeitsfragen sind jedoch explizit ausgenommen 😀